Burda und Bushido – Der Preis ist Scheiß

von Nadia

Diesen Integrationspreis des Burda-Verlags halte ich persönlich ja für ein perfides Beispiel aus der Reihe „Weil das so trendy ist mit der Konstruktion des Fremden und damit das aber nicht so doof aussieht verpacken wir das halt ganz bunt und positiv, und dann finden das alle spitze!“. Und weil zur Gewinnoption anscheinend nur die „Sollte schwarze Haare haben!“ und „Sollte prominent sein!“-Maxime gehörten, hatte man natürlich ganz schnell einen Gewinner auserkoren: Bushido.

Begründung: Der Rapper sei unter sehr schweren Bedingungen aufgewachsen und habe es dennoch bis nach oben geschafft (vom Bordstein zur Skyline, ist klar). Außerdem sei er „heute Gesprächspartner und Ratgeber für Politiker“ und sowas wie ein Sprachrohr für Deutsche mit Migrationshintergrund (ächz).

Selbstredend kann mensch sich über diese Entscheidung beschweren – so wie ich es hier tue. Und noch mehr Nachdruck gibt es vielleicht mit einer Beschwerdemail an press@bambi-awards.com. Eine der ersten, die eine solche Mail verschickt hat, ist Bundesgeschäftsführerin Christa Stolle von Terre des Femmes e.V. [Anm.: Link zur Facebook-Seite von Terre des Femmes]. Unter anderem hält sie in Bezug auf Bushidos oft frauenverachtende Lyrics treffend fest:

„Ein Mensch, der ein solches Frauenbild vertritt, erfüllt nicht im Mindesten eine positive Vorbildfunktion in der Gesellschaft. Im Gegenteil finden wir es im höchsten Maße problematisch, dass Sie durch diese Preisverleihung solch frauenfeindliche Einstellungen auch noch unterstützen! Wir fordern Sie auf, Ihre Nominierung nochmal zu überdenken und Bushido den Preis nicht zu verleihen!“

Also, wer auch immer dem Burda-Verlag mitteilen möchte, was sie/er von der Gewinnerauswahl hält: Feel free!




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 8. November 2011 um 11:25 Uhr unter Gewalt, Medienkritik. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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19 Kommentare

  1. Frau Doktor sagt:

    Wenn ich mir so anschaue, mit was für Titeln Burda sein Geld verdient, ist der Preis an Bushido völlig konsequent. Wer seinen Leserinnen (und es sind meistens Leserinnen) erzählt, wie sie sich selbst zur perfekten Ware auf dem Markt der Körper macht, und gepflegten heteronormativen Beziehungsterror verbreitet (Denkt nur an die Elle-Klickstrecke), der findet auch den FDP-Rapper, der Gesellschaft nur als brutales Haifischbecken besingen kann, als tolles Integrationsvorbild. Mit der Einstellung sind auch Menschen mit Migrationshintergrund (kriegs-)wirtschaftsverwendungsfähig in der immer härter werdenden Marktwirtschaft. das ist doch einen Preis wert.
    SIe könnten sich aber natürlich einen kleinen PR-Gau ans Bein gebunden haben, weil die eher weibliche, an familiären Werten orientierte Zielgruppe der Burda-Medien dem frauenverachtenden, sexistischen Scheiß von Bushido nicht so toll finden wird. Wir werden sehen.

  2. ema sagt:

    arg! Mehr Sexismus/Frauenfeindlichkeit/Verherrlichung von Gewalt gegen Frauen wie in Bushidos Lyrics gibt es in der Musikindustrie meinem Eindruck nach fast gar nicht …!

  3. Nadia sagt:

    @ema, ich habe die letzten Entwicklungen bei Haftbefehl, Farid Bang und Co. und wie sie alle heißen nicht mitverfolgt, denke aber, ich kann Dir voll und ganz beipflichten.
    @Frau Doktor: „Wenn ich mir so anschaue, mit was für Titeln Burda sein Geld verdient, ist der Preis an Bushido völlig konsequent.“ Auch da kann ich nur zustimmend nicken.

  4. ema sagt:

    @Nadia: Haftbefehl, Farid Bang und Co. sagen mir jetzt gar nichts, aber ich schau die mir wohl mal an, was die machen, zwecks Information.

  5. Ich stimme FrauDoktor zu: eigentlich müsste es jetzt bei Burda Abo-Kündigungen hageln. Ich fürchte nur, die typischen Leserinnen dort finden das Frauenbild eher normal.
    Auch ich konnte mir einen ausführlichen Kommentar nicht verkneifen und freu mich über Besuch: nallisonnenschein.wordpres.com

  6. Magda sagt:

    Auch queer.de hat einen Text formuliert, in dem sie auf die Homo- und Frauenfeindlichkeit des Rappers Bushido aufmerksam machen und eine Stellungnahme von den Burda-Verantwortlichen verlangen.

  7. […] Burda und Bushido – Der Preis ist Scheiß […]

  8. Frau Doktor sagt:

    Peter Plate von Rosenstolz hat die kontraintuitive Preisträgerwahl in seiner Dankesrede für den Comeback-Bambi zur Sprache gebracht – und Applaus erhalten. Sehr gute Aktion! Aber wie geschmacklos ist eigentlich das Burda Bambi-Team ein Duo, das sich explizit als queer versteht, und Bushido gleichzeiitg zu bepreisen?

  9. Habe soeben meine Beschwerdemail losgesandt, die auch folgenden Link enthielt:
    http://kitschautorin.wordpress.com/2011/11/11/dummbi/
    Eine sehr aufschlussreiche Zusammenstellung von Bushido-Zeilen. Ich musste mich allerdings etwas beschränken, da ich auch genauso gut 80 Prozent seiner Texte hätte reinkopieren können.

  10. hn sagt:

    Plate hat den Preis aber trotzdem angenommen, was seine (gute) Kritik an Bushido natürlich stark in den Schatten stellt…

  11. Frau Doktor sagt:

    @hn: Stimmt. Ich rechne es ihm (oder den beiden) trotzdem hoch an, sich in einer der Promi-Auflaufaktionen der Republik vor die Kameras zu stellen und zu sagen, dass sie die Preisvergabe des größten Unterhaltungsmedien-Konzerns Deutschlands an Bushido schlcht finden. Von den anderen, wie der sonst bei jedem humanitären Scheiß präsenten Gwyneth Paltrow, oder QueerMonsterMama Lady Gaga hat das niemand gemacht. Vielleicht lohnt es sich, auch noch eine E-Mail an das Lady Gaga Management zu schreiben oder sie über twitter zu kontaktieren.

  12. Sabine sagt:

    Der Bambi ist doch eh ein Preis für irgendwelche mittelmäßige C-Prominenz. Und zumeist wenig kreativ in der Verleihung. Insofern ist es nur konsequent, jemanden wie Bushido damit auszuzeichnen. Der Typ ist mir so was von sauwurscht, ganz abgesehen davon, dass das ganze Gedöns das der von sich gibt, ja doch alles nur der wohlkalkulierte Skandal für den Kommerz ist.

  13. delilah sagt:

    mich überrascht hier ja mittlerweile nicht mehr viel, aber trotzdem: kann in dieser kampagne gegen eine sexistische person of color bitte mal irgendjemand rassismus mitbedenken?! homonationalismus-debatte? butler beim csd? anyone? sonst ist das nämlich ganz schnell wieder deutsch/integriert = antisexistisch, arabisch/nicht-integriert = sexistisch. sexismus ist aber kein zeichen für einen mangel an integration.

  14. Nadine sagt:

    @delilah

    worauf beziehst du dich? auf den text von nadia wohl eher nicht, oder? wenn doch, dann würde ich dich bitten, deinen homonationalismus-vorwurf _am text_ zu begründen. und nicht die richtige kritik an der teilweise rassistisch geführten debatte in diversen anderen medien kontextlos in diesen thread zu verlagern.

    dazu empfehle ich außerdem den aktuellen text von nadia bei den ruhrbaronen, ebenfalls zum thema >>
    http://www.ruhrbarone.de/bushido-bambi-yassir-zurueck-nach-deutschland/

  15. Elli sagt:

    Im Nächsten Jahr bekommt dann Snopp Dog einen Preis für Frauenrechte. Für sein Engagement für Frauen und wichtigen Fragen wie z.B. Are you wet?

    Brechreiz und Unverständnis auf meiner Seite.

  16. georgi sagt:

    Ich möchte nur kurz anmerken, daß es mit Bushidos Mihigru nicht so weit her ist:

    http://al-samidoun.blogspot.com/2011/11/bushidos-bambi.html