Anklage gegen Radovan Karadžić

von Barbara

Groß war die Überraschung, als Radovan Karadžić, der frühere Präsident der Republika Srpska und Anführer der serbischen Bosnier in den Neunzigern, in Belgrad aufgefunden wurde. Über Jahre hatte er dort eine Zweitidentität als Heiler etabliert. Spätestens als sein weißer Rauschebart ab war und seine Haare zur alten Frisur zurückgefunden hatten, war auch die Erinnerung wieder hellwach: Radovan Karadžić gilt als mutmaßlicher Kriegsverbrecher. Bereits 1996 wurde vom UN-Kriegsverbrechertribunal ein Haftbefehl gegen ihn erlassen; nun beginnt der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien, Serge Brammertz, mit der Anklage gegen den 1945 in Montenegro geborenen Mann.

Die Frauenrechtsorganisation medica mondiale fordert Brammertz in einem offenen Brief auf, den “Straftatbestand der sexualisierten Gewalt als eigenständigen Punkt in die Anklage gegen den mutmaßlichen Kriegsverbrecher Radovan Karadžić aufzunehmen”. Mit dem offenen Brief sollen auch Einzelpersonen und Organisationen ermuntert werden, sich diesem Appell an den Chefankläger anzuschließen. Monika Hauser, Gründerin und Vorstandsmitglied von medica mondiale sieht Karadžić als Verantwortlichen für die Massenvergewaltigungen in der bosnischen Stadt Foča oder Vergewaltigungen in den Lagern wie Omarska oder Keraterm. Es geht ihr um Wiedergutmachung:

„Das individuelle Vergewaltigungs-Trauma wird potenziert durch das Stigma der Vergewaltigung, das sich in sozialer Ausgrenzung zeigt. Die Opfer dieser Verbrechen werden dazu verdammt, mit den Konsequenzen individuell umgehen zu müssen, wenn ihnen die volle Anerkennung der Schwere und des Ausmaßes von Kriegsvergewaltigungen verweigert wird. Eine klare, konsequente, sichtbare und entschlossene Verfolgung der Täter spielt eine entscheidende Rolle in der Anerkennung dieser Verbrechen; sie ist eine Grundvoraussetzung für jeden Heilungsprozess. Diese Frauen haben ein Recht auf Wiedergutmachung.“

Einen Brief an Chefankläger Serge Brammertz findet man auf der Website von medica mondiale.


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Eintrag geschrieben: Sonntag, 24. August 2008 um 12:55 Uhr unter Himmelschreiendes Unrecht, International Arschlöcher, Mitdenken. RSS 2.0. Kommentieren. Trackback.



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4 Kommentare

  1. Cassandra sagt:

    Dazu bleibt nicht viel zu sagen – ich würde es sofort mit unterschreiben. Es wäre schön, bei euch auch davon zu hören, wie darauf reagiert wurde bzw. welche weiterführenden Konsequenzen aus dem Schreiben gezogen wurden.

  2. Barbara sagt:

    @ Cassandra
    Unterschreib doch – per Mail an Serge Brammertz. Wir behalten das Thema im Auge.

  3. Thomas sagt:

    Hab damals die schockierenden Berichte mitbekommen was da alles passiert ist. Es gibt nichts darüber zu diskutieren, daß diese Geschehnisse verurteilt werden. Hab nicht gewußt daß diese se…..sierten Kriegsverbrechen nicht als separaten Punkt verhandelt werden.

    Musste an meine Tochter denken. Werde etwas dazu schreiben.

  4. Thomas sagt:

    Gestern kam vom “Personal Assistant to the Deputy Prosecutor
    International Criminal Tribunal for Former Yugoslavia” per allg. Rundmail eine Bestätigung von Hr. Serge Brammertz.

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