Einträge von Erna


Auf Mutti ist kein Verlass

10. Januar 2011 von Erna
Dieser Text ist Teil 28 von 45 der Serie Muttiblog

Ich bin untröstlich: Am 3. März 2010 schrieb ich meinen letzten Mutti-Blog-Beitrag. So war das nicht geplant. Aber so ist es gekommen. Auf Mutti Erna ist leider kein Verlass.
Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Wenn ich heute hier sitze und darüber nachdenke, was los war, bin ich nicht ganz sicher. Es war eine Anhäufung mehrer Faktoren, die ineinander spielten.

1. Die Themen. Auf einem feministischem Blog über das Muttisein zu schreiben impliziert immer, über das Muttisein irgendwie auch aus einer feministischen Perspektive schreiben zu wollen. Nicht, dass mir das schwer gefallen wäre. Ich hatte eine Liste, auf der ich viele Themen gesammelt hatte, die ich ansprechen wollte. Zum Beispiel die Rolle des Vaters. Oder die geschlechtsspezifische Codierung von Babys, damit man auch auf 100m Entfernung sieht, ob es sich um einen Jungen oder um ein Mädchen handelt. Ich wollte aber auch und vor allem über das Thema „Zufriedenheit und Mutterglück oder Bitterfotze?“ schreiben. Dieses Thema wühlte mich aber innerlich so sehr auf, dass ich es nicht fertig brachte, darüber zu schreiben. Ich habe es stattdessen einfach verdrängt.

2. Die Abwechslungsthematik. Wenn frau den lieben langen Tag nichts anderes im Kopf hat, als Kümmern und Muttisein, dann ist es schwer erträglich, dass auch noch die Schreiberei sich mit diesem Thema befassen soll. Irgendwie hatte ich vom Muttisein einfach ein bisschen den Overkill, wollte wenn schon, dann ein bisschen Abwechslung reinbringen. Fand es deprimierend, diese Rolle auf nahezu allen Ebenen meines Daseins einnehmen zu sollen. Das hatte ich mir vor der Geburt auch anders vorgestellt. In meiner Vision von einem Muttiblog war ich selbstbewusst und zufrieden mit dem Leben als feministische Mutter. Das war ich aber nicht. Zu sehr bestimmte nur das Muttersein mein Leben. Mir dürstete es nach „echter“ Abwechslung. Natürlich kam ich mir deswegen auch noch schlecht vor.

3. Der Frust. Die Bitterfotze war unerwartet oft Bestandteil meines Mutterlebens. Ein halbes Jahr war ich einfach „nur zuhause“. Denn leider musste mein Liebster sich einen neuen Job suchen und wie das so ist: keine Möglichkeit Elterzeit zu nehmen im ersten halben Jahr. Freie Wirtschaft eben. Dafür bin ich nicht gemacht! Ich lenkte mich mit allerhand Aktivitäten ab, angefangen beim Sport (zwei Mal pro Woche), über das Kochen (jeden Tag ein neues leckeres Gericht ausprobieren) bis hin zu einem unstillbaren Bedürfnis viel Zeit im Freien zu verbringen, da es dort dem Baby viel besser ging als drinnen – und damit eben auch mir. Der Frust war irgendwann so groß, dass ich noch während ich stillte wieder anfing mit Rauchen (natürlich nur abends, nach der „letzten Brust“), da ich unbedingt ein Laster als „Ventil“ für meinen Frust brauchte! Das Gefühl, dass alle Leute um mich herum einfach sorgenlos ihr Leben weiterlebten, während ich auf dem Abstellgleis geparkt mit meinem Baby an der Brust stand, es bereitete mir keine Freude. Ich bekam eine Migräne und zwischen dem Liebsten und mir entspann sich der klassische postnatale Beziehungsstress. (mehr …)


Facebook | |


Die schöne Mutter

3. März 2010 von Erna
Dieser Text ist Teil 23 von 45 der Serie Muttiblog

Die letzten Kolumnen drehten sich vor allem um das Bild der „guten Mutter“, das durch viele Köpfe geistert und Mütter mit Erwartungen überfrachtet. Aber ein noch viel subtileres und gemeineres ist das der „schönen Mutter“.
Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

In meinem Rückbildungsgymnastikkurs waren etwa sechs Frauen. Gefragt, was sie sich von der Rückbildung erhofften, sagten die meisten: „Einen strafferen Bauch“. Dass es hierbei vor allem um einen straffen Beckenboden geht – das interessiert erst einmal keine. Nein: Viel wichtiger ist es, dass dieses „derangierte“ Körpergefühl wieder weg geht. Denn die meisten Frauen haben nach Schwangerschaft und Geburt leider keinen Körper, mit dem sie gleich wieder eine Victoria-Secrets-Fashion-Show laufen könnten.

Manche Frauen – und zu ihnen zähle ich – haben so einen Körper leider auch nach etlichen Monaten oder Jahren nicht wieder. Uns kann aber zum Glück heute geholfen werden, wie mir eine Werbung für plastische Chirurgie in der S-Bahn offerierte: „Straffer Bauch – auch nach der Geburt!“ und entsprechende Klinik – hier in Berlin. Vielleicht sollte ich meine Familie einmal fragen, ob sie mir diesen Wunsch nicht auch einmal erfüllen können – so wie es diese Familie für ihre Mutter tat:

(mehr …)


Facebook | |


Kann man überhaupt „feministisch“ stillen?

1. Februar 2010 von Erna
Dieser Text ist Teil 16 von 45 der Serie Muttiblog

„A wie Abstillen“ – das kleine ABC der Fortpflanzung und Elternschaft in der Zeitschrift Missy begann recht radikal (siehe Missy Magazine #1.08). Christiane Rösinger geht ziemlich unbarmherzig mit der überall wieder recht in Mode gekommenen Sitte des Stillens kleiner Babys ins Gericht. Sie schreibt: „Wer sich also vorgenommen hat, das Elternsein von Beginn an partnerschaftlich 50/50 zu teilen, der sollte das Stillen am besten gleich sein lassen.“
Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Als stillende Mutter bewegt mich das zu der Frage: Kann frau überhaupt feministisch stillen?

Betrachten wir es ganz nüchtern: Diese Frage setzt zwei Klärungen voraus: Was versteht frau unter dem adverb „feministisch“ ? Diese Frage soll zuletzt geklärt werden, denn ist unter Umständen etwas komplizierter. Zunächst einmal muss aber geklärt werden, was stillen bedeutet. Rösinger schreibt: „Stillen macht die Mutter unflexibel, bindet den Säugling an sie und die beiden meistens zusammen ans Haus.“ Das ist teilweise ziemlich wahr. Leider. Unflexibel wird eine Mutter aufgrund der Tatsache, dass alle Aktivitäten um das Stillen herum geplant werden müssen. Erst aus dem Haus gehen können, wenn das Kind wirklich satt ist zum Beispiel. Mal eben schnell mitkommen mit der spontan reingeschneiten Freundin? Nee, Pustekuchen, das Kindlein muss erst gestillt werden. Mit manchen Kindern geht das sogar sehr gut. Andere Babys aber sind so: Sie wachen auf, wollen gestillt werden. Dann gibt man ihnen die eine Brust (Dauer: halbe Stunde), wickelt sie (Dauer: 15 Minuten), gibt ihnen die andere Brust (Dauer: halbe Stunde). Bei einem Stillrhythmus von alle zwei Stunden bleibt eine dreiviertel Stunde bis zum nächsten Mal übrig. Solche Babys sind alles andere als eine Seltenheit. Manche Mütter können die dreiviertel Stunde nicht einmal sinnvoll nutzen, da das Baby, sobald sie es aus ihrem Arm legen, sofort anfängt zu brüllen. Solche Frauen sind tatsächlich ans Haus gekettet – durch ihr Baby und durch das Stillen. Eine Flasche würde das Kleine vielleicht länger ruhig stellen. (mehr …)


Facebook | |


Schwangerschaftsblues: Klappe die Zweite

4. Januar 2010 von Erna
Dieser Text ist Teil 7 von 45 der Serie Muttiblog

Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Eine schwangere Frau hört auf, sich selbst ganz allein zu gehören. Das ist zu einem Teil logisch und auch gut so. Das Wesen im Bauch beansprucht Raum, Energie und verursacht „Folgeschäden“, um die man sich kümmern muss (den Bauch viel cremen, eventuell spezielle Behandlungen gegen Rückenschmerzen, eine neue Ernährung wegen Übelkeit etc…). Ich möchte das nicht schönreden, aber ich muss sagen: So weit, so okay. Die andere Form des Eingriffs ist für mich hingegen nicht mehr okay und bisweilen mehr als nur nervig: Sie kommt von anderen Menschen. Diese wissen vor allem sehr viel und reden einem derart in den Alltag rein, dass es manchmal kaum auszuhalten ist. Z.B. die künftigen Omas. Sie meinen es ja immer nur gut. Aber wenn ich zum dritten Mal gefragt werde, ob ich wirklich IMMER NOCH Fahrrad fahre??? – dann ist irgendwo eine Grenze erreicht. „Mama! – ja. Und ich werde das auch weiterhin tun. Es gibt keinen Grund, es zu lassen.“ – „Aber du weißt doch, dass du damals zu früh auf die Welt kamst, weil ich noch Fahrrad gefahren bin!“ Die Zweite im Bunde ist die künftige Uroma: „Du darfst nicht mehr so viel arbeiten. Das ist doch nicht gut!“ – „Oma! Mir geht es prima. Mach dir mal keine Sorgen.“

Harmlos. Ich weiß.  Anstrengender: völlig Fremde. In der Kantine beim Kauf einer Cola ermahnt zu werden: „Das ist aber nicht gut für das Baby!“ hat mir zunächst ein bisschen die Sprache verschlagen. Ich stammelte etwas von Müdigkeit und dass „die Mama“ das eben braucht – und kam mir ziemlich beknackt vor dabei. Aber in Sachen Ernährung gibt es für Schwangere nicht viel zu lachen. Ob gewollt oder unbewusst: Von allen Seiten gibt es Kontrolle. Schönstes und aber erschreckendes Beispiel: Eine Tabelle in der Zeitschrift Ökotest*, die genaue Angaben darüber enthält, wovon eine Schwangere wie viel pro Tag essen darf. Natürlich: Es ist wichtig, ein bisschen auf die Ernährung zu achten – denn der Bedarf ist einfach ein anderer. Aber muss ich mir wirklich vorschreiben lassen, wie viel Zucker ich am Tag zu mir nehmen darf? Bis aufs Gramm genau? Aber auch das: lässt sich ignorieren und als nervig, aber nicht wirklich übergriffig abtun. (mehr …)


Facebook | |


Schwangerschaftsblues: Klappe die Erste

18. Dezember 2009 von Erna
Dieser Text ist Teil 5 von 45 der Serie Muttiblog

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

nun geht das Muttiblog also in eine neue Runde. Ich werde in den kommenden Kolumnen versuchen, das wertvolle Erbe meiner Vorgängerin Mrs. Pepstein fortzuführen und hier einmal im Monat über die schönen und weniger schönen Seiten des Mutterdaseins – mit allen Auswirkungen im privaten, gesellschaftlichen, beruflichen und sogar politischen Bereich – zu berichten und diese Kolumne erneut mit Leben zu füllen.
Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

„Mit Leben gefüllt“ ist ein gutes Stichwort, denn ich möchte meine Reihe mit zwei Beiträgen zum Thema „Schwangerschaft“ beginnen – sozusagen in der Ursuppe der ganzen Bredouille, in die Frau gerät, wenn sie zur Mutter wird. Es muss zunächst festgehalten werden: Schwangere sind in unserer Gesellschaft keine normalen Menschen mehr (wie auch Hilmar Klute auf sueddeutsche.de feststellt: „Der Fall ist Rund„). Sie stehen unter ständiger Beobachtung durch Freunde, Ärzte, Bekannte und – was besonders seltsam wird: Unbekannte. Sie werden zudem fremdbestimmt und herumkommandiert, dass es weh tut – nur erfahrene Mütter oder Vorgewarnte schaffen es, sich dagegen zu wehren. Diese beiden Aspekte sollen aber Thema der nächsten Kolumne sein. Der dritte und heutige lautet: Schwangere als Ärgernis für Arbeitgeber_innen.

Ich empfand was das anging meine Situation als ziemlich heikel: Wenige Tage, nachdem mir gewahr wurde, dass ich (ungeplant) schwanger war, forderte mich ein von mir fachlich sehr geschätzter Mensch dazu auf, mich auf eine bei ihm ausgeschriebene Stelle zu bewerben. Dass wir uns richtig verstehen: In jedem anderen Moment käme dieses Angebot einem Sechser im Lotto gleich! Ich! Von ihm aufgefordert!

Doch mein erster Gedanke war: Nein. Das geht ja gar nicht. Das bringt es doch gar nicht: Nach nur einem halben Jahr wäre ich ja schon wieder weg vom Fenster, weil der Mutterschutz losgeht. Der arme Mensch würde sich sicherlich total ärgern, mich eingestellt zu haben. Ich war also drauf und dran, mich einer Verwertungslogik hinzugeben, wie sie mir schon zu oft begegnet war: Laut dieser Logik war ich als Arbeitnehmerin nicht gerade ein „Gewinn“. Ich bedeutete Stress.

„Die Chance kommt bestimmt nie wieder!“ – sagte – oh Göttin sei Dank – eine andere Stimme in mir. Klar: Ich bekomme ein Kind. Aber was nützt es uns beiden, wenn ich quasi in vorauseilender Rücksicht mein – also unser – Leben einschränkte, wie ich es ohne den Krümel sicherlich im Traum nicht getan hätte (Stichwort: frustrierte Mutter). Also ganz klar: nichts. So war ich zwar unglaublich aufgeregt, als ich meinem neuen Chef dann nach dem Ablauf der ersten 12 Wochen „beichtete“, was er sich da für ein Überraschungsei angestellt hatte (es hat nur noch gefehlt, dass ich mich bei ihm entschuldigt hätte – so schlecht habe ich mich gefühlt). Aber irgendwo war ich mir sicher, dass eine Schwangere, die nicht für ihre Ziele kämpfte, nicht gerade der Weg zur Emanzipation sein würde. Belohnt wurde mein „Mut“ zuguterletzt durch den Chef: „Machen Sie sich keinen Kopf! Das kriegen wir schon hin,“ sagte er fröhlich (hatte er meine Gedanken gelesen?) und er gratulierte einfach von Herzen.

Jetzt fehlt nur noch, dass der Chef meines Liebsten genauso cool auf den Antrag auf Teil- und Elternzeit reagiert – leider sieht es an dieser Front nicht so gut aus.

Drückt bitte alle eure Daumen – bis zum nächsten Mal,

eure Erna


Facebook | |



Anzeige