Einträge von Helga


Diskriminierung im Jemen: die Achdam

27. April 2012 von Helga

Ganz im Süden der arabischen Halbinsel liegt der Jemen, nur wenige Kilometer Rotes Meer trennen es von Eritrea und Dschibuti und noch einige Kilometer mehr von Äthiopien. Rund anderthalb Mal so groß wie Deutschland hat das Land eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Dabei, so vermutet man, sind vor 1500 Jahren Soldaten des Aksumitischen Reichs (dem heutigen Äthiopien) im Jemen geblieben – ihre Nachfahren endeten in der Sklaverei und in der niedersten Kaste „Achdam“ (arab. für Bedienstete). 1962 wurden Sklaverei und Kasten abgeschafft, die Achdam erfahren jedoch bis heute Diskriminierung.

Die Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Huda Jafar, die ich beim Young Media Summit 2011 in Kairo kennengelernt habe, hat 2009 an einem Film über die Achdam mitgearbeitet. Er dokumentiert die Schicksale dreier Frauen, Haddah, Qobol, und Om Ali. Wie so oft sind sich gleich mehrfach von Diskriminierung und Gewalt betroffen. Hier gibt es den Film nun erstmals mit deutschen Untertiteln zu sehen (Triggerwarnung: Gewalt wird explizit beschrieben).




Der Film wurde produziert von witness.org und dem Arabischen Schwesternforum für Menschenrechte. Weitere Eindrücke gibt in einer Fotoserie von Adam Reynolds.


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Manchmal hilft nur Humor!

24. April 2012 von Helga

In den letzten Monaten ist in den USA der “War on Women” eskaliert. Immer aberwitzigere Gesetze sollen den Zugang zu Abtreibungen erschweren und auch Verhütung ist in den Fokus geraten. Neben Gesetzvorlagen, die die frauenfeindliche Rhetorik einmal auf Viagra anwenden, ist auch der „Abbruch“ der Präsidentschafts­kampagne des Ultrakonservativen Rick Santorum Ziel von Spott geworden. Für die Seite funnyordie.com haben die Schauspielerinnen Ashley Judd, Michelle Trachtenberg, Katy Mixon und Eliza Coupe den Spieß einmal umgedreht:

Dabei hatten bereits im Februar Nick Offerman, Tim Meadows, Judd Nelson und Kurtwood Smith klar gemacht, wer die wahren Frauengesundheitsexperten sind: mittel- bis alte Männer!


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Arbeit von Frauen wird weniger wertgeschätzt

23. April 2012 von Helga

In jeder Diskussion zum Gender Pay Gap kommt es so sicher wie das Amen in der Kirche: „Aber Frauen wählen halt die falschen Berufe, in denen sie schlechter bezahlt werden.“ Dass auch hinter dieser schlechten Bezahlung systematische Diskriminierung steckt, ist manchmal schwer zu vermitteln. Im Interview mit der Badischen Zeitung erklärte das die Gleichstellungsexpertin Karin Tondorf aber mit ein paar sehr anschaulichen Beispielen:

Bei der Bewertung von Arbeit fehlen oftmals typische Anforderungen und Belastungen. Psychosoziale Anforderungen wie Kommunikations- oder Kooperationsfähigkeit werden bei Dienstleistungsarbeit zwar abgefordert, aber nicht bewertet und nicht bezahlt. Verantwortung wird meist einseitig ausgelegt, als Verantwortung für Geld- und Sachwerte oder Führung, während die Verantwortung für Menschen kaum beachtet wird. Ein anderer wichtiger Punkt: Körperliche Anforderungen werden meist nur bei gewerblicher Männerarbeit bewertet, bei weiblichen Angestelltentätigkeiten ist das selten der Fall. Denken Sie an die Altenpflege. Das Heben und Tragen von pflegebedürftigen alten Menschen ist sehr anstrengend. Oder an die Lärmbelastungen von Erzieherinnen, an ständiges Stehen bei Verkäuferinnen. Es ist in Deutschland nicht üblich, solche Belastungen zu honorieren. Das alles führt zu einer Unterbewertung und Unterbezahlung von Frauenarbeit.

Damit wird die Diskriminierung von Frauen selbst in Tarifverträgen fortgeschrieben – obwohl es eigentlich objektive Kriterien gibt, um Arbeit zu bewerten. Viele Infomaterialien und Excel-Tabellen zum selber Nachrechnen hat Tondorf für die Hans-Böckler-Stiftung mitentwickelt, diese gibt es unter eg-check.de.

(via Stop! Talking)


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Gegner oder Gegnerinnen – was 5 Buchstaben ausmachen können

20. April 2012 von Helga

Über die Aktion „Nicht meine Ministerin“, deren Offenen Brief wir gestern hier veröffentlichten, schrieb sogleich noch Spiegel Online. Dem feministisch geübten Auge fiel dabei vor allem eines auf: das generische Maskulinum, immer wieder heißt es „die Gegner“. Dabei sind in der Erstunterzeichnungsliste neben 3 Organisationen 37 Frauen und 13 Männer aufgeführt. Mit ihrer Antwort auf meine Kritik hat Spiegel Online natürlich recht:

Ja, es sind auch Männer unter den „Schröder-Gegnern“. Aber eben nicht nur und hinter einem Mann ver­schwinden beim generischen Maskulinum leider 9 Frauen genau wie 99.999 oder sogar 9 Millionen Frauen. Dass Frauen vielleicht mitgemeint, aber selten mitgedacht werden, erläuterte erst vor kurzem das Sprachlog – seit Jahren bloggt über Geschlecht und Sprache bereits Luise Pusch, zum Weltfrauentag gab sie der Deutschen Welle ein Interview mit vielen schönen Beispielen.

Wie stark sich der Einfluss von Sprache auf unser Denken auswirken kann, zeigt auch die folgende Studie, die die Spektrum ausgegraben hat:

Von der Sprache hängt sogar ab, wie schnell Kinder herausfinden, ob sie Jungen oder Mädchen sind. Im Jahr 1983 verglich Alexander Guiora von der University of Michigan in Ann Arbor drei Gruppen von Kindern, die Hebräisch, Englisch oder Finnisch als Muttersprache hatten. Das Hebräische bezeichnet das Geschlecht ausgiebig – sogar das Wort “du” variiert dementsprechend –, Finnisch macht keine solchen Unterschiede, und Englisch liegt dazwischen. Dementsprechend finden hebräische Kinder ihr eigenes Geschlecht rund ein Jahr früher heraus als finnische; englische nehmen diesbezüglich einen Mittelplatz ein.

Natürlich gibt es noch andere Möglichkeiten, auf die Zusammensetzung einer Gruppe einzugehen. Während sich für offizielle Reden etwa ein „Gegnerinnen und Gegner“ eingebürgert hat, bietet es sich bei Texten stets an, zu quantifizieren und etwa „die Gruppe, der vor allem Frauen angehören“ zu schreiben. Ein ganz anderer Weg ist natürlich die Verwendung von Binnen-I oder Gender Gap, also Gegner_innen.

Doch egal welche Form gewählt wird – am Ende ist bereits dies eine politische Entscheidung. Ab wann sind in einer Gruppe so viele Frauen oder so wenig, dass es betont werden muss oder einfach auffällt? Welche Erwartung gibt es an diese Gruppe? Wie hätte es wohl gewirkt, wenn sich nur Männer gegen Kristina Schröders (Nicht-)Politik positioniert hätten oder aber kein Mann unter den Erst­unter­zeichnenden gewesen wäre? Gegner oder Gegnerinnen – fünf Buchstaben hinter denen noch viel mehr steckt.

Den Offenen Brief kann mensch derweilen weiter mitzeichnen.


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„Mich interessiert, was die Menschen bewegt“

19. April 2012 von Helga
Dieser Text ist Teil 100 von 102 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

anders-anziehen
Auch auf twitter und facebook.

Wie heißt du?
Smilla Dankert

Seit wann bloggst du?
Seit Herbst 2009.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Die Idee zu meinem Blog hatte ich schon eine ganze Weile, aber mir hat immer die Zeit gefehlt und auch der Mut endlich anzufangen. Eines Tages hab ich dann beschlossen einfach loszulegen, und mich nicht mehr beirren zu lassen von meinen eigenen Zweifeln.

Worüber schreibst du?
In meinem Blog geht es um Menschen. Ich fotografiere und portraitiere Menschen, die ich auf der Strasse anspreche, die mir auffallen und mich interessieren. Zu den Fotos schreibe ich dann einen kurzen Text, eine Art Gedächtnisprotokoll. Einige Menschen erzählen mir direkt etwas aus ihrem Leben, anderen stelle ich Fragen; ganz so wie es sich entwickelt. Mich interessiert, was die Menschen bewegt, was sie tun und warum sie es tun. Dabei bin ich immer wieder verblüfft über die Dinge die ich erfahre. Einiges recherchiere ich später, wenn Themen mich interessieren oder bestimmte inhaltliche Bezüge, die ich interessant finde. Mir fällt immer wieder auf, dass auch Themen, zu denen ich sonst eher wenig Zugang hätte, mich plötzlich interessieren, wenn ich sie von Menschen nahegebracht bekomme, die aus einem persönlichen Blickwinkel darüber berichten. Das versuche ich dann in meinem Blog weiterzugeben. (weiterlesen …)


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Gender konstruieren in 42 Posen

17. April 2012 von Helga

Einen schönen Einblick in die Konstruktion von Geschlecht liefern die Vorschläge für Fotografien der „Digital Photography School“. Die 42 Beispielposen könnten auch als Illustration für „Frauen sind Sexobjekte und Männer sind Personen“ dienen – auch wenn die Überschriften etwas irreführend von Männern und „weiblichen Subjekten“ reden.

Eine gezeichnete Frau im Bikini, ein Bein etwas angewinkelt, die Hüfte schräg. Daneben ein gezeichneter Mann, die Beine etwas auseinander, die Hände in den Taschen.

Genderkonstruktion: Frauen balancieren auf einem Bein, Männer stehen breitbeinig.

Männer sollten ganz klassisch in Szene gesetzt werden: Verschränkte Arme, Blick in die Kamera, das Ganze fotografiert von vorne mit dem ganzen Körper im Bild. Gegenstände, die als Accessoires dienen könnten, sind vor allem Schreibtische und Bürostühle, aber auch Laptops, Bücher oder sogar Werkzeug! Die Vorschläge gelten dabei für offizielle und lockere Aufnahmen. Entsprechend sind die abgebildeten Männer immer in Freizeitkleidung oder sogar Anzügen gezeigt.

Dagegen gibt es wenig Ideen, wie Frauen in formaler Kleidung oder gar an ihrem Arbeitsplatz fotografiert werden könnten, aber jede Menge Bikiniposen. Ganz­körper­bilder von stehenden Frauen gibt es – wenn – nur mit geknickter Hüfte und angewinkelten Beinen, der feste Stand bleibt den Herren vorbehalten. Außer­dem funktionieren sie laut Angabe nur mit schlanken, athletischen Frauen, wie auch einige andere Posen. Unendlich scheinen dagegen die Möglichkeiten, sich auf dem Boden zu wälzen, an den Brüsten, den Haaren oder im Gesicht zu spielen; einmal wird sogar ausdrücklich darauf verwiesen, frau sollte ihren Körper ständig verdrehen.

Natürlich kommen diese Vorschläge nicht aus dem luftleeren Raum, sondern sind einfach Beispiele für den Sexismus, der uns jeden Tag überall begegnet. Auch in Schulbüchern und Fernsehserien werden Frauen seltener bei der Arbeit gezeigt als Männer. In Frauenzeitschriften und Makeover-Shows lernen wir, unsere Kurven zu betonen – aber nur wenn wir schlank genug sind, alle anderen haben ihre ver­meintlichen Fehler zu kaschieren. Schließlich könnten Frauen auch in den Männer­posen foto­grafiert werden, während die umgekehrte Version ungewohnt ist, wie zuletzt die Men Ups von Rion Sabean dokumentierten.


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Selbermach-Sonntag (15.04.12)

15. April 2012 von Helga

Sepiabild eines kleinen Mädchens beim Spielen Nach dem schönen März lud der April bisher oft zum zu Hause bleiben und schmökern ein – viel gebloggt wurde auch. Was habt ihr gelesen, geschrieben, gepodcastet oder sogar ein Video gedreht? Für das alles und noch viel mehr, ist Platz in den Kommentaren.


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Engagieren, diskutieren und kritisieren – die Blogschau

14. April 2012 von Helga
Dieser Text ist Teil 153 von 157 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Auch diese Woche wurde wieder mächtig in die Tasten gehauen.

Ein neues Blog ist Polizei und Sexismus, das sexistische Erfahrungen im Umgang mit der Polizei dokumentiert.

Auch neu: der Labercast von Ryuu. In der ersten Folge geht es um „feministische Zucchini im Weltraum“. Und im Missy Blog sind wieder Studierende der Uni Basel zu Gast. So geht es um die Frage, was in der Schweiz gegen sexistische Werbung getan werden kann.

Die feministische Gruppe FemKo aus Göttingen stellt sich mit einem schmucken Video vor:

Mit der Macht der Sprache beschäftigte sich die Tilde. Unbedachte Wörter verharmlosen Gewalttaten und geben im schlimmsten Fall den Opfern Mitschuld.

Im Fremdwörterbuch hat Kübra zum Tode von Trayvon Martin den US-Präsidenten Obama im Hoodie gezeichnet. Außerdem gibt es einen langen Nachtrag zur Kolumne über den muslimischen „Heiratsmarkt“ und die aktuellen Diskussionen um Religiösität und Geschlechterbilder.

Urmila Goel ist weiter durch Indien gereist und hat u.a. an der Konferenz “Advancing Feminist Debates on Reproductive Technologies” teilgenommen.

Das Grimegrrrl will an ihrer FH eine Hochschulgruppe gründen, um sich mit Sexismus, Rassismus… auf dem Campus auseinanderzusetzen. Das Ergebnis bisher: Abwehrhaltung, warum man denn Sexismus anprangere, und die Bitte, das alles nicht „politisch“ zu nennen.

Storytime bei der Riotmango mit Begegnungen an der U-Bahnhaltestelle: „Ey, seid ihr lesbisch?“ „Das ist ja eklig.“

Das Gespenst der Armut empfiehlt das Buch „Wir müssen leider draußen bleiben“. Ob Hartz IV oder Mikrokredite in Bangladesh, die Strategien gegen Armut seien am Ende auch nur weitere Profitmaximierung.

Eine Liste mit den „100 mächtigsten arabischen Frauen“ ist im CEO Middle East erschienen – die West-Östliche Diva nimmt sie kritisch unter die Lupe.

Auf media-bubble geht es um die Unsichtbarkeit von Lesben in der medialen Berichterstattung.

Nach einigen Anfragen gibt es bei Erlebnisse und Gedanken Ratschläge für die ersten Schritte bei Transidentität und fünf Dinge, die transidente Frauen besser nicht tun sollten. Das größte Problem: Im Deutschen fehlt es derzeit noch an der Sprache, an den passenden und verständlichen Worten und Formulierungen.

Neu im TV: Modern Family. Leider sei an der Serie aber nichts modernes, befindet different needs.

Ein Interview mit Gabriele Winker und Nina Degele zu ihrem Buch „Intersektionalität. Zur Analyse sozialer Ungleichheiten“ gibt es im Dishwasher.

Classless Kulla widmet sich einer zu wenig bekannten Körperregion und verweist auf Betty Dodson, die Clitoris und Vulva beschreibt.

Schließlich (auf Englisch) ein Beitrag von Stop! Talking über die ständige Einordnung nicht-weißer Menschen. Als weiß angesehen zu werden, ist dabei ein zweifelhaftes Vergnügen.

Nach dem Klick noch 3 Terminhinweise: (weiterlesen …)


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Pille danach: Die Rezeptpflicht bleibt bestehen

13. April 2012 von Helga

Bereits 2004 empfahl das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, die Abgabe der Pille danach auch ohne Rezept zuzulassen, auch die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt dies nach jahrelangen guten Erfahrungen. In Europa ist dies inzwischen in 28 Staaten der Fall – in Deutschland weiter nicht. Ein Vorstoss der bremischen Gesundheitsbehörde, die Rezeptpflicht aufzuheben, scheiterte letzten Monat erneut, berichtete der Spiegel. Die Begründung erinnert ein wenig an Argumente, die ansonsten von saudi-arabischen oder erzkonservativen US-Politker_innen hervorgebracht werden:

“Das Argument gegen die Befreiung war, man würde den Frauen durch diesen Schritt zu viel Freiheit genehmigen”, vor allem die konservativen Länder seien dagegen gewesen.

Immerhin wird ferner darauf verwiesen, was in den Beratungsgesprächen noch alles abgeklärt werden könne: Man wolle verhindern, dass die Einnahme überflüssig sei, weil sie zu spät erfolge. Ob die Einnahme tatsächlich sinnvoll ist, lässt sich allerdings nicht immer bestimmen – im Zweifelsfall wird immer noch zur Verschreibung geraten. Im ärzteblatt wird außerdem angeführt, dass abgeklärt werden müsse, ob der „ungeschützte Geschlechtsverkehr mit Einwilligung der Frau stattgefunden habe oder ob es Anzeichen für eine Gewaltproblematik gebe“.

Leider fehlt es bis heute in der täglichen Arbeit zum einen an der Zeit, auf diese Probleme einzugehen, zum anderen auch weiter oft an dem Wissen, wie Gewaltproblematiken überhaupt zu erkennen sind. So wirkt diese Sorge vorgeschoben, im schlimmsten Fall werden Frauen sogar weiter moralisch belehrt. Dies zeigt sich bereits offen in der Angst, mit freier Verfügbarkeit würden Frauen nicht mehr auf „sinnvolle Verhütung“ setzen. So wird Frauen pauschal Nachlässigkeit und sogar Dummheit unterstellt. Mit rund 30 Euro pro Einsatz würde das „bedenkenlose Rumgevögel“ aber ein teurer Spaß.

Tatsächlich sei Geld der Faktor für Ärzt_innen, die Rezeptpflicht beizubehalten, heißt es von der Beratungsorganisation pro familia. Sie fürchteten den Verlust von Patientinnen und finanzielle Einbußen. Ansonsten ist das Gerangel um die Freigabe der Pille danach vor allem ein Machtspiel – ausgetragen auf dem Rücken der Betroffenen.


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Familienplanung und Repräsentation von afrikanischen Frauen

11. April 2012 von Helga

Letzte Woche war die Reihe TEDxChange zu Gast in Berlin und ich mit einigen anderen Bloggerinnen (u.a. Milena) eingeladen – unter dem Label „The Big Picture“ ging es neben Nachhaltigkeit vor allem um Frauengesundheit und Familien­planung (anzuschauen hier, auch auf Deutsch, leider ohne Untertitel).

Ein dunkelblaues Plakat mit der Aufschrift BIG PICTURE

Zunächst sprach Jeff Chapin von Ideo über den Design- und Vertriebsprozess für Sanitäranlagen in Entwicklungsländern. Auch wenn viele Leute sehr begeistert waren, ein gewisses „Duh“ oder „ne ernsthaft?“ kann ich mir nicht verkneifen, angesichts der Erkenntnis, dass Produkte nicht immer so verwendet werden, wie Designer_innen es sich gedacht hatten. Wenig Begeisterung weckte auch der Talk von Sven Giegold, Mitglied des EU-Parlaments für die Grünen. Das wichtige Thema „Energiewende“ vermittelte er den Zuhörenden leider nicht im Big Picture, sondern verzettelte sich in kleinteiligen Informationen.

Zwischenapplaus bekam dagegen Theo Sowa (PDF), die derzeit für den African Women’s Development Fund arbeitet und sich für Frauen- und Kinderrechte einsetzt. Sie erzählte von Konferenzen, die sich mit dem Einfluss von HIV und AIDS auf afrikanische Frauen beschäftigen, dabei aber keine afrikanische Frau anhören oder auf ihre Erfahrung zurückgreifen. Schuld daran sei, dass afrikanische Frauen immer noch als Opfer und schwach gesehen werden und niemand Opfern zuhören wolle. Mit Felicia Darkwa, Ida Mukuka und Gisele Yitamben stellte sie dann gleich drei Frauen vor, deren Arbeit viel bewirkt hat und auf die dringend gehört werden müsse.

(weiterlesen …)


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