Auf in die neue (Arbeits-)Woche

von Susanne

Frauen, Klamotten und Job – das sind die Zutaten für eine alte Frage: Wie „weiblich“ oder „männlich“ kleidet sich eine Frau am besten, um im Beruf ernst genommen zu werden und Erfolg zu haben?

Die Journalistin Renate Wiedemann hat das Buch „Zurück zur Weiblichkeit“ geschrieben und ist überzeugt:

„Frauen versuchen häufig, die besseren Männer zu sein“, sagt die in Buchholz in der Nordheide lebende Autorin. Geschäftsfrauen hätten oft einen Kurzhaarschnitt, trügen Hosenanzüge und versuchten, alles zu vermeiden, was weiblich ist. „Aber warum soll ich keinen Rock tragen und mich schön schminken?“, sagt sie. „Das sind doch alles Dinge, die auch Männer an Frauen lieben.“

Die Psychologin Marianne Vollmer sieht das allerdings anders:

Weiblich werde oft gleichgesetzt mit sozial orientiert, subjektiv, fürsorglich, nachgiebig, nicht wettbewerbsorientiert. Männlich stehe für aktiv, objektiv, sachlich, analytisch und emotional unabhängig. „Das sind alles Eigenschaften, die mit Erfolg gleichgesetzt werden“, so Vollmer. Deshalb sei es falsch, sich am Arbeitsplatz sehr weiblich zu geben.

Es scheint also ein schmaler modischer Grat zu sein, den beschreiten muss, wer eine erfolgreiche, respektierte Businessfrau werden will.

Oder?




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Eintrag geschrieben: Montag, 4. August 2008 um 9:24 Uhr unter Ökonomie. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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8 Kommentare

  1. Sven sagt:

    Egal, wie man die Frage beantwortet, dabei kommt auf gar keinen Faall eine emanzipatorische Antwort raus, wenn man sich zwischen den beiden Alternativen entscheidet: ‚Frau‘ fügt sich immer in vorgeschriebene Bahnen ein, egal ob sie sich ‚männlich‘ oder ‚weiblich‘ kleidet…

    Wenn man die Frage so wie hier im Artikel stellt, engt das den Horizont feministischen Denkens gewaltig ein: Es geht nicht mehr darum, in irgendeiner Weise diese Geschlechterrollen anzugreifen, zu verwirren, etc., sondern nur darum die Konstruiertheit konsequent für die eigene Karriere auszunutzen…

    Eine patriarchale (kapitalistische und deshalb ungerechte) Gesellschaft sollte man versuchen zu verändern, anstatt Respekt von ihr erhaschen zu wollen. Es soll ja auch mal Zeiten gegeben haben, da bedeutete Feminismus Systemkritik…

  2. Meredith sagt:

    @Sven
    Einerseits: ja, guter Punkt, dass es hier in allen Fällen um eine Anpassung daran, was erwartet wird bzw. gefällt, geht. Andererseits: Ist das eine konkrete Situation in der viele Frauen stecken. Ist es da nicht angebracht und wichtig, das sehr konkret zu diskutieren? Mit einer Systemkritik ist ja unmittelbar niemandem geholfen, so berechtigt sie auch sein mag..

  3. christina sagt:

    Mir fällt oft auf, daß Frauen (Männer natürlich auch) in Kleidungsfragen „feminin“ mit „sexy“ gleichsetzen. Das ist ein Unterschied, wie ich finde. Wer im Büro mit nabeltiefem Dekollete und Minirock auftaucht, darf sich zwar (meistens) bewundernder Blicke sicher sein, kann aber nicht unbedingt damit rechnen, in geschäftlichen Dingen respektiert und ernstgenommen zu werden. Ich weiß, gleich schreiben wieder viele, dass das alles Auslegungssache ist und jede/r doch anziehen soll, was er/sie will und dass sich eine feministische Haltung nicht an der Rocklänge festmachen läßt. Dennoch: Ich finde es schade, dass sich viele Frauen offenbar nur dann feminin fühlen, wenn sie aussehen wie Pamela Anderson. Aber dann behandeln die anderen (Kollegen) eine/n auch so… man muß sich schon darüber klar sein, welche Signale man sendet – und welche man senden will!

  4. Sven sagt:

    @Meredith:
    Natürlich kann man sich über Kleidung Gedanken machen und ich bezweifle auch gar nicht, dass viele Karrierefrauen in einer Situation sind, die der oben geschilderten ähnlich ist. Nur, wenn wir uns darauf einigen können, dass das Private politisch ist, dann ist die Karriere bzw. der Beruf mindestens ebenso politisch. Das heißt, dass man nicht auf der einen Seite „Sexistisch!“ rufen kann, wenn der Kollege einen frauenfeindlichen Witz macht, sich im nächsten Moment aber ‚feminin‘ kleidet, damit der Chef was zu gucken hat (denn so wollen Männer ja Frauen sehen, wie es oben zitiert ist), damit er einen auf der Karriereleiter auch nicht benachteiligt.

    Wenn man die Frage so aufzieht, wie das oben geschieht, dann ist das Lebensberatung für Geschäftsfrauen, mehr nicht.

  5. Susanne sagt:

    Nein, die Frage da oben soll zeigen, dass Frauen in einer blöden Situation sind: dass sie es so oder so eigentlich nur falsch machen können. Und mich würde interessieren, welchen eigenen Weg die Frauen hier gehen.

    Ja, ich möchte meinen persönlichen Stil pflegen, den man an manchen Tagen vielleicht „weiblich“ nennen würde, an anderen Tagen „verlottert“ und an wieder anderen Tagen vielleicht „burschikos“. Aber trotzdem möchte ich auch in meinem Beruf ernst genommen werden. Wie also funktioniert das? Ein schmaler Grat. Wie schon (oben) gesagt.

    Für diese Diskussion muss ich aber nicht gleich das Großeganze in Frage stellen. Fangen wir doch mal bei diesem Punkt an und für die große Weltrevolution gibt es sicher mal einen anderen Thread.

  6. SoE sagt:

    Ich habe einen Kurzhaarschnitt und vermeide so „weibliche“ Sache wie Absatzschuhe, Röcke etc aus einem ganz anderen Grund: Ist praktischer. Ich habe keine Zeit mir morgens Schminke ins Gesicht zu kleistern und gehe lieber 5 Minuten später los, weil ich in flachen Schuhen schneller vorankomme. Dann muss man auch nicht darauf achten, ob einem wer in der U-Bahn untern Rock schauen könnte, etc.

    Vielleicht sollte die Frage auch lauten, warum Frauensachen so furchtbar unbequem und unpraktisch sein können. Jetzt sind ja laut Schuhläden auch wieder leicht maskuline Schuhe in, aber wer mal die echten Anzugschuhe getragen hat, großen Füßen sei dank, weiß, dass die ca. 100.000.000 bequemer sind als jeder Frauenschuh.

  7. Lini sagt:

    SOE: du hast völlig recht: Frauensachen, in denen man „süß“ aussieht, sind meist total unpraktisch. Die Hosen sind so knapp, dass ständig die Gefahr besteht, dass doch zuviel rausguckt, Oberteile zeigen immer bissl Bauch, was im Winter echt unangenehm ist, und von den Schuhen ganz zu schweigen. Wenn man, will sagen, frau sich trotzdem an dem orientieren will, was „in“ ist, ist das eine wackelige Gradwanderung zwischen Abstrichen, die du entweder dir selbst gegenüber oder dem „Süßaussehen“ gegenüber machst. Ich trete erst demnächst ins Berufsleben ein, bin mal gespannt, was mich da klamottentechnisch noch so erwartet…

  8. Neeva sagt:

    Einmal mehr preise ich mein Schicksal, in einem Beruf zu arbeiten, in dem ich keine formelle Businesskleidung tragen muss.
    Jeans und (enge) T-Shirts bzw. Pullover sind schon was tolles. Und unheimlich viel praktischer als Hosenanzüge oder *Schauder* Kostüme.

    Jetzt im Ernst, sowohl hohe Schuhe als auch enge Röcke haben doch den gleichen Effekt wie Fußfesseln. Und wenn man dann noch beides kombiniert…

    @Thema
    Ich kann nur für Bürojobs sprechen (keine Bank, kein Verkaufsdienst), aber
    es ist wohl für Männer als auch für Frauen am zweckdienlichsten sich unauffällig zu kleiden, ergo sich an die jeweilige Betriebskultur anzupassen.
    Deutliche Abweichungen davon werden mit Argwohn betrachtet, da ist es erstmal egal, ob Minirock oder kreischbunte Hippie-Bluse in Sackform.
    Wobei Frauen, die sich „süß“ kleiden, meiner Erfahrung nach nicht ernst genommen werden. Weder von Männern noch von den meisten Frauen.
    Männer in Hawaiihemd oder Jogginghosen werden aber auch nicht ernst genommen.