Auge um Auge, Zahn um Zahn

von Barbara

Die französische Autorin Virginie Despentes hat in diesen Tagen das Buch „King Kong Theorie“ veröffentlicht. Es ist nicht das erste Mal, dass sie sich gegen Demütigung, Männlichkeitswahn und Frauenunterdrückung wehrt: Die Verfilmung ihres Buches „Baise-moi“ kam 2000 unter dem Titel „Fick mich!“ in die deutschen Kinos. Es erzählt die Geschichte zweier Frauen im Blutrausch, die sich nach einer Vergewaltigung an allen Männern rächen: Mit Waffen zwingen sie Männer erst, sie zu befriedigen. Anschließend erschießen die Frauen sie. Dieses Motiv der Umkehr von Gewalt gegen Frauen zu Gewalt gegen Männer kennen wir auch aus Patty Jenkins Film „Monster“ von 2003 und Abel Ferraras „Die Frau mit der 45-er Magnum“ von 1981.

Auch wenn diese „weibliche“ Gewalt auf den ersten Blick als ein alttestamentarisches Heimzahlen der männlichen Gewalt erscheint, ist sie doch kein wirkliches „Auge um Auge Zahn um Zahn“. Heute wird jede dritte Frau weltweit mindestens einmal in ihrem Leben vergewaltigt, so die feministische UN-Organisation UNIFEM. In Südafrika werden am Tag etwa 150 Frauen vergewaltigt, in den USA alle 90 Sekunden eine. Pro Jahr gibt es in Frankreich 25.000 Vergewaltigungen, in Deutschland über 8000. Die Vergewaltigungen passieren bei Tageslicht, in Wohnungen, auf der Straße, in Büros oder öffentlichen Toiletten. Schusswaffen gehören dabei sicherlich nicht zum Normalinventar, denn die die Macht des Mannes äußert sich auch über Körperkraft, weshalb eine Vergewaltigung als die deutlichste Form der Machtausübung gilt.

Virginie Despentes, die in ihren Büchern auch eigene Erlebnisse verarbeitet hat, versucht, eine neue, kritische Öffentlichkeit für Frauen, die Gewalt erfahren haben, zu erlangen. Erstaunlich ist somit der Artikel von Ariadne von Schirach auf Spiegel Online: Sie erinnere sich, im Kino Tränen gelacht zu haben, als sie „Baise-moi“ sah. Eine Filmszene, die erschreckend echt die brutale Vergewaltigung zweier Frauen zeigt, ist alles Mögliche, aber nicht lustig.

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