Barcamp Frauen: Warten auf den feministischen Porno

von Magda

Morgens halb elf, Berlin Mitte. Ungefähr 25 Neugierige sitzen im Workshop „PorNo – PorYes?“, den Verena von der Mächenmannschaft im Rahmen des „Barcamp Frauen“ vorgeschlagen hatte. Sex sells – der Vorschlag wurde dankend angenommen. Um den Teilnehmer_innen Scheu und Scham zu nehmen, griff Verena erst mal in die eigene Erfahrungsschublade und erzählte, dass sie schon als Jugendliche Pornos konsumierte und diese auch – selbstredend! – als Masturbationsvorlage nutze. Bis heute habe sich an ihrer Vorliebe nichts geändert.

Simultan mitgezeichnet hat Annalena (annalenaschiller.com)

Mitgezeichnet hat Annalena (annalenaschiller.com)

Verena kritisierte die Tabuisierung von Pornographie und sprach sich für eine sexuelle Neugier aus, die Pornographie nicht ausspart. Nach einem kurzen Filmchen eines bekannten kostenlosen Pornographie-Portals wurde das Publikum schnell wach und diskutierte, dass eine kritische Auseinandersetzung mit den Inhalten, Produktionsbedingungen und der gesellschaftlichen Rezeption von Pornographie bei aller sexuellen Offenheit nicht fehlen darf. Toll war, dass die Teilnehmer_innen keine Berührungsängste mit dem Thema zeigten und großes Interesse an queer/feministischen Pornos bestand.

Gesehen haben wir leider keinen. So bleibt die Frage offen, wie denn so ein queer/feministischer Porno sein kann (soll?), damit sich auch diejenigen angesprochen fühlen, die von Mainstream Pornos eher abgetörnt sind. Jenseits von (oder auch mit?) Leistungsprinzipien, Cum Shot und Objektifizierung: Was macht einen Porno feministisch?

Zum Selbermachen & Dazulernen noch ein paar Links, zusammengestellt von Verena.

Sehenswertes:

Feministisches Pornfilmfestival BerlinCourtney TroubleErika LustPetra JoyMaría LlopisCandida RoyaleAndrew BlakeSexpertin Laura Meritt

Lesenswertes:

Erika Lust: „Lust für Frauen“ / Testcard #17: Sex / Sabine Lüdtker-Pilger „Porno statt PorNo. Die neuen Pornografinnen kommen




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Eintrag geschrieben: Freitag, 5. November 2010 um 12:39 Uhr unter Inspiration, Sex_ualität. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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8 Kommentare

  1. Patrick sagt:

    Die Crash-Pad-Reihe ist queer :)

  2. Red Riding Hood sagt:

    auf dem mädchenblog gibt es einen ausführlichen bericht über das pornfestival in berlin:

    http://maedchenblog.blogsport.de/2010/11/04/1114/

  3. Hallo Ihr Lieben,

    danke nochmals für diesen Bericht in Eurem tollen Blog. Ja es war schon sehr überraschend, was wir für Themen in den Räumen diskutiert wurden. Und ich kann Euch recht geben: Es ist in einer wohltuenden, doch recht kontrutiven Weise passiert.

    Wir Mädels können, das eben so. Und es liegt was in der Luft. Das nächste Frauen/Mädels und paar Männer – Barcamp! :-) Unbeding!!!

    Liebe Grüße

    Martina

  4. pika sagt:

    Denke, es gibt echt wichtigeres als Porno.

  5. Martin sagt:

    In Pornos werden zuviele Geschlechtsteile gezeigt. Ich finde Erotikfilme teils ansprechender, da wird mehr Wert auf eine prickelnde Inszinierung und schöne Darsteller gelegt.
    Ich finde es schön, wenn man der Frau ihre Lust wirklich ansieht.

  6. Rawna sagt:

    Hallo!

    Ich habe auf den lesbischschwulen Filmtagen in Hamburg „Too much Pussy“ von Émilie Jouvet und weiteren Künstler_innen vor der Kamera gesehen und war ziemlich angetan:
    Emilie Jouvet
    Too much Pussy – feminist slut

    Was macht einen Porno feministisch? Wenn im Porno die festgefahrenen Rollenkategorien nicht weiter produziert werden, oder zumindest er sich ihrer Produktion bewusst ist und damit spielt. Da sind Frauen aktiv und haben Lust, und können diese, ihre ganz eigene Lust leben, gleichgültig, ob das Gegenüber nun Frau/Mann/Trans/Inter* ist und gleichgültig, welche Rolle sie selbst dabei einnehmen.

    Ich glaube, Porno kann schon alleine dadurch feministisch sein, wenn er einfach aufzeigt, dass Frauen ebenso eine selbstbestimmte Sexualität haben.
    Solange es Mädchen und Frauen peinlich sein muss, dass sie sich vor einem Porno selbstbefriedigen, scheint mir da noch viel zu tun zu sein. Indem ich als Frau mich selber aktiviere (in meinem Handeln, meiner Sprache etc) nehme ich der Objektivierung ihre Möglichkeiten.
    Es mag wichtigeres als Porno geben, dennoch scheint es mir, bedürfen wir dieser Debatte.

  7. Romana sagt:

    Es gibt seit kurzem einen erstaunlich ehrlichen Roman über die männliche Sicht auf Pornographie: „Pornos machen traurig“ von Peter Redvoort!

    Romana

  8. Danke für diesen schönen Artikel und die angehängten Links.

    Es gibt heutzutage doch schon ziemlich gute Produktionen, die Frauen (also auch mich) ansprechen!

    In jedem Falle bedarf es jedoch mehr Aufklärung, wie einige vor mir ja auch schon geschrieben haben.

    LG