Archiv für ‘Boys we like’

Männergeschichten: Wie ein Junge häusliche Gewalt erlebt

Thursday, August 7th, 2008 von Meredith

Eve Ensler ist eine von diesen übercoolen Vorbildfrauen. Sie ist nicht nur die Autorin der “Vagina Monologues” (jetzt im Ernst, die sind weniger käsig als man meinen könnte), sondern hat auch die Organisation V-Day gegründet, die sich gegen Gewalt an Frauen weltweit einsetzt, feministische Partys veranstaltet und VM-Aufführungen.

Vor ein paar Monaten bat Ensler ihren Kollegen Mark Matousek, eine Kolumne aufzubauen, in der Männer über Gewalt gegen Frauen schreiben: Ein Basketballer beschreibt seine Kindheit in einem Haus voller Schwestern, ein Vater erklärt seiner Tochter, warum er so oft verreisen muss. Die Männer sollen darüber schreiben, wie sie Gewalt gegen Frauen wahrnehmen, welche Erfahrungen sie selbst gemacht haben.

Eine besonders bewegende Geschichte hat der Arzt Marco Naguib geschrieben – über seine Mutter, die von seinem Vater verprügelt wurde, und über die vielen Versuche, die ihre Kinder unternahmen, sie zu beschützen:

I hadn’t been the first person to suggest that Mama leave Baba, my father and tormentor. On her wedding night, in a boarding house in Beiruit, Baba beat her for the first time. The landlady urged her to pack her things and go, as Mama wiped the running kohl off her face, even offering to buy her a ticket back to Egypt. It wasn’t too late to change her mind, to annul this ill-fated marriage. Mama refused, too ashamed to return home after having eloped to Lebanon with Baba in the first place. She buried her face in the satin of her gown and remembered her mother’s solemn expression the day she left, her head covered in a thin black veil out of respect, refusing to shed a tear.

Also, ich will mehr solche Texte lesen. Leserinnen und Leser, wie geht es euch da?

Ran an den Mann!

Wednesday, July 23rd, 2008 von Katrin

Vater KindIn der taz gibt es heute ein sehr interessantes Interview mit Familiensoziologe Hans Bertram. Es geht um Familie, Frauen und Männer. Um alte Rollen, neue Visionen, einen anderen Arbeitsmarkt und eigentlich alles, was eben so wichtig wird, wenn erst einmal Kinder da sind.

Auf die Frage, was in Deutschland schief läuft, warum sich nur so wenig Männer für die Erziehung entscheiden, antwortet Bertram:

“Die Mehrzahl der jungen Männer hält an dem typischen Ernährermodell fest. Es gibt einfach noch zu viele Gratifikationen für das alte Modell. Bleiben sie dabei, geht es der Familie finanziell gut - und sie sind angesehen. Es gibt im Augenblick noch wenig Anreize für Männer, für das Kind da zu sein. Die Männerrolle ist stark davon abhängig, dass die Männer gegenüber Frauen gerne attraktiv sind.”

Auch die Frauen halten demzufolge viel zu sehr an diesem alten Modell fest:

“Die wollen den erfolgreichen, berufstätigen Mann. Wenn man sich das Heiratsverhalten anguckt, die heiraten eher nach oben in die sozialen Positionen hinein.”

Und:

“Wir haben unglaublich viel darüber nachgedacht, wie eine moderne Frauenrolle aussehen könnte, wie sie Fürsorge für Kinder und auch für Alte mit ihrer Berufskarriere in Übereinstimmung bringen kann. Aber das Interessante ist, dass wir nie über die Männer reden.”

Aber was tun? Bertram:

“… das, was die Norweger machen. Da bleiben nur die Aktiengesellschaften an der Börse, wo mindestens 40 Prozent beiden Geschlechtes drin sind.”

Und:

“… wir müssen dafür sorgen, dass Frauenberufe genauso gut bezahlt werden wie Männerberufe. Und wir müssen irgendwie sicherstellen, dass die Wertigkeit der Fürsorge für andere genauso wichtig ist wie der ökonomische Erfolg. Solange es unterschiedliche Gehälter und schlecht beleumundete Fürsorge gibt, ist ein fairer Aushandlungsprozess faktisch ausgeschlossen.”

Es ist wirklich erstaunlich, dass in der Kürze eines solchen Interviews so viel Gehalt liegen kann. Also bitte das ganze Interview lesen, lohnt sich!

(Bild von Schoenswetter)

Feministische Hiphopper

Sunday, April 20th, 2008 von Susanne

Die aktuelle Emma portraitiert die netteste Hiphop-Band Deutschlands: Fettes Brot. Und die entpuppen sich im Gespräch als Feministen:

„Wir freuen uns, wenn Frauen feministische Ansätze in unserer Musik entdecken. Wir wollen einen respektvollen Umgang zwischen Männern und Frauen propagieren. Alles andere finden wir ekelhaft“, sagt Boris Lauterbach alias König Boris.

In ihren besten Momenten vereinen die drei Bühnenakteure Ausgelassenheit, Sensibilität und Tiefe mit einem grundempathischen Gesellschaftsbild. Dafür mussten sie in ihren 15 Jahren Bandgeschichte trotz wiederholter Hitparadentauglichkeit immer wieder mal Prügel von der Rap-Polizei einstecken. Als „Pop-Schweine“, „Weicheier“, „Muttis Lieblinge“ und „Profeministen“ werden die Fetten Brote beschimpft.

Hiermit sei den Dreien ein deutliches “Feminist des Tages” ins Muttiheft gestempelt.

(Foto: Cover der neuen Platte “Strom und Drang”)

How to be: Ein feministischer Freund

Saturday, April 12th, 2008 von Susanne

Jill postete gestern in ihrem Blog feministe.us die Frage eines Lesers: Was das genau bedeutet, der männliche Part in einer feministischen Beziehung zu sein? Eine spannende Frage! Bisher sind bei feministe.us schon über 60 Kommentare eingegangen. Und jener Leser, der die Frage stellte, wünscht sich sogar, Jill würde ein Buch “How to be a feminist boyfriend?” schreiben. Gute Idee!

“Es war einmal ein Mädchen, das hieß Anne”

Friday, March 28th, 2008 von Katrin

Gehört eigentlich in jedes CD-Regal: Meine Freundin Rieke war mit ihrer Schwester auf fast jedem Konzert, das es in ihrer Nähe gab. Hunderte Menschen wurden von ihm in ihrem Alltag begleitet und kannten seine Lieder in- und auswendig. Bis heute reist er durch die Lande, um etwas zu bewegen – im wahrsten Sinne des Wortes: um zum Tanzen, zum Lachen und Singen anzuregen. Wie viele Fantasien hat er wohl schon angeregt? Wie viele Menschen für ein Leben lang beeinflusst?

Die Rede ist von keinem gewöhnlichen Pop-Star, nicht von Robbie Williams, sondern vom Liedermacher Fredrik Vahle. Vor 35 Jahren, im Jahre 1973, kam seine erste Platte auf den Markt, “Die Rübe”. Der heute 66-Jährige hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, Kindern Spaß zu machen. Aber nicht die Sorte inhaltsleerer, oberflächlicher Spaß wie die Teletubbies, sondern Spaß mit Tiefgang und Gefühl. Seine Lieder waren von Anfang an auch immer politisch, er griff Themen wie Arbeit und Arbeitslosigkeit, Migration, Sexismus und – ja – auch Feminismus und Demokratie auf. Im Lied”Das Trampeltier” wird zum Beispiel der zivile Ungehorsam propagiert, “Die Rübe” zeigt, dass alle Kinder – auch die von Gastarbeitern – zusammen viel erreichen können und “Anne Kaffeekanne” steht für selbstsichere, freche Mädchen, die sich weder nach Konventionen richten, noch von irgendwem zur Hausfrau machen lassen.

Denn die kleine Anne ist ein bisschen verrückt: Sie bläst gerne Trompete auf einer Kaffeekanne und zwar so nervig und penetrant, bis alle Nachbarn “Aufhören!” schreien. Statt sich aber davon einschüchtern zu lassen, schnappt sich das Mädel ihren Besen und kehrt dieser Nachbarschaft den Rücken zu, auf der Suche nach Gefährten in der ganzen Welt, mit denen sie auf Augenhöhe leben kann. Und wenn ihr jemand doof kommt, dann wird er eiskalt links liegen gelassen. Ein Eskimo am Nordpool zum Beispiel, der sich freut, dass Anne ihm jetzt jeden Tag Lebertran kochen könnte. Oder ein gefährlicher Löwe, der sie fressen will – Anne hat keine Angst.

Selbstbewusst zieht sie weiter und schneit bei Heidi in den Alpen vorbei. Diese würde sie gerne mitnehmen auf ihre abenteuerliche Reise, doch Heidi, das alte Heimchen, hat keinen Bock, bleibt lieber zu Hause. Anne schert sich nicht drum. Als im Schwarzwald der Oberförster mit seinen strohblonden Haaren mit den Worten “du bist genau die richt’ge Frau, du bringst mir die Pantoffeln für die Tagesschau” versucht, Anne hinter den Herd zu verbannen, steht er ganz schnell wieder alleine da. Richtig so!

Erst der kleine Hansi Heinemann, aus Wanne-Eikel, der nicht versucht, das fliegende Fräullein in irgendeine Rolle zu quetschen, sondern einfach mitreisen möchte, wird aufgenommen. Auf Augenhöhe eben – Jungs und Mädchen.

Wer sich angesichts solcher Kinderlieder, durch die eine ganze Kinder-Generation fast schon “indoktriniert” wurde, wundert, dass heute so viele Alphamädchen rumlaufen, wer sich noch fragt, wie es zu solchen Ergebnissen in der Brigitte-Studie kommen konnte, die zeigt was Frauen wollen – nämlich alles und das ganz selbstbewusst, der sollte einmal die alten CDs von Fredrik Vahle rauskramen. Dieser Herr, mit dem langen weißen Bart hat sicherlich sein Schärflein dazu beigetragen.

Danke!

Den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland (der ihm im Jahr 2000 verliehen wurde) hat er ohne Frage mehr als verdient. Mein Sohn hört übrigens auch fast täglich “Die Rübe”, den “Spatz” und natürlich Frau Kaffeekanne. Soll ja auch mal ein ordentlicher Feminist werden, der kleine Mann.

Schöne Kleider, schlichte Frauen

Wednesday, March 5th, 2008 von Meredith

Freude, Freude: Daniel Haas analysiert auf Spiegel Online, was die Ausstattung zweier neuer Filme über das aktuelle Frauenbild in Hollywood (und außerhalb) preisgeben.

In seinem Text beschäftigt er sich zum einen mit dem Kostümfilm “Die Schwester der Königin”, mit Natalie Portman und Scarlett Johansson in den Hauptrollen. Zum anderen nimmt der den neuen Katherin Heigl-Film “27 Dresses” unter die Lupe.

In “Die Schwester…” geht es um die beiden Boleyn-Schwestern Anne und Mary. Anne ist die berühmtere von beiden, die sich - opulent eingekleidet - mit Intrige und Kalkül an die Seite von Heinrich VIII wuchtet, während sich die zurückhaltende Mary mit der Rolle der unsichtbaren Mätresse des Königs zufrieden gibt. Anne endet, wie wir wissen auf dem Schaffott. Portmans letztes Kostüm ist ein weißes Leichentuch.

Bei “27 Dresses” spielt Katherine Heigl eine frustrierte Hochzeitsplanerin, die zwar toperfolgreich aber natürlich mannlos tief unglücklich und in den Falschen verliebt ist. Auch sie trägt viele verschiedene Outfits während dem Film und endet letztlich mit Mann am Altar. Ihr letztes Kostüm ist ebenfalls weiß.

Haas zeigt die Parallelen auf und interpretiert die weiße Tracht der weiblichen Hauptrollen als Symbol für deren schlichte Funktion. Während die eine für ihren Ehrgeiz und Machthunger sterben muss, findet die andere erst die Erfüllung an der Seite eines Heinis.

Deprimierendes Fazit, aber prima Analyse. Aber es wird auch klar: Gute, coole Frauenrollen gibt es im Mainstreamkino kaum.

Ach übrigens, Darling …

Monday, February 25th, 2008 von Susanne

Die Comedian Sarah Silverman ist so ungefähr die coolste Sau, die man sich im Fernsehen vorstellen kann. Vor einigen Wochen hat sie ihrem Freund, dem Talkmaster Jimmy Kimmel, per Musikvideo mitgeteilt, dass sie, nun ja, nicht ganz treu ist und ihn mit einem sehr berühmten Mann betrügt:

Was die Sache noch ein bisschen lustiger macht: Jimmy Kimmel behauptet in seinen Shows regelmäßig, Matt Damon säße noch hinter der Bühne, aber leider leider sei die Zeit schon um - “sorry, Matt …”

Gestern nun rächte sich Jimmy Kimmel an Sarah Silverman mit einem noch überraschenderem Geständnis:

Also, wenn so Beziehungsarbeit aussieht, dann scheint sie SEHR viel Spaß zu machen.

Fußballjungs

Monday, February 11th, 2008 von Susanne

An dieser Stelle mal ein super Clip, der thematisch mit nichts sonst hier auf der Seite zu tun hat - einfach aus Bock und weil er sowas von cool ist:

Ganz genau

Thursday, January 31st, 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 9 von 20 der Serie In Bildern: Das denkt die Welt

Untertitel: “Feminists get all the chicks.” Righty-right, Boys!

Über Flickr

Chabrol, der alte Feminist

Friday, January 11th, 2008 von Susanne

Im Tagesspiegel ist heute ein schönes Interview mit dem Regisseur Claude Chabrol zu seinem neuen Film “Die zweigeteilte Frau”. Zum Beispiel sagt er da:

“Ich beobachte viele junge Frauen von heute, die wie Gabrielle unglaublich charmant und lebendig sind. Ihnen gelingt es, sich, auch ohne kultiviert zu sein, ein interessantes Leben aufzubauen. Und das, obwohl die französische Gesellschaft die weibliche Emanzipation immer ziemlich argwöhnisch betrachtet hat. Ich fühle mich seit langem als Feminist und halte es mit Louis Aragon: Die Frau ist die Zukunft des Mannes.”

Irgendwie ist das sehr beruhigend, wenn sich ein 67-jähriger als Feminist bezeichnet. Weil klar wird: Es muss kein Generationending sein, welche Rollen Mann und Frau zugeschrieben werden. Allerdings würde ich Louis Aragons Ausspruch lieber etwas abgewandelt sehen: Die Zukunft ist die von gleichberechtigten Frauen und Männern.