Einträge von Werner


Liebet und vermehret euch!

14. November 2008 von Werner
Dieser Text ist Teil 8 von 29 der Serie Neues vom Quotenmann

Um das Aussterben des deutschen Volkes doch noch zu verhindern, hat nun auch die Bertelsmann-Stiftung eine Untersuchung zum Thema Familiengründung vorgelegt. Dieses mal geht’s um die jungen (15 bis 42 Jahre alten) Männer! Zur Entwarnung: mehr als 90 Prozent der Befragten wünschen sich ein Kind. Gerettet sind wir jedoch noch nicht, denn knapp die Hälfte kann nach eigenen Angaben auch ohne Kinder glücklich werden. Ansonsten ist nichts Neues zu erfahren, nur dass alte Rollenklischees die Sicht junger Menschen dominieren.

Quotenmann

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Die befragten Männer sehen sich immer noch als Versorger: Für 57,2 Prozent kommt die Gründung einer Familie erst in Frage, wenn er sie ernähren kann. Dass die Partnerin beruflich etabliert ist, ist nur für 18 Prozent wichtig. 95 Prozent der befragten Männer sehen ihre Pflicht darin, der Familie ein Heim zu bieten, 94 Prozent betrachten es als ihre Aufgabe, den Lebensunterhalt für die Familie zu verdienen.

Überraschen wird das wohl niemanden. Solange die ungerechte Bezahlung am Arbeitsmarkt und ein neoliberales Konsumdenken (mehr Geld = glücklicher) vorherrschen, wird „der Mann“ automatisch in diese Rolle hinein erzogen. Die Zeit der Erziehung wird karrieremäßig nur als Verlust betrachtet. Frauen verdienen prinzipiell weniger, erst Recht, wenn sie Erziehungsurlaub genommen haben. Dem Vater bleibt gar nichts anderes übrig als den Ernährer zu geben. Schließlich will jeder ja nur das Beste für das Kind und das – so lehrt es uns die Gesellschaft – bekommt es nur, wenn möglichst viel Geld in der Kasse ist.

Neu ist laut Bertelsmann-Stiftung, dass sich die Väter nun „auch in der Betreuung engagieren“ (rund 94 Prozent) und „sich Zeit für das Kind nehmen“ (rund 80 Prozent) wollen. Die Hälfte der Nicht-Väter will auch den Beruf in der Zeit nach der Geburt zurückstellen – laut der BZgA Untersuchung „männerleben“ (2004), tritt in der Realität genau das Gegenteil ein: Der Mann arbeitet nach der Geburt eines Kindes tendenziell mehr als vor dem ersten Kind. Beides ist logisch. Wer würde schon angeben, möglichst wenig Zeit mit dem Kind verbringen zu wollen? Wenn Mann dann aber erst mal der alleinige Ernährer ist, lastet die gesamte finanzielle Verantwortung auf seinen Schultern. Er muss im Beruf bestehen – ein Versagen wäre fatal. Würden beide Elternteile arbeiten und sich um das Kind kümmern, könnte auch der Mann das Ganze entspannter angehen.

Unterm Strich nicht viel Neues, außer dass Männer schon wollten, aber es doch nicht tun – sei es nun, eine Familie zu gründen oder sich Zeit für das Kind zu nehmen.

Fraglich bleibt für mich beim Lesen solcher Papiere immer wieder, was damit bezweckt werden soll. Dass sich der Mann immer noch als Ernährer sieht, kann doch – wie oben bereits beschrieben – nicht überraschen. Über Lösungsmöglichkeiten, oder was die Männer wirklich vom Gründen einer Familie abhält, erfährt man kaum etwas bis gar nichts. Kein Wort zu Ganztagsbetreuung im Kindergarten oder Hort, noch nicht mal eines zu Betreuungsmöglichkeiten im Allgemeinen. Ob es vielleicht gerade das Bild des hart arbeitenden und meist abwesenden Ernährers ist, das abschreckt, wird nicht weiter erfragt.

Sinnvoller und interessanter fände ich es zu erforschen,
- warum Ganztagsbetreuung in Deutschland immer noch so einen schlechten Ruf hat;
- wie moderne Arbeitszeitmodelle, die es beiden Elternteilen erlauben sich beruflich zu verwirklichen, aussehen könnten und
- wie wir diese Gesellschaft dazu bringen, endlich das Erziehen von Kindern als produktive Arbeit, und somit auch aus Sicht der Männer und der Wirtschaft als wertvoll, zu begreifen.

Gerade letzteres wäre wichtig – denn erst dann werden die Ernährer bereit sein, zu Hause zu bleiben und die Firmen Erziehungsurlaub nicht mehr mit Gehaltseinbußen bestrafen.


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Wann ist ein Mann ein Mann?

31. Oktober 2008 von Werner
Dieser Text ist Teil 7 von 29 der Serie Neues vom Quotenmann

Es gibt ja angeblich keine dummen Fragen – also wollen wir auch mal diese alte grönemeyerische Frage nicht weiter bewerten. Die Antwort auf solche Fragen kann aber sehr wohl dumm sein! Und genau so eine ist im Juli in der Taz erschienen. Arno Frank schrieb über den schwangeren transsexuellen Mann Thomas Beatie aus Amerika in einer solchen Art und Weise, dass sogar der Presserat eine Missbilligung aussprach – immerhin die zweithöchste Sanktion.

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(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Und das in meinen Augen auch zu Recht! Denn von Transsexualität hat der Autor wohl eher wenig verstanden, sonst würde er nicht solche Vergleiche anstellen:

„Es mag ja sein, dass er sich das wünscht, viel Geld für Operationen ausgegeben und noch mehr Schmerzen erduldet hat. Ebenso gut hätte er sich aber auch statt der Brüste die Beine amputieren, sich Flossen annähen und ein Atemloch in den Rücken stanzen lassen können – um zu behaupten, er wäre fürderhin ein Delfin.“

Eine wohl genauso bescheuerte wie beschämende Gegenüberstellung. Menschen die überzeugt sind, eher dem anderen Geschlecht anzugehören, tun dies nicht wegen Operationen, sondern können jetzt dank Operationen und Geld auch dies ausleben – das hat nichts mit wünschen zu tun, sondern vielmehr mit sein. Es gibt eben nicht den Mann und auch nicht die Frau und es gibt Personen, die sich anders fühlen als sie geboren wurden. (Nebenbei: Das Bildungsministerium geht davon aus, dass zwei von 10.000 Neugeborenen Zwitter sind, die bis zur Vollendung des zweiten Lebensjahres „zwangs-geschlechtert“ werden.) Wenn der Autor sich darüber hinaus sogar noch zu Folgendem herablässt, muss schon gefragt werden, mit welchem Hass er sich hier über transsexuelle Menschen lustig macht:

„Der Kaiser trägt in diesem Fall nicht neue Kleider, sondern ein neues Geschlecht. Das mag ihm glauben, wer will, und derzeit glauben viele Menschen solchen Quatsch sehr gerne …“

Meist ist es eher ein harter denn ein leichter Weg, sich für diesen „Quatsch“ zu entscheiden. Aber der Autor weiß es natürlich am besten, was transsexuelle Menschen sind und er ist sich auch nicht zu schade, seine Abscheu am Ende des Artikels deutlich zu machen:

„Thomas Beatie ist kein Mann, sondern eine schrecklich verstümmelte Frau.“

Schade, dass Arno Frank es nötig hat, für andere zu entscheiden, ab wann ein Mann ein Mann ist.


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Ansichten eines Quotenmannes

22. Oktober 2008 von Werner
Dieser Text ist Teil 6 von 29 der Serie Neues vom Quotenmann

„Wenn ich aus Afghanistan oder dem Tschad wieder zurück nach Europa oder Amerika komme, brauch ich immer ein paar Tage, bis ich mich dran gewöhnt habe, wie Frauen hier zum Verkaufen von Produkten benutzt werden. Selbst Nachrichten werden hier mit Titten verkauft.“

Dies erzählte mir letztes Wochenende Anne Holmes bei einer meiner Diskussionen über Feminismus in einem Club. Sie ist als (Foto-)Journalistin viel in Afrika und dem Nahen Osten unterwegs und gehört sicher nicht zu den Frauen, die viel mit ihren Reizen geizen. Sie wollte mir verdeutlichen – oder sagen wir besser, mich in meiner Meinung bestätigen –, dass die Gleichberechtigung der Geschlechter eben auch in Europa nicht so weit fortgeschritten ist, wie viele immer behaupten oder es sich einreden.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Und dass die meisten davon überzeugt sind, dass alles in Ordnung ist, davon zeugen all die sprachlosen und verblüfften Gesichter, in die ich sehe, wenn ich sage, ich sei Feminist, also eine männliche Emanze. Es dauert meist ein wenig, bis sie dies verdaut haben und die erste Reaktion folgt. Zunächst glauben sie, ich scherze, merken aber bald, dass ich es ernst meine und beginnen eine Diskussion mit mir, die meist gleich abläuft: Erst erklären sie mir, dass doch eigentlich schon alles super ist (also in Deutschland) und dass sie Alice Schwarzer doof finden. Dann erzähle ich ihnen etwas über Gewalt, Lohn, Einstellungspraktiken, Humankapital, strukturelle Benachteiligungen, … (Ich denke, den meisten Leserinnen dieses Blogs muss ich da inhaltlich nichts mehr erzählen) und schließlich kommen wir auf den Punkt, dass wohl doch nicht alles Gold ist, was hier so schön glänzt.

Immerhin: Bisher konnte ich noch keinen wirklichen Unterschied der Reaktionen der verschiedenen Geschlechter auf mein Emanzentum feststellen – aber ob das ein Zeichen für die Emanzipierung der Gesellschaft ist, wage ich doch zu bezweifeln.

Also, mein Leben als Feminist ist spannend und Diskussionen und Erlebnisse gibt es zuhauf! Natürlich nicht nur negative – denn es gibt Frauen und Männer denen es missfällt, dass Brüste für das Verkaufen von Nachrichten nötig sind. Über meine Erlebnisse als Feminist darf ich nun hier bei der Mädchenmannschaft berichten … quasi als Quotenmann, was mich sehr freut, denn dass wollte ich schon immer mal sein.


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