Blogs statt Bikinibilder

von Susanne

Heute in der Tageszeitung: Ein Essay von Meredith über Frauen im Internet. Weil die endlich aufhören sollen, sich ausschließlich als niedliche Püppchen zu präsentieren und anfangen müssen, die Freiheit der Onlinewelt zu nutzen.




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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 6. Februar 2008 um 17:42 Uhr unter Netz(kultur). RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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5 Kommentare

  1. Laura sagt:

    Das Internet gehört zu den wenigen Sphären, in denen sich Frauen und Männer theoretisch gleichberechtigt aufhalten können. Die körperlichen Verhältnisse – Formen, Kraft, Stimmlage – die in der Realität zu einer Aufteilung und Gegenüberstellung der Geschlechter führen, treten in den Hintergrund. Jeder kann heute auf einer virtuellen Ebene seine Geschlechtszugehörigkeit und auch andere Aspekte seiner Identität beliebig ändern, ohne dass es irgendwer bemerken würde.

    Studien dazu lesen sich großteils – leider – anders. Auch von mir durchgeführte Untersuchung zur Inszenierung von Geschlecht im Netz (qualitative Interviews) lieferte keine sonderlich erfreulichen Ergebnisse. Aber es ist mMn auch naiv, zu meinen, im Netz seien die Menschen plötzlich nicht mehr eingebettet in die Gesellschaft – ich warte schon lange darauf, dass derartige Netzutopien verschrottet werden.

    Und das liegt leider an den Frauen selbst.

    Na, vielen Dank! Mit keinen Wort wird die im Netz natürlich genauso anzutreffende Inszenierung von hegemonialer Männlichkeit kritisiert. Hauptsache die Frauen sind schuld – weil sie sich mitm Hochfahren des PCs nicht plötzlich emanzipieren.

    . Diese Selbstporträts als willige Hasen sind so frustrierend, weil sie in den seltensten Fällen zutreffen.

    Ach so, das ist das Problem. Alles wäre ok, wenn die betreffenden Frauen tatsächlich heiß wären?

    Aber Frauen entscheiden sich im Netz selbst, sich getreu dem sexistischen Abziehbild darzustellen: als hübsche Fläche und heiße Kurven mit nichts dahinter.

    Jein. Ja, sie inszenieren sich, wie es nunmal in der Gesellschaft von ihnen erwartet wird – und da zählt das Internet eben dazu (eben: Social networks). Sollte aber „selbst entscheiden“ heißen, dass sie sich der Konsequenzen bewusst sind und diese mitreflektierten, dann würde ich das mit einem Nein beantworten.

    Ein weiteres Geschlechterklischee halten viele netzaktive Frauen aufrecht: Das längst überholte Paradigma von dem Privaten als weiblicher Sphäre und dem Öffentlichen als männlicher Angelegenheit manifestiert sich in den Weblogs, jener anderen großen Web-2.0-Anwendung. Das haben Forscherinnen sowohl an der Ruhr-Universität Bochum als auch an der Universität Indiana und die Webaktivistin Dana Boyd in unterschiedlichen Studien festgestellt.

    Nach wie vor tauchen in den Top 50 der deutschen Blogcharts – deren Zuverlässigkeit nicht unumstritten ist – so gut wie nie Webjournale von Frauen auf. Dabei stellen die nach einer Erhebung des Websoziologen Jan Schmidt von der Universität Bamberg 45 Prozent der Blogbetreiber. Für diesen Widerspruch gibt es eine einfache Erklärung: Frauen und Männer bloggen unterschiedlich. Männer verbreiten im Netz Nachrichten und persönlichen Auslassungen zu Themen wie Politik, Technik, Wirtschaft oder Sport. Frauen tendieren zu Themen, die nach traditionellem Verständnis eher im geheimen Tagebuch oder im Gespräch mit Freunden verhandelt werden: Gefühle, Gesundheit, Haushalt, meist aus einer persönlichen Perspektive.

    Und die Autorin dieses schlechten Artikels hält die herkömmliche Trennung von Öffentlichkeit und Privatheit aufrecht. Statt diese Trennung infrage zu stellen, die zu den Dichtomien zählt (Mann/Frau, rational/emotional, öffentlich/privat…), reproduziert sie diese. Ich verweise auf Klaus (2005): Kommunikationswissenschaftliche Geschlechterforschung. Dort wird die Problematik erörert. Vor allem auch das:

    Klar ist das auch wichtig – aber der Informationswert für die Allgemeinheit ist da recht begrenzt.

    Sowas kriegt eine Person nur dann über die Lippen, wenn sie NICHT verstanden hat, dass das Private politisch ist.

    Zum Schluss noch: Das Ranking der 50 Topblogs ergibt sich zuallererst natürlich auch LeserInnen-Reaktionen. Besucht kaum jemand diese Blogs und kommentiert sie nicht, dann schafft das Blog es nicht auf die Liste. Zeigt sich hier vielleicht doch Macht?

  2. lukrezia sagt:

    Ich gebe mir Mühe nicht so ein „Weibchenbild“ im Internet von mir zu geben. Ich habe einen Blog der neben Artikeln die mein Privatleben behandeln auch eine Kategorie die sich mit Frauenrechten und Diskriminierung von Frauen beschäftigt. (Sie heißt S:C:U:M: wie die Organisation von Valerie Solanas).,

    Es ist schlimm, aber Frauen stellen sich nicht nur im Internet als Weibchen dar – sie sind es.

    lg

  3. Susanne sagt:

    Ich habe heute eine sehr interessante These des Kunstkritikers John Berger gelesen, nämlich: „Männer sehen Frauen an. Frauen beobachten sich selbst als diejenigen, die angesehen werden. Dieser Mechanismus bestimmt nicht nur die meisten Beziehungen zwischen Männern und Frauen, sondern auch die Beziehung von Frauen zu sich selbst. Der Prüfer der Frau in ihr selbst ist männlich – das Geprüfte weiblich. Somit verwandelt sie sich selbst in ein Objekt, ganz besonders in ein Objekt zum Anschauen.“

    Nicht nur, dass das grundsätzlich ein spannender Ansatz für den Schönheitswahn vieler Frauen ist, sondern auch absolut passend für das Phänomen der Lolita-sexy-hexy-Bildchen im Internet.

  4. Azundris sagt:

    @Susanne: Wieso „heute“? Ist das nicht das, was wir seit Jahrzehnten als „male gaze“ kennen? Oder brauche ich Schlaf?

  5. Susanne sagt:

    @Azundris: Öh, stehe etwas auf dem Schlauch, welches „heute“ du meinst. Das einzige, welches ich jetzt finde, bezieht sich auf den Tag des Artikellesens. Gültigkeit: vermutlich schon immer.