Archiv für ‘1a-Schnecken’

Das ganze Jahr Missy

Thursday, September 25th, 2008 von Barbara

Am 20. Oktober erscheint die erste Ausgabe des lang ersehnten heiß erwarteten feministischen Popkulturmagazins Missy. Wer keinen Kiosk kennt oder ungern aus dem Haus geht, kann sich jetzt schon das Jahresabo sichern: 4 Ausgaben Missy zum Preis von EUR 18 im Inland bzw. EUR 25 im Ausland. Alle Infos und Adressen auf der Missy-Website. Dort gibt es derzeit auch nette Bilder von feministischen Katzen und ein bisschen Gossip über die Heft-Produktion.

Das Wort zum Sonntag

Sunday, September 21st, 2008 von Susanne

Die Schauspielerin Juliette Lewis wurde gestern von femalefirst.co.uk mit einer klaren Ansage zitiert:

“Ich will, dass Frauen anfangen darüber nachzudenken, was sie selbst zu sagen haben, was können sie für ihre Familien, andere Menschen, die Gesellschaft tun? Es ist okay, wenn man für seinen Mann begehrenswert sein will, das ist süß. Es ist dann aber schon etwas anderes, wenn sie sich ihr Gesicht umgestalten und Plastik in die Brust operieren lassen, nur um sich begehrenswerter zu fühlen. Von diesen Menschen hört man oft: ‘Nein, ich tue das für mich. So fühle ich mich gut.’ Stimmt das wirklich?”

Juliette Lewis nennt sich übrigens selbst “man-loving feminist”.

Rettet Bitch!

Wednesday, September 17th, 2008 von Susanne

Wer von euch schon mal das US-amerikanische Magazin Bitch gelesen hat, weiß, was für eine Perle dieses Heft im Zeitschriftenmarkt ist. Nun könnte die aktuelle Ausgabe die letzte sein, deswegen bitten die Macherinnen um Hilfe:

Die Dollhausmeisterin: Ilona Marti

Tuesday, September 9th, 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 1 von 2 der Serie 3 Fragen an die Künstlerin

Ilona Marti ist 23, wohnt in Zürich, und hat gerade ihren Abschluss an der Zürcher Hochschule der Künste im Bereich Style & Design gemacht. Das Projekt Dollhaus - Geschlechterkonflikte zum Kuscheln war ihre Bachelor-Arbeit.

Dafür dachte sie sich Namen, Lebensläufe und den damit zusammenhängenden gender trouble aus. Sie nähte jede dieser Figuren als Puppe mit individuellen Merkmalen wie einer Krawatte, einer Weste, einer Kette. Auf ihrer Webseite kann man die Figuren dann in ihrem “Dollhaus” besuchen, etwas über ihr Leben erfahren und einen “Reality Check” machen: Zu jeder Figur gibt es einen kleinen Film darüber, wie das Leben der Figur durch Geschlechternormen beeinflusst wird. Im “Advanced Reality Check” steht dann noch ein weiterführender Text, eher theoretischer Natur. Anschauen könnt ihr euch das Ganze selbst, aber wir haben Ilona mal drei schnelle Fragen zu ihrer Arbeit gestellt:

Was war die wichtigste Idee während der Arbeit an den Puppen, der Webseite und den Geschichten?
Zu Beginn hatte ich keinen Plan und keine Vorstellung, was rauskommen würde. Ich bin absolut intuitiv vorgegangen. Ich nähte Puppen, erfand Geschichten, machte Animationen, irgendwann brauchte ich einen Namen. Das Projekt bestand aus tausend losen Stücken. Am Ende fügte sich doch noch alles zu einem runden Konzept zusammen. Darauf bin ich am meisten stolz. Und dann hab ich noch ein absolutes Lieblingsdetail auf der Homepage: die Vögel auf dem Dach des Hauses, die wegfliegen, wenn man auf das “about” klickt. Die mag ich besonders gerne.

Was ist das schönste Kompliment, das du bisher dafür bekommen hast?
Am schönsten waren für mich die Gesichter der Besucher der Ausstellung, wenn sie sich meine Arbeit angesehen haben. Besonders die “Reality Checks” haben vielen Leuten ein Schmunzeln entlockt. Es ist für mich das schönste und unmittelbarste Kompliment, wenn ich den Leuten ein Lächeln entlocken kann. Dann weiß ich, dass die Storys angekommen sind.

Wie beeinflusst deine Arbeit deine (feministische) Haltung, wie der Feminismus deine Arbeit?
Zu Beginn hatte ich dem Begriff “Feminismus“ gegenüber eine starke Abneigung. Trotzdem habe ich irgendwann angefangen, feministische Literatur zu lesen. Mir wurde klar, dass viele „alt-feministische“ Fragen noch heute brandaktuell sind. Ich merkte, dass meine Abneigung dem Feminismus gegenüber nicht gerechtfertigt war. Inhaltlich war ich mit vielen feministischen Ansichten total einverstanden und ich wusste auch, dass ich diese für meine Arbeit verwenden will. Deswegen kann ich sagen, dass der Feminismus meine Arbeit inhaltlich absolut beeinflusst hat. Trotzdem bezeichne ich meine Arbeit nicht unbedingt als feministisch. In erster Linie, weil sich der Feminismus zu stark auf das weibliche Geschlecht bezieht. Abgesehen davon, fand ich den Begriff aber auch irgendwie hinderlich. Ich glaube, dass es sich mit dem Feminismus ähnlich verhält wie zum Beispiel mit Che Guevara. Sein Image überlagert seine Inhalte. Ist es sinnvoll Che Guevaras Bild zu verwenden, wenn ich eine echte Revolution starten will? Nimmt mich dann überhaupt noch jemand ernst? Ähnlich verhält es sich mit dem Feminismus. Er trägt zu viele Vorurteile mit sich rum. Deshalb verzichte ich selber ganz gerne auf den Begriff. Ich würde meine Haltung und meine Arbeit daher eher als “geschlechterrollenkritisch” bezeichnen.

Dies ist Teil 1 der neuen Reihe “3 Fragen an die Künstlerin”. Hier wollen wir Projekte vorstellen, die sich künstlerisch mit dem Thema Feminismus auseinandersetzen. Empfehlungen bitte an mannschaftspost(at)web.de.

Samstagabendbeat

Saturday, September 6th, 2008 von Susanne

… What a word’s worth? …

Mehr?

“Die Öffentlichkeit traut dem Denken der Frauen nicht”

Friday, September 5th, 2008 von Susanne

In der aktuellen Ausgabe der Zeit stellt sich die Literaturkritikern Susanne Meyer in einem sehr lesenswerten Essay eine interessante Frage: Warum gibt es in Deutschland keine weiblichen intellektuellen Ikonen wie es Susan Sontag für Amerika war - oder auch die Publizistin Joan Didion?

Bei der Lektüre des Essays wird klar: Es gibt eine ganze Menge Gründe dafür. Gründe, die sich gegenseitig bedingen und reproduzieren:

Ein deutsches Phänomen, findet die Kulturwissenschaftlerin Christina von Braun, die in Italien aufwuchs, in Frankreich und Amerika gelehrt hat und zum Wintersemester an der Humboldt-Universität zu Berlin als Graduiertenkolleg »Geschlecht als Wissenskategorie« anbietet. Fragt man Braun, warum sich in Deutschland Frauen immer wieder zurücknähmen, sagt sie, das Problem sei eine Abwehr des Mutterbildes, und zwar weniger das der Nazis als das des Weiblichkeitsideals der fünfziger Jahre.

Sie beschreibt es die Hausfrau, die Gattin, die aufopferungsvolle Weiblichkeit. Die gewählte Abstinenz von einer öffentlichen Rolle. Der dezidierte Nichtintellektualismus, der in dieser Rolle liegt. Die Rolle der intellektuellen Frau ist nicht deutlich vorgezeichnet. »Ich bitte Sie, wenn bei uns eine Alice Schwarzer als große Emanzipationsfigur gilt«, sagt Braun. »Alice Schwarzer!«, sagt Bovenschen. Und erinnert sich, wie die Debatte um den Paragrafen 218 in alle Diskussionen »hineingegrätscht« sei, alle anderen Themen aus dem Feld geschlagen habe. Das hielt die Mädchen beschäftigt. Frauen verpassten es, sich in jene Zeitdebatten einzumischen, in denen Didion und Sontag prominente Rollen spielten. In differenzierten Essays, nicht als Stichwortgeberinnen in Talkshows.

(…)

Bei uns, sagt Braun, traue die Öffentlichkeit dem Denken der Frauen nicht. Mehr noch trauten sich Frauen etwas zu, werde das nicht gerne gesehen. So ist es: Frauen, die eine starke Meinung haben, werden vor allen Dingen als Frauen gesehen. Man schaut auf ihre Frisur, die Schuhe, siehe oben.

»Schriftsteller sollten uns mit dem, was sie tun, frei machen, lockern, aufrütteln. Sie sollten dem Mitgefühl und neuen Interessen neue Wege bahnen«, sagte Susan Sontag, als sie im Mai 2001 den Jerusalem-Preis entgegennahm, in einer Rede, die auch der neue Band enthält, und definiert für sich eine grandiose Rolle, ohne Bescheidenheit. (…) Es fällt schwer, sich in der deutschen Landschaft eine Frau zu denken, die sich so zu produzieren wagte.

(…)

So liest man also mit ein wenig Neid die Essays von Didion und Sontag, eine Gattung übrigens, die dem deutschen Geist natürlich zuwiderläuft. Der Essay sei bei uns ja eine Kümmerform, sagt Bovenschen, der erst vor zwei Jahren gelang, mit aphoristischen Betrachtungen, Älter werden, einen Publikumserfolg zu erringen. »Sontag und Didion schreiben journalistisch!«, sagt Braun, »und das ist bei uns ein Totschlagargument unseriös!«

Liebe Ladys, wie sind eure Zukunftspläne? Kommen darin auch laute Auftritte und klare Ansagen in der Öffentlichkeit drin vor? Oder wäre das tatsächlich un-vor-stell-bar?

Renate Künast über Männer

Monday, September 1st, 2008 von Barbara

In der vergangenen Wochenend-Ausgabe der Süddeutsche Zeitung war ein langes Interview mit der Grünen-Politikerin Renate Künast zum Thema “Männer”. Recht lesenswert, vor allem, wie sie auf die manchmal doch sehr polemischen Fragen der Interviewerin Cathrin Kahlweit reagiert. In Auszügen (der Artikel war leider nicht online auffindbar):

Trotz aller sich nivellierender Rollen ist es sicher für Ihren Mann nicht ganz leicht, dass Sie beachtet werden, und er wird hinterhergeschleift.

Ich lebe das erste Mal in einer Beziehung, in der keine Machtfragen zu klären sind. Ich kann beides: bemuttern und bemuttert werden. Ich habe aber, zugegeben, in meinem Leben auch bei sich sehr links gerierenden Männern erlebt, wie die neidvoll und aggressiv gesagt haben: Kümmer dich um mich!

(…)

Früher war eine anständige Feministin links und/oder grün. Heute haben die Grünen keinen Vorsprung in der Debatte über Gleichberechtigung. Als Leitfiguren gelten Renate Schmidt (alt) oder Ursula von der Leyen (neu). Was ist passiert?

Das bezweifle ich. Die meisten würden Alice Schwarzer nennen. Jüngere Frauen würden an ihr allerdings kritisieren: Die geht auf meine Lebenssituation nicht ein. Wir Grünen sind vielleicht ein bisschen zu sehr stehengeblieben bei den Forderungen der 70er, 80er Jahre und haben es nicht geschafft, das Thema neu zu besetzen, obwohl bei uns viele junge Frauen sind. Die Familienministerin wiederum setzt nur auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dabei hat sich da noch gar nicht viel verändert. Der Hype bei von der Leyen beruht doch vor allem darauf, dass eine Partei, die sich gerade noch gegen alles gewehrt hat, jetzt gemerkt hat, dass man den Menschen mal was anbieten muss. Aber was nutzen den Eltern von heute Kita-Plätze ab 2013? Und es gibt so viele Probleme jenseits der Kinderfrage, die auch Frauen angehen, die keine Kinder haben. Wie können Frauen zum Beispiel die Glasdecke durchstoßen? Wie können Frauen angesichts des neuen Unterhaltsrechts und der niedrigen Renten ihr Leben selbst in die Hand nehmen? Ihr Alter absichern? Von der Leyen und konservative Medien setzen auf Kinder. Aber wir können doch den Fokus nicht nur auf die Frau als Mutter legen!

(…)

Sind alte Feministinnen schlicht spießig?

Wir dürfen nicht daherkommen wie die alten Kriegerinnen, die eins aufs Maul gekriegt haben, die Verletzungen und Narben haben und wissen, was richtig ist, wie man zu kämpfen hat und wie man dabei auszusehen hat. Schrecklich ist doch das Modell alte Feministin, die den jungen Frauen sagt: Zieh ein Wallekleid an, zeige dich nicht, und trage das Messer immer quer im Mund, bereit für den Geschlechterkampf. Jede Generation muss ihre Werkzeuge und ihre Themen selbst festlegen. Sie muss ihren Kampf ja auch selber kämpfen.

Nachtrag am 27.11.08:
Das Interview kann man jetzt auf Renate Künasts Webseite nachlesen.
(Dank an Tessa für den Link.)

Samstagabendbeat

Saturday, August 30th, 2008 von Susanne

… Steh auf, gib nich’ auf, hör nich’ auf, hör nie auf
Unite, es wird Zeit, du und ich, unite …

Die Ladys, u.a. Noah Sow, bieten mit ihrem Sisters e.V. Workshops für Mädchen, in denen diese das Musikmachen lernen. Gerade ist das Album “Gender Riots” erschienen. (Aber ein Musikvideo gibt es noch nicht, deswegen oben der Auftritt beim Bundesvision Song Contest; ab Minute 2 geht es dort richtig los.)

Emanzipierte Kiwis

Friday, August 29th, 2008 von Anna

Unsere Leserin Dorothea hat uns auf einen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aufmerksam gemacht: “Das weibliche Ende der Welt”. Neuseeland scheint wie nebenbei das erreicht zu haben, wovon europäische und amerikanische Feministen und Feministinnen derzeit nur träumen können: Eine Gesellschaft, die in hohem Maße, ja in einer Phase in den 90ern fast ausschließlich, von Frauen repräsentiert wird. Eine Premierministerin, Bürgermeisterinnen, eine Generalstaatsanwältin… Insgesamt sind 47% der neuseeländischen Arbeitsstellen von Frauen besetzt:

“Anders als in vielen europäischen Ländern haben die neuseeländischen Frauen den Aufstieg ohne Förderprogramme und Quoten erreicht. „Vorwärts gebracht haben uns der Abbau rechtlicher Ungleichheiten und eine expandierende Wirtschaft“, meint die Sozialwissenschaftlerin Marilyn Waring. […] Bestandsaufnahmen zur Rolle der Frau kommen in Neuseeland ohne anklagenden Unterton aus. Es wird kühl bilanziert und besonnen appelliert. „Die Forderung nach mehr Frauen in der Wirtschaft wird bei uns nicht mit den Rechten der Frau begründet, sondern mit den Vorteilen für die Wirtschaft“, sagt Waring.“

Aber:

“Trotz der Erfolge machen Feministinnen wie Marilyn Warin noch immer Defizite aus. „Nur weil man jetzt überall Frauen in guten Positionen sieht, lässt sich noch lange nicht von Gleichberechtigung sprechen“, sagt die Professorin und verweist auf den hohen Anteil von weiblichen Teilzeitstellen und die Gehaltsdifferenzen zwischen Männern und Frauen. Anschauungsmaterial bietet ihr eigenes Umfeld. Obwohl an der Auckland University of Technology deutlich mehr Männer als Frauen studieren, ist nur jeder vierte Professor eine Frau. […] In 60 der 100 größten Unternehmen sitzen heute keine Frauen im Vorstand.”

Liebe Leserinnen und Leser, wer von Euch war schon (länger) in Neuseeland? Eine Gesellschaft so voller wichtiger Frauen: Merkt man das? Und warum bekommen wir das nicht hin, verdammt?!
Anders gefragt: Wie schaffen wir es, dass auch hier Frauen endlich als wichtiger wirtschaftlicher Input gesehen werden und nicht mehr als die Gefahr einer Fehlinvestition?

Spooky: Buffy Schuld an Kirchenaustritten

Wednesday, August 27th, 2008 von Susanne

Endlich mal wieder etwas für die Rubrik “Wissenschaftler Quatsch”:

Sarah Michelle Gellar und ihre Fernsehserie “Buffy” ist daran schuld, dass sich immer mehr Menschen der traditionellen Religion abwenden - behauptet zumindest eine britische Studie. (…) Die Autorin Dr. Kristin Aune: “Weil sich die Serie so intensiv mit der weiblichen Selbstbestimmung auseinandersetzt, ist die (heidnische Religion) Wicca so attraktiv für junge Frauen geworden. Kurz gesagt - Frauen verlassen dafür die Kirche.”

Na dann.
Ich meine: Hä?