Bildung beeinflusst Eltern

von Barbara

“Arbeitslosigkeit kann das Kinderkriegen fördern”. Schon ein paar Tage alt, diese Meldung zu einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), bei der Männer und Frauen aus unterschiedlichen europäischen Wohlfahrtsstaaten untersucht wurden. Das DIW hat herausgefunden, dass Frauen mit einem höheren Bildungsgrad schneller nach der Geburt eines Kindes zurück in den Beruf gehen würden als weniger gut ausgebildete Frauen.

DIW-Familienexperte Christian Schmitt: “Joblosigkeit geht einher mit drohenden finanziellen Engpässen, die eine Familiengründung auf eine unsichere Basis stellen. Das schreckt Frauen je nach Bildungsgrad in unterschiedlichem Maße vom Kinderkriegen ab”. Gut ausgebildete Frauen hätten neben der Sorge, wieder zurück in den Beruf zu finden, auch Angst davor, sich von ihrem Partner abhängig zu machen. Im Gegenzug zeigten arbeitslose Männer wenig Bereitschaft für eine Vaterschaft, da sie befürchteten, die Familie nicht ernähren zu können. Das immer noch traditionelle und konservative Rollenverständnis wurde als mögliche Ursache für dieses Verhalten genannt.


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Eintrag geschrieben: Dienstag, 27. Januar 2009 um 9:30 Uhr unter Alltag, Familienleben, Working Girl. RSS 2.0. Kommentieren. Trackback.



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17 Kommentare

  1. Schnatterinchen sagt:

    “(…) arbeitslose Männer wenig Bereitschaft vor einer Vaterschaft, da sie befürchteten, die Familie nicht ernähren zu können. Das immer noch traditionelle und konservative Rollenverständnis wurde als mögliche Ursache für dieses Verhalten genannt.”

    Wenn “immer noch traditionell und konservativ” hier negativ gemeint sein soll, dann bedeutet das doch auf die gebildeteren Frauen übertragen: Diese gleichen sich dem traditionell-männlichen Denken an, wenn sie auf drohende finanzielle Engpässe aufgrund Arbeitslosigkeit o.Ä. mit Zurückhaltung beim Kinderkriegen reagieren, oder, wenn denn ein Kind da ist, alles daran setzen, möglichst schnell wieder in den Beruf zurückzukehren.

    Man könnte das – positiver formuliert – ja auch Verantwortungsbewusstsein nennen. Den Wunsch, es mit der Familie zunächst mal aus eigenen Kräften zu schaffen, also eine Abkehr von der sog. Versorgermentalität zu versuchen, die aus Müttersicht entweder auf den Kindsvater oder auf Vater Staat als Geldquelle vertraut.

    Was traditionell und konservativ bei Männern war/ist, sieht bei Frauen dann irgendwie modern und progressiv aus, oder täusche ich mich?

  2. Miriam sagt:

    Was traditionell und konservativ bei Männern war/ist, sieht bei Frauen dann irgendwie modern und progressiv aus, oder täusche ich mich?

    Naja, das traditionelle und konservative Rollenverständnis beinhaltet ja, dass der MANN der Versorger der Familie ist. Dementsprechend reagiert ein Mann, der von Arbeitslosigkeit bedroht ist, mit Zurückhaltung bei der Familiengründung/-erweiterung. Bei den Frauen, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind, hängt es von der Bildung ab, ob sie mit Zurückhaltung oder der Haltung “Oh, das passt ja prima, bin eh gerade arbeitslos, dann kann ich auch mal ein Kind bekommen, mein Mann wird mich schon versorgen” reagieren. Deshalb wird die Zurückhaltung der Frauen als modern und progressiv gewertet, eben weil sie ausdrückt, dass diese Frauen nicht bereit sind, sich abhängig von ihrem Mann zu machen.

  3. Patrick sagt:

    Wieso kann dann Arbeitslosigkeit das Kinderkriegen fördern, wenn sie gleichzeitig Zukunftsängste und Unsicherheit bewirkt? Ich verstehe den Anfang des Blogbeitrags nicht.

  4. Miriam sagt:

    Ich glaube, Arbeitslosigkeit bei wenig gebildeten Frauen fördert das Kinderkriegen. Bei Männern und gut ausgebildeten Frauen löst sie eher Zukunftsängste und Unsicherheit aus.

    Aber du hast Recht, in finde auch, dass der Anfang nicht ganz schlüssig ist. Klassischer Fall von verkürzter Darstellung ist da meine Vermutung…

    Ich zitiere mal den letzten Abschnitt aus dem oben verlinkten Artikel:

    Vor diesem Hintergrund tendierten deutsche und britische Frauen mit niedrigen Bildungsabschlüssen und langen Phasen ohne Job – Faktoren, die die Rückkehr in den Arbeitsmarkt ohnehin erschweren – besonders dazu, ein Kind zu bekommen. Auch Frauen, die bereits auf die finanzielle Unterstützung eines Partners angewiesen seien, seien im Falle der Arbeitslosigkeit eher bereit für Kinder. Mit steigendem Ausbildungs- und Gehaltsniveau sinke jedoch bei erwerbslosen Frauen die Wahrscheinlichkeit einer ersten Mutterschaft.

  5. Barbara sagt:

    Zum besseren Verständnis noch mal:
    Geringerer Bildungsstand oder Arbeitslosigkeit
    -> Frauen tendieren zur Mutterschaft; sie verlassen sich dann gerne auch finanziell auf ihren Partner
    -> Männer tendieren in dieser Situation nicht zur Vaterschaft – weil sie dann nicht die Familie ernähren können

  6. Patrick sagt:

    Dann ist das aber komisch:

    “Joblosigkeit geht einher mit drohenden finanziellen Engpässen, die eine Familiengründung auf eine unsichere Basis stellen. Das schreckt Frauen je nach Bildungsgrad in unterschiedlichem Maße vom Kinderkriegen ab”.

  7. SoE sagt:

    Oh Gott, ist denen das endlich auch mal aufgefallen? Mutterschaft ist für Frauen mit geringer Bildung und geringen Aufstiegschancen, wenn sie dann noch arbeitslos werden, die einzige verbleibende Möglichkeit, zu gesellschaftlichem Ansehen zu kommen. Dann sind sie nicht mehr faul oder zu blöd zu arbeiten, sondern kümmern sich ja um ihre Kinder. Während das traditionelle Rollenbild des Ernährers eben Kinder und Arbeitslosigkeit nicht vereinbaren lässt.

    Darüber wird doch schon eine Weile geforscht…

  8. flawed sagt:

    Patrick: ich musste es auch dreimal lesen, aber ich glaube das entscheidende ist “in unterschiedlichem Maße”.

  9. profin sagt:

    Ausnahme beim Ländervergleich Deutschland, Frankreich, England, Finnland ist: Frankreich. Land mit hoher Kinderbetreuungsrate und hoher Frauenbeschäftigungsquote.

    Allerdings sind die Geburtenzahlen bei Männern und Frauen in der Nachwendezeit in Ostdeutschland massiv gefallen. Denn der Hauptgrund, sich zeitweilig gegen Kinder zu entscheiden ist wirtschaftliche Unsicherheit bzw. Planungssicherheit

  10. Sonnenschein sagt:

    “SoE says:
    January 27, 2009 at 6:14 pm
    Oh Gott, ist denen das endlich auch mal aufgefallen? Mutterschaft ist für Frauen mit geringer Bildung und geringen Aufstiegschancen, wenn sie dann noch arbeitslos werden, die einzige verbleibende Möglichkeit, zu gesellschaftlichem Ansehen zu kommen. Dann sind sie nicht mehr faul oder zu blöd zu arbeiten, sondern kümmern sich ja um ihre Kinder. Während das traditionelle Rollenbild des Ernährers eben Kinder und Arbeitslosigkeit nicht vereinbaren lässt.
    Darüber wird doch schon eine Weile geforscht…”

    Ist es nicht die jeweilige Gesellschaftsform, die 1.: Die jungen Frauen ungebildet lassen – wenn das finanzielle, wie sonstige Umfeld fehlt/fehlte?

    Der “Sozialstaat” unterstützt Vaterlose Kinder, indem er die ungebildet gelassenen Frauen durch Hartz IV, Kindergeld, etc. in ein angeblich besseres “Sozialfeld hebt!” (Mutterkreuzmentalität).
    Wenn diese Vorgehensweise – seitens des Systems – nicht durchschaut werden kann, durchschaut wird, aufgrund der mangelnden Bildung (schon bei den Eltern), sehe ich die “Hebung meines Sozialstandpunktes” hier, als das bessere “Übel”an, seitens der ungebildet gelassenen Frauen!
    Die Männer/Väter aus
    diesen “Gesellschaftskreisen” drückten sich schon immer gerne, da sie ja meist das Gleiche mit ihren Vätern erlebten! Diese konnten sich in ihren schweren Jobs “ausdrücken”, und dem privaten Alltag mit Kind/ern immer entfliehen. Auch heute noch.
    Dies gibt es auch zuhauf heute bei den “besseren” Kreisen. Materielle Anerkennung und die Karriere ist für Viele wichtiger! Verschwind gering ist die Anzahl der Männer/Väter, die sich für Kind/er einsetzen.

    In der “Allgemeinheit” drang es noch nicht durch, dass Verhaltensweisen/Anlagen, etc. schon in den frühesten Lebenstagen gelegt werden und “verankert” sind/werden – also: Ich wiederhole meist – im Emotionalen – das, was ich “gefühlt”, abgeschaut habe, in der Ursprungsfamilie/Heim, u.s.w.
    Hier müsste die “Bildung” der jungen Frauen und Männer schon in der Hauptschule beginnen!

    Ich “behaupte”, dass die meisten Verantwortlichen dieses Wissen gerne dem Volk vorenthalten. Sonst müssten sie wesentlich sozialere Grundlagen für das Volk schaffen, wie z.B.: adäquate Kindergrippen/-gärten, gute Ganztagsschule, u.s.w.
    Es reicht noch nicht, dass viele gebildete Frauen das System mit bewusster Kinderlsosigkeit boykottieren. Es müssten noch mehr sein!

  11. Matze sagt:

    Für gesunde Kinder! Gegen Kindergrippen!

  12. Sonnenschein sagt:

    @ Matze: Gute Kinderkrippen unterstützen die Gesundheit des Kindes/der Kinder, besser als überforderte Eltern! Und das marode System beutet die Eltern aus!
    Nur – wir haben nicht viele gute Krippen/Kindergärten/Ganztagsschulen. Außerdem sind – meist Mitarbeiterinnen in diesen “Stätten” absolut unterbezahlt. Dies sagt doch ALLES über ein System aus. Hier ansetzen, und zwar jeden Tag, ist Aufgabe der jüngeren Generationen! Nicht intellektuelle Abhandlungen jeden Tag “konferieren!”

  13. Miriam sagt:

    Sonnenschein, ich wäre auf den Witz von Matze auch fast hereingefallen… Der Schreibfehler ist Absicht, er spricht somit nicht von Kinderkrippen sondern von Influenza…

  14. Matze sagt:

    @Miriam: Stimmt, wobei ich den Tippfehler von Sonnenschein zitiert habe.

    Ich hielt es für witziger, darauf einzugehen, als auf die Verdammung des Sozialstattes, der es sich erdreistet, Müttern genug (?) Geld zum Unterhalt ihrer Kinder zu geben, oder die stereotype Sicht auf Männer (insbesondere aus finanzschwachen Schichten), oder auch nur die inflationäre Verwendung von Anführungszeichen.

    Ja, ich weiß, absichtliches Mißverstehen ist totaaal langweilig.

  15. Miriam sagt:

    Matze: Dass du den Schreibfehler übernommen hast, war mir gar nicht aufgefallen, hab den Kommentar von Sonnenschein nicht zu Ende gelesen, da mir das nach 2 Sätzen schon zu krude war… Von daher war das absichtliche Missverstehen an dieser Stelle ausnahmsweise mal nicht langweilig sondern witzig ;-)

  16. Sonnenschein sagt:

    @ Matze: Mein Verständnis für Humor und Witz ist ein anderes. Gehöre auch nicht der coolen Generation an! Ich liebe Anführungszeichen, denn diese sind immer – witzig – für das jeweilige Wort.
    Die finanzielle Unterstützung für “geförderte”, alleinstehende Mütter, ist unter aller S…! Bist Du der Ansicht, dass wir in einer Demokratie leben?

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