Archiv für ‘1a-Schnecken’

“Die Öffentlichkeit traut dem Denken der Frauen nicht”

Friday, September 5th, 2008 von Susanne

In der aktuellen Ausgabe der Zeit stellt sich die Literaturkritikern Susanne Meyer in einem sehr lesenswerten Essay eine interessante Frage: Warum gibt es in Deutschland keine weiblichen intellektuellen Ikonen wie es Susan Sontag für Amerika war - oder auch die Publizistin Joan Didion?

Bei der Lektüre des Essays wird klar: Es gibt eine ganze Menge Gründe dafür. Gründe, die sich gegenseitig bedingen und reproduzieren:

Ein deutsches Phänomen, findet die Kulturwissenschaftlerin Christina von Braun, die in Italien aufwuchs, in Frankreich und Amerika gelehrt hat und zum Wintersemester an der Humboldt-Universität zu Berlin als Graduiertenkolleg »Geschlecht als Wissenskategorie« anbietet. Fragt man Braun, warum sich in Deutschland Frauen immer wieder zurücknähmen, sagt sie, das Problem sei eine Abwehr des Mutterbildes, und zwar weniger das der Nazis als das des Weiblichkeitsideals der fünfziger Jahre.

Sie beschreibt es die Hausfrau, die Gattin, die aufopferungsvolle Weiblichkeit. Die gewählte Abstinenz von einer öffentlichen Rolle. Der dezidierte Nichtintellektualismus, der in dieser Rolle liegt. Die Rolle der intellektuellen Frau ist nicht deutlich vorgezeichnet. »Ich bitte Sie, wenn bei uns eine Alice Schwarzer als große Emanzipationsfigur gilt«, sagt Braun. »Alice Schwarzer!«, sagt Bovenschen. Und erinnert sich, wie die Debatte um den Paragrafen 218 in alle Diskussionen »hineingegrätscht« sei, alle anderen Themen aus dem Feld geschlagen habe. Das hielt die Mädchen beschäftigt. Frauen verpassten es, sich in jene Zeitdebatten einzumischen, in denen Didion und Sontag prominente Rollen spielten. In differenzierten Essays, nicht als Stichwortgeberinnen in Talkshows.

(…)

Bei uns, sagt Braun, traue die Öffentlichkeit dem Denken der Frauen nicht. Mehr noch trauten sich Frauen etwas zu, werde das nicht gerne gesehen. So ist es: Frauen, die eine starke Meinung haben, werden vor allen Dingen als Frauen gesehen. Man schaut auf ihre Frisur, die Schuhe, siehe oben.

»Schriftsteller sollten uns mit dem, was sie tun, frei machen, lockern, aufrütteln. Sie sollten dem Mitgefühl und neuen Interessen neue Wege bahnen«, sagte Susan Sontag, als sie im Mai 2001 den Jerusalem-Preis entgegennahm, in einer Rede, die auch der neue Band enthält, und definiert für sich eine grandiose Rolle, ohne Bescheidenheit. (…) Es fällt schwer, sich in der deutschen Landschaft eine Frau zu denken, die sich so zu produzieren wagte.

(…)

So liest man also mit ein wenig Neid die Essays von Didion und Sontag, eine Gattung übrigens, die dem deutschen Geist natürlich zuwiderläuft. Der Essay sei bei uns ja eine Kümmerform, sagt Bovenschen, der erst vor zwei Jahren gelang, mit aphoristischen Betrachtungen, Älter werden, einen Publikumserfolg zu erringen. »Sontag und Didion schreiben journalistisch!«, sagt Braun, »und das ist bei uns ein Totschlagargument unseriös!«

Liebe Ladys, wie sind eure Zukunftspläne? Kommen darin auch laute Auftritte und klare Ansagen in der Öffentlichkeit drin vor? Oder wäre das tatsächlich un-vor-stell-bar?

Renate Künast über Männer

Monday, September 1st, 2008 von Barbara

In der vergangenen Wochenend-Ausgabe der Süddeutsche Zeitung war ein langes Interview mit der Grünen-Politikerin Renate Künast zum Thema “Männer”. Recht lesenswert, vor allem, wie sie auf die manchmal doch sehr polemischen Fragen der Interviewerin Cathrin Kahlweit reagiert. In Auszügen (der Artikel war leider nicht online auffindbar):

Trotz aller sich nivellierender Rollen ist es sicher für Ihren Mann nicht ganz leicht, dass Sie beachtet werden, und er wird hinterhergeschleift.

Ich lebe das erste Mal in einer Beziehung, in der keine Machtfragen zu klären sind. Ich kann beides: bemuttern und bemuttert werden. Ich habe aber, zugegeben, in meinem Leben auch bei sich sehr links gerierenden Männern erlebt, wie die neidvoll und aggressiv gesagt haben: Kümmer dich um mich!

(…)

Früher war eine anständige Feministin links und/oder grün. Heute haben die Grünen keinen Vorsprung in der Debatte über Gleichberechtigung. Als Leitfiguren gelten Renate Schmidt (alt) oder Ursula von der Leyen (neu). Was ist passiert?

Das bezweifle ich. Die meisten würden Alice Schwarzer nennen. Jüngere Frauen würden an ihr allerdings kritisieren: Die geht auf meine Lebenssituation nicht ein. Wir Grünen sind vielleicht ein bisschen zu sehr stehengeblieben bei den Forderungen der 70er, 80er Jahre und haben es nicht geschafft, das Thema neu zu besetzen, obwohl bei uns viele junge Frauen sind. Die Familienministerin wiederum setzt nur auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dabei hat sich da noch gar nicht viel verändert. Der Hype bei von der Leyen beruht doch vor allem darauf, dass eine Partei, die sich gerade noch gegen alles gewehrt hat, jetzt gemerkt hat, dass man den Menschen mal was anbieten muss. Aber was nutzen den Eltern von heute Kita-Plätze ab 2013? Und es gibt so viele Probleme jenseits der Kinderfrage, die auch Frauen angehen, die keine Kinder haben. Wie können Frauen zum Beispiel die Glasdecke durchstoßen? Wie können Frauen angesichts des neuen Unterhaltsrechts und der niedrigen Renten ihr Leben selbst in die Hand nehmen? Ihr Alter absichern? Von der Leyen und konservative Medien setzen auf Kinder. Aber wir können doch den Fokus nicht nur auf die Frau als Mutter legen!

(…)

Sind alte Feministinnen schlicht spießig?

Wir dürfen nicht daherkommen wie die alten Kriegerinnen, die eins aufs Maul gekriegt haben, die Verletzungen und Narben haben und wissen, was richtig ist, wie man zu kämpfen hat und wie man dabei auszusehen hat. Schrecklich ist doch das Modell alte Feministin, die den jungen Frauen sagt: Zieh ein Wallekleid an, zeige dich nicht, und trage das Messer immer quer im Mund, bereit für den Geschlechterkampf. Jede Generation muss ihre Werkzeuge und ihre Themen selbst festlegen. Sie muss ihren Kampf ja auch selber kämpfen.

Samstagabendbeat

Saturday, August 30th, 2008 von Susanne

… Steh auf, gib nich’ auf, hör nich’ auf, hör nie auf
Unite, es wird Zeit, du und ich, unite …

Die Ladys, u.a. Noah Sow, bieten mit ihrem Sisters e.V. Workshops für Mädchen, in denen diese das Musikmachen lernen. Gerade ist das Album “Gender Riots” erschienen. (Aber ein Musikvideo gibt es noch nicht, deswegen oben der Auftritt beim Bundesvision Song Contest; ab Minute 2 geht es dort richtig los.)

Emanzipierte Kiwis

Friday, August 29th, 2008 von Anna

Unsere Leserin Dorothea hat uns auf einen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aufmerksam gemacht: “Das weibliche Ende der Welt”. Neuseeland scheint wie nebenbei das erreicht zu haben, wovon europäische und amerikanische Feministen und Feministinnen derzeit nur träumen können: Eine Gesellschaft, die in hohem Maße, ja in einer Phase in den 90ern fast ausschließlich, von Frauen repräsentiert wird. Eine Premierministerin, Bürgermeisterinnen, eine Generalstaatsanwältin… Insgesamt sind 47% der neuseeländischen Arbeitsstellen von Frauen besetzt:

“Anders als in vielen europäischen Ländern haben die neuseeländischen Frauen den Aufstieg ohne Förderprogramme und Quoten erreicht. „Vorwärts gebracht haben uns der Abbau rechtlicher Ungleichheiten und eine expandierende Wirtschaft“, meint die Sozialwissenschaftlerin Marilyn Waring. […] Bestandsaufnahmen zur Rolle der Frau kommen in Neuseeland ohne anklagenden Unterton aus. Es wird kühl bilanziert und besonnen appelliert. „Die Forderung nach mehr Frauen in der Wirtschaft wird bei uns nicht mit den Rechten der Frau begründet, sondern mit den Vorteilen für die Wirtschaft“, sagt Waring.“

Aber:

“Trotz der Erfolge machen Feministinnen wie Marilyn Warin noch immer Defizite aus. „Nur weil man jetzt überall Frauen in guten Positionen sieht, lässt sich noch lange nicht von Gleichberechtigung sprechen“, sagt die Professorin und verweist auf den hohen Anteil von weiblichen Teilzeitstellen und die Gehaltsdifferenzen zwischen Männern und Frauen. Anschauungsmaterial bietet ihr eigenes Umfeld. Obwohl an der Auckland University of Technology deutlich mehr Männer als Frauen studieren, ist nur jeder vierte Professor eine Frau. […] In 60 der 100 größten Unternehmen sitzen heute keine Frauen im Vorstand.”

Liebe Leserinnen und Leser, wer von Euch war schon (länger) in Neuseeland? Eine Gesellschaft so voller wichtiger Frauen: Merkt man das? Und warum bekommen wir das nicht hin, verdammt?!
Anders gefragt: Wie schaffen wir es, dass auch hier Frauen endlich als wichtiger wirtschaftlicher Input gesehen werden und nicht mehr als die Gefahr einer Fehlinvestition?

Spooky: Buffy Schuld an Kirchenaustritten

Wednesday, August 27th, 2008 von Susanne

Endlich mal wieder etwas für die Rubrik “Wissenschaftler Quatsch”:

Sarah Michelle Gellar und ihre Fernsehserie “Buffy” ist daran schuld, dass sich immer mehr Menschen der traditionellen Religion abwenden - behauptet zumindest eine britische Studie. (…) Die Autorin Dr. Kristin Aune: “Weil sich die Serie so intensiv mit der weiblichen Selbstbestimmung auseinandersetzt, ist die (heidnische Religion) Wicca so attraktiv für junge Frauen geworden. Kurz gesagt - Frauen verlassen dafür die Kirche.”

Na dann.
Ich meine: Hä?

Samstagabendbeat

Saturday, August 16th, 2008 von Susanne

Diese Woche mal wieder die großartige Dokumentation “Shut Up And Sing” gesehen. Deswegen:

… How in the world can the words that I said
Send somebody so over the edge
That they’d write me a letter
Sayin’ that I better
Shut up and sing
Or my life will be over …

Die neuen Heldinnen

Friday, August 15th, 2008 von Susanne

Laut wissen.de sind das die da auf den Bildern:

Oben von links nach rechts:
Antonia Rados, Anke Engelke, Heather Nova, Ingrid Betancourt, Judith Holofernes

Unten von links nach rechts:
Juli Zeh, Julia Jentsch, Sophia Loren, Cornelia Funke, Alanis Morisette

Einverstanden? Oder nicht? Wer fehlt? Und warum ist die super?

(Bild von wissen.de geliehen)

Winehouse pfeift uns eins

Wednesday, August 13th, 2008 von Meredith

Amy Winehouse, die nach wie vor größte und wildeste aller Kerletten, hat wieder einmal gezeigt, wer hier die dicksten Cojones hat. Die Sängerin hätte ja ursprünglich den Titelsong zum neuen Bond “Quantum of Solace” gemeinsam mit Mark Ronson einspielen sollen. Wegen ihres, tja, ähm, unzuverlässigen, trinksüchtigen, aggressiven, willkürlichen Verhaltens wurde sie aber von den Produzenten wieder entlassen. Geplant ist stattdessen ein Duett von Alicia Keys und Jack White.

Jetzt hat Amy in einem Interview die Welt darauf aufmerksam gemacht, was sie verpasst.

“I guess they are going for clean-cut and boring,” she sneered to New magazine. “[They] made a big mistake. If they want a worldwide hit, I have them all up here [pointing to her head].”

Was für eine Vorstellung, wie die kleine, dünne Amy lungert, raunzt und machomäßig auf ihren Haarturm zeigt. Stellt sich allerdings (bei all meiner offenkundigen Zuneigung zu Ms. W.) doch die Frage - wird sie jetzt von allen anderen unterschätzt, oder ist sie einer groß angelegten Selbstverarschung aufgesessen?

“Das Maul aufmachen”

Sunday, August 10th, 2008 von Susanne

Vor ein paar Tagen hat Cyndi Lauper der Berliner Zeitung ein Interview gegeben, in dem sie ein kleines bisschen über ihre neue Platte “Bring Ya To The Brink” spricht und sehr viel über Sexismus und Emanzipation. Zum Beispiel:

Sie haben neulich bei einem Konzert Hillary Clinton Ihren neuen Song “Same Old Story” gewidmet. Sind sie verärgert über die demokratischen Vorwahlen?
Was über Hillary verbreitet wurde, war sexistisch. Als Frau finde ich das zum Kotzen. Aber ich weiß, dass diese Mauer schließlich fallen werden wird, denn hinter jeder Frau, die daran stößt, warten schon zwanzig mehr. Darum hatte ich zu Beginn meiner Laufbahn soviel Selbstvertrauen. Ich wusste, dass ich nicht die einzige bin, die so denkt, aber ich habe die Möglichkeit, mein großes Maul aufzumachen und was zu sagen. Und das werde ich tun.

(…)

Wenn ich Sie vor 15 Jahren interviewt hätte, hätte ich Ihnen zu Ihrer Vorarbeit zur Girl Power gratuliert. Aber inzwischen …
… hat es einen Backlash gegeben, nicht wahr? Heute sieht man keine Girl Power mehr. Man sieht frauenfeindlichen Scheiß und Mädchen, die sich verhalten, als wären sie lobotomisiert. Babes, ihr habt keine Power! Ihr könntet genauso gut Halsband und Leine tragen. Das ist nicht Selbstermächtigung, das ist rückwärtsgerichtet. Aber auch dagegen kommt wieder ein Backlash. Und für all diese Typen, die Leute wie mich zurückdrängen wollen, wird es noch ein schlimmes Erwachen geben.

Samstagabendbeat

Saturday, August 9th, 2008 von Susanne

… they call me QUIET but I’m a RIOT …