Archiv für ‘Alltag’

Das Leben ist kein Ponyhof!

Monday, January 5th, 2009 von Anna
Dieser Text ist Teil 18 von 18 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Heute nutze ich die Gelegenheit einer eigenen Kolumne dafür, ein Kindheitstrauma zu verarbeiten. Es geht um meinen Geburtstag in der dritten Klasse, ich wurde neun.
Wie jedes normale Kind freute ich mich sehr auf meinen Geburtstag, ganz besonders auf die Feier mit den anderen Kindern. Und natürlich auf die Geschenke! Ich bekam an diesem Geburtstag vor allem eines: Bücher! Und zwar nicht irgendwelche Bücher sondern: Pferdebücher!

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Ich kann mir im Nachhinein gut vorstellen, wie das zustande kam. Meine Mitschülerinnen liebten Pferde, mit allem, was dazu gehörte. Pferdebücher, Pferdeposter (MediZini!), Schulsachen voll mit Pferden und „My Little Pony“. Ich war quasi in einer Pferdemädchenklasse gefangen. Was lag für die Geschenke kaufenden Mütter also näher, als auch für mich Pferdebücher zu besorgen? Wie konnten sie auch ahnen, dass ausgerechnet diese 9jährige keine Pferde mochte?
Ich habe es versucht! „Kiki rettet den Ponyhof“ bekam noch eine Chance, „Das Glück dieser Erde“ (oder ein ähnlicher Pilcher-Titel) flog nach 20 Seiten in die Ecke, zusammen mit den anderen Pferdebüchern. Mein Frust war groß! Was für blöde Geschenke!

Ich weiß bis heute nicht, warum ich kein Pferdemädchen* war, entsprach ich doch sonst zumindest in Sachen Spielzeug wirklich jedem gängigen Stereotyp!

Alles fing recht harmlos an mit gefärbten Stoffwindeln und unbehandelten Holzbauklötzen, von denen meine Mutter heute noch schwärmt. Beides meines Erachtens recht gender-neutral. Was man von meiner enormen Barbie-Sammlung (von der meine Mutter selten schwärmt) nicht mehr sagen kann. Eines meiner tollsten Weihnachtsgeschenke war ein Barbiehaus (leider nicht das echte, sondern ein stabiles aus Holz). Ich denke, ich muss nicht näher erwähnen, dass das Haus nach und nach mit Himmelbett, Bad, Schminktisch, Küche etc voll eingerichtet wurde. Das einzige Produkt des Barbie Universums, das keinerlei Reiz auf mich ausübte waren die - richtig - Pferde! Allerdings spielte ich mit Barbie nie das klassische Mama-Papa-Kind-Szenario, sondern Barbie ging täglich arbeiten bei mir. Immerhin das! Außerdem besaß ich natürlich (teilweise sprechende) Puppen, mit Kinderwagen und was man sonst noch so braucht. Später kam tatsächlich noch einer dieser Köpfe dazu, die man schminken und frisieren kann.

Man sieht: Spielzeugtechnisch war ich ein wandelndes Klischee.

Ich erinnere mich allerdings auch an einen Korb voller Matchbox-Autos. Nur kann ich mich nicht erinnern, damit wirklich gespielt zu haben. Später landeten sie dann bei meinem Bruder. Außerdem sollte man der Vollständigkeit halber noch Playmobil und eine große Lego-Sammlung erwähnen.

Was lernen wir daraus? Auch eine feministische Erziehung schützt nicht vor der Barbie Invasion im Kinderzimmer. War es Peer-Pressure oder doch eher wohl meinende Verwandte, die Barbie und andere Puppen in mein Kinderzimmer brachten? Ich weiß es nicht. Meiner Mutter wird nicht immer wohl gewesen sein beim Blick in meine Spielsachen.

Es muss allerdings erwähnt werden, dass mein Bruder, als er sich - ebenfalls zu Weihnachten - eine Barbie samt Ferrari wünschte, diese anstandslos bekam. Warum genau Barbie allerdings als erstes nackt ausgezogen wurde und die Feiertage damit verbrachte, im FKK-Look durch den Flur zu brausen, das kann er heute nicht mehr erklären. Angeblich erinnert er sich nicht.

*Ich wurde von einer Reihe ehemaliger Pferdemädchen darauf aufmerksam gemacht, dass „echte Pferdemädchen“ nicht so sind, wie es das Klischee vermuten lässt! Echte Pferdemädchen sind den ganzen Tag im Stall und riechen entsprechend, echte Pferdemädchen machen sich ohne Murren dreckig beim Ausmisten, echte Pferdemädchen sind hart im Nehmen und echte Pferdemädchen schrecken auch vor Pferdeapfelschlachten nicht zurück.
Liebe echte Pferdemädchen, ich finde es sehr schade, dass ich euch nicht früher begegnet bin!

“Männer können ihre Nippel ungestört herzeigen”

Saturday, January 3rd, 2009 von Katrin

Maria von Lucas Cranach

Ums Stillen ist es ein wundersames Spiel:

Erstens ist es gerade wahnsinnig en vogue. So wird eine Mutter, die ihr Kind nicht oder nur kurz stillt in den diversen Mütter-Tummel-Foren des Web 2.0 auseinandergenommen wie eine Weihnachtsgans. Denn nicht zu stillen ist ein Frevel am armen Kind. Stillen muss sein! Selbst die WHO empfiehlt schließlich mindestens sechs Monate zu stillen.

Zweitens aber - und hier wird es jetzt schon schwierig: Wer stillt, der bleibe bitte bitte zu Hause! Auch im wunderbar offen über alle Tabus redendem Web 2.0 kann man nachlesen, dass dessen Erna-Normal-Userin bitte nicht in Cafés und Restaurants mit den Brüsten stillender Frauen belästigt werden will. Unter solchen Texten entbrennen für gewöhnlich Grabenkämpfe zweier unvereinbar scheinender Meinungen.

Drittens, und jetzt wirds spannend, bietet das Web 2.0 mit seinen Netzwerken und deren Fotoalben die beste Möglichkeit, die wunderschönen Momente des Stillens mit der ganzen Welt - zumindest aber mit den eigenen Freunden - zu teilen. Nun gut - wers mag. Könnte man denken, aber…

Viertens: Stoßen all diese Faktoren miteinander zusammen, wenn eines der größten sozialen Netzwerke dieser Welt ausgerechnet aus den scheinbar von akuter und chronischer Prüderie erfassten USA betrieben wird. Dann nämlich werden diese Bilder knallhart gelöscht - so meldete dieStandard.at am 2. Januar:

Das soziale Netzwerk Facebook entfernt seit Herbst vergangenen Jahres Fotos von seiner Site, auf der Nutzerinnen in stillender Position mit ihren Säuglingen zu sehen sind. Nicht ohne die Frauen vorher darauf aufmerksam zu machen, dass ihre Fotos als “obszön” eingestuft worden seien.

Hier musste ich ein paar Mal herzlich lachen, weil ich mich doch sehr schnell fragte, wer wohl alles in Berlin die vielen Mütter als “obszön” einstufte, die es sich nicht nehmen lassen, trotz Stillens noch auf die Straße, in Cafés und zu Outdoor-Partys zu gehen! Tatsächlich fanden sich vor der US-amerikanischen Facebook-Zentrale über 11.000 Frauen zum “Nurse-In” ein, um gegen diese Diskriminierung zu protestieren. Denn die Stillen-feindliche Ansage der Facebooker, das sei “obszön” - die wollten die meisten Frauen natürlich so nicht auf sich sitzen lassen!

Noch mehr jubelte ich dann aber bei diesem wunderbaren Satz von dieStandard.at:

Männer können indessen in den USA ihre Nippel ungestört weiterhin herzeigen. Kürzlich veröffentlichte Fotos des designierten US-Präsidenten Barack Obama mit nacktem Oberkörper am Strand ernteten anerkennende Worte in den Medien.

(Bild über wikimedia commons: Die Maria von Lucas Cranach dem Älteren - in Facebook dürfte sie nicht veröffentlicht werden)

Unser Jahresrückblick 2008

Wednesday, December 31st, 2008 von Verschiedenen

Sprachlosester Moment des Jahres: „the winner of the award for the best weblog in german language is Mädchenmannschaft“
Irritation des Jahres: Lady Bitch Ray überreicht Oliver Pocher ein Döschen Fotzensekret.
Was 2008 irgendwie so war wie immer: Bei den Querelen in Hessen ist das Verhalten von Roland „brutalstmögliche Aufklärung“ Koch angemessen und verständlich, Andrea Ypsilanti hingegen wird zur nervigen Frau, die endlich zur Vernunft kommen soll.
Die gute Wahl 2008: Der alternative Nobelpreis für Monika Hauser.
Skeptisch gemacht hat mich 2008: Die Kampagne zur HPV-Impfung.

Ein wunderbares 2009 wünscht Euch Anna. Lasst es krachen!

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Die Entscheidung des Jahres ist für mich die Berufung von Hillary Clinton als US-amerikanische Außenministerin.
Der beschissenste Trend des Jahres ist die Auffassung, Kinder seien ein Status-Symbol, das jetzt auch die Coolen cool fänden.
Der Mutmacher des Jahres ist das neben dem BOB-Award für maedchenmannschaft.net als Bestes Deutsches Weblog 2008 die Ankündigung, dass es im Februar 2009 eine 2. Ausgabe von Missy geben wird.
Was ich aus 2008 definitiv nicht vermissen werde,
ist der medial inszenierte Generationenstreit zwischen Feministinnen unterschiedlichen Alters.
Was 2009 endlich kommen muss,
ist ein Round-Table-Gespräch mit Alice Schwarzer und jungen Feministinnen.

Viele Grüße, alles Gute für 2009, lasst den Feminismus nicht sterben, sondern hochleben, wünscht Barbara

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Schönster unpolitischer Moment des Jahres, war ein Konzert der wunderbaren Gustav unter freiem Himmel
Schönster politischer Moment des Jahres, war Claudia Roths inbrünstige und flammende Rede auf der Landesfrauenkonferenz der Berliner Grünen, in der sie ihre Freude über den Jungen Feminismus äußerte
Persönlicher Triumph des Jahres: auch ein kleiner Junge kann sehr gefühlvoll, verschmust und sprachbegabt sein! - Erziehung ohne Gender-Stereotype kann gelingen.
Der herzhafteste Lacher des Jahres entwich mir, als ich Feuchtgebiete (mit all den angeekelten Rezensionen im Hinterkopf) las und Helen ihr selbstgemachtes Tampon genussvoll im Krankenhausfahrstuhl deponierte…
Plädoyer für 2009: Bitte habt auch ein ♥ für Männer
Erkenntnis des Jahres: Ich bin Feministin - Hooray!
Eigener Ruf in diesem Jahr: Katrin ist Dr. Sex der Mädchenmannschaft
Ey, wenn nächstes Jahr nicht endlich… diese Große Koalition abgelöst wird, und mit ihr diese miserable Gender-Politik, dann geb ich mir aber die Kugel!!

Prost meine Lieben! Ich freue mich auf ein diskussions- und aktionsreiches neues Jahr! Eure Katrin

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Persönlicher feministischer Yiha!-Moment des Jahres: Als mir ein sehr wichtiger Mensch sagte, er sei jetzt übrigens auch Feminist. Weil dieser Mensch vor einem Jahr noch darauf beharrt hatte, Humanismus sei doch viel wichtiger als Feminismus.
Professioneller feministischer Top-Moment des Jahres: Als nach unserer Buchpräsentation in München zwei junge Damen auf mich zukamen und sich für “Wir Alphamädchen” bedankten, mit den Worten, sie fänden sich darin absolut wieder.
Langweiligstes und schlimm überstrapaziertes Wort des Jahres: “Zickenkrieg“, s. a. NEON und EMMA.
Größte Irritation 2007: Wenn ich mich entscheiden muss, dann war das die Aussage einer relativ prominenten Feministin, sie sei ja sowohl Maskulinistin als auch Feministin. Da hab ich kurzfristig oxymoronischen Schluckauf bekommen.
Die ermüdenste feministische Debatte fand für mich gar nicht in Deutschland statt, sondern in den USA, wo sich Frauen darüber die Köpfe einschlugen, ob sie Hillary Clinton per Geschlecht zu unterstützen hatten.
Aufgepasst in 2009: In 2008 haben sich Abtreibungsgegner ziemlich intensiv bewegt. Es kommen möglicherweise wieder größere Konflikte auf uns zu.
Deprimierendste Person des Jahres: Sarah Palin.
Meine Kunst-Entdeckung des Jahres: Pipilotti Rist.
Frau des Jahres: Chris Köver, Mit-Macherin von Missy Magazine.
Der schreibende Mann, der mich 2008 immer wieder echt froh gemacht hat: Alex Rühle.

Liebe Leserinnen und Leser, danke für spannende Diskussionen, Feedback und Inspiration. Ich wünsche euch allen eine tolle Feierei. Viel Freude und Fortschritt 2009! Meredith

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Da konnte 2008 gegenüber 2007 trumpfen: Man kann wieder über Feminismus sprechen, sich sogar “Emanze” nennen, ohne sich ins gesellschaftliche Abseits zu katapultieren. Da ist am Ende des Jahres was Gutes von dem ganzen Hype übrig geblieben.
Hat dieses Jahr brutal genervt: die Erhöhung des Kindergeldes um wieder 10 Euro ab dem 1. Januar 2009. Man fragt sich, wann die Bundesregierung mal den Empfehlungen der EU und dem Vorbild der Nachbarländer folgen wird und diese verdammten zehn Euro in eine bessere Kinderbetreuung steckt. Zehn Euro mehr im Portemonnaie hilft Eltern nur sehr bedingt; ein gesetzlich garantierter Betreuungsplatz mit ausgebildetem (ergo: gut bezahltem) Personal dagegen viel.
Die erstaunlichste Leistung des Jahres: brachte die 8-jährige Nojoud Muhammed Nasser, die sich von ihrem 30-jährigen Ehemann scheiden ließ.
Auf den Punkt gebracht: Jutta Allmendinger hat in “Das zweite Geschlecht steht auf” geschrieben, was in der diesjährigen Debatte über berufstätige Frauen mal gesagt werden musste.
2008 war nur der Anfang: für Sarah Haskins. 2009 dann “The Daily Show”? Dank Sarah und “Target Women” haben wir 2008 wieder eine Menge über uns Frauen gelernt.
Kurz vor Schluss noch mal richtig nett zu uns: die Blogger um Thomas Knüwer und Franziskript, die uns am Montag zum “Besten Themenblog” gekürt haben.
2009 braucht: mehr Krawall & Remmidemmi

Ich freu mich, wenn ihr uns auch im nächsten Jahr treu bleibt; viel Spaß beim Reinfeiern! Eure Susanne

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Die Frau des Jahres ist für mich Charlotte Roche, weil sie der Muschidebatte mal ordentlich in den Hintern getreten hat
Der Mann des Jahres ist Barack Obama, weil er aus Idealismus Realismus machte
Der Erfolg des Jahres
ist Missy – das erste Popkulturmagazin für Frauen in Deutschland; Byte.fm – Internetradio mit hervorragenden Sendungen, auch von Frauen
Aufreger des Jahres: Die Erziehungsdebatte über Jungs
Musikerinnen des Jahres
: Cat Power, Gustav, Joan as a PoliceWoman, Yo Majesty, Bernadette La Hengst, Clara Luzia und und und …
Was ich aus 2008 nicht vermissen werde, sind keusche Disney-Retorten wie Hannah Montana und Jonas Brothers etc.

Eure Verena

Doing Gender am Mittagstisch

Friday, December 12th, 2008 von Susanne

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat die Bedürfnisse und das Essverhalten von Frauen und Männern untersucht und miteinander verglichen. Dabei haben sie so allerlei Unterschiede festgestellt, glauben aber nicht an das Märchen, dass Frauen per definitionem und quasi schon in den Genen nun mal so und Männer nun mal ganz anders seien. Stattdessen:

Die unterschiedlichen Geschmäcker beim Essen und Trinken seien hauptsächlich auf traditionelle und soziale Strukturen zurückzuführen, glauben die Ernährungswissenschafter. Männer zum Beispiel äßen viel zu viel Fleisch. Sie hätten zwar einen erhöhten Bedarf an Eiweiß, weil sie mehr Muskeln hätten als Frauen, der Anteil an Fleisch in ihrer Kost sei aber bei Weitem zu hoch, sagen sie.

(…)

Männer hingegen essen kaum Obst, und wenn, dann verarbeitet, etwa im Apfelstrudel. Auch das liege eher an Traditionen, urteilen die Forscher. Die latente Ablehnung von Obst bei Männern lasse sich rein physiologisch nicht erklären. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern beim Obstverzehr sei bereits in der Kindheit vorhanden und bleibe bis ins hohe Alter erhalten. Das Verhalten sei wohl hauptsächlich auf Erziehung zurückzuführen.

Vor allem beim Essen betreiben viele Menschen (unbewusst?) eine Art Geschlechterselbstvergewisserung. Damit sie sich als “richtige” Frau fühlen, greifen die Ladys gern zu Salat, Joghurt und Schokolade. Ein “echter” Mann zu Fleisch und fettigen Nahrungsmitteln. Das unterschiedliche Essverhalten ist weniger Ausdruck biologischer Tatsachen, sondern oftmals der Versuch, seine geschlechtliche Identität auszudrücken - kurz: Doing Gender.

Im Wagen vor mir …

Monday, December 8th, 2008 von Anna
Dieser Text ist Teil 16 von 18 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Vor ein paar Wochen waren mein Auto und ich zur jährlichen Inspektion. Mein kleiner Flitzer ist mir inzwischen seit knapp 10 Jahren treu und ich möchte gerne, dass er sich noch eine Weile tapfer hält.

Ich mag mein Autohaus. Nicht nur, weil ich dort Kaffee bekomme, solange ich auf mein Auto warte. Sondern vor allem deswegen, weil man dort, von der Tresenkraft bis zum Werkstattmeister, anständig mit mir umgeht. Und das, obwohl ich eine Frau bin und eine junge noch dazu.

Ich glaube, als ich begann Auto zu fahren, habe ich das erste Mal erlebt, dass ich wirklich offensichtlich wegen meines Geschlechts benachteiligt, konkret gesagt, für dumm gehalten und verkauft wurde. Es waren kleine und große Situationen, am Anfang begriff ich oft gar nicht, was da passierte.

Da war z.B. der Werkstattmeister in meinem ersten Autohaus, der mich regelmäßig konsequent ignorierte. Anfänglich dachte ich, das sei eine Charaktersache. Bis ich ihn im Umgang mit männlichen Kunden erlebte. Und spätestens nachdem die Autoinspektion eines männlichen Verwandten nicht - wie es bei mir regelmäßig geschah - ohne Entschuldigung über eine Stunde länger dauerte als angekündigt, war mir klar, dass da etwas nicht stimmte und ich wechselte zu einem anderen Fachhändler.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Oder dieser Unfall – ich war knapp über 18 - als mir ein Mann ins Auto fuhr und versuchte, mich sehr von oben herab über den Tisch zu ziehen und zur Anerkennung einer Teilschuld zu bewegen. Ich bestand darauf, die Polizei dazuzurufen, woraufhin er versuchte, mich vor dieser als ein dummes, kleines Mädchen dastehen zu lassen („Tut mir leid, dass sie da nun Arbeit haben, ich wollte das ja unter uns regeln, aber die junge Dame bestand darauf, sie zu holen.“). Am Ende half das alles nichts und er musste unter großem Gemurre meinen Schaden komplett übernehmen.

Natürlich kann man nun einwerfen, dass das auch jedem jungen Mann so gegangen wäre. Kann natürlich sein. Andererseits kennen wahrscheinlich die meisten der Leserinnen diese ganz bestimmten Situationen mit diesen ganz bestimmten Männern, in denen man auf einmal merkt: „Okay, hier geht es wohl gerade wirklich darum, dass ich eine Frau bin“.
Neben Autohäusern trifft man diese Sorte Mann zum Beispiel gerne im Baumarkt an. Oder sie kommen zu uns nach Hause, wenn unsere Heizung, die Waschmaschine oder der Herd nicht funktionieren, scheinen aber die exakt gleiche Informationen zu den Fehlern des Gerätes aus dem Mund unseres Freundes irgendwie besser zu hören, als wenn wir ihnen sagen, was nicht stimmt.

Was mein Auto angeht, ärgere ich mich vor allem deswegen über solche Männer, weil ich weiß, dass gut Auto fahre. Ich kann auch einparken, das sogar besonders gut. Und ja, ich könnte meinen Platten selber wechseln und ja, ich weiß auch, wo und wie ich den Ölstand prüfe.

Auto fahren mit allem was dazu gehört ist ein typischer Bereich des Lebens, in denen viele Frauen sich selber entmündigen („das kann ich sowieso nicht“ – ähnlich wie beim Heimwerken übrigens) oder auch aus Bequemlichkeit darauf verzichten, den ganzen Idioten da draußen zu zeigen, dass sie es eben doch können.

Allerdings habe ich mich auch selber neulich dabei ertappt, dass ich zum Gespräch mit dem Heizungsinstallateur meinen Freund vorgeschickt habe („der Idiot hört mir eh nicht zu“), anstatt beharrlich selbst die Aufmerksamkeit des Fachmanns einzufordern. Manchmal geht der Wunsch nach einer schnellen Lösung des Problems eben doch vor.
Aber dafür habe ich inzwischen einen tollen Werkstattmeister!

Und was ist heute hinterm Türchen?

Thursday, December 4th, 2008 von Katrin

“Advent, Advent, ein Lichtlein brennt…”

lesende WeihnachtsfrauDa sage nochmal eineR, FeministInnen hätten mit Traditionen nix am Hut: Das Weblog der Genderbibliothek an der Humboldt-Universität in Berlin bietet einen überaus nützlichen Adventskalender an. Jeden Tag erfahren an Gender Studies interessierte Menschen nun, wo sie Zeitschriften, Datenbanken, Literatur und ExpertInnen rund um die Themen Gender und Frauen finden können.

Auslöser für diese Idee war eine Umfrage unter den Studierenden der Gender Studies, welche Datenbanken und Literatur sie für ihre Recherche nutzen würden. “Viel zu wenig!” dachten die BloggerInnen ob des Ergebnisses und machten es sich zur Aufgabe, 24 interessante und nützliche Quellen, sowie Kontakte für ihre Studierenden zusammenzustellen. Am 1. Dezember konnte man erfahren, welche Fachzeitschriften es gibt, am 2. führte die Reise nach Österreich und gestern gab es Leipziger Schätze zu erkunden. Heute werden ExpertInnen zu verschiedenen Themen und wie man sie findet erörtert. Also schaut doch rein - es werden noch 20 Türen zu öffnen sein und das mitmachen lohnt sich bestimmt!

Über mari*us.zierold

Schizophrene Politik

Tuesday, December 2nd, 2008 von Katrin
Dieser Text ist Teil 5 von 7 der Serie Meine Meinung

Na wunderbar, da haben wir’s mal wieder Schwarz auf Weiß: Die Familienpolitik der Großen Koalition ist nichts weiter, als ein Marketinggag. Alles wirkt wahnsinnig fortschrittlich, von der Leyen kommt als die große Retterin der Frauen daher, die es ihnen nun ermöglichen wird, Work und Life unter einen Hut zu bekommen. Doch all die Geschenke aus dem Hause vdL verdecken eine ganz bittere Wahrheit: Sie sind vor allem für Besserverdienende gedacht. Sie richten sich gar nicht an Hartz-IV-EmpfängerInnen (gut, kann man sagen: wozu, die haben ja auch Hartz IV), null an StudentInnen (die haben tatsächlich im schlimmsten Fall: gar nichts mehr, wenn das Elterngeld ausgezahlt ist; eine Kürzung um 50 Prozent im Vergleich zum vorigen Erziehungsgeld) und auch GeringverdienerInnen stehen eher schlecht da. Kinder in die AkademikerInnen-Familien! – Das war ja auch das Ziel. Der Rest: Äh, ja. Vielleicht: Gedöns. Haben wir halt gerade kein Geld für. Pech.

Wie schlimm aber die Lage für Mütter heutzutage tatsächlich ist, wird aus diesem Spiegel-Artikel erkenntlich. Man könnte – nimmt man die allgemeine Stimmungslage rund um die Familienpolitik der Großen Koalition wahr – ja glauben, dass alles besser würde. Nicht perfekt, klar, ein paar Baustellen bleiben über, aber hey: Es wird besser.

Pustekuchen: Tatsächlich arbeiten Mütter weniger, als früher. Je mehr Kinder, desto weniger Arbeitsstunden pro Woche leisten die Mütter. (Übrigens ein umgekehrtes Bild bei den Vätern, was aber auch logisch ist: irgendwoher muss das Geld ja kommen.) Die Schere zwischen Väter- und Mütterarbeitszeit, das aber wird deutlich, hat sich in den vergangenen Jahren vergrößert.

„Trotz größerer Integration in den Arbeitsmarkt gelangen viele Frauen noch nicht über eine Rolle als Hinzuverdienerin im Haushalt hinaus und bleiben damit finanziell abhängig vom Ehemann”, stellen die Verfasser der Studie fest. Von einer gleichberechtigten Arbeitsaufteilung zwischen den Geschlechtern sei Deutschland noch weit entfernt.“

Heißt es dazu und ich muss sagen, das ist wirklich eine ganz ganz miese, traurige, aber irgendwie gar nicht SO überraschende Bilanz. Feministinnen kritisieren seit Jahren, was auch die Arbeitsforscher mit ihrer Studie nun noch einmal auf den Tisch knallen:

„Auf der einen Seite solle mit dem Ausbau der Kinderbetreuung und des Elterngeldes die weibliche Beschäftigung gefördert werden. Auf der anderen Seite biete die Politik Anreize für eine geringe Frauenbeschäftigung, etwa durch die Subventionierung von Minijobs oder das Ehegattensplitting, das Paare mit ungleichem Einkommen steuerlich begünstigt.“

Vergiss AIDS nicht II: Erinnerungen und Einblicke

Monday, December 1st, 2008 von Katrin

Quelle: wikimedia commons
Am heutigen Welt-AIDS-Tag wird eine Krankheit in Erinnerung gerufen, die viele Menschen gerne verdrängen. Dabei sterben jährlich fast drei Millionen Menschen daran, über vier Millionen infizieren sich neu und knapp 40 Millionen leben mit dem Virus in sich. Vergessen und verdrängt wird sie vor allem deshalb gerade in unserer Gesellschaft sehr leicht, weil die meisten Infizierten auf dem vergessenen Kontinent leben: Afrika. In manchen südlichen Afrikanischen Ländern, wie Botswana, Namibia, Südafrika und Simbabwe liegt der Anteil der mit dem HI-Virus infizierten Erwachsenen über 15 teilweise bei fast 20 Prozent. Die Zahl könnte drastisch gesenkt werden, würden Politik und Weltgesellschaft sich endlich konsequent des Problems annehmen, das beweist das Beispiel Uganda: Innerhalb von 10 Jahren, in der Zeit von 1990 und 2000, konnte in Uganda die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) von HIV bei schwangeren Frauen von 30 auf 20 Prozent gesenkt werden, Sexualkundeunterricht, Kampagnen zum Gebraucht von Kondomen und HIV-Tests, deren Ergebnisse noch am selben Tag bekannt gegeben wurden führten zu diesem Erfolg. Aufklärung und Entstigmatisierung – gerade auch für Frauen! – sind der Weg.

Ausbreitung wikimedia commons

Verbeitung von HIV weltweit - Quelle: wikimedia commons (beide Bilder)

Doch auch wenn die Immunschwächekrankheit auf dem afrikanischen Kontinent ein viel größeres Problem darstellt, als bei uns, dürfen wir die Augen nicht davor verschließen. Jedes Jahr stecken sich auch hierzulande immer mehr Menschen mit dem Virus an, über 60.000 Menschen tragen ihn in sich. War die Zahl der Neuinfektionen viele Jahre lang stabil (ca. 2.000 pro Jahr) so gibt es seit einigen Jahren einen Anstieg, was auf eine größere Gleichgültigkeit und weniger Vorsicht zurückschließen lässt.

Was mich ganz persönlich heute in Bezug auf dieses Thema berührt hat, waren zwei Artikel, die ich euch kurz vorstellen möchte.

Der eine Artikel mit dem Titel “Kondome statt Progrome” erschien in der Rubrik einestages bei Spiegel Online. Der Autor Guido Vael erinnert sich an die AIDS-Hysterie, die Anfang der 80er in Deutschland ausbrach, als die Krankheit auch hier ankam und vor allem konservative Politiker sich unfassbare Methoden ausdachten, ihr zu begegnen: Im Fokus standen natürlich die Schwulen. Schließlich hieß die Krankheit in den USA nicht umsonst GRID, also „Gay Related Immun Deficiency“. Peter Gauweiler (CSU) muss sich dieses Thema besonders zu Herzen genommen haben: Mit einem berühmtberüchtigten Maßnahmenkatalog, der dann auch in der Stadt München umgesetzt wurde, verordnete er Zwangs-Tests und Absonderung von Infizierten. Vael schreibt in seinem Text dazu:

„Gauweiler hatte Angst, mit Praktiken der Nazis, mit der Erinnerung an Konzentrationslager in Verbindung gebracht zu werden. Aber er sagte uns wortwörtlich, dass sein Ziel sei, die Schwulen-Infrastruktur zu zerschlagen.“

Der zweite Artikel erschien in der heutigen Taz. Waltraud Schwab schreibt unter dem Titel “Hetero, Mutter, HIV-positiv” über die Stigmatisierung HIV-infizierter Frauen in Deutschland und wie diese langsam versuchen, das Tabu zu brechen, indem sie reden. Marianne Rademacher von der Deutschen AIDS-Hilfe erklärt in diesem Artikel, dass mehr Frauen als Männer heute weltweit mit dem HI-Virus infiziert sind und sagt dazu:

„Wenn mehr Frauen positiv sind als Männer, dann muss nicht nur HIV neu gedacht werden. Dann müssen auch die sozialen, ökonomischen und emotionalen Abhängigkeiten der Frauen von Männern auf den Tisch.“

Schwab portraitiert eine deutsche Infizierte, 50 Jahre, zwei Kinder. Sie erzählt ihren Alltag, beschreibt die Vorurteile, die Häme, die über sich ausgeschüttet werden; erzählt von den Nebenwirkungen der Medikamente und warum diese bei Frauen viel heftiger sind (weil nämlich die Medikamente nur an Männer getestet werden). Sie beschreibt eindringlich, wie schwer es für eine Frau sein kann, neben all dem sich selber zu lieben. In zwei weiteren Kurzportraits schildern Frauen ihren Umgang mit der Infektion und warum es wichtig ist, darüber zu reden. Denn:

„Stigmatisiert werden die HIV-Positiven, weil alle, die kein HIV haben, meinen, es geht sie nichts an. Das allerdings meinen sie, weil Leute wie wir nicht darüber sprechen.“

Vergiss AIDS nicht

Monday, December 1st, 2008 von Susanne

Heute ist Weltaidstag. In ganz Deutschland finden Aktionen statt, du kannst Veranstaltungen besuchen oder dich selbst engagieren.

In Deutschland stagniert die Zahl der Aidskranken auf hohem Niveau, wenn man so will, kann man das schon als gute Nachricht lesen. Denn in vielen Regionen der Erde explodieren die Zahlen der Neuinfizierten und Erkrankten regelrecht. Zum Beispiel in der Ukraine gibt es mehr Kranke als in allen anderen europäischen Ländern.

Die überwiegende Mehrheit aller infizierten lebt in Entwicklungsländern. Laut Unicef starben zwischen 2005 und 2007 mehr als 1,2 Millionen Kinder unter 15 Jahren an den Folgen von Aids. Deutschland will in Zukunft denjenigen unter ihnen die Staatsschulden erlassen, wenn sie die freiwerdenden Gelder für die Aids-Bekämpfung nutzen.

Also, sprecht mit euren Freundinnen und Freunden, Partnerinnen und Partnern, Geschwistern, Kindern über AIDS und

Benutzt Kondome!

 

Am Ball beteiligt

Wednesday, November 26th, 2008 von Verena

Der Ball ist rund – keine Frage. Aber dass er rollt, scheint mittlerweile vor allem der Verdienst von Frauen zu sein. „Frauen machen Fußball zur Wachstumsbranche“ hieß es diese Woche in einer dpa-Meldung. So das Ergebnis einer Erhebung unter 1.000 sportinteressierten Bundesbürgern, die das Kölner Marktforschungsinstitut „Sport und Markt“ durchgeführt hatte. Demnach hat sich die Zahl der weiblichen Fußballfans seit 1991 von 5,9 auf 12,5 Millionen mehr als verdoppelt. Außerdem seien fast ein Viertel (23 Prozent) der Stadionbesucher von Erstligaspielen Frauen.

Klingt doch super! Vor allem der Blick hinter die Nachricht: Frauen sind ein entscheidender Wirtschaftsfaktor für den deutschen Fußball! Hartmut Zastrow, Vorstand des Marktforschungsunternehmens „Sport und Markt“, bestätigt: „Die Erstligavereine haben in der Saison 2007/2008 mehr als 100 Millionen Euro durch Frauen und Mädchen eingenommen.“ Bei männlichen Fans sei die Begeisterung dagegen weitgehend „ausgereizt“.

Bleibt abzuwarten, wie der Markt auf dieses Zeichen reagiert und Frauenzeitschriften um ein Sport/Fußballressort erweitert werden oder der Kicker beim Gynäkologen im Wartezimmer ausliegt.