Archiv für ‘Frauenfakten’

Alt macht unsichtbar

Thursday, April 24th, 2008 von Barbara

(c) dpa über taz Betagte Single-Damen leben in Armut, titelte die taz gestern. Ihr Leben lang haben sie für andere gekocht, den Boden gewischt oder die Hemden gebügelt, nun droht ihnen ein Lebensabend ohne Geld. Weil die typisch weibliche Arbeit nicht entgeltet wird. Und so malt die Statistik für alte Frauen kein rosiges Bild:

Altersarmut ist kein geschlechtsneutrales Problem. Sie ist vor allem weiblich. Von den 370.500 über 65-Jährigen, die von Sozialhilfe leben, sind rund zwei Drittel Frauen. … 35,7 Prozent der Frauen erhalten zwischen 600 und 750 Euro pro Monat. Mehr als ein Drittel der Frauen liegt sogar noch darunter. Bei den Männern erhalten immerhin rund 60 Prozent eine Rente zwischen 900 und 1.500 Euro.

Die 76-jährige Österreicherin Elisabeth Hellmich hat über die Sorgen von alten Frauen promoviert, ihr Buch “Forever young? Die Unsichtbarkeit alter Frauen in der Gegenwartsgesellschaft” ist 2007 im Milena Verlag erschienen.

Weniger Rechte als ein Kind

Wednesday, April 23rd, 2008 von Susanne

In einem aktuellen Report von Human Rights Watch kommt die Autorin Farida Deif zu dem Schluss, dass saudi-arabische Frauen weniger Rechte haben als Kinder in westlichen Ländern. Denn Frauen müssen sich für jede einzelne Entscheidung in ihrem Leben die Erlaubnis eines Mannes einholen und bei jedem Schritt, den sie tun, eine männliche Begleitung dabeihaben. Farida Deif sagt: “Für saudische Frauen bringt das Erwachsenenleben keinerlei Rechte mit sich, nur Pflichten.”

So bleibt den Frauen der Zugang zum öffentlichen Leben weitestgehend verwehrt. Human Rights Watch empfiehlt deshalb dringende Reformen, unter anderem in Bezug auf die Rechte von Frauen im Gesundheitssystem, auf Bildung und auf Zugang zu öffentlichen Gebäuden.

Das große Schweigen

Tuesday, April 15th, 2008 von Susanne

Die Süddeutschen Zeitung berichtete heute: Die italienische Künstlerin Pippa Bacca wurde auf ihrer Reise durch die Türkei vergewaltigt und umgebracht. Ihr Tod löste in der Türkei eine Diskussion um den Umgang der Gesellschaft mit Vergewaltigungen aus:

Es ist eine Debatte über Machismo und Gewalt gegen Frauen, grausame Traditionen und das Wegschauen von Justiz und Gesellschaft. Hätte das überall passieren können, eine solche Vergewaltigung, ein solcher Mord? “Stimmt schon, Vergewaltiger gibt es überall”, schreibt der liberale Kolumnist Can Dündar am Montag in der großen Zeitung Milliyet: “Aber vermutlich werden sie nur in der Türkei gedeckt.”

Tatsächlich seien in türkischen Gerichten immer wieder zu milde Urteile verhängt worden oder der Vergewaltiger ganz freigesprochen. Die Begründungen lauteten dann: “Der Gerichtsmediziner war zu dem Ergebnis gekommen, dass das Mädchen keine seelischen Schäden davongetragen hatte.” Oder: “Das Opfer habe schließlich früher eine sexuelle Beziehung zu dem Angeklagten gehabt.”

Viele türkische Richter würden nur ganz langsame Fortschritte in ihrem Rechtsverständnis machen. Aber auch der Staat hinke noch hinterher: Erst im Zuge der EU-Anpassung 2004 wurde beispielsweise ein Artikel aus dem türkischen Strafgesetzbuch gestrichen, der einem Vergewaltiger Straffreiheit ermöglichte, wenn er einwilligte, sein Opfer zu heiraten!

Tage wie diese

Tuesday, April 15th, 2008 von Susanne

Bloggerin M. LeBlanc schreibt in ihrem Blog Bitch Ph.D. über ein großes Thema: Mädchen und ihre erste Periode und all die Perioden danach. Sie schreibt eine rührende Geschichte darüber, wie sie ihre Regel zum allerersten Mal bekam, in der Kirche während des Gottesdienstes, und wie anschließend niemand da war, dem sie es hätte erzählen können - außer ihrem Vater. Sie erzählt auch von den vielen anschließenden Jahren, vom regelmäßigen Besuch ihrer Tage.

LeBlancs Anliegen: Mädchen und Frauen sollen offener über ihre Periode sprechen, sollen sich dazu bekennen, dass sie nun mal jeden Monat bluten und das Thema nicht verschämt verschweigen. Sie fordert sogar, dass in öffentlichen Toiletten so wie Klopapier auch Hygieneartikel frei zur Verfügung gestellt werden. Dieser Ruf nach mehr Offenheit beim Thema Regel erinnert mich an Charlotte Roche, die vor einigen Jahren in einem Interview mal dazu aufrief, ihr Menstruationsflecken zu schicken, weil sie fasziniert davon sei, dass das Blut jeder Frau unterschiedlich aussähe.

Wie offensiv geht ihr mit dem Thema um? Auch die Jungs und Männer: Sprecht ihr mit euren (festen oder guten) Freundinnen über ihre Periode? Sollte man überhaupt darüber reden? Oder sollten Frauen das alles doch lieber für sich behalten? Ist das für euch ein Tabu-Thema oder eines, über das viel mehr und viel offener gesprochen werden sollte?

(Foto über Bitch Ph.D. und eVoke Journal)

Fahren in Saudi-Arabien

Tuesday, April 8th, 2008 von Barbara

Die Zeit berichtete unlängst:

In Saudi-Arabien haben zwei wahhabitische Eminenzen, Abdel-Mohsin al-Obaikan und Mohsin Awaji, das Fahrverbot für Frauen hinterfragt. Das islamische Recht verbiete Frauen nicht das Führen von Kraftfahrzeugen, sagen sie.

Auch der König von Saudi-Arabien, Abdullah, macht sich für mehr Bewegungsfreiheit von Frauen stark. Seit kurzem dürfen Frauen auch alleine, ohne einen “gesetzlichen Vormund”, sprich einen Mann, in einem Hotel übernachten.

Frauenfakten: Das Gleichberechtigungsgesetz

Monday, March 31st, 2008 von Susanne

Heute vor 55 Jahren ließen die regierenden Männer eine Frist verstreichen - was große Folgen hatte. Denn bis zum 31. März 1953 hätten die bundesrepublikanischen Parlamentarier Einspruch gegen einen Gesetzesentwurf von Elisabeth Selbert erheben können, in dem sie die Abschaffung all jener Gesetze fordert, durch die Frauen und Männer rechtlich ungleich behandelt werden. Wie gesagt, die Frist verstrich. Das Gleichberechtigungsgesetz trat in Kraft. Eine ganze Reihe anderer Gesetze mussten geändert werden, zum Beispiel, dass das Eigentum der Frau bei einer Heirat in den Besitz des Mannes übergeht.

Doch bei einigen dauerte es noch lange, bis geschlechtsspezifische Ungerechtigkeiten abgeschafft waren: Bis 1977 konnte ein Mann den Job seiner Frau kündigen, wenn er der Meinung war, sie würde Haushalt und Kindererziehung vernachlässigen. Erst ab 1979 hat bei der Kindererziehung nicht mehr per Gesetz der Vater das letzte Wort. Und sogar erst eit 1991 können Frauen ihren eigenen Nachnamen trotz Eheschließung behalten.

“Frauen, wir haben nicht versagt”

Sunday, March 30th, 2008 von Susanne

SoE hat es eben schon im Selbermach-Sonntag gepostet, ich klaue einfach mal frech: Heute antwortet in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung Nadine Oberhuber auf Bettina Weigunys Behauptung in der letzten Woche, die Frauen seien einfach nicht ehrgeizig genug, um Senkrechtstarter-Karrieren wie die Männer hinzulegen, O-Ton: “Frauen, wir haben versagt“.

Nadine Oberhuber schreibt, Frauen hätten die Welt von heute durchaus schon maßgeblich mitgestaltet und weist auf den Umstand hin, dass uns viele Erfindungen von Frauen nur deshalb nicht im Gedächtnis geblieben sind, weil diese früher keine Patente auf ihren Namen eintragen durften. Oberhuber zeigt, dass gerade in den letzten Jahren die Frauen als Gründerinnen durchstarten, dass auch unter den Superreichen Frauen sind.

Die Antwort auf das simple “Frauen, wir haben versagt” ist ein klügerer, tiefer grabender Text geworden.

Junge Frauen auf dem Sprung

Thursday, March 27th, 2008 von Susanne

Alle reden über die Brigitte-Studie “Frauen auf dem Sprung”, die vor zwei Tagen veröffentlich wurde. Manche kritisieren die Perspektive der Fragestellungen, wie CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer. Und die Tatsache, dass die Männerperspektive zum gemeinsamen Leben wieder mal ausgeblendet wurde. Andere bezweifeln die Realisierbarkeit der geäußerten Wünsche junger Frauen, nämlich Familie und Beruf zur gleichen Zeit haben zu wollen.

Also, was steht denn drin, in der Studie? Befragt wurden junge Frauen zwischen 17 und 19 und zwischen 27 und 29 Jahren. Hauptaussage: Die jungen Frauen von heute sind unabhängig, zielstrebig und selbstbewusst. 85 Prozent von ihnen wollen finanzielle Unabhängigkeit, 54 Prozent wünschen sich guten Sex, neun von zehn Frauen sind Freunde ganz wichtig. 99 Prozent der befragten Frauen sagen von sich: “Ich weiß, dass ich gut bin.” Außerdem stehen in der Studie Zahlen zu Männern, Wünschen, Karriere, Kindern.

Die Leiterin der Studie, die Soziologin Jutta Allmendinger kommentiert die Ergebnisse so: “Diese Frauen werden die Gesellschaft wachrütteln.” Und das könnten diese Frauen wirklich - wäre nicht in Deutschland das größte Problem in Sachen finanzieller Unabhängigkeit, Karriere und auch der eigenen Selbstverwirklichung die Kinderfrage. An der scheiden sich Anspruch und Wirklichkeit. Es ist mehr als super, dass sich fast jede Frau bewusst ist, was sie kann. Aber wenn sie es ein paar Jahre später nicht mehr beweisen kann, weil die Mutterfalle zuschnappt, nutzt ihr dieses Bewusstsein wenig. Wenn die älteste Befragte 29 Jahre alt ist, kann man davon ausgehen, dass die meisten antwortenden Frauen noch kinderlos sind. Die Ergebnisse sind also zuallererst Wünsche junger Frauen und taugen nicht als Bestandsaufnahme ihrer Lebenswirklichkeit. Das ist das große Manko der Studie.

Und trotzdem machen die Ergebnisse große Freude, nach denen junge Frauen sich nicht mehr ausschließlich über ihren Mann definieren wollen, wie es noch bis vor wenigen Jahrzehnten ganz “normal” für eine Frau war; oder dass so vielen Frauen ihre finanzielle Unabhängigkeit wichtig ist - eine urfeministische Forderung. Die jungen Frauen, die heute von sich sagen, sie wüssten, dass sie gut sind, behalten diesen Optimismus und Biss hoffentlich auch dann, wenn es darauf ankommt, Beruf und Familie auch tatsächlich zu vereinbaren. Diese jungen Frauen können die Unternehmen und manche auch ihre Lebenspartner dazu zwingen, endlich umzudenken.

(Foto über brigitte.de)

Die FAZ über die Frau, das zaghafte Wesen

Saturday, March 22nd, 2008 von Susanne

In der heutigen Frankfurter Allgemeinen Zeitung schreibt Bettina Weiguny: “Frauen, wir haben versagt!” Sie sagt, dass Frauen nicht den Schneid wie die Männer mitbringen, um die ganz großen Karrieren zu machen:

… Denn es waren eben doch die Männer, die den Takt der globalen Wirtschaft verändert haben. Von der Industrialisierung im 19. Jahrhundert über die IT-Revolution bis zur New Economy und Zuckerbergs Milchbubis. Dabei hätten Frauen seit bestimmt zwanzig Jahren die Chance, sich unter die Goldgräber zu mischen. Dass wir das nicht tun, hat zuallererst mit uns zu tun. Mit unserem Naturell, unseren Wünschen, Neigungen und Prioritäten bei der Lebensplanung.”

Aber genau an dieser Stelle müsste die Autorin einen Schritt weiter gehen, damit der Text wirklich rund wird. Denn natürlich hat sie Recht in dem, was sie beschreibt. Aber all das hat ja eben mit “unserem Naturell” und “unseren Prioritäten” zu tun - die Mädchen nicht selten von Geburt an antrainiert werden und von der Gesellschaft eben auch erwartet. Zum Beispiel, dass eine “echte” Frau Kinder haben soll und dass sie für die auch lieber rund um die Uhr als nur am Abend und am Wochenende da sein soll; dass eine “echte” Frau sanftmütig, nachgiebig und kooperativ ist und deswegen eher nicht die Ellenbogen ausfährt, wenn es um Karrierefragen gibt; dass hinter jedem mächtigen Mann eine starke Frau steht, aber doch bitte nicht neben ihm.

Ja, all das sind Dinge, die wir ändern können und müssen, da gebe ich Bettina Weiguny Recht. Frauen müssen mutiger sein, lauter, zielstrebiger. Aber: Obwohl viele Frauen das schon heute sind, kommen sie trotzdem nicht ganz nach oben. Dieser Aspekt lässt sich nicht so einfach ignorieren. Die Autorin tut aber genau das. Nur: Ein “Ego-Feminismus” (Frau “optimiert” sich zuallererst mal selbst, andere Frauen sind wurscht) wird die Frauen nicht in die Vorstandsetagen bringen. Denn dieser würde bedeuten, die strukturellen Probleme einfach zu ignorieren und den Frauen allein den schwarzen Peter zuzuschieben. Diese Haltung führt ja auch dazu, dass Frauen, die es in höhere Positionen geschafft haben, keine anderen Frauen fördern. Weil sie sich denken: Wenn ich das schaffe, können es auch alle anderen schaffen. Dabei wäre Zusammenhalten besser. Weil das auch die Männer so machen.

Das “Frauen, wir haben versagt!” kann nur bedingt gelten, nur im Zusammenhang und Bewusstsein sozialer Erwartungen, die unser gesamtes Leben und Handeln beeinflussen. Ansonsten gilt natürlich: Ruhig mal was bei den Männern abschauen. Öfter mal die weiblichen Beißreflexe abschalten. Bitte lauter und energischer sein.

Thema der Woche: Frauengehälter

Thursday, March 6th, 2008 von Susanne

Diesen Eindruck bekommt, wer dieser Tage durch die Presselandschaft schlendert. Die Zeit macht groß auf mit “Was Frauen wirklich verdienen” und bietet online nicht nur einen zusätzlichen Artikel (”Frauen wollen weibliche Karrieren“), sondern auch Raum, die eigene Meinung zum Thema zu hinterlassen. Momentan tummeln sich mal vor allem Menschen dort, die partout nicht sehen wollen, dass es da Fehler im System gibt.

Dabei schreibt es auch die Welt heute: Frauen verdienen im Durchschnitt 23 Prozent weniger als Männer, ergab eine aktuelle Studie. Wahnsinnskommentar auf der Welt-Webseite: “Da bei einer Bewerbung die Frage nach Familienplanung nicht erlaubt ist und auch mit einer Lüge beantwortet werden kann, bleibt mir nichts anderes übrig, als bei gleicher Qualifikation den Mann zu bevorzugen. Der wird nicht schwanger, hat keine Regelschmerzen und bleibt auch nicht unbedingt zu Hause, wenn mal was mit den Kindern sein sollte.”

Die erwähnte Studie wurde von der Hans-Böckler-Stiftung herausgegeben und von der Webseite www.frauenlohnspiegel.de durchgeführt. Kommentiert haben die Ergebnisse auch die Netzeitung, Focus Online und die Südwest Presse.

Weil aber von Lesen allein die Welt nicht besser wird und Ungerechtigkeiten nicht verschwinden, schlage ich vor - auch anlässlich des kommenden Weltfrauentags - in die nächste Lohnverhandlungen erhobenen Hauptes zu marschieren und das eigene Wunschgehalt mal mit Verve durchzusetzen. Da hapert es bei vielen Frauen nämlich leider immer noch. Also Girls, hundert Euro für die Emanzipation!

(Foto über zeit.de)