Einträge von Barbara


Tiefer träumen und wacher handeln

5. März 2011 von Barbara
Jutta Limbach im Willy-Brandt-Haus Berlin

Prof. Dr. Jutta Limbach im Willy-Brandt-Haus Berlin; Foto: Marco Urban

Eine großartige Rede anlässlich des 100. Geburtstag des Internationalen Weltfrauentags am 8. März 2011 hat Jutta Limbach am Montag in Berlin gehalten. Im Rahmen eines Festakts im Willy-Brandt-Haus, der von SPD und ASF (Arbeitsgemeinschaft So­zial­demo­kra­tischer Frauen) ver­an­stal­tet wurde, hat sie den großen Bogen von Clara Zetkin und Käte Duncker bis heute gezogen:

Wir können uns am kom­men­den 8. März der Er­fol­ge ver­ge­wissern, die seit den Tagen der Alten Frauenbewegung er­run­gen wor­den sind. Die Errungenschaften sind uns nicht in den Schoß gefallen, son­dern – woran frau auch immer wieder erinnern sollte – in harten po­li­ti­schen Käm­pfen er­strit­ten wor­den. Die Herausforderungen werden sich nicht mit der Zeit erledigen, wie so gern behauptet wird. Immer wieder wird es „Hürden, Hindernisse und Blockaden auf dem Weg zur Ge­schlech­ter­gerechtigkeit geben.
Lassen Sie mich mit einer Mahnung von Eva Rühmkorf schließen, der wir soviel Impulse in Sachen Frauenpolitik verdanken: Wer die Welt ver­än­dern will, muss tiefer träumen und wacher handeln!

Die gesamte Rede kann hier als PDF gelesen werden.


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Spitzenpolitikerinnen und Schwangerschaften

10. Februar 2011 von Barbara
Dieser Text ist Teil 13 von 13 der Serie Der F-Blick in die Politik

Hochschwanger hat die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles der Frauenzeitschrift Brigitte Ende 2010 ein Interview gegeben, Überschrift “Mein Job weckt Begehrlichkeiten”. Die mediale Resonanz auf das Interview war gewaltig, die Süddeutsche Zeitung schrieb “SPD: Karrierekämpfe Andrea Nahles – schwanger und Furcht um den Job”. Und die BILD titelte dasselbe: “Schwangere Nahles hat Angst um ihren Job”.

In einem eigenen Interview, das ich mit Andrea Nahles kurz darauf geführt habe, meint sie, dass es “nicht nur in meiner Partei ambivalent ist, wenn Frauen in Funktionen Kinder kriegen”. Sie stellt aber auch richtig, dass sie “zu keinem Zeitpunkt Angst” um ihren Job hatte.

Wir sind andere Spitzenpolitiker mit der Tatsache umgegangen, dass sie Kinder haben? Denken wir an die Politiker Willy Brandt und Helmut Kohl, die ihre Kinder “verwahrlost haben” – aktiv und von der ganzen Nation gesehen, vielleicht sogar akzeptiert, aber so gut wie nie kritisiert. Gerade ist das Buch des Altkanzler-Sohns Walter Kohl erschienen, das seine Sicht dieses Heranwachsens tragisch schildert.

Ich erachte die Mutterschaft von Andrea Nahles als große Chance für Frauen. Nahles als Spitzenpolitikerin gilt für viele als Vorbild. Wenn sie nun zeigt, dass es durchaus eine Vereinbarkeit von Kindern und Berufsleben geben kann, ist das eine Unterstützung vieler verzweifelter Frauen. Ich möchte keinesfalls die private Entscheidung von Andrea Nahles in irgendeiner Weise bewerten oder gar kritisieren. Doch wenn Partner und Großeltern sofort nach dem Mutterschutz die Kinderbetreuung aufgrund der Wichtigkeit, so schnell wie möglich wieder ins politische Amt zurückzukehren, übernehmen, kann das als eine Fortführung des männlichen Verhaltens der Altkanzler gesehen werden – ohne Nahles dabei die aktive Verwahrlosung zu unterstellen!

Die nächste Spitzenpolitikerin, deren Schwangerschaft derzeit von der Öffentlichkeit genauestens betrachtet und diskutiert wird, ist Familienministerin Kristina Schröder. Auch sie plant nach der gesetzlich vorgeschriebenen Mutterschutzfrist ein schnelles Comeback an den Ministerinnen-Schreibtisch.

Es muss möglich sein, emotionale Intelligenz in Politikkonzepte einzubinden. Vor allem dann, wenn Frauen zum ersten Mal einen Weg gehen, der vor ihnen nur von Männern beschritten wurde. Die Tatsache, dass Menschen in allen beruflichen Funktionen Kinder kriegen und haben, muss zur Normalität werden. In einem Kommentar des Bayerischen Rundfunks heißt es: “Warum gibt es keine Schwangerschafts-Vertretungsminister? Warum nehmen nicht mehr Spitzenpolitiker Vätermonate? Warum ist “Halbtagsministerin” in der Politik ein Schimpfwort?” und “Aber wenn flexible Arbeitszeiten in der Regierung nicht möglich sind, wie kann das die Politik dann von Unternehmen fordern?” Ganz genau!

Frauen wie Heidi Klum, deren finanzieller Wert als Supermodel direkt proportional mit ihrer Taillenweite zusammenhängt, kommen sofort nach der Geburt eines Kindes wieder zurück in die Gesellschaft ohne Baby-Handicap. Das liegt am Geld, das sie mit ihrem makellosen Körper verdienen. Bei Politikerinnen muss es da noch eine andere Möglichkeit geben. Das wünsche ich ihnen. Und allen anderen in diesem Land.


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Statt handeln lieber das Umfeld verbessern

19. Januar 2011 von Barbara
Dieser Text ist Teil 12 von 13 der Serie Der F-Blick in die Politik

In dieser Kolumne werden die politischen Aktivitäten der Bundesregierung rund um das Reizthema “Frauenpolitik” kritisch betrachtet, das sich zumeist hinter der Familienpolitik verstecken muss.


Hatte das vergangene Jahr doch schon viel Traurigkeit mit dem Thema “Quote” verbunden, das in der aktuellen Bundesregierung einfach keine richtige Lobby hat, wenn es um Frauenpolitik geht, bringt das neue Jahr gleich noch mal einen Dämpfer.

Nicht Deutschland, nein das Nachbarland Frankreich führt nach Norwegen und Spanien eine Frauenquote für die Spitzenpositionen in den Unternehmen ein. Unternehmen, die bisher keine Frau an der Spitze haben, müssen innerhalb von sechs Monaten nach Inkrafttreten des Gesetzes (übrigens: ein Vorschlag der konservativen Regierungsmehrheit) eine Frau berufen. Innerhalb von sechs Jahren sollen 40 Prozent der Verwaltungsratsposten mit Frauen besetzt werden. Und wer es bis dahin immer noch nicht geschafft hat, muss sogar mit kleinen Strafen rechnen.

So wird in naher Zukunft neben den vielen französischen Aufsichtsräten auch jede Menge französische Aufsichtsrätinnen geben (können wir gleich mal üben, dieses Wort auch in unseren Sprachgebrauch zu integrieren, auch wenn es beim ersten Aussprechen vielleicht noch komisch klingen mag). Und das harte Klima in der Wirtschaft könnte sich tatsächlich in ein angenehm temperiertes Gleichberechtigungs-Durchatmen verwandeln – ist die Spitze eines Unternehmens geschlechtergerecht, bleibt ja mehr als Hoffnung für den Rest. Doch die FAZ klebt an diesen Gerechtigkeitsvorstoß gleich wieder das Vorurteil der ungeliebten Quotenfrau (scheinbar ist dort immer noch nicht klar, was eine solche Quote bedeutet, nämlich dass bei gleicher Eignung eine Bewerberin bevorzugt wird, solange bis es eben 40 Prozent Aufsichtsrätinnen gibt):

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Vertrauen ist gut, Quote ist besser

8. Dezember 2010 von Barbara
Dieser Text ist Teil 11 von 13 der Serie Der F-Blick in die Politik

In dieser Kolumne werden die politischen Aktivitäten der Bundesregierung rund um das Reizthema “Frauenpolitik” kritisch betrachtet, das sich zumeist hinter der Familienpolitik verstecken muss.

Schon mal was vom “Corporate Governance Kodex” gehört? Diese Erklärung existiert seit knapp zehn Jahren und ist der neue alte Weg in eine Zukunft voller Chancengleichheit. Der Kodex verlangt nämlich, die in Deutschland geltenden Regeln für Unternehmensleitung und -überwachung transparent zu machen. Damit das Vertrauen in die Unternehmensführung deutscher Gesellschaft gestärkt wird. Damit nationale und internationale Investoren ein gutes Gefühl haben, wenn sie ihr Geld in deutsche Unternehmen stecken. Das Bundesjustizministerium hat diesen Kodex im Februar 2002 verabschiedet und hängt immer noch daran.

Denn nach diesem Vertrauen in die Unternehmen spricht sich Thomas Fischer, der Mann für den Bereich Chancengleichheit im Bundesfamilienministierium, neuerdings aus, so etwa auf einer Veranstaltung des Deutschen Juristinnenbunds. Das heißt aber auch, dass künftig nur mehr der Wunsch nach Vertrauen, nach Offenheit, nach Transparenz, der beruflichen Gleichberechtigung helfen soll. Und keine Quote, die etwa von den Aufsichtsräten deutscher Unternehmen aus die Chancen von oben nach unten ohne Geschlechter-Benachteiligung verteilt. Im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und FDP vom 26. Oktober 2009 war noch von einem “Stufenplan” die Rede, um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen: (weiterlesen …)


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Schröder vs. Ortgies

29. November 2010 von Barbara

In der Süddeutschen Zeitung gibt es heute eine Seite Interview mit zwei Frauen, die über Feminismus diskutieren: Am Debatten-Tisch sitzen und streiten Kristina Schröder und Lisa Ortgies. Inzwischen ist das Interview online erschienen. Eins als Vorgeschmack: Auf ihrer Website schreibt Kristina Schröder am 19. November 2010 über ihre öffentlichen Äußerungen zum Thema Feminismus (wir haben berichtet):

“Vielen Dank für Ihre Zustimmung!

In den vergangenen Tagen haben mich sehr viele E-Mails, Briefe, Facebook-Nachrichten und Anrufe zu meinem Interview im Spiegel vom 8. November 2010 erreicht, in dem es unter anderem um Feminismus ging. Dafür möchte ich mich herzlich bei Ihnen bedanken! Es freut mich sehr, zu lesen, dass dieses Thema auf so großes Interesse stößt und viele mich in meinem Standpunkt unterstützen. Die überwältigende Mehrheit der Schreiben war zustimmend.”

Eine, die nicht zustimmt, ist Lisa Ortgies.


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Interview mit Andrea Nahles

22. November 2010 von Barbara

Barbara: Vergangene Woche ist ein Interview von Ihnen in der Frauenzeitschrift Brigitte erschienen. Dort erzählen Sie von Ihren Plänen, schon zwei Monate nach der Geburt Ihres Kindes wieder zurück ins Amt zu gehen. Sie sagen: “Emotional stelle ich mir das für mich unheimlich schwer vor. Ich weiß, ich werde unser Kind nicht so oft sehen, wie ich es gern hätte.” Eine solche Entscheidung fällt man in der Regel nicht nur mit dem Bauch, sondern auch mit dem Kopf. Und nicht alleine. Wie haben Sie Ihre Lösung gefunden?

Andrea Nahles: Ich plane. Um mich ein wenig sicherer zu fühlen. Ob es am Ende so kommt… das hängt von dem Kind ab. Ist es gesund und munter, ja, dann werde ich bald wieder meiner Arbeit nachgehen. Das ist ohne die aktive Unterstützung meines Mannes nicht denkbar: Wir haben das intensiv besprochen. Wir möchten, dass unser Kind von einem Elternteil intensiv betreut wird, und das ist in unserem Fall eben mein Mann. Ich mache mir nix vor, dass wird sicher nicht so leicht – ich freue mich nämlich sehr auf das Zusammenleben mit unserem Kind. Es ist ein spätes Glück.

SPD / Florian Jaenicke

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles

Barbara: Die Vereinbarkeit von Familie und Karriere ist für jede Frau eine Herausforderung. Besonders in einer Position wie der Ihren, die durch große Verantwortung und einen gefüllten Terminkalender eher familienunfreundlich wirkt, wirft die Geburt eines Kindes viele Fragen auf: Wer betreut das Kind, etwa. Aber auch: Wie gehe ich mit dem Vorwurf der Rabenmutter um? Und: Wie mache ich meinem Umfeld klar, dass ich durch die Geburt nicht zu einem an Stilldemenz leidenden Wesen geworden bin, sondern nach wie vor klar denken kann und sogar neue Kompetenzen und Einsichten erworben habe? Wie gehen Sie mit diesen und anderen Fragen um?

Andrea Nahles: Stilldemenz ist wie Rabenmutter ein klassisch deutsches Klischee. Das ist in anderen Ländern so nicht anzutreffen. Ganz offen: Ich habe keine feste Idee, wie ich damit umgehe. Besonders der Rabenmutter-Vorwurf ist wohl unvermeidlich, und wie schaffe ich es, dass mich solche Gedanken nicht anstecken? Gerade mit einem nicht so ganz gewöhnlichen Job wie meinem. Puh. Sicher hilft, dass ich unser Kind in guten Händen weiß, und dennoch piesackt sowas doch sehr, schätze ich. Umgekehrt wird es sicher auch nicht einfach, die Beobachter auszuhalten, die nach Nachlässigkeit oder weniger Engagement wegen des Kindes bei mir fahnden. Am Ende mache ich es wie alle Frauen: Durchziehen. Froh sein mit dem Kind. Wissen, dass man etwas Kostbares erleben darf.

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Das wird mir alles nicht passieren

11. November 2010 von Barbara
Dieser Text ist Teil 47 von 58 der Serie Die Feministische Bibliothek

In ihrem neuen Buch „Das wird mir alles nicht passieren… Wie bleibe ich FeministIn“ erzählt die österreichische Autorin Marlene Streeruwitz (geboren 1950) von Situationen, die es häufig gibt: Eine Frau erfährt, dass ihr Liebhaber seine Ehefrau trotz vieler Versprechen nicht verlassen wird, eine Kranke wird von ihrem Mann mit der Pflegerin betrogen, ein Hausmann ist unglücklich neben seiner immens erfolgreichen Gattin. Die Geschichten sollen kein düsteres, trauriges Abbild des Lebens sein, sondern uns vielmehr aufrütteln, jeden Tag aufs Neue für Freiheit und das Recht auf Würde zu kämpfen. Und uns nicht von gut gemeinten Patentrezepten für ein perfektes Leben beirren lassen! Ich habe in Salzburg mit der Autorin gesprochen.

Haben Sie einen Ratschlag für die junge Frauen-Generation, die Berufsleben und Familienplanung noch vor sich haben? Gibt es Fehler, die zu vermeiden sind?

Ich würde ihnen raten, keine Angst vor Fehlern zu haben, weil in den Fehlern das Leben natürlich am meisten enthalten ist. Aber sie sollten versuchen, die Fehler so zu minimieren, dass sie sie managen können. Also, dass es nicht zu viele Fehler auf einmal gibt, und dass dieses große Unglück, das wir ja kennen in Frauenbiografien, dass das nicht über sie hereinbricht.

Ich würde auch immer raten, dass Frauen darauf achten, dass ihre Partner sie nicht zwingen, ihre eigenen Welten aufzugeben. Wenn jemand das verlangt, bedeutet das, das Eigene aufzugeben und sich eben hinzugeben. Das ist ein Machtverlust, der sehr genau zu überlegen ist.

Ich hatte beim Lesen Ihres Buches das Gefühl, das die von Ihnen beschriebenen Beziehungen auch daran scheitern, dass Menschen sich in Abhängigkeiten gebracht haben. Romantik hin, Romantik her, wie kann man das denn schaffen, dass man sich selbst in einer Partnerschaft nicht vergisst?

Wir wollen alle ein schönes Leben führen, wir wollen ein spannendes Leben führen, wir wollen ein sexuelles Leben führen, wir wollen ein erotisches Leben führen … Natürlich ist es ganz unrealistisch anzunehmen, dass uns das alles gelingen wird. Deshalb müssen wir immer wieder die Grundfrage stellen: „Ist das jetzt alles richtig für mich?“

Wir brauchen Personen, die durchgängig als Beobachter und Zeugen des eigenen Lebens existieren. Die gute Freundin oder die guten Freundinnen sind für eine Frau sehr wichtig, weil daran gesehen werden kann, wie weit sich eine Person von sich selbst entfernt. Zum Beispiel, um mit einem Mann mitzukommen. Mit einer solchen Unterstützung kann sie sagen, „…ist das jetzt gscheit oder ist es nicht gscheit“. Und ich finde auch, wenn eine Frau sagt, „es ist nicht gscheit“, aber es zahlt sich aus für sie, und sie weiß, welche Konsequenzen es sind, dann sollte sie es selbstverständlich machen. Denn diese Angst vor Unglück, darum kann es nicht gehen. Das ist auch etwas, was ich an diesen Emanzipations-Ratgebern nicht mag. Unglück ist eine selbstverständliche Folge von selbstverständlichem Leben und muss halt bewältigt werden.

Marlene Streeruwitz, „Das wird mir alles nicht passieren… Wie bleibe ich FeministIn“. Fischer-Verlag, 9,95 EUR. Auf der Website http://wie.bleibe.ich.feministin.org/ kann über die Geschichten diskutiert werden, sie können sogar online weiter geschrieben werden … und die Autorin liest und diskutiert mit.

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Die Irrungen und Wirrungen der Kristina Schröder

10. November 2010 von Barbara
Dieser Text ist Teil 10 von 13 der Serie Der F-Blick in die Politik

In dieser Kolumne werden die politischen Aktivitäten der Bundesregierung rund um das Reizthema “Frauenpolitik” kritisch betrachtet, das sich zumeist hinter der Familienpolitik verstecken muss.


Schon in ihrer Abiturzeitung hat sich die Chefin des Bundesfamilienministeriums, Kristina Schröder, vom Feminismus distanziert. Vielleicht hat sie Simone de Beauvoirs durchaus komplexe Gedanken, die Schröder mit den Worten “Man wird nicht als Frau geboren, man wird es” wörtlich aus dem Französischen übersetzt zitiert, als Schülerin nicht kapiert. Und vielleicht hat sie dieses “Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird dazu gemacht” bis heute nicht verinnerlicht, weil sie ihr komisch vorkommt, diese Idee, dass Geschlecht nicht nur von der Biologie, sondern auch von der Umwelt gemacht wird. Es ist nicht davon auszugehen, dass sich ganze Generationen an Gender-Studiengängen geirrt haben. Aber es ist durchaus im Bereich des Möglichen, dass unsere Familienministerin den Feminismus ablehnt, weil sie ihn einfach nicht verstanden hat.

In einem Interview, das Schröder dem SPIEGEL gegeben hat (wir haben berichtet), antwortet sie auf derart wundersam-naive Art und Weise, dass ich ihr die Kompetenz, die Erste in Sachen Frauenpolitik zu sein in der Bundesrepublik, absprechen muss. Damit bin ich nicht alleine. Spitzenpolitikerinnen wie Renate Künast oder Manuela Schwesig sind ebenso entsetzt über Schröders Antworten wie auch Alice Schwarzer oder die Berliner Gender-Professorin Sabine Hark.

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Generationen-Gerechtigkeit

13. Oktober 2010 von Barbara
Dieser Text ist Teil 9 von 13 der Serie Der F-Blick in die Politik

In dieser Kolumne werden die politischen Aktivitäten der Bundesregierung rund um das Reizthema “Frauenpolitik” kritisch betrachtet, das sich zumeist hinter der Familienpolitik verstecken muss.

Es ist über zwei Jahre her, dass sich die Bundesregierung zu einem neuen Gesetz für die Regelung des Unterhalts durchgerungen hat. Dieses Gesetz besagt, dass Unterhalt an den Ex-Mann oder die Ex-Frau nur gezahlt werden muss, bis das gemeinsame Kind drei Jahre alt ist. Gerade erst hat die damalige Bundesjustizministerin die Neuregelung verteidigt: “Das Gesetz funktioniere in der Praxis ‘grundsätzlich gut’, sagte Brigitte Zypries. Doch tatsächlich ist das Gesetz gerade in der Praxis deutlich ungerechter als in der Theorie.

Vor zwei Jahren empfand ich die Neuregelung des Unterhaltsrechts als Förderung der finanziellen Eigenständigkeit von Frauen. Es ist richtig, Frauen zu ermuntern, einen eigenen ökonomischen Zugang zu unserer Gesellschaft zu haben. Naiv betrachtet hätte diese Ermunterung vielleicht sogar ein erster Weg aus der Welt des Ehegattensplittings sein können. Doch inzwischen ist mir klar geworden, dass ich damals nur als Vertreterin meiner eigenen Generation gedacht habe. Und dass Frauen, die vielleicht zwanzig, dreißig Jahre älter sind als ich, ganz anders dazu stehen. Für sie bedeutet dieses Gesetz, dass eine Frau, die während ihrer Ehe Hausfrau war (das sind derzeit 5,8 Millionen Frauen in Deutschland, hat die Soziologin Jutta Almendinger in ihrem neuen Buch “Verpasste Potenziale?” ermittelt), nach der Scheidung automatisch von Hartz IV alimentiert werden muss. Denn – Hand aufs Herz: Welche 50-Jährige, die 15 Jahre aus dem Beruf raus ist und sich nachmittags um ihre Teenager-Kinder kümmern muss, kriegt noch einen Job in dem Bereich, für den sie sich vor ihrer Auszeit qualifiziert hat? Realistisch betrachtet sind ihre Chancen äußerst gering. Und dass sich mit einem Teilzeitjob an der Kasse eine Familie nicht wirklich ernähren lässt, versteht sich von selbst. 1,8 Millionen Frauen möchten gerne den Hausfrauen-Job an den Nagel hängen, so Almendinger, und wieder aushäusig arbeiten. Ich wünsche ihnen, dass sie das schaffen.

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Selbermachsonntag

26. September 2010 von Barbara

Kleines Mädchen bastelt etwas, schwarz/weiß-FotoWas war los in dieser Woche? Worüber muss noch mal gesprochen werden? Und was darf nicht vergessen werden? Hier ist Platz für eure Ideen und Anregungen.


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