Archiv für ‘Frauenfakten’
Monday, June 9th, 2008 von Barbara
Die EU-Kommission sorgt für Fakten: Im Schnitt werden Frauen in Deutschland um 22 Prozent schlechter bezahlt als Männer, sagte EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla in einem Interview mit der Welt. Und weiter:
“In Deutschland liegt der durchschnittliche Stundenlohn von Frauen um rund 22 Prozent unter dem der Männer. Damit gehört Deutschland zu den Staaten mit der größten Ungleichheit bei der Bezahlung von Männern und Frauen.”
Das liegt keinesfalls an ihrer Qualifikation:
“Obwohl die Frauen in der EU besser ausgebildet sind als Männer, sind sie schlechter bezahlt, ihre beruflichen Karrieren sind kürzer und verlaufen langsamer.”
Der Grund für die ungleiche Bezahlung ist nicht überraschend: Viele Frauen arbeiten Teilzeit, was ihre Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt schmälert. Und warum machen sie das? Wegen der Familie.
“Elternschaft senkt die Erwerbsquote von Frauen dauerhaft, die von Männern dagegen überhaupt nicht - das ist nicht länger akzeptabel.”
Tags: Kinder kriegen
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Thursday, May 15th, 2008 von Susanne
Vorletzte Woche sah ich auf Arte eine sehr gute und erschütternde Reportage über Mädchen und Frauen in Indien. Jetzt ist die Dokumentation auch endlich online zu sehen. Sie zeigt die ganze Komplexität des Themas: dass weibliche Föten abgetrieben werden, weil nach indischem Recht Frauen nicht erben können. Stattdessen steigen die Erwartungen an die Mitgift einer Braut mittlerweile ins Unermessliche. Und je weniger Frauen es in Indien gibt, desto weniger Mitspracherechte haben sie auch.
Organisationen wie Save A Girl Child kämpfen dagegen an, dass Mädchen in der indischen Gesellschaft so missachtet werden. Sie filmen mit versteckter Kamera in Abtreibungskliniken. Sie unterstützen Frauen, wenn diese ihre Tochter nicht abtreiben. Sie bringen Ärzte vor Gericht, die neugeborene Mädchen auf Geheiß der Eltern “verschwinden” lassen. Sie veranstalten Geburtsfeste auch für Mädchen, obwohl diese normalerweise nur bei der Geburt eines Jungen stattfinden.
(Foto über Arte)
Tags: Abtreibung, Gewalt gegen Frauen, Indien, Sauereien, Video
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Saturday, May 10th, 2008 von Barbara

Die Zeit hat in diesen Tagen eine neue Edition veröffentlicht, die Rede ist von “Lenker und Gestalter”, den Menschen, die die Bundesrepublik prägen und geprägt haben: “Von Konrad Adenauer bis Helmut Kohl, von Alice Schwarzer bis Günter Grass. Die Zeit präsentiert zwölf große Politiker, Denker und Unternehmer, die das Land bewegten.” Unter diesen zwölf befinden sich zwei Frauen, Alice Schwarzer und Marion Dönhoff. Zwei aus zwölf ist eine magere Quote - welche Frauen fehlen hier? Zur Einstimmung noch mal die Vorrede der Herausgeber:
“Wer macht Geschichte? Diese Frage beschäftigt auch Historiker immer wieder von Neuem. Längst befassen sie sich dabei nicht mehr nur mit den großen Herrschern, Lenkern und Gestaltern, sondern betrachten historische Ereignisse auch von unten, untersuchen Ideen, Mentalitäten und Überzeugungen. …”
Tags: Medienthemen
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Thursday, May 8th, 2008 von Barbara

Warum erst als Teenager die Pille nehmen, wenn es auch schon früher geht? Vorgestern berichtete die Techniker Krankenkasse über den Pillenkonsum von Elfjährigen in Bayern.
Immer mehr junge Mädchen aus Bayern schlucken die Antibabypille: Jedes dritte Mädchen im Alter zwischen elf und 20 Jahren bekommt mittlerweile die Pille verschrieben. Vor sieben Jahren war es noch jedes vierte Mädchen, so eine aktuelle Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) unter ihren Versicherten. Die Anzahl der abgegebenen Packungen stieg laut TK-Statistik zwischen 2000 und 2007 um 54 Prozent.
Bis zum 20. Geburtstag übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Pille. Doch es wird nicht jedem Mädchen dazu geraten:
Wer beispielsweise die Pille nimmt und gleichzeitig raucht, hat ein höheres Risiko für Embolien, die auch schon in jüngeren Jahren auftreten können. Auch wenn ein Mädchen familiär belastet ist, sollte sie sich über ihr persönliches Risiko genau beraten lassen.
Ein Grund für den frühen Hormonkonsom sei das frühe und offensive Umgehen mit Sexualthemen. Die Mädchen wollen keinesfalls ungewollt schwanger werden. Dabei vergessen sie aber, dass die Pille erstens weder vor HIV noch vor Gebärmutterhalskrebs und anderen Krankheiten schützt, und dass die Pille zweitens den Körper mit Hormonen vollpumpt. Und noch was: Sex vor 14 ist strafbar; vgl. § 176 des Strafgesetzbuches.
Tags: Pharma-Alarm, Pubertätsgeschichten, unsere Körper
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Monday, May 5th, 2008 von Susanne
Die Deutsche Bank hat eine große Studie veröffentlicht, mit Prognosen für die weibliche Zukunft im Berufsleben: Sie verdienen im Jahr 2020 mehr Geld, besetzen Spitzenjobs, können Familie und Beruf perfekt vereinbaren. Das Interessante an der Studie: Der Prognose zufolge kommt der Wandel fast von alleine.
Gründe für diesen Optimismus sind laut Studie:
- Demografischer Wandel: Weil immer mehr Arbeitskräfte benötigt werden, können die Unternehmen gar nicht anders, als verstärkt auf Frauen zu setzen.
- Virtuelle Vernetzung: Wissensbasierte Tätigkeiten werden immer häufiger in Projektarbeit erledigt. Dies führt zur Verbreitung flexibler Arbeitszeitmodelle.
- Soft Skills: Soziale Kompetenzen wie Kooperation und Kreativität gewinnen an Bedeutung.
- Mentalitätswandel: Über die Jahre hinweg wird es immer normaler, dass Männer ihre Kinder betreuen - und Frauen in Spitzenpositionen arbeiten.
In acht Punkte zusammengefasst, würden wir im Jahr 2020 so leben:
- Beruf und Familie lassen sich besser miteinander vereinbaren.
- Mehr Frauen, vor allem Mütter, sind berufstätig.
- Männer und Frauen teilen bezahlte und unbezahlte Arbeit gleichmäßiger untereinander auf.
- Die Telearbeit zuhause boomt. Die Unternehmen sparen dadurch Kosten, zum Beispiel bei der Büromiete.
- Die Geburtenrate steigt.
- Frauen studieren zunehmend naturwissenschaftliche und technische Fächer.
- Die Reallöhne von Frauen nähern sich denen der Männer an.
- Der Anteil von Frauen in Führungspositionen erhöht sich.
Na dann.
Tags: gute Neuigkeiten
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Friday, May 2nd, 2008 von Susanne
Der Spiegel entdeckt mal wieder die Frauen. Diesmal in der europäischen Politik. Und weil die Autorin des Spiegels anscheinend nicht glauben kann, dass die Damen durch ihre Politik auf sich aufmerksam gemacht haben, fängt der Artikel zum Thema dann auch so an:
Die Wende kam schleichend, doch sie ist nicht mehr zu übersehen. Plötzlich sind die fadesten Politiker-Gruppenfotos bunt. Die neuen Ministerinnen blitzen mit fuchsienfarbenen Kostümen und wohlfrisiert zwischen all den Anzug-und-Krawatte-Uniformen hervor.
Im weiteren Text geht es dann aber glücklicherweise doch noch um die Frage, wie europäische Politikerinnen ihrer Ämter walten: wie die deutsche Familienministerin Ursula von der Leyen Millionen für den Krippenausbau durch das Kabinett drückt, wie die spanische Verteidigungsministerin Carme Chacón hochschwanger Paraden abnimmt, oder dass der französische Präsident Nicolas Sarkozy einem Kabinett vorsteht, von deren 32 Mitglieder elf Frauen sind.
Außerdem zitiert der Spiegel Zahlen aus einer Studie der Interparlamentarischen Union. Was ich hier gern auch mache, weil die Zahlen sehr interessant sind:
- Weltweit sind 17 Prozent der Abgeordneten weiblich - sieben Prozentpunkte mehr als vor zehn Jahren.
- Die EU liegt in Sachen politischer Chancengleichheit über dem Durchschnitt: 1997 saßen 16 Prozent Frauen in Parlamenten der Europäischen Union, heute ist knapp ein Viertel weiblich. Europas Spitzenreiter sind Schweden, Finnland und die Niederlande - die Schlusslichter Ungarn, Rumänien und Malta (siehe Grafik).
- Bei der Verteilung der Ministerjobs innerhalb Europas geht es höchst unterschiedlich zu: Griechenland und die Türkei haben jeweils nur eine Frau in der Regierung, die Slowakei zwei - in der finnischen Regierung sind zwölf von zwanzig Kabinettsposten weiblich besetzt.
- Frauen rücken zunehmend in die Regierungen ein, wenn man den europäischen Durchschnitt betrachtet: Heute ist fast ein Viertel der Kabinettsposten in Europa mit Frauen besetzt; Mitte der Neunziger waren es noch 16 Prozent.
(Dank an Mareke für den Link)
Tags: Europa, im Politikbetrieb, Quoten, Vorbilder für Deutschland
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Tuesday, April 29th, 2008 von Susanne
So ist der dritte Teil der großen Brigitte-Studie überschrieben, der sich mit den Vorstellungen und Wünschen junger Frauen in Sachen Liebe und Beziehungen beschäftigt. Hier mal auf die interessanten Stellen für euch zusammengedampft:
- Einen öden Typen heiraten, nur um abgesichert zu sein? Das lehnen Frauen heute dankend ab.
- Die alten Männerbilder verblassen. Der Versorger, der Beschützer, der Göttergatte, dem die Frauen ihr Leben unterordnen? Das war einmal. 97 Prozent finden, dass ein ausgewogenes Verhältnis von Geben und Nehmen eine gute Beziehung bestimmt.
- “Was Männer und Frauen von einer guten Beziehung erwarten, ist nahezu deckungsgleich”, hat Prof. Jutta Allmendinger durch eine Vergleichsstudie mit Männern herausgefunden. Kampf der Geschlechter? Den gibt’s eigentlich nur noch auf dem Papier. Bleibt die Frage, warum es in Partnerschaften so oft nicht klappt. Vielleicht, weil trotz der Übereinstimmung der Wünsche so viele Missverständnisse über das andere Geschlecht existieren.
- Wie groß die Macht der Stereotype ist, hat selbst Expertin Jutta Allmendinger überrascht.
- Männer reden nicht über ihre Gefühle! Das sagen mehr als 80 Prozent. Sie halten Männer für sexgierig und desinteressiert an verantwortungsbewussten Beziehungen. Dabei ist das falsch, die Untersuchungen belegen etwas ganz anderes: Partnerschaft ist für Männer sogar wichtiger als für Frauen!
- Der Irrtum ist, dass Frauen und Männer zu wissen glauben, was das andere Geschlecht bewegt. Ihre Fehleinschätzungen überprüfen sie nur selten an der Wirklichkeit.
- Ob im Beruf oder in den Medien - überall fehlen runderneuerte positive Männervorbilder.
- Die Frauen erwarten, dass sich etwas ändert, ihr Märchenprinz ist nicht länger der Karrieretyp oder der Versorger. Der Traummann der Zukunft übernimmt vor allem Verantwortung fürs gemeinsame Kind. Nur als Väter sind Männer noch Helden.
Tags: Liebe heute, Mädchenträume, neue Männer
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Thursday, April 24th, 2008 von Barbara
Betagte Single-Damen leben in Armut, titelte die taz gestern. Ihr Leben lang haben sie für andere gekocht, den Boden gewischt oder die Hemden gebügelt, nun droht ihnen ein Lebensabend ohne Geld. Weil die typisch weibliche Arbeit nicht entgeltet wird. Und so malt die Statistik für alte Frauen kein rosiges Bild:
Altersarmut ist kein geschlechtsneutrales Problem. Sie ist vor allem weiblich. Von den 370.500 über 65-Jährigen, die von Sozialhilfe leben, sind rund zwei Drittel Frauen. … 35,7 Prozent der Frauen erhalten zwischen 600 und 750 Euro pro Monat. Mehr als ein Drittel der Frauen liegt sogar noch darunter. Bei den Männern erhalten immerhin rund 60 Prozent eine Rente zwischen 900 und 1.500 Euro.
Die 76-jährige Österreicherin Elisabeth Hellmich hat über die Sorgen von alten Frauen promoviert, ihr Buch “Forever young? Die Unsichtbarkeit alter Frauen in der Gegenwartsgesellschaft” ist 2007 im Milena Verlag erschienen.
Tags: Haltung statt Posen
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Wednesday, April 23rd, 2008 von Susanne
In einem aktuellen Report von Human Rights Watch kommt die Autorin Farida Deif zu dem Schluss, dass saudi-arabische Frauen weniger Rechte haben als Kinder in westlichen Ländern. Denn Frauen müssen sich für jede einzelne Entscheidung in ihrem Leben die Erlaubnis eines Mannes einholen und bei jedem Schritt, den sie tun, eine männliche Begleitung dabeihaben. Farida Deif sagt: “Für saudische Frauen bringt das Erwachsenenleben keinerlei Rechte mit sich, nur Pflichten.”
So bleibt den Frauen der Zugang zum öffentlichen Leben weitestgehend verwehrt. Human Rights Watch empfiehlt deshalb dringende Reformen, unter anderem in Bezug auf die Rechte von Frauen im Gesundheitssystem, auf Bildung und auf Zugang zu öffentlichen Gebäuden.
Tags: Frage der Freiheit, Islam, Saudi-Arabien
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Tuesday, April 15th, 2008 von Susanne
Die Süddeutschen Zeitung berichtete heute: Die italienische Künstlerin Pippa Bacca wurde auf ihrer Reise durch die Türkei vergewaltigt und umgebracht. Ihr Tod löste in der Türkei eine Diskussion um den Umgang der Gesellschaft mit Vergewaltigungen aus:
Es ist eine Debatte über Machismo und Gewalt gegen Frauen, grausame Traditionen und das Wegschauen von Justiz und Gesellschaft. Hätte das überall passieren können, eine solche Vergewaltigung, ein solcher Mord? “Stimmt schon, Vergewaltiger gibt es überall”, schreibt der liberale Kolumnist Can Dündar am Montag in der großen Zeitung Milliyet: “Aber vermutlich werden sie nur in der Türkei gedeckt.”
Tatsächlich seien in türkischen Gerichten immer wieder zu milde Urteile verhängt worden oder der Vergewaltiger ganz freigesprochen. Die Begründungen lauteten dann: “Der Gerichtsmediziner war zu dem Ergebnis gekommen, dass das Mädchen keine seelischen Schäden davongetragen hatte.” Oder: “Das Opfer habe schließlich früher eine sexuelle Beziehung zu dem Angeklagten gehabt.”
Viele türkische Richter würden nur ganz langsame Fortschritte in ihrem Rechtsverständnis machen. Aber auch der Staat hinke noch hinterher: Erst im Zuge der EU-Anpassung 2004 wurde beispielsweise ein Artikel aus dem türkischen Strafgesetzbuch gestrichen, der einem Vergewaltiger Straffreiheit ermöglichte, wenn er einwilligte, sein Opfer zu heiraten!
Tags: Diskussionen, Gewalt gegen Frauen, Türkei, vor Gericht
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