Einträge von Mrs. Pepstein


Tschüss, bis bald!

24. Juni 2008 von Mrs. Pepstein
Dieser Text ist Teil 4 von 45 der Serie Muttiblog

Nach langem hin- und herüberlegen habe ich mich dazu entschlossen den Muttiblog ad acta zu legen. Ich könnte jetzt an dieser Stelle sagen „aus persönlichen Gründen“, was letztlich auch stimmt, aber ich will euch meine Gedanken zu dem Thema auch nicht vorenthalten.

Fakt 1:
Über was soll ich nur schreiben?

Alle 14 Tage auf eine „wahre Begebenheit“ aus meinem Leben als Mutter zurückzublicken und diese für euch aufzuschreiben, hat für mich dazu geführt, dass ich an manchen Stellen krampfhaft nach einem Thema suchen musste, das sich für den Blog auch umsetzen ließ. Nicht immer, vieles lag nah, aber über das Stillen oder geschlechterfixierte Kinderkleidung kann man eben auch nur einmal schreiben, sonst wird’s für euch und mich langweilig. Und das ist mir zu krampfig, zu konstruiert. Und etwas ausdenken wollte ich mir nicht, schließlich sollte es ja um mein Leben gehen und nicht um ein fiktives.

Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Fakt 2:
Das Private ist politisch.

Die besten Geschichten hätte ich erzählen können und wollen über Dinge, über die ich hier nicht schreiben kann, weil sie zu privat sind. Streitthemen in der Beziehung, Erfahrungen von Freundinnen und Freunden mit dem Eltern-Sein und Probleme, über die ich mich mit meiner besten Freundin unterhalten kann, die ich aber nicht hier ausbreiten will, weil sie eben privat sind. Andererseits wäre es wichtig genau an der Stelle den Feminismus einzubringen, denn als Kommentator/in in diesem Blog können alle so feministisch tun, wie sie wollen, ob sie es wirklich sind, so in der Realität, bleibt die Frage!

Fakt 3:
Ich bin müde und muss Prioritäten setzen.

Ich mache viel, ich schaffe viel. Ich will hier nicht ins Detail gehen, aber ich finde mit zwei Kindern den Alltag zu rocken anstrengender, als ich es mir „damals“ mit einem Kind vorgestellt habe. Und ich mache trotzdem noch Dinge, die mit all dem nichts zu tun haben, und das muss und will ich auch tun. Aber ich kann nicht mehr alles machen, deshalb sage ich dem Muttiblog an dieser Stelle tschüß!

Ich würde mich freuen, wenn sich an dieser Stelle eine würdige Nachfolgerin findet. Der Mädchenmannschaft bleibe ich als Schreiberin erhalten, nur eben nicht als „die Mutti“.

Danke fürs Lesen

Mrs. Pepstein


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Die Mutter-Schublade

5. Juni 2008 von Mrs. Pepstein
Dieser Text ist Teil 2 von 45 der Serie Muttiblog

Neulich beim Eltern-Stammtisch des Kindergartens: drei der zehn im Biergarten anwesenden Personen trinken Kräutertee, daraufhin die Bedienung: „Bei dem Wetter Tee trinken, das machen doch nur Kindergartenmütter!“

Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Am nächsten Tag: ich bin mit Fahrrad inklusive Anhänger inklusive Baby in der Innenstadt auf dem Markt. Ich komme vollgepackt zum Hänger zurück mit dem Kind auf dem Rücken und Tüten in der Hand, neben mir schließt gerade ein Typ (Student oder Surfer oder beides, Anfang 20) sein Fahrrad an. Als ich gerade losfahren will (Einkäufe und Kind sind verstaut) und er gerade losgehen will (ob er wohl Gemüse einkauft?), kommt ein junges dynamisches Kamerateam (Studentinnen, Anfang 20) auf uns zu. „Hallo, wir machen eine Umfrage zum Thema Veranstaltungsmagazine, kannst du uns erzählen, was dir da wichtig ist?“ . Typ so: „Na ja, wo die geilen Parties sind und fette Locations, das ist schon wichtig“. Danach labern alle noch so in bisschen rum, die angehenden Redakteurinnen bestätigen mit seinen Worten die echt belanglose Aussage des Surfers. Währenddessen lege ich mir im Kopf eine kluge Antwort zurecht, eine die überraschen soll, die intelligent ist und witzig und so weiter. Schließlich (und das weiß ich aus eigener Radioerfahrung) nimmt man doch an Aussagen, was man kriegen kann, um später aus der Masse die besten Antworten rauszufiltern. Aber was passiert? Das ambitionierte Kamerateam und der Student verlassen die Szene.

Zack, da bin ich also drin in der Mutterschublade: Mütter trinken abends immer Kräutertee und haben ja keine Ahnung von Veranstaltungsmagazinen, weil sie ja sowieso nie weggehen. Frechheit! Mütter können alles genauso gut oder schlecht wie andere (kinderlose) Menschen. Sie gehören in keinen Verein, der ihnen verbietet zu tanzen und Alkohol zu trinken. Mich persönlich interessieren die geilsten Locations jetzt zwar nicht so brennend wie die letzte Ausgabe der Fiber, aber ich möchte doch zumindest auch gefragt werden, wenn’s ums ausgehen geht!

Klar, das ist nicht das Wichtigste von der Welt, sich zu Partymagazinen zu äußern, aber das ist ja nur der Knauf zu der Schublade, in die man als Mutter so gesteckt wird. Klischees wie Mütter so „allgemein“ sind oder zu sein haben gibt es schließlich so reichlich wie Schmutzwäsche in einem Mehr-Personen-Haushalt mit Kleinst- und Kleinkindern: Mütter kümmern sich, Mütter sind aufmerksam, Mütter ernähren sich bewusst, Mütter haben immer einen Arm mehr als real vorhanden und das Oberklischee Mütter schlechthin: wissen immer, was das beste für ihr Kind ist (Liste kann beliebig erweitert werden…)
Klar ist, dass es Klischees nun mal gibt (und leider oder vielleicht muss das auch so sein, dass es Frauen gibt, die diesem Klischeebild entsprechen), und irgendwie logisch ist auch, dass sich im Leben von Menschen, die Kinder bekommen so einiges ändert – ABER sie werden deswegen nicht komplett neue Wesen aus der Kategorie Mutter!

An dieser Stelle kann ich nur für mich sprechen: ich will nicht nur als Mutter wahrgenommen werden. Ich bin eine Frau mit eigenen Bedürfnissen, ich gehe auch ab und zu aus, wenn ich gerade nicht zu müde bin, ich lebe gerne mit meinem Freund und meinen Kindern zusammen, aber ich bin immer noch ich und möchte das verdammt noch mal auch bleiben.

Jetzt schließt sich die Schublade

Bis in 12 Tagen
Grüßt eure Mrs. Pepstein


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Danke Mutti!

20. Mai 2008 von Mrs. Pepstein
Dieser Text ist Teil 3 von 45 der Serie Muttiblog

Ich komme ein bisschen zu spät mit meiner Muttis-Mutti-Kolumne, schließlich ist der unsägliche Muttertag, an dem sich Hinz und Kunz bei seiner Mutter dankbar erweist für alles je fürs Kind getane und dabei noch die florale Wirtschaft ankurbelt, vorbei.

Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Der Muttertag an sich bedeutet mir nichts oder nicht viel. Klar, als Kind habe ich meiner Mutter auch immer etwas (natürlich selbst gebasteltes) geschenkt und an diesem Tag gemeinsam mit Vati den Tisch gedeckt. In diesem Jahr wurde auch ich zu diesem Anlass beschenkt mit einer selbst gebastelten Filzkette in meinen Lieblingsfarben und konnte zumindest den Gedanken an Tränen der Rührung nicht von mir weisen.

Aber letztendlich ist dieser Tag doch ganz schön verlogen, geht es doch darum, die „Frau daheim“ in ihrer festgefahrenen Rolle zu bestätigen und darin zu bestärken, dass es das Größte der Welt ist, für alle den Laden zu schmeißen und im schlimmsten Fall auch noch dem Mann den Rücken frei zu halten.

Natürlich spielte das auch in meiner Kindheit eine Rolle: Meine Mutter war die meiste Zeit zu Hause präsent, sie war diejenige, die mir bei den Hausaufgaben half, das Essen zubereitete und die Wäsche wusch. Aber: meine Mama war (und ist es auch heute noch) berufstätig, es war für mich normal, dass sie nicht immer da war, dass ich nach der Schule an manchen Tagen mit zu Freundinnen ging, weil meine Mutter arbeiten war (nachmittägliche Betreuung an der Schule gab es damals nicht) und dass manche Wochenende keine Eltern-Kind sondern Vater-Tochter-Wochenenden waren, weil auch da meine Mutter arbeiten musste und wollte.

Letzteres war das Entscheidende, was meine Mutter mir für meinen Weg mitgegeben hat: Es ist nicht alleine das Geld, das man mit Arbeiten verdient, es kommt darauf an, dass einem der Job auch Spaß macht und einen fordert. Für diese „Mitgift“ bin ich heute sehr dankbar, denn obwohl ich in einem Umfeld von vormittags Tennis spielenden und sich den Rest des Tages voll auf Kinder und Haushalt konzentrierenden Müttern aufgewachsen bin, war meine Mutter nicht so. DANKE MUTTI!


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So lonely – „es soll nicht nützlich sein“

6. Mai 2008 von Mrs. Pepstein
Dieser Text ist Teil 8 von 45 der Serie Muttiblog

Früher war das anders, so mit vierzehn, fünfzehn, da konnte ich ganz schlecht alleine sein. Ohne eine Freundin irgendwo hingehen, da hätte ich mich nicht wohl gefühlt. Anfang 20 war es auch nicht besser: Zwar war es ganz verwegen, mal alleine in die Disco zu gehen, aber ehrlich gesagt wusste man ja schon, wen man da treffen würde und war dann auch nicht wirklich allein. Während meines Studiums habe ich sehr viel (aus heutiger Sicht „wertvolle“) Zeit verplempert: vorm TV-Gerät, in Kneipen und im Bett. Und das ganze, um die Zeit totzuschlagen, in der ich alleine war.

Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Heute als zweifache Mutti genieße ich jeden Moment, den ich ganz alleine bin oder ohne meinen Familienanhang unterwegs bin. Und dann ist auch ganz egal, ob ich einen Kaffee trinken gehe, sinnlose Zeit vor dem Fernseher verbringe, Fahrrad fahre oder schreibend vor dem Computer sitze. Alleinsein kann so toll sein! Denn ich kann mal einfach so bei Rot über die Straße gehen oder einfach Lärm machen, ohne dass ein Kind dadurch aus dem Schlaf gerissen wird. Ich glaube das Entscheidende ist, dass ich mich dann einfach nicht so verantwortlich fühlen muss. Dass ich nicht für zwei, drei mitdenken muss, sondern in meiner freien-allein-Zeit ganz einfach machen kann, was ich will, ohne Rücksicht auf Verluste. Ein totaler Luxus.

Natürlich ist es dann auch wieder schön, alle um sich zu haben, geherzt und gedrückt zu werden und zu merken, Mutti wurde vermisst. Andererseits ist es doch auch ganz gut, dass es nicht selbstverständlich ist, dass ich immer da bin.

Und zum Schluss zitiere ich heute mal noch, weil es so gut passt, aus „Niemals dorthin“ von Bernadette la Hengst:

„Ich will was lernen können
nicht in der Ferne schweifen
nie mehr vor mir wegrennen
und nach den Sternen greifen …

Über den Schatten springen
ich lass die Sonne rein
und doch vor allen Dingen:
es soll nicht nützlich sein“

Bis in 14 Tagen! Macht mal was alleine!

Eure Mrs. Pepstein


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„Mama, Glitzer!“

22. April 2008 von Mrs. Pepstein
Dieser Text ist Teil 9 von 45 der Serie Muttiblog

Hm, letzten Samstag war ich alleine mit meiner Tochter (4) einkaufen. Sie brauchte neue Hausschuhe für den Kindergarten und Badelatschen. Schon vorher wurde ich von Tochterseite schonend vorbereitet: „Mama, die müssen aber mit Glitzer sein“, und da habe ich ja primär auch nix dagegen, wachsen doch meine Kinder doch in einer geschlechterrollenmäßig für meine Begriffe tollen Umgebung auf: In ihrem Kindergarten gibt es gleich viel Erzieher wie Erzieherinnen, meine Freund und ich teilen uns die Hausarbeit sichtbar auf, in unserem Freundeskreis gibt es mehrere Männer, die in Elternzeit sind und und und.Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Das Problem ist ja aber: Geh mal in einen Schuhladen und versuch, etwas Neutrales zu finden! Die Hausschuhe für Jungs sind durchweg dunkelblau, aber mit Fußbällen und im schlimmsten Fall mit Bob der Baumeister übersäht. In der Mädchenschuhabteilung ist alles rosa oder/und es glitzert. Warum gibt es zum Beispiel keine einfarbigen Schuhe mit Obst drauf? Warum muss jedes Kind heute selbst mit seinen Schuhen sein Geschlecht belegen?

Nun weiß ich als aufgeklärte Mutter, dass Kinder ihre Identität finden müssen, und dass es zum Beispiel gar nichts bringt, Mädchen von ihrer Rosa-Glitzer-Phase abhalten zu wollen, denn wie das Wort schon sagt, es bleibt oft eine Phase, aber wie kann man da wieder rauskommen, wenn das Warenangebot rosa-dominiert ist? Also rufe ich an dieser Stelle alle Modedesigner, Wareneinkäuferinnen und Kleidermacher dazu auf: lasst euch mal was neues einfallen: coole Mode kompatibel für Mädchen UND Jungen OHNE Prinzessinnenkrönchen, Auto, Fußball, Flugzeug oder Blümchen. Viel Spaß beim kreativen Austoben!

Wünscht

Mrs. Pepstein

P.S.: Ihr wollt wissen, welche Schuhe wir gekauft haben? Sie sind lila (und mit Glitzer…)


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Wenns läuft, läufts – oder unterwegs mit Mutti

8. April 2008 von Mrs. Pepstein
Dieser Text ist Teil 14 von 45 der Serie Muttiblog

Juli schreibt:
March 26th, 2008 um 10:14 am „Stimmt es eigentlich wirklich, dass die ersten Monaten die besten sind, weil die Babynahrungsmittelfabrik ja handlich verpackt immer dabei ist?“

Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Also vom Prinzip her ist Stillen eine prima Angelegenheit: man muss nachts nicht aufstehen: Das Kind wird einfach „angedockt“ und man kann schön liegen bleiben, während Junior sich den Bauch vollhaut. Wenn man mit Kind unterwegs ist, kann man, so man es sich traut (schönen Gruß und Gratulation an die mir bekannte Frau, die neulich im Hotel Seeblick so offensiv am Fenster sitzend gestillt hat, dass jede/r Passant/in an ihrem persönlichen Mutterstillglück teilhaben konnte) bei Bedarf die Milchtüte auspacken. Auch der ökonomische Aspekt ist nicht zu verachten: Man spart einfach einen Haufen Kohle, weil man keine Fertignahrung kaufen muss, keine Flaschen braucht, nichts auskochen muss, und und und. Darüber hinaus macht mir Stillen Spaß und es sind manchmal unvergessliche Momente, auch wenn das jetzt nach Megaklischee klingt.

Das Stillen hat nur den Haken: dass es abhängig macht, und zwar das Kind von mir. So hatte ich zum Beispiel letztes Wochenende einen Arbeitstermin in Dresden. Eine Woche vorher haben wir versucht, dem Kind eine Flasche mit Muttermilch darin anzubieten. Und hat das Kind das getrunken? Mitnichten! Und ich war der festen Überzeugung, mit ein bisschen Übung würden das Papa und Sohn hinbekommen, aber leider: Fehlanzeige. Deshalb waren wir dann zu viert bei meinem Arbeitstermin und zwischendurch wurde dann mal gestillt … Für mich selbst war das das kleinere Problem, denn mir wurde das Kind ja quasi immer nur zugereicht. Richtig stressig war es für den Rest der Familie, der, weil Mutti auf Arbeit musste, mitfahren und sich an einer Ausfallstraße über mehrere Stunden die Zeit vertreiben durfte. Also war letztendlich nicht nur das Baby abhängig von seiner Nahrungsquelle, sondern auch dessen Vater und Schwester.

Was ich damit sagen will: Nicht alles rund ums Stillen ist so einfach, wie es immer scheint. Es entstehen Abhängigkeiten, die für alle Beteiligten anstrengend sein können. Gerade mit mehreren Kindern ist der Organisationsaufwand oft ganz schön groß. Dazu kommt, dass dieses immer-und-überall-stillen auch den Nachteil hat, dass ab einem bestimmten Alter des Babys in einer fremden Umgebung dann auch alles andere spannender ist als die Mutterbrust und man dann das Problem haben kann, dass das Kind nichts trinkt, weil es die ganze Zeit gucken und staunen muss. Und so kommt es, dass man das Stillen letztendlich wieder so organisiert, dass das Kind in der vertrauten Umgebung ist, sprich: zu Hause.

Also kann ich Frauen, die nicht stillen wollen (und manchmal auch nicht können) sehr gut verstehen. Auch wenn die gesundheitlichen und sonstigen „Vorteile“ des Stillens auf der Hand liegen, so kann es doch für manche Familie stressfreier sein, „zur Flasche“ zu greifen. Und ich finde, das muss man genauso „dürfen“ wie Stillen.

Mein Freund und ich, wir freuen uns auf jeden Fall auf den ersten Karottenbrei in ein paar Wochen, der uns alle vier wieder ein bisschen freier macht!


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Die Top 3 der Pepsteinerlebnisse auf der Leipziger Buchmesse

25. März 2008 von Mrs. Pepstein
Dieser Text ist Teil 15 von 45 der Serie Muttiblog

Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

TOP 1 Donnerstag

Charlotte Roche auf einem blauen Sofa im Interview mit einem Journalisten der Süddeutschen Zeitung, ich erkämpfe mir mit Kind an der Brust einen Platz in der zweiten Reihe. Das Buch von Frau Roche habe ich schon gelesen und bin begeistert über die Themenbandbreite des Buches, es geht nämlich für alle, die es noch nicht gelesen haben NICHT nur um Analsex, sondern unter anderem auch um schwierige Mutter-Tochter-Verhältnisse, Frauen, die sich selbst befriedigen und Krankenhausalltag. Leider muss/darf Frau Roche in dem Interview fast ausschließlich über Sex reden und das war dem Journalisten auch selbst peinlich, denn explizite Ausdrücke sollte doch bitte Frau Roche für ihn aussprechen. Ich bin enttäuscht, dass Frau Roche nicht über die anderen Themen des Buches reden „darf“ und ziehe mit Kind auf dem Arm von dannen. Liebe JournalistInnen, die ihr auch noch vorhabt Frau Roche zu ihrem Buch „Feuchtgebiete“ zu interviewen, fragt sie doch bitte auch mal nicht nach Analsex. Danke.

TOP 2 Freitag

Ich darf heute selbst lesen, und bin ganz aufgeregt. In dem Buch „Hot Topic“, herausgegeben von Sonja Eismann, habe ich einen Artikel über meine Radiosendung „Mrs. Pepsteins Welt“ geschrieben und darf diesen im Conne Island vorlesen. Sonja Eismann ist auch da. Mit von der Partie ist auch mein vier Monate altes Baby samt Babysitterin, da mein Freund ungünstigerweise ausgerechnet in dieser Woche auf einer anderen Messe außerhalb Leipzigs weilt. Die beiden sind im Backstageraum (ein Beweisfoto gibt es!) und an diesem Abend bin ich sehr froh über das Rauchverbot, das hier und in dem ganzen Club gilt. Unmittelbar vor dem Lesen will ich noch mal Stillen …Was macht mein Kind? Es lacht mich an, aber von trinken keine Spur … Also gehe ich relativ unsicher auf die Bühne, mit einem Ohr in Richtung Backstage. Sonja und ich werden vorgestellt, Sonja stellt selbst das Buch vor und das Gebrülle im Backstage geht los! Ich also nach hinten, Kind stillen, währenddessen liest Sonja Eismann den ersten Artikel über Indie-Mutterschaft und bin froh, dass wir im Vorfeld darüber geredet haben, wie sie sich verhält, wenn ich auf einmal weg bin. Nach dem Stillen warte ich am Bühnenrand und fange dann selbst mit dem Lesen meines Artikels an, das heißt, das will ich, aber aus der hinteren Ecke höre ich mein Kind wieder schreien. Zur Beruhigung des Publikums (und auch zu meiner eigenen) sage ich: „Es ist alles okay, ja, das ist mein Kind, das hier schreit, aber es hat keinen Hunger mehr, sondern kennt lediglich die Umgebung nicht und ist hundemüde, und da schreit es halt manchmal.“ Und dann lese ich, gelegentlich gibt es Lacher und nach ein paar Minuten hört auch das Schreien im Hintergrund auf. Nach der Lesung ist alles prima, das Baby ist eingeschlafen, und irgendwie ist/war es auf einmal die normalste Sache der Welt, das Kind dabeigehabt zu haben. Klar, würde ich das nicht jeden Abend machen, aber mein Kind hat keinen Schaden davon getragen, ich hatte Spaß und habe eine gute Sache promotet und war vielleicht auch für ein paar Menschen im Publikum ein Role Model, egal ob als Autorin, Radiomacherin oder Mutter.

TOP 3 Sonntag

Das geht jetzt schnell. Sonntags war ich mit Kindern und Freundin mit dazugehörigem Kind auf der Buchmesse zum Kinderbuchanschauen. Wir waren noch nicht lange da, da brach auf einmal der Kinderwagen (zu viele Jacken, 7 Kilo-Kind und zwei Wasserflaschen wirkten auf ein zehn Jahre altes Fahrgestell) an der Seite durch. Zunächst war ich einigermaßen derangiert: mit einem Kind auf dem Arm, dem anderen an der Hand und einem kaputten Kinderwagen in einer Messe voller Menschen! Irgendwie der Obergau, doch Hilfe kam in Form eines älteren Herrn im schicken Messeoutfit. Dieser war bereit, alles für das Wohl der Messebesucherin zu tun! Er sah sich das Problem an, handelte kurzentschlossen mit Schrauben und Werkzeug und was soll ich sagen: Der Wagen läuft wieder, und hat jetzt sogar die 1200 km- Oster-Bahnfahrt zu „Oma und Opa“ schadlos überstanden. Danke hier an dieser Stelle für soviel geballte Hilfsbereitschaft und technische Kompetenz!

* Als Pfälzer Kind trinke ich natürlich, wenn es um Alkohol geht, nur Wein … “Bier“ steht also hier nur wegen der schicken Alliteration.


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Kennt ihr die?

11. März 2008 von Mrs. Pepstein
Dieser Text ist Teil 13 von 45 der Serie Muttiblog

Sie ist immer schon vor den anderen da. Im Kindergarten meldet sie sich schon bevor überhaupt freiwillige HelferInnen gesucht werden. In ihrer Schwangerschaft hat sie sich tonnenweise Lachsöl eingeflößt und natürlich niemals Kaffee getrunken. Sie hat einen Halbtagsjob („für die kleinen Extras“) von 10-14 Uhr, genug Zeit um nebenbei noch den Haushalt zu schmeißen und nachmittags die Kinder zu diversen Freizeitaktivitäten zu kutschieren.Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Die Rede ist von der „perfekten Mutter“. Ich nenne sie so, weil diese vom Perfektionismus getriebenen Wesen mir Angst machen. Deshalb weil sie anscheinend immer alles (besser) wissen, was ich schon immer wissen wollte und weil sie organisatorisch vieles schaffen, wovon ich nur träumen kann: Sie sind immer lieb und auf Augenhöhe mit ihren Kindern, sie sehen immer gut aus, egal wie kurz ihre Nacht war, und sie verteilen ihr über Jahre angehäuftes elitäres Mutterwissen häppchenweise an Auserwählte, ohne dabei arrogant zu wirken. Ich werde neidisch, neidisch auf so viel geballte Außenwirkung, neidisch auf „immer gut drauf“.

Doch dann denke ich darüber nach, wie es dazu kommen konnte, dass die „perfekte Mutter“ zu dem wurde, was sie heute ist. Sie musste und muss einiges entbehren: die Kinder sind ständig unter ihrer Betreuung, denn andere Menschen (im schlimmsten Fall inklusive des Vaters der Kinder) können ja nicht richtig auf die Kinder und ihre Bedürfnisse eingehen. Ihre Partnerschaft ist eigentlich auch seit Jahren im Eimer und echte Freundinnen hat sie auch keine mehr, weil sie immer nur über ihre Kinder geredet hat. In ihrem Job wird sie zwar akzeptiert, aber ihre Karriere wird allenfalls stagnieren und wenn sie mal älter ist und die Kinder aus dem Haus, was wird sie dann tun? Vielleicht wird sie sich dann erinnern, dass es eine Zeit gab, in der sie anderen Bedürfnissen nachgegangen ist, und zwar ihren eigenen, und es wird dann für sie ein ziemlich schwerer Weg sein, sich daran zu erinnern, welche Bedürfnisse das eigentlich waren.

Ihr lieben Mütter, die ihr nach Perfektion strebt (mich eingeschlossen): lasst mal fünfe gerade sein, denn die Jungs wollen auch was vom Mutterkuchen und eure Kinder wollen eine coole Mutter, die auch mal unterwegs ist und dann mit einem Blitzen in die Augen wieder nach Hause kommt, weil sie weiß, dass sie auch noch ein eigenes Leben hat. Ich versuche unperfekt zu bleiben, PeKip-Kurse kann ich eh nicht leiden und wenn ich das nächste mal um einen Gefallen gebeten werde, der irgendwas mit basteln, Kuchen backen oder saubermachen zu tun hat werde ich ganz mutig NEIN sagen.


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Immer wieder sonntags …

26. Februar 2008 von Mrs. Pepstein
Dieser Text ist Teil 12 von 45 der Serie Muttiblog

Ach ja, am letzten Sonntag hat sicher fast jede/r von euch fluchtartig die Wohnung verlassen. Der Grund: der verfrühte Frühlingseinbruch. Juhu, also alles toll: niemand muss arbeiten gehen, der Nachwuchs und man selbst ist weitgehend entspannt und was könnte man seinen Kindern nicht Schöneres antun, als mit ihnen auf den Spielplatz zu gehen? Aber Vorsicht! Denn Sonntag ist erfahrungsgemäß der Tag der engagierten Väter. Fröhlich hüpfen sie mit ihren Sprösslingen auf Turngeräten rum, schaukeln ihr Kinder stundenlang an (und ignorieren dabei jede Schlange hinter sich) und bauen riesengroße Sandburgen während ihre Töchter und Söhne eigentlich viel lieber rutschen wollen. So ist das sonntags auf Spielplätzen und ich habe absolut nichts dagegen, wenn mal mehr Männer anwesend sind, denn unter der Woche, wenn hauptsächlich Mütter und ihre Kinder aus Spielplätzen anzutreffen sind, herrscht ja oft nach außen ein Klima des endlosen Verständnisses gegenüber anderen Kindern vor, während hinter vorgehaltener Hand die Kinder untereinander verglichen werden. Ja, ich weiß, ich soll jetzt nicht sagen, dass Frauen gerne lästern, aber sie tun es (ich auch!) und angeblich soll das ja der Erziehung des eigenen Kindes dienlich sein, wenn man sie hin und wieder mit anderen vergleicht. Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Jetzt könnte man ja so sagen, okay, soweit ist das ausgeglichen, die Väter machen es eben so und die Mütter anders. Stimmt aber nicht, denn mal abgesehen davon, dass Mütter sich quantitativ gesehen viel öfter auf Spielplätzen herumtreiben (daraus resultiert meiner Meinung nach auch die eher beobachtende Rolle von Müttern aus Spielplätzen, sie sind so oft dort, dass sie keine Lust mehr haben mit ihren Kindern Sandburgen zu bauen), es gibt ja noch weitere Fragen, die sich hier aufwerfen, zum Beispiel: warum gehen Männer nicht auch mal unter der Woche auf den Spielplatz (gerade nachmittags hätten sie dazu die gleichen Chancen wie ihre berufstätigen Frauen) und wo sind die Frauen eigentlich sonntags (ich hoffe für sie nicht dauerhaft am Herd!)?

Mein Pladoyer des Tages lautet deshalb: liebe Männer trefft euch doch mal mit eurem besten Freund nicht abends zum Bier trinken, sondern mit euren Kindern auf dem Spielplatz und diskutiert die neusten PeKip-Erfahrungen durch und ihr, liebe Mütter unterhaltet euch lieber mal über das neue Buch von Charlotte Roche, anstatt immer so besorgt aus der Wäsche zu gucken. Und sonntags gehen alle gemeinsam in die Gaststätte!


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Gute Luft und sonst so?

12. Februar 2008 von Mrs. Pepstein
Dieser Text ist Teil 10 von 45 der Serie Muttiblog

Hallo liebe Muttiblogleser- und leserinnen,heute schreibe ich nicht aus Leipzig, sondern aus der Pfalz, es ist sehr idyllisch hier inmitten von hübschen Weinbergen und frühlingshafter Wintersonne. Und erst die gute Luft! Leipzig ist da nicht so gesegnet mit, weder mit Weinbergen noch mit guter Luft. Nun ja, aber könnte ich hier leben? Könnte ich hier so leben, wie ich in Leipzig lebe?

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(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Wo ich hier bin, das ist eine Stadt, zugegeben eine kleine Stadt mit nur 5.000 EinwohnerInnen, aber städtische oder sonst wie organisierte Kinderbetreuung ab einem Jahr? Fehlanzeige! Väter, die tagsüber ihre Kinder durch die Straßen schieben: Fehlanzeige 2!

Da lobe ich mir mein Leipzig, in dem die Kinderbetreuung für Kinder ab einem Jahr über Tagesmütter, -väter und Kinderkrippen nahezu abgedeckt ist (das heißt jetzt allerdings NICHT, dass es leicht ist, eine gute Kinderbetreuung zu finden, das ist dann schon wieder ein Thema für eine nächste Folge), aber zumindest sind die Voraussetzungen dafür gegeben. Väter im Park oder in Szenevierteln tagsüber und werktags sind auch keine absolute Seltenheit, auch wenn man dann immer wieder die gleichen sieht. Und was natürlich in Leipzig auch anders ist, ist das Klima und die Akzeptanz gegenüber berufstätigen Müttern. Fragt mich mal, wie oft ich mich mit ehemaligen Schulfreundinnen über meinen Job unterhalte? Quasi nie. In Leipzig wiederum würde man für oberschräg gehalten, wenn man zum Zwecke der Kindererziehung drei Jahre zu Hause bleiben würde.

Und was ist das nun? Ost-West-Gefälle, Stadt-Dorf-Unterschied? Fragt mich auch das nicht, ein Argument in diesem Zusammenhang ist ja, dass das alles etwas mit Angebot und Nachfrage zu tun hätte, also dass Frauen nicht arbeiten wollen und deswegen keine Betreuungsplätze gebraucht werden. Für mich völliger Käse! Frauen, die „trotz“ Kind wieder arbeiten gehen wollen (oder in viel Fällen auch müssen), sollten doch bitte die Gelegenheit dazu haben, und zwar ohne sich zu diesem Zwecke um private Betreuung kümmern zu müssen. Sonst ergeht es den Frauen so, wie einer guten Freundin von mir, die nach dem 1. Lebensjahr ihrer Zwillinge nur wieder 10 Stunden(!) pro Woche arbeiten gehen konnte, weil am Dienstag Oma 1 anreiste und am Donnerstag Oma 2.

Und ich, bleibe ich jetzt für immer in der Stadt, weil da die „Bedingungen“ besser sind? Oder komme ich irgendwann auch in die Gunst von guter Luft, Obst und Gemüse vom Erzeuger um die Ecke und Weinfeste von Frühjahr bis Herbst UND akzeptabler Kinderbetreuung? Ich weiß keine Antwort, ich will eigentlich nicht auf das soziale Umfeld in Leipzig verzichten, also was sagt meine Tochter (4) dazu?
Mutti: „Wo möchtest du denn lieber leben?“
Kind: „In Leipzig, da habe ich mein eigenes Bett!“
Mutti: „Und wenn dein Bett hier wäre?“
Antwort: „Dann hier. Außerdem bekomme ich hier beim Fleischer immer Wurst geschenkt!“

Ein schlagendes Argument! Bis bald, meine Familie lebt ab sofort vegetarisch, Kochrezepte und Einkaufslisten bitte an mich! Oder ihr schreibt mir über das feministische Dorf, in dem ihr lebt!

Bis in 14 Tagen, eure Mrs. Pepstein


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