Einträge von Jennifer


Neu im Kino: Tomboy

3. Mai 2012 von Jennifer
Dieser Text ist Teil 5 von 27 der Serie Die Feministische Videothek

Einem für einen Kinderfilm eher ungewöhnlichen Thema widmet sich „Tomboy“, der am 03. Mai 2012 in den deutschen Kinos startet: Es geht um erwachende Geschlechteridentität und (mögliche) Transsexualität.

Hauptfigur ist die zehnjärige Laure (gespielt von Zoé Héran). Die sieht mit ihren kurzen Haaren und den sportlichen Klamotten nicht nur  aus wie ein Junge, sondern, so suggeriert es der Film, wäre auch tatsächlich lieber einer (daher der mittlerweile selbst im Mainstream sofort geläufige Titel – siehe dazu auch den ensprechenden Wikipedia-Eintrag). Als sie (ich bleibe hier bei diesem Pronomen, da der Film nach ein paar Minuten keinen Zweifel mehr daran lässt, dass die Hauptfigur weiblich ist)  mit ihrer Familie in ein neues Wohnviertel umzieht, nutzt Laure die Gelegenheit: Gegenüber den Nachbarskindern gibt sie sich als „Michael“ aus. Für Laure beginnt damit ein aufregender Sommer. Als Michael spielt sie mit den anderen Jungen Fußball und rauft. Zwischen ihr und dem Nachbarmädchen Lisa dagegen entstehen zarte Bande. Doch ewig wird das Spiel mit den Identitäten nicht weitergehen können – der Sommer neigt sich dem Ende entgegen, schon bald beginnt die Schule. Und auf der Klassenliste steht eben kein Michael, sondern eine Laure …

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Nicht nur der europäische Gerichtshof zementiert patriarchalisches Familienrecht

3. April 2012 von Jennifer

Ende März hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg die Beschwerden zweier Männer aus Deutschland (application no 45071/09 und application no. 23338/09) abgewiesen, die ihre Anerkennung als biologische Väter anstelle der Ehemänner der beiden Mütter juristisch durchsetzen wollten. Zuvor waren die beiden – der eine weiß sicher, dass er der Erzeuger einer Tochter ist, der andere ahnt und es und will deshalb einen Vaterschaftstest durchführen – mit ihrem Anliegen bereits vor deutschen Familiengerichten gescheitert. Denn noch immer gilt im deutschen Recht: Bringt eine verheiratete Frau ein Kind zur Welt, so ist juristisch gesehen ihr Ehemann der Vater – selbst wenn das Ehepaar schon lange getrennt lebt und alle Beteiligten wissen, dass das Kind von einem anderen Mann, dem biologischen Vater, gezeugt wurde.

Das Urteil der Straßburger RichterInnen bestätigt nun die bisherige deutsche Rechtsprechung: Es postuliert einen Schutz für die – zumindest vor dem Gesetz – weiterhin bestehende Familie aus miteinander verheirateten Eltern und Kindern. Als Grund führen die RichteR stets das Kindeswohl an, da in der Regel zu dem rechtlichen Vater, mit dem das Kind zusammengelebt hat oder sogar noch zusammenlebt, eine enge Bindung bestehe. Gleichwohl könnte dem tatsächlichen Vater ein gewisses Umgangsrecht zustehen. Dies müsse jedoch einzelfallbezogen geregelt werden.

Damit wir uns gleich richtig verstehen: Dass eine Rechtssprechung noch immer gilt, die schon seit Jahrhunderten den Ehemann zum absoluten Oberhaupt der Familie erklärt, der qua Ehering in letzter Konsequenz noch immer über die Kinder seiner Ehefrau bestimmen kann, ist schon absurd! Und um zu wissen, wie viel Leid ein solch einseitiger Begriff von Vaterschaft über die Beteiligten – und zwar ALLE Beteiligten! – bringen kann, reicht es, einmal Tolstois „Anna Karenina“ zu lesen (oder von mir aus eine der diversen Verfilmungen zu sehen).

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Alle Jahre wieder – oder warum der Equal Pay Day noch immer nötig ist

23. März 2012 von Jennifer
Collage an roten Taschen

Symbol des Equal Pay Day: die rote Tasche

Es gibt Gedenktage, bei denen man sich jedes Jahr aus Neue wünschen würde, die Welt hätte sich endlich so entwickelt, dass dieser Tag nicht mehr benötigt würde. Der heutige, mittlerweile neunte Equal Pay Day zum Beispiel.

Doch dieser ist leider nach wie vor unverzichtbar. Erst vor kurzem hat die OECD eine Studie veröffentlicht, der zufolge das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen auch im Jahre 2012 in keinem anderen europäischen Land so groß ist wie in Deutschland: 21,6 Prozent verdienen Frauen, die Vollzeit arbeiten, demnach im Schnitt weniger als ihre männlichen Kollegen. In den anderen untersuchten Industrie­staaten beträgt der Unterschied durchschnittlich „nur“ 16 Prozent. Das statistische Bundesamt beziffert den Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen sogar wie in den Vorjahren mit 23 Prozent.

Wie dieser Pay Gap errechnet wird, ist hinlänglich bekannt. Genau wie die verschiedenen Gründe für sein Zustandekommen – Frauen arbeiten häufiger Teilzeit als Männer, sind öfter in schlecht bezahlten Branchen beschäftigt, müssen die Probleme bei der Vereinbarkeit von Job und Beruf eher ausbaden, treten in Gehaltsverhandlungen angeblich weniger durchsetzungsstark auf – können in unserer Faktensammlung zum Equal Pay Day nachgelesen werden.

Sie hier noch einmal aufzuführen, macht deshalb keinen Sinn – frau könnte jedes Jahr aus Neue einen alten Text per copy and paste einfügen. So wie Helga nicht mehr eigentlich selbstverständlichen Mini-Fortschritten applaudieren will, wäre es mir jedoch am liebsten, ich müsste mich gar nicht mehr über Missstände ärgern, die längst überwunden sein sollten. Denn das ist das eigentlich Bittere: Dass sich so wenig ändert! Und dass von denjenigen, die dazu in der Lage wären, anscheinend nicht einmal ernsthaft versucht wird, Bewegung in die verfahrene Situation zu bringen!

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Schwarzer und Schröder: Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft?

27. Februar 2012 von Jennifer
Dieser Text ist Teil 43 von 59 der Serie Meine Meinung

Sie hätten beide lachen müssen, berichtet Deutschlands bekannteste Feministin, EMMA-Herausgeberin Alice Schwarzer, in ihrem Blog von ihrem ersten Telefonat mit Bundesfamilienministerin Kristina Schröder.

Kein Wunder, schließlich verlief das Gespräch doch für beide Seiten außerordentlich positiv: Kristina Schröder sicherte der Publizistin zu, dass ihr Ministerium künftig den 1984 auf Schwarzers Initiative als Feministisches Archiv und Dokumentations­zentrum“ gegründeten FrauenMediaTurm in Köln fördern wird. Denn nachdem ausgerechnet die rot-grüne Landesregierung von Nordrhein-Westfalen die bis­herigen Fördermittel von 210.000 Euro auf 70.000 Euro gekürzt hatte, fürchtete Alice Schwarzer öffentlich um den Fortbestand des Archivs. Diese Sorge ist sie nun los: CDU-Politikerin Schröder sagte eine Förderung zu, mit der die von Rot-Grün ver­ur­sachte Finanzierungslücke genau geschlossen werden kann: exakt 150.000 Euro, vier Jahre lang.

Im Gegenzug wird die Bundesministerin für Familie, Frauen, Senioren und Jugend endlich auch von höchster feministischer Instanz von dem Vorwurf freigesprochen, sich zu wenig für Frauenrechte und Gleichstellung einzusetzen. Mehr noch: Schwarzer, die der jungen Politikerin noch im Jahre 2010  jegliche Befähigung für ihr Amt abgesprochen hatte (hier Schwarzers offener Brief an die Ministerin), weil diese sich zuvor in einem SPIEGEL-Interview ziemlich abschätzig über den Feminismus geäußert hatte, betont in ihrem Blog ausdrücklich, dass Schröder es gewesen sei, die angerufen und Hilfe angeboten habe.

Das sollte doch Wiedergutmachung genug sein für das bisherige Desinteresse der dafür zuständigen Ministerin an der weiteren tatsächlichen Gleichstellung von Frauen und Männern in dieser Gesellschaft, nicht wahr? Frauenquote in den Vorstandsetagen der großen Unternehmen? Brauchen wir nicht! Betreuungsgeld? Nicht so schlimm! Hauptsache, das Feministische Archiv ist gerettet! (mehr …)


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Sind Kinderlose unsolidarisch?

20. Februar 2012 von Jennifer

Mit schöner Regelmäßigkeit vermelden die deutschen Medien: In Deutschland werden zu wenig Kinder geboren. Und weil das so sei, sei die auch Rente künftig noch weniger sicher. Anschließend lassen sich beinahe schon Wetten darauf ab­schließen, ob nach dieser Meldung auch wieder folgende Idee diskutiert wird: Wenn es immer weniger Kinder gibt, die später mit ihrer Arbeit die RentnerInnen durchbringen, – warum sollen dann nicht diejenigen, die sich jetzt so egoistisch weigern, künftige Einzahler in die Rentenkassen zu zeugen, dafür zahlen?

Zuletzt waren es einige CDU-Abgeordnete, die diesen kalten Kaffee wieder aufgewärmt hat. Sie schlagen vor, dass Kinderlose über 25 Jahre eine „solidarische Demo­graphie-Rücklage“ zahlen sollen. Klar, der Begriff „Solidarität“ darf natürlich nicht fehlen – ebenso wenig wie der Hinweis, dass auch das Bundes­ver­fassungs­gericht bereits im Jahre 2001 gefordert habe, die Belastung von Familien zu ver­ringern. Ja, wenn das Bundesverfassungsgericht das richtig findet, wie könnte man als Kinder­loseR dann dagegen sein?

Die Abgabe soll den jüngsten Plänen zufolge übrigens ein Prozent des Einkommens betragen. Ach so: Mit einem Kind wären Väter und Mütter nicht aus dem Schneider, aber sie bekommen immerhin die Hälfte der Demographie-Rücklage erlassen. Laut einem Bericht in der Print-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung hat die Gruppe aus­gerechnet, dass durch diese Abgabe zweistellige Milliardenbeträge in die Sozial­ver­sicherungen fließen könnten.

Davon abgesehen, dass Kinderlose, zumindest wenn sie berufstätig sind, ziemlich hohe Steuern zahlen (und zwar oftmals mehr als etwa Verheiratete, die vom Ehegattensplitting profitieren beziehungsweise wo ein Elternteil – meist die Mutter – maximal Teilzeit arbeitet) und dass Menschen ohne Kinder bei der Pflege­ver­sicherung schon jetzt einen um 0,25 Prozentpunkte höheren Beitrag leisten – ist es denn nicht mal langsam gut mit dem andauernden gegeneinander Ausspielen von Lebensentwürfen?

Denn darauf läuft es doch immer wieder hinaus: Hier die opferbereiten Eltern, die zugunsten ihrer Kinder finanzielle Einbußen in Kauf nehmen und auch in Sachen Selbstverwirklichung zurückstecken müssen (Wie? Die Erfüllung eines Kinder­wunsches hat nichts mit Selbst­ver­wirk­lichung zu tun, sondern dient ausschließlich der Art­erhaltung – und eben der sicheren Rente?). Dort die ach so hedonistischen Kinderlosen, denen ein Balg nur die Karriere und den dritten Kurzurlaub vermiesen würde. (mehr …)


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Sag mir, wie soll ich fühlen?

10. Februar 2012 von Jennifer
Dieser Text ist Teil 42 von 59 der Serie Meine Meinung

Der Hype um die „Twilight“-Saga ebbt allmählich ab – stark angesagt bei jungen Leserinnen ist dafür derzeit die „Tribute von Panem“-Trilogie. Und die hat endlich mal eine starke, selbstbewusste junge Heldin zu bieten. Oder?

So langsam ist es ja auch mal gut mit der schönen Bella und ihrem keuschen Vampir. Der letzte Band der „Twilight“-Reihe ist schon eine Weile auf dem Markt, der erste Teil seiner auf zwei Folgen angelegten Verfilmung kam im letzten Winter in die Kinos. Weil Bella darin ihrem schönen Blutsauger Edward das Ja-Wort gab, durfte sie auch endlich mit ihm Sex haben – musste sich dann aber ganz klassisch gleich wieder für ihr ungeborenes Vampirkind opfern. Denn eine Abtreibung kommt in der von einer Mormonin erdachten Geschichte natürlich auch bei Lebensgefahr für die Mutter nicht in Frage. Der zweite Teil soll nun im kommenden Winter die Leinwände erobern. Wer die Bücher gelesen hat, weiß, dass sich am Rollenbild – hier der starke, beherrschte und sich über seine Gefühle stets im Klaren befindliche Mann und dort die emotionale und unsichere, aber durch ihre Intuition alles richtende Frau – nichts mehr ändern wird.

Aber dafür gibt es ja jetzt eine neue Romanreihe für jugendliche Leserinnen. Und für „Die Tribute von Panem“ (im Original „The Hunger Games“) hat sich die Autorin Suzanne Collins wenigstens mal eine starke weibliche Heldin ausgedacht: Die 16-jährige Katniss lebt in einer nahen Zukunft in Panem, dem einstigen Nordamerika, das von Naturkatastrophen und Bürgerkriegen verwüstetet wurde.

Beherrscht wird Panem vom grausamen „Capitol“. Um das Volk gefügig zu halten, haben sich die Tyrannen ein besonders perfides Mittel ausgedacht: die Hungerspiele! Jedes Jahr werden aus allen Distrikten je ein Junge und ein Mädchen ausgelost, die in einer Arena gegeneinander antreten müssen – auf Leben und Tod. Dem Sieger winkt ein Leben in Saus und Braus, doch bis er die anderen zwangsrekrutierten Gladiatoren niedergemetzelt hat, sind alle Einwohner Panems verpflichtet, sich die Spiele live vor dem Fernseher anzuschauen.

Als das Los auf Katniss’ kleine Schwester Prim fällt, meldet stattdessen sie selbst sich freiwillig. Immerhin kann sie mit Pfeil und Bogen umgehen, ihre Chancen stünden also vielleicht gar nicht so schlecht. Nur mit einem hat die eigentlich so toughe Katniss nicht gerechnet: Dass der andere Kandidat aus ihrem Distrikt ausgerechnet ihr netter Klassenkamerad Peeta sein könnte. Und dass Peeta, der eigentlich doch ein tödlicher Konkurrent ist, sich im Verlaufe der Spiele auffallend um sie bemüht, ihr sogar das Leben rettet … (mehr …)


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