Burka-Verbot, Burka-Verbot, Burka-Verbot
von BarbaraDas Verbot, in der Öffentlichkeit eine Burka zu tragen bzw. sich mit einem anderen Ganzkörper-Schleier zu verhüllen, ist in einigen europäischen Ländern bereits gesetzlich verankert worden. Das französische Parlament hat kürzlich dafür gestimmt (wir haben berichtet), ebenso in Belgien (wir haben berichtet) wurde dafür votiert. In Spanien wurde der Verbots-Vorschlag gerade knapp abgelehnt, das Thema scheint aber auch hier noch nicht vom Tisch.
Über das Burka-Verbot hat Martha Nussbaum, Professorin für Rechtswissenschaften und Ethik an der University of Chicago, in der FR geschrieben; sie behandelt das Thema aus rechtsphilosophischer Sicht:
… Gesetzt den Fall, die Burka ließe sich statistisch mit Gewalt gegen Frauen eng in Verbindung bringen: Könnte die Regierung sie aus diesem Grund rechtmäßig verbieten? Der Oberste Gerichtshof der USA hat geurteilt, dass das Nackttanzen aufgrund seiner gelegentlichen Verbindung mit Verbrechen (auch gegen Frauen) verboten werden kann, aber es ist nicht klar, ob dieses Urteil richtig war. Burschenschaften am College weisen eine enge Verbindung zu Gewalt gegen Frauen auf, und einige Universitäten haben deshalb alle oder einige Burschenschaften verboten. Private Institutionen dürfen solche Regelungen treffen; ein völliges Verbot männlicher Trinkclubs (oder anderer Orte, an denen Männer sich betrinken, wie Fußballspiele) von Regierungsseite wäre aber eine groteske Einschränkung der Versammlungsfreiheit. …
Über das Burka-Verbot hat auch Antje Schrupp für die Jungle World geschrieben. Sie hält das Burka-Verbot für ein falsches Signal (eine Meinung, die ich absolut teile).
… Schließlich wäre ein Burkaverbot auch ein falsches Signal an die westlichen Milieus und an die nicht-muslimischen Migrationscommunities, die selten so liberal und frauenfreundlich sind, wie sie sich gerne darstellen. Gewalt gegen Frauen gibt es überall, die Beschränkung ihrer Freiheit auch. Das lässt sich nicht an äußerlichen Symbolen ablesen. Wir sollten uns nicht der Illusion hingeben, die Freiheit der Frauen könne per Gesetz sichergestellt werden. Sie muss sich im Konkreten bewähren: Wie unterstütze ich das Mädchen, das gegenüber ihren Brüdern benachteiligt wird? Wie argumentiere ich gegenüber einer Frau, die meint, der Ganzkörperschleier bringe sie näher zu Gott? Was ist mit der Frau, die von ihrem Mann geschlagen wird, ihn aber partout nicht verlassen will? …
Gedanken zum Burka-Verbot hat sich auch Alice Schwarzer in der FAZ gemacht. Sie ist für das Burka-Verbot. Der Text steht auf ihrer Website online:
Es ist in der Tat schwer nachvollziehbar, wie Frauen – und gar Konvertitinnen! – freiwillig eine Verhüllung anlegen können, die in den „Gottesstaaten“ und allen Ländern, in denen die Islamisten inzwischen die (heimliche) Macht haben, Frauen mit Todesdrohungen aufgezwungen wird. In diesen Ländern haben die verzweifelten Frauen keine andere Wahl. Und auch innerhalb der islamistisch beherrschten Communitys mitten in Europa ist es für die Musliminnen nicht immer einfach.
Aber was ist nur los mit den Konvertitinnen, die in Ländern aufgewachsen sind, in denen ihre Vorfahrinnen die Gleichberechtigung – vom Wahlrecht bis zum Recht der Sichtbarkeit im öffentlichen Raum – so mühsam erstritten haben? Ihre Motive scheinen Angst vor Freiheit und Selbstverantwortung zu sein sowie weiblicher Masochismus– als Folge einer langen realen Unterdrückung und Demütigung des weiblichen Geschlechts.
Facebook | | Tags: Alice Schwarzer, Antje Schrupp, Burka, Burka-Verbot
Eintrag geschrieben: Donnerstag, 22. Juli 2010 um 9:51 Uhr unter Alltag, Frauenfakten. RSS 2.0. Kommentieren. Trackback.







Danke! Die Jungle World hat an einer Stelle etwas verdrehend redigiert (woran ich selber schuld bin, weil mir das beim Gegenlesen nicht aufgefallen ist), aber ich hab dazu eben kurz was gebloggt: http://antjeschrupp.com/2010/07/22/der-feminismus-die-frauen-und-die-welt/ lg Antje
[...] interessante Einblicke in die Hintergründe der Debatte: Link. Weitere Kommentare hat die Mädchenmannschaft [...]
[...] interessante Einblicke in die Hintergründe der Debatte: Link. Weitere Kommentare hat die Mädchenmannschaft [...]
alice rules! ;-)
Ulrike hat im Theorieblog den (überzeugenden) Kern von Nussbaums Argument schön zusammengefasst:
“Nussbaums Abhandlung macht deutlich, wie sehr eine differenzierte, sachliche Erörterung der „Burkafrage“ Not tut. Sie zeigt, wie wichtig es ist, zwischen persönlichen oder kollektiven Präferenzen einerseits und politischen Prinzipien der Freiheit und Gleichheit andererseits klar zu unterscheiden, statt erstere unter dem Deckmantel letzterer zu befördern. Eine Meinung zu vertreten und eine Praxis abzulehnen, ist eine Sache. Ein Gesetz zu begründen und eine Praxis rechtlich bindend zu verbieten, eine andere.”
http://www.theorieblog.de/index.php/2010/07/%E2%80%9Eveiled-threats%E2%80%9C-martha-nussbaum-uber-burka-verbote-in-europa/
Alice Schwarzer muss ich da voll und ganz zustimmen.
Es ist im Grunde nichts anderes, als eine Form von Sklaverei, die Frauen betrifft, weil sie im Islam nicht als vollwertige Menschen wahrgenommen werden. Das ist unerträglich und darf nicht toleriert werden. Man sagt einfach “Religionsfreiheit!” und darf dann ungestört die Freiheit der Frauen beschränken und die angeblich universalen Menschenrechte mit Füssen treten?
Nein, in meinen Augen müssen die Menschenrechte mehr wert sein als irgendwelche anachronistischen Religionsrituale.
Nochmals: Die grössten Feindinnen der Freiheit sind glückliche Sklavinnen!
Und wegen der wenigen religiös verblendeten, glücklichen Sklavinnen, die freiwillig die Burka anziehen dürfen allen anderen Frauen keine Nachteile entstehen. Deshalb kann man nur für Frauenrechte, für Menschenrechte und gegen Burqa, gegen Niqab stimmen!
@ Gan-Chan:
Was du da schreibst, ist einfach nur totalitär. Alle, die anders leben wollen wie du dir das vorstellst, dürfen dies nicht. Nur deine Vorstellung von Menschenrechten ist die richtige.
Diese Einstellung ist unter Linken leider weit verbreitet, was wohl die totalitäre Basis des historischen Materialismus mit sich bringt :-(
@ Miriam:
Von mir aus können alle so leben wie sei wollen! Das sollte auch das Prinzip einer Religion sein. Der Spass hört dann auf, wenn andere Menschen “missioniert” werden, die, aus welchen Gründen auch immer, nicht so leben müssen.
Aus privaten Gründen kann ich Dir sagen, dass ich einfach schon genug habe, denn meine Partnerin ist zwangsweise Muslima, weil sie zufällig irgendwo geboren wurde, wo das dann eben einfach so ist. Ist Dir klar was es bedeutet, wenn die Familie den Traditionen weiter folgen will und weisst Du, dass es laut Sharia legitim ist andere Moslems zu killen, wenn sie sich vom Islam abwenden?
Danke, Barbara.
@Gan-Chan
Was Du ignorierst ist, dass das Verbieten des Burka-Tragens in der Öffentlichkeit eben gerade nicht das verbieten des Zwangs zum Burka-Tragen ist.
Du sagst, frau/man soll für Menschenrechte stimmen und daher dafür, Burka-tragende Frauen zu bestrafen. Die Logik dahinter ist aber fehlerhaft. Das Konzept des Menschenrechts ist genau das Gegenteil des Konzepts des Verbotes. Es wird nicht eine bestimmte Handlung, Geisteshaltung oder Meinungsäusserung verboten, vielmehr wird garantiert, dass frau/man einen mindestbereich an Freiheit hat, über sich selbst zu verfügen.
Die Proargumentation des Burka-Verbots verfehlt aber komplett zu zeigen, dass das Verbot irgendwie einen solchen Freiraum öffnet oder sichert. Das Argument, das Verbot zum Wohle der mit Strafe bedrohten einzuführen ist daher nicht konsisten.
Ich denke aber, es wird (vorallem von der politischen Rechten) immer wieder vorgebracht, weil es implizit auf tief verankerte Stereotypen zurückgreift: Der zivilisierte, chevaleske Westen beschützt die passiven, wehrlosen Frauen vor den barbarischen Horden (die Araber). Wir sind der gestrenge Vater, der die fehlgeleiteten Töchter die sich in die schönen Augen eines Orientalen verliebten zur Räson bringen müssen, wir sind der britische Offizier und Gentleman, der die weisse Frau vor King Kong äh Kameltreiber Ali retten muss, wir sind Robinson Crusoe, der Freitag und Co. das richtige Verhalten aufzwingen muss, Wir sind Tarzan, Lawrence von Arabien, Livingstone, Pizarro, Captain Kirk, die strafbedrohten Frauen sind Jane, lächelnde UreinwohnerInnen oder ArgelianerInnen und wir beschützen sie vor Shaka Zulu, Osama bin Laden oder ihrer eigenen Naivität.
@ Fairfis:
Du holst weit aus. Das hat aber nur theoretischen, philosophischen Wert, finde ich. Du magst auch bis zu einem gewissen Grad recht haben. Das bezweifle ich ja nicht. Der Unterschied ist, dass die Christen in dieser Zeit glücklicherweise nicht mehr Frauen foltern, quälen, einsperren und es keine Macho-Star-Trek-Kerle gibt, die Frauen belästigen. Es mag Einzelfälle geben, wie immer. Es mag fundamentale Christen geben, die ihren Frauenhass öffentlich kundtun. Aber das ist kein Vergleich!
Dass der Kampf für Freiheit & Demokratie den politisch links orientierten Menschen scheinbar egal ist, finde ich schade. Mit rechtskonservativen will ich jedenfalls nichts zu tun haben. Ich wurde bisher immer als ziemlich links einsortiert. Vielleicht revidieren das jetzt einige FreundInnen wieder, wenn sie meine Meinung zum Islam kennen? Vielleicht auch nicht, wenn sie mich bei einer Anti-Nazi-Demo sehen?
Ich kann nur nochmals auf Ms. Ayaan Hirsi Ali verweisen!
Und glaube mir, ich dulde keine MCP’s in meiner Nähe. Dabei ist mir die Religion, Herkunft oder was auch immer sonst herzlich egal.
Zur Freiheit gezwungen – Vollverschleierung in Europa…
Martha Nussbaum hat im Philosophieforum ‚The Stone‘ der NYT einen Text veröffentlich, in dem sie sich mit den aktuellen Diskursen um die Gesetzgebungen in Europa zum Verbot von Vollverschleierung qua Burka, Tschador und Niqab auseinandersetzt. Sie disk…