Archiv für ‘Der Feminismus ist schuld’

Die Frauen-Biographie-Forschung

Sunday, October 12th, 2008 von Barbara

(c) fembio.orgUnter dem etwas an Hormonverhütung erinnernden Namen “Fembio” hat die Sprachwissenschaftlerin Luise F. Pusch eine großartige Datenbank über Frauen erstellt. In der sogenannten Großen FemBio-Datenbank finden sich Einträge über 30.000 bedeutende Frauen aller Epochen und Länder, die nach zahlreichen Kriterien durchsucht und verknüpft werden können. Seit 1982 wurden Daten gesammelt, täglich kommen neue hinzu. In der Online-Datenbank wurden 6880 dieser Frauenportraits erfasst. Dort findet man Informationen von A wie die Dichterin Rose Ausländer über die medica-mondiale-Gründerin Monika Hauser bis zur Politikerin Clara Zetkin.

Die Definition der Fembio im Originalton:

Eine FemBiographie unterscheidet sich von “herrkömmlichen” Biographien vor allem durch den feministischen Blickwinkel. Ein gewöhnliches Lexikon informiert nicht darüber, wie diese Frauen wirklich gelebt haben. Wenn z.B. große Frauen von Männern behindert, benachteiligt, mißbraucht, gequält oder gar ermordet wurden, so erfahren Sie das in anderen Quellen meist nicht. Wenn die Frauen lieber mit Frauen als mit Männern zusammen lebten, so wird das in der Regel “diskret” übergangen. In einer FemBiographie werden aber solche biographischen Fakten genau so wichtig genommen wie alle anderen.

Heike und Hatice - haltet zusammen!

Wednesday, October 8th, 2008 von Barbara

Vor einiger Zeit veröffentlichte Hilal Sezgin, freie Publizistin, in der Taz einen Artikel, in dem sie Mely Kiyaks Schimpfen über die realitätsferne, weil weiße aktuelle Feminismusdebatte weiterdachte. Unter der Überschrift “Feminismus ist unteilbar” schrieb sie:

Grundsätzlich ist dieser Einwand weder ganz falsch noch ganz neu. … Ausgerechnet aus dem Munde türkischstämmiger Frauen in Deutschland jedoch klingt es etwas sonderbar, wenn sie mehr Aufmerksamkeit verlangten: Denn um das Patriarchat, in der die arme “Orientalin” vermeintlich gefangen ist, ist in Deutschland längst eine kleine Feminismusindustrie entstanden. Es gibt sogar ein eigenes Buchgenre, das sich den Leidensgeschichten von Anatolierinnen widmet. Zu diesem Thema tauchen Frauen in zig Talkshows in einer Häufigkeit auf, in der wir weibliche Expertinnen sonst nie auf dem Bildschirm zu sehen bekommen.

Denn dass türkischstämmige Frauen in Deutschland ähnliche Probleme haben wie diejenigen, deren Großeltern aus dem Bayerischen Wald stammen, ist offensichtlich:

Ein aufrichtig gemeinter Feminismus sollte nicht nur darüber sprechen, wenn Hatice von Hasan geschlagen wird, sondern auch von Heike und Heinz reden. Wer die Übel des Patriarchats vornehmlich im “Orient” oder in seinen Ablegern, den hiesigen “Parallelgesellschaften” diagnostiziert, bastelt mit an einem Entlastungsdiskurs, demzufolge es in Deutschland emanzipationsmäßig bereits zum Allerbesten steht.

So erschließt sich auch das Themenspektrum des Feminismus:

Die zentralen Punkte sind Geschlechterrollen, (Un)Gleichheit auf dem Arbeitsmarkt und Sexualität. Und natürlich kommen alle drei meistens zusammen. Geschlechterrollen sind es, die auch in vermeintlich emanzipierten Zeiten unsere Gesellschaft in zwei säuberlich getrennte Hälften spalten. … Doch ist Feminismus kein Wettbewerb darum, wer in der Opferskala am weitesten unten steht. Die zentralen Themen der feministischen Agenda sind weder spezifisch “islamkritisch” noch “deutsch”.

Und zuletzt formt Sezgin noch eine Utopie, die mir, als bekennende Optimistin, besonders gut gefällt:

Das Beste an der tatsächlich immer noch schweren Situation von Hatice und Heike ist: Sie befinden sich immerhin in derselben Situation. Und wenn sie es klug anstellen, ziehen sie gemeinsam am selben Strang.

Verantwortung für Mensch und Mensch

Monday, September 29th, 2008 von Barbara

Unlängst berichtete die Zeit über Mitarbeiterinnen der niedersächsischen Wurstwarenfabrik, die über Schwangerschaftstests bei der Bewerbung zu Abtreibung gezwungen wurden.

Die Betriebsärztin Christina von Auenmüller hat Bewerberinnen zu Schwangerschaftstests aufgefordert – das bestätigt selbst das Unternehmen. Um Frauen zu schützen, behauptet die Firma. Um Frauen einzuschüchtern, vermuten die Expertinnen aus den Schwangerenberatungsstellen von pro familia und donum vitae. Wegen der Tests bei Kemper hätten Frauen gekündigt oder sogar abgetrieben, heißt es in mehreren Briefen und Vermerken, die der Zeit vorliegen.

Die Frage nach einer Schwangerschaft im Bewerbungsgespräch ist heikel. Denn obwohl es laut Gleichstellungsgesetz nicht erlaubt ist, danach zu fragen, gibt es natürlich Gründe, auf mögliche Gefahren hinzuweisen. Zum Beispiel der Umgang mit giftigen Substanzen, die einer Schwangeren schaden können. Ähnlich argumentiert auch Kempers Betriebsärztin:

»Es kommt immer wieder vor, dass Mitarbeiterinnen erst im fünften oder sechsten Monat feststellen, dass sie schwanger sind«, sagt die Betriebsärztin. »Wir wollten verhindern, dass solche Frauen in unseren gekühlten Räumen arbeiten und sich selbst und ihren Nachwuchs gefährden.«

Die Bedrängnis, in die Bewerberinnen durch diese dubiosen Abtreibungstests geraten sind, kommt leider häufig vor. Ein Kind gilt in der Berufswelt nach wie vor als Handicap - lieber verschweigen und mehr noch, denn als Mutter stigmatisiert werden, denken viele. Vielleicht ist es aber gerade ein Denkfehler, die Tatsache zu verschweigen, dass Frauen Kinder haben (können). Ein Punkt, den die Journalistin Tissy Bruhns unlängst in einer Diskussion anbrachte: In der älteren Generation der Feministinnen wurden Kinder nicht erwähnt. “Sag bloß nicht, dass du Kinder hast oder willst”, riet man einander damals. Wollen wir heute eine strukturelle gesellschaftliche Änderung erreichen, dürfen Kinder (ob bereits existent oder nur theoretisch) kein Benachteiligungsgrund sein. Qua Gesetz sind sie das auch nicht mehr - demnach können sie künftig auch erwähnt werden. Oder sollten das auch. Was meint ihr?

Heul doch und kauf dir ‘nen Dauerlutscher. Oder was soll man sonst zu armen Mann-Opfern sagen?

Sunday, September 21st, 2008 von Meredith
Dieser Text ist Teil 2 von 2 der Serie Klartext

Immer wieder einen Grunzer wert sind ja die feinen Freiheitskämpfer von der Männerrechte-Fraktion. Das sind ungefähr drei Typen in der Bundesrepublik, die sich bei jeder feministischen Diskussion im Internet und, äh, in Berlin, zu Wort melden, um für die Gleichberechtigung der Männer in dieser ach-so-matriarchalischen Gesellschaft einzutreten. Sie finden, Frauen sollten erst mal zum Wehrdienst herangezogen werden, bevor sie hier Lohn-Gleichberechtigung verlangen. Bei Abtreibungsdebatten beklagen sie gern das seelische Trauma des Erzeugers, der, ohmeingott, KEIN MITSPRACHERECHT hat. Sie finden, Jungs werden in der Schule sy-ste-ma-tisch von fiesen Frauenlehrerinnen benachteiligt, überhaupt trippele die (selbstredend schlimm-schlimme) Verweiblichung unaufhaltsam auf Killerstilettos voran. Nämlich hätten Frauen eh schon die Medien im Griff und sogar die CDU mache jetzt frauenfreundliche Politik. Und wo bleiben da die Männer und ihre Rechte? Wir Femi-Nazis, wie sie uns gerne nennen, würden die echte Bestimmung der Frau kaputt machen und den Männern das Leben schwer. Wenn sie schlecht drauf sind, nennen sie uns hässlich. Wenn sie lieb tun, reden sie von der “wahren Gleichberechtigung” und reden auf die Frauen ein, sie müssten sich für alle Geschlechter einsetzen, wenn sie es ernst meinen. Wenn man aber hinter den Schleier des Gleichheits-Gelabers guckt, muss man immer wieder feststellen, dass es hier um eine extrem reaktionäre Agenda geht, auf der, kurz gesagt, ein fundamentalistische Familienbild über alles gestellt wird.

Leserinnen und Leser, ihr kennt die auch, nicht wahr?

Die Taz ist dem Phänomen MANNdat, “Väteraufbruch” et. al. nachgegangen und hat das belegt, was eigentlich schon zu vermuten war: nämlich, dass diese Leute aus dem hinterrechtesten Eck kommen und sich insbesondere in der rechtskonservativen Zeitung Junge Freiheit feiern. Als Diskussionspartner sind sie daher nicht wirklich ernst zu nehmen – zumal sich ihre Argumente ja meistens mit dem kleinen Zeh entkräften lassen. Andererseits zählt der Taz-Autor auch auf, in welchen Leitmedien das Thema “arme, vernachlässigte, identitätskriselnde Männlichkeit” schon alles aufgenommen wurde:

So profiliert sich Frank Schirrmacher, der Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, mit Klageliedern über den Bedeutungsverlust des Mannes. Schon vor Jahren schrieb er Frauen die öffentliche Deutungshoheit zu - weil sie als Moderatorinnen den politischen Männerrunden die Stichworte liefern. Später machte er Mütter für niedrige Geburtenzahlen verantwortlich - weil sie ihre natürliche Aufgabe als “Hüterinnen der Flamme” und “natürlicher Kitt” in den Familien vernachlässigten. Spätestens mit der Zeit-Serie über “Männer in Not” und nach diversen Spiegel-Titeln über das, “Was vom Mann noch übrig ist”, kann von Medienboykott nun wirklich keine Rede sein.

Und das gibt irgendwie zu Sorge Anlass. Mir wurde neulich auf einer Party klar, wie weit diese Debatte schon vorgedrungen ist. Ein guter Freund, der sehr klug ist, wenn er auch in Frauensachen nicht gerade auf festem Fuß wandert, offenbarte mir in trunkenem Zustand, er sei ja - wie ich! - auch Feminist, also, genauer, Maskulinist. Und das schlimmste daran war, dass er den Unterschied wirklich nicht verstanden hatte (und sich das auch nach meinen Brut-seligen Erklärungsversuchen nicht änderte). Ich muss sagen, in Diskussionen höre ich – von schlauen Männern – wirklich oft das Argument, es gehe ja auch um die Männer und man müsse den Männern ja auch helfen, sich in der veränderten Welt zurechtzufinden. Dazu sage ich mittlerweile nur noch: Entschuldigung, aber die Männer müssen das schon vor allem selbst machen. Nicht, dass ich euch nicht anfeuern würde dabei. Aber der Feminismus hat schon mit den Frauen alle Hände voll zu tun – der kann und will sich nicht auch noch um die schlimmen Sorgen der armen Männis kümmern. Problem ist nur: Was tun, wenn manche Männer sich wirklich einreden, sie seien jetzt die Benachteiligten? Haben wir jetzt dann bald den “Opfer-Maskulinismus” an der Backe? Und was machen wir dann? Reden? Händchen halten? Hey, coole Jungs – was sagt ihr dazu? What shall we do with the “Mann in der Krise”? Gibt’s den wirklich? Und wenn ja, wie sieht er aus? (Nicht nur äußerlich, versteht sich. Der Mann von heute hat ja, wie wir wissen, jetzt auch schon mit ähnlichen ästhetischen Ansprüchen zu kämpfen wie die Frau. Der Arme, das wollen wir ja nicht auch noch befeuern.)

Dank an Leser Felix für den Hinweis.

Spooky: Buffy Schuld an Kirchenaustritten

Wednesday, August 27th, 2008 von Susanne

Endlich mal wieder etwas für die Rubrik “Wissenschaftler Quatsch”:

Sarah Michelle Gellar und ihre Fernsehserie “Buffy” ist daran schuld, dass sich immer mehr Menschen der traditionellen Religion abwenden - behauptet zumindest eine britische Studie. (…) Die Autorin Dr. Kristin Aune: “Weil sich die Serie so intensiv mit der weiblichen Selbstbestimmung auseinandersetzt, ist die (heidnische Religion) Wicca so attraktiv für junge Frauen geworden. Kurz gesagt - Frauen verlassen dafür die Kirche.”

Na dann.
Ich meine: Hä?

Wie erziehe ich meinen Sohn feministisch?

Monday, August 25th, 2008 von Barbara

(c) Flickr

Auf feministing.com fanden wir unlängst diesen lesenswerten Artikel: How to raise a feminist son. Die Autorin macht sich Gedanken von “Was passiert, wenn ich den Wunsch meines fünfjährigen Sohnes erfülle und die Wände seines Kinderzimmers pink streiche” über “Wie kann ich meinen Sohn erziehen, dass er seine Privilegien - ‘beautiful, smart, and extremely capable’ nicht zu seinem Vorteil ausnutzt?” bis zu “Wie kann ich seinen Umgang mit gewalttätigen Spielen und Spielzeugen adäquat kontrollieren?”.

Es wurde auch bereits an anderer Stelle gefragt: Wie schaffe ich es, meine Kinder feministisch zu erziehen? Was, wenn meine Tochter aber doch lieber mit Puppen spielt als mit Autos? Und wenn mein Sohn einfach gerne Stöcke zu Gewehren umfunktioniert und damit dann schießt? Eine pauschale Antwort darauf fällt mir schwer. Mütter, Väter, Eltern in spe und nicht: Was sagt ihr?

(Foto von cproppe/Flickr)

Schlechter Witz

Friday, July 11th, 2008 von Barbara
Dieser Text ist Teil 1 von 2 der Serie Klartext

Schlimm, dass in Mädchenheften wie Bravo Girl! unter der Rubrik “Darüber lachen Jungs” sexistische Witze wie dieser abgedruckt werden:

Sagt ein Mann zu seinem Freund: Ich habe meiner Frau eine Gasmaske zum Geburtstag geschenkt. Freund: Eine Gasmaske? - Ja, erstens sieht sie damit besser aus und wenn ich den Stöpsel zuhalte, dann zappelt sie so schön beim Sex.

Schlimmer, dass die Leute z. B. bei Neon, in der taz oder von den Grünen, die Proteste gegen diese Veröffentlichung auf der Witzseite geäußert haben, von der Bravo Girl!-Redaktion informiert wurden, die heutige Generation von Mädchen und jungen Frauen sei „emanzipiert und lebensfroh genug“, auch über Witze mit erotischem Inhalt zu lachen.

Noch schlimmer dann die Reaktion des Presserats auf die Beschwerde der Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenarbeit in Nordrhein-Westfalen gegen die Witzseite; es wurde mit der Begründung reagiert, dass „gerade die jüngere Generation von Frauen und Mädchen in ihrer Haltung den Geschlechterrollen gegenüber sehr viel emanzipierter und souveräner als noch die Geschlechter davor“ sei und eine Rüge abgewiesen.

Wer soll nun lachen? Mir fällt niemand ein. Die Jungs, denen ein derart schlechter Humor unterstellt wird? Die Mädchen, die zu Objekten degradiert werden, und das auch noch in den Heften, die extra für sie gemacht werden (Bravo GIRL)? Die als uncool und unzeitgemäß gelten, wenn sie das Lustige an diesem Witz nicht finden wollen. Oder Journalistinnen wie ich, die sich fragen, wofür der Presserat denn überhaupt noch steht, wenn er Emanzipation von jungen Frauen als Ausrede für Sexismus in den Medien anführt. Und die nebenbei von der Beratungsstelle für Mädchen in Wuppertal zur Verantwortung gezogen werden:

Unter dem Deckmantel der Emanzipation würden junge Frauen in das Bild des “Alpha-Mädchens” gedrängt: immer gut drauf, stark und selbstbewusst, mahnte die Beratungsstelle für Mädchen am 10. Juli in Wuppertal an. Reale Erfahrungen wie Gewalt kämen in den Bildern nicht vor. Oft zögen misshandelte Mädchen daraus den Schluss, selbst schuld zu sein.

Weder Emanzipation noch Stärke, weder Selbstbewusstsein noch Feminismus, weder der Begriff “Alphamädchen” noch stärkere Souveränität im Vergleich mit der Müttergeneration rechtfertigen Sexismus. Sexismus ist einfach nur Sexismus. Er wird durch eine Witzverpackung nicht weniger sexistisch, ebenso wenig durch ein jugendliches Umfeld. Und in Kombination mit Gewalt, wie in diesem Witz für Jungs, ist Sexismus einmal mehr einfach nur zum Kotzen.

Wer gerne mit der jungen Grünen Sabine Ponath und mir darüber diskutieren möchte, kann das am Samstagvormittag in Traunstein im Café Bistro Intreff (Lebenshilfe-Café), Leonrodstr. 4a (500m vom Bahnhof entfernt), zwischen 11 und 13 Uhr.

Nachtrag vom 23.9.2008:
In Düsseldorf habe ich die Vertreterinnen der Frauenberatungsstelle Düsseldorf e.V. kennengelernt. Sie haben in ihrer offiziellen Pressemitteilung zum Urteil des Presserats mitnichten den Begriff “Alphamädchen” verwendet.

Wickelvolontariat galore

Friday, July 11th, 2008 von Barbara

Gefreut habe ich mich, als unlängst durch die Presse ging, dass Stefan Rößle, CSU-Landrat in Donau-Ries, bekannt gab, zwei Monate Elternzeit anlässlich seines fünften Kindes zu nehmen. Beklatscht wurde sein Entschluss von den beiden Abgeordneten der links-ökologischen “Frauenliste” im Kreistag. Seine eigene Partei schwieg zu seiner Entscheidung, so die Zeit. Rößle ist der erste Landrat in Deutschland, der zuhause bleiben will. In Bayern ein besonderes Novum, erinnern wir uns doch noch an den CSU-Landesgruppenchef, Peter Ramsauer, der meinte, er halte wenig von einem “Wickelvolontariat” für Väter in zwei Monaten. Spiegel Online meldete dann noch, dass nach Rößle zwei andere Landtagsmitglieder auch ihre Elternzeit angemeldet hätten.

Lauter Gesetzesgeburtstage

Sunday, July 6th, 2008 von Barbara

Wir halten inne: Am 1. Juli 1958 wurde die Gleichberechtigung gesetzlich verankert. Das Familienrecht war damit im 20. Jahrhundert angekommen. Ehe bedeutete nicht mehr länger, dass der Ehemann eine Art Vormund der Frau war und über ihren Arbeitsplatz und ihr Vermögen verfügen konnte. Die Frau konnte ihren Geburtsnamen auch als verheiratete Frau behalten, und auch in der Kindererziehung hatte der Mann nicht mehr per definitionem das letzte Wort.

Und noch ein Geburtstag: Zwei Jahre ist es her, dass im August 2006 das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (kurz AGG), das eine Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgrund von „Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität“ verhindern soll, eingeführt wurde.

Doch trotz aller Gleich-Gesetze wird nach wie vor ungleich behandelt. Biologistische Platitüden, miese Sexismen und schlechte Gewohnheiten lassen sich eben nicht durch ein Gesetz verscheuchen.

Wie könnte unsere Zukunft aussehen? Und was soll die Politik für uns machen? Eine Antwort darauf findet Walter Hollstein in seinem Buch “Was vom Manne übrig blieb”:

“Gesellschaft und Politik dürften sich also nicht länger der banalen, aber offenbar tabuisierten Einsicht verschließen, dass auch Männer ein Geschlecht haben. Diese Erkenntnis gälte es in eine Politik für Männer umzusetzen. … Ändern müsste sich aber auch das gesellschaftlich vorgegebene Männerbild, und auch dafür müsste die Politik etwas tun, so wie sie seinerzeit die Veränderung des alten Frauenbilds aktiv betrieben hat.”

Barbara Vinken meint in “Die deutsche Mutter”:

“Wenn die Familienpolitik es darauf anlegt, dass Muttersein und ein erfüllter Beruf auch für Frauen in Deutschland möglich werden und nicht mehr wie bisher die Ehe als Versorgungsinstitution sponsert, wird sich auch hierzulande nach zweihundert Jahren Stillstand, wie die einschlägige Forschung böse, aber zutreffend behauptet, etwas tun.”

Was meint ihr?

Ein hochinteressanter Beelzebub

Thursday, June 12th, 2008 von Katrin
Dieser Text ist Teil 9 von 13 der Serie Die Feministische Bibliothek

Esther Vilar: „Der dressierte Mann“

Eines der vielen Bücher auf meinem aktuellen Stapel war ebendieses, von Vilar schon in den Siebzigern geschriebenes, mittlerweile neu aufgelegtes Werk über die armen Männer. Der Anfang las sich eigentlich ganz gut: Mit einer lustigen Portion Zynismus schildert die Autorin Situationen, in denen Männer sich für Frauen zum Affen machen. Alltägliches. Männer werden als von Frauen dressierte Wesen dargestellt, die sozusagen nur dazu da sind, die Drecksarbeit zu machen, während die Frauen scheinbar hilflos daneben stehen und es sich gut gehen lassen. Von Vilar kann man immerhin mitnehmen: Die Aufteilung in die Geschlechterrollen sind unfair, der Mann kommt dabei nicht einfach nur super bei weg – nein, er muss auch viele daraus entstehende Nachteile in Kauf nehmen. Die Sichtweise der Autorin ist dabei für mich mal mehr, meist aber weniger nachvollziehbar.

Natürlich schlug diese Streitschrift ein wie eine Bombe: Seit den Siebzigern nämlich beschäftigte sich der klassische, der radikale, der vorherrschende Feminismus vor allem damit, Frauen als die Leidtragenden einer von Männern dominierten Gesellschaft zu sehen und gegen diese Zustände zu kämpfen. Dabei gibt es drei verschiedene Aspekte, die das Thema brisant machten und bis heute machen: Erstens, ist es nicht von der Hand zu weisen, dass der Handlungsbedarf für die Emanzipation der Frauen aus verschiedenen Gründen größer war, als jener der Emanzipation der Männer. Frauen waren allein schon durch Gesetze und gesellschaftliche Strukturen benachteiligt. Zweitens ist da die Frage nach den Männern und wie man sich ihnen gegenüber im Kampf für die Emanzipation der Frauen verhalten sollte, sind sie Freund oder Feind? Für einige waren sie der Feind und wurden ebenso behandelt. Drittens ist da die Seite der Männer und ihre eigenen Rollen, ihre Probleme, ihre Lebenswirklichkeiten: Sind die wirklich so super und einfach nur rosig? Diese Seite wurde vom radikalen Feminismus kaum thematisiert.

Ein moderner Feminismus, wie wir ihn hier betreiben möchten, setzt sich eigentlich mit allen drei Bereichen auseinander und versucht, die Spannungsfelder, die dort entstehen, zu thematisieren. Während die Emanzipation der Frauen aufgrund weiter existenter struktureller Benachteiligung immer noch ein großes Anliegen bliebt, ist die Interaktion zwischen den Geschlechtern und der Dialog eine immer wichtiger werdende Komponente geworden, DER Mann als Feind nicht mehr so trennscharf zu definieren. Diese beide Aspekte spielen aber in Vilars Buch keine große Rolle, hier geht es nur um die Rolle des Mannes und um seine Emanzipation, die in „Das Ende der Dressur“ genau beschrieben wird.

Aus der Sicht einer modernen Feministin ist daher „Der dressierte Mann“ ein interessantes, wenn auch zu verurteilendes Buch. Die Rollen und Stereotype, von denen Männer geplagt werden, finden eine einzigartige Aneinanderreihung, das Ausmaß der Nachteile, die auch Männer durch eine Aufteilung in Geschlechterrollen haben, wird an mancher Stelle übertrieben dargestellt und hervorgehoben, aber eben doch ganz gut deutlich. Leider schafft Vilar es nicht, die Kurve hin zu einer differenzierteren Problembeschreibung zu kriegen, stattdessen hackt sie auf den Frauen rum und sieht im Feminismus quasi den Teufel, den sie mit dem Beelzebub austreiben will: einem übertriebenen Maskulinismus. In „Das Ende der Dressur“ wird es dann erst richtig haarsträubend und man gelangt schnell zu dem Punkt, diese Frau am Ende doch nicht ernst nehmen zu können. Trotzdem haben mich vor allem die ersten zwanzig Seiten in mancher Hinsicht zu einem produktivem Nachdenken angeregt und meine Sichtweise der Gesamtsituation zwischen den Geschlechtern hat sich durch dieses Nachdenken recht gut weiterentwickelt. Zudem bieten die Bücher eine gute Ausgangslage, sich mit den unsinnigen Behauptungen gegenüber dem Feminismus auseinanderzusetzen, die bis heute immer noch an uns herangetragen werden. Ich möchte zum Schluss eine Rezensentin bei Amazon.de zitieren, die das alles sehr gut in einen kurzen Kommentar gepackt hat:

“Das Buch ist hochinteressant. Es fördert die intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Thema. Alles in allem halte ich es aber für einseitig und verfehlt, beinahe unseriös. Eine in intellektuelle Worte gefasste Herabsetzung der Frau.“