Amoklaufen ist nicht weiblich
von BarbaraIn der Zeit machte sich Alice Schwarzer äußerst interessante Gedanken über die Tatsache, dass einerseits elf der zwölf Opfer des Amoklaufs von Tim K. in Winnenden vergangenen Monat weiblich sind. Und dass das andererseits nicht berichtenswert ist.
»Das Geschlecht«, erklärt Pressesprecherin Claudia Krauth von der zuständigen Stuttgarter Staatsanwaltschaft, »hat für den Täter nach unseren bisherigen Erkenntnissen keine Rolle gespielt.« Welche bisherigen Erkenntnisse? Haben in den Klassen etwa deutlich mehr Mädchen als Jungen gesessen? Nein, sagen die entkommenen SchülerInnen – die Ermittler geben auf diese simple Frage jedoch auch einen Monat nach der Tat noch keine Antwort.
Warum wird in den Medien zwar viel über den Amoklauf und seine eventuellen Hintergründe geschrieben, über das Geschlecht der Opfer und die Möglichkeit, dass Misogynie der Tat (auch) zugrunde liegen könnte, jedoch nicht? Schwarzers Resümée lautet: Niemand berichtet darüber, weil Gewalt gegen Frauen eben alltäglich ist. “Für uns ist das so normal, dass wir das Ungeheuerliche daran nicht mehr wahrzunehmen scheinen”, schreibt sie in der Zeit.
Doch nicht nur das Geschlecht der Opfer ist betrachtenswert, auch das Geschlecht der Täter. Denn in den wenigsten Fällen ist der Mensch, der Amok läuft, weiblich. Dazu Schwarzer:
“Weibliche Amokläufer sind (bisher) quasi inexistent. Nicht etwa, weil Frauen die besseren Menschen wären. Nein, weil Frustration und Aggression sich bei Frauen traditionell anders Bahn brechen als bei Männern, nämlich weniger nach außen und mehr nach innen, weniger physisch und eher psychisch.”
Dass jedoch der einzige Unterschied zwischen Mann und Frauen, besonders beim Erwachsenwerden, die Gewalt sei, dort wird ihre Beurteilung meines Erachtens zu pauschal:
… die Zeiten, in denen nur Männer den exklusiven Zugang zum Wissen und zur Welt hatten, sind vorbei. Heutzutage überholen die Mädchen die Jungen in der Schule, und auch Frauen fahren Auto und umsegeln die Weltmeere. Was also macht den Mann noch zum Mann? Die Gewalt.
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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 22. April 2009 um 14:41 Uhr unter Ist das so?, Mitdenken, Moralkeulen. RSS 2.0. Kommentieren. Trackback.







http://de.wikipedia.org/wiki/Brenda_Ann_Spencer
http://en.wikipedia.org/wiki/Jennifer_San_Marco
Insgesamt so 5 Prozent der Amokläufer, wobei Frauen eher auf Autos oder Messer zurückgreifen
Na klar ist das zu pauschal, aber Gewalt ist doch *DER* zentrale Begriff der radikalfeministischen Patriarchatskonstruktion. Ist doch nicht weiter verwunderlich, daß ihr der zuerst einfällt. Interessanter ist doch viel mehr, *daß* sie die Frage stellt und in ihr damit zumindest implizit ein Problem sieht.
“Was also macht den Mann noch zum Mann?”
An der Frage haben wir uns – wie so mancher Autor – ja auch schon diverse Male die Zähne ausgebissen.
1. Ist Gewalt alltäglich überall (der Begriff sollte nicht nur negativ und nicht nur mit körperlicher Gewalt in Verbindung gebracht werden).
2. Wieso Konstruktion?
3. Gewalt ist nicht einfach so zuerst eingefallen. Es geht hier um Amokläufe.
4.”“Was also macht den Mann noch zum Mann?”
An der Frage haben wir uns – wie so mancher Autor – ja auch schon diverse Male die Zähne ausgebissen.”
Ich habe die Antwort: Wenn das Individuum sich selbst als solcher definiert.
nicht mehr und nicht weniger.
Mich würde jetzt nur noch interessieren wer alles das “wir” in deinem Satz ist.
das war @jj
Sind Männer, die keine Gewalt ausüben, keine Männer? Die meisten in meinem Umkreis schlag und schießen nicht. Was macht diese Männer zu Männern? Nun, zunächst sicherlich ihre körperlichen Merkmale. Dann gibt es noch “männliche” Vorlieben wie Autos oder gewisse Ballspiele. Gewalt ist nur ein kleiner Aspekt, der Männlichkeit ausmacht. Der größte Teil vom Rest gefällt mir an ihnen.
@ Patricia: Aber Gewaltausübung ist doch nicht ur auf Männer beschränkt… Auch Frauen üben Gewalt aus, manchmal körperlich, manchmal seelisch. Ist eine Mutter, die ihr Kind verprügelt etwa nicht gewalttätig? Oder ein Mädchen, welches Mitschülerinnen als “fett” bezeichnet – http://blog.tagesanzeiger.ch/mamablog/index.php/1598/dick-oder-schwul/ ?
Den Gedanken hatten doch schon neulich Isabel Collien und Anne Lenz in der Jungle World geäußert.
http://jungle-world.com/artikel/2009/15/33913.html
Die Tatsache, dass der Großteil der Opfer weiblich ist, war am Anfang auch in der Presse aufgegriffen worden, ging dann aber leider im üblichen “Schützenvereine, Killerspiele, Gewaltfilme”-Geschrei unter.
Schwarzer hat in soweit Recht, als dass die Unterschlagung des Geschlechts ein Unding ist. Leider kommen dann wieder die üblichen Töne (Porno=sexualisierte Gewalt). Dass Männer erst in Zeiten der “Unterdrückung” durch Frauen zum Amoklaufen sich wenden, halte ich dagegen für eine blöde Idee. Amokläufe sind schon sehr lange dokumentiert, unter anderem auch in den so häufig idealisierten Fünfzigern.
Viel eher stimme ich da Collien und Lenz zu, dass das männliche Rollenbild stark verknüpft war und immer noch ist mit Gewalt, Alphamännchen sein, “es schaffen” und im Falle des “Nicht-Schaffens” die Gewalt eine todsichere Methode ist, unsterblich zu werden (no puns intended).
Zum Schluss: Die Rolle der Medien, also der Amoklaufberichterstattung, nicht Computerspiele und Gewaltfilme, ist meines Erachtens noch viel zu unerforscht. Bei Selbstmorden hat man schon nachweisen können, dass es zu Nachahmungstaten kommt und wie man dies verhindern kann.
Gary,
http://de.wikipedia.org/wiki/Konstruktivismus_(Philosophie)
Schön für Dich, daß Du die Antwort hast.
“Mich würde jetzt nur noch interessieren wer alles das “wir” in deinem Satz ist.”
AutorInnen und KommentatorInnen dieses Blogs. Einfach mal im Archiv blättern.
Patricia,
“Gewalt ist nur ein kleiner Aspekt, der Männlichkeit ausmacht.”
Die Frage ist halt, wie Gewalt definiert wird. Die klassisch männliche Beschützerrolle ist ja auch eine, die Gewalt impliziert, macht ja sonst keinen Sinn. Es ist natürlich Blödsinn zu behaupten, daß Frauen nicht gewalttätig wären, aber weibliche Gewaltstrategien sind anders angelegt, weil der körperliche Nachteil gegenüber Männern bei der Ausübrung physischer Gewalt erst durch neuzeitliche Waffentechnologien ausgeglichen wurde (oder sagen wir, wesentlich weniger bedeutsam geworden ist).
Der Brigitte-Chefredakteur und sein Sohn, die dieses Buch geschrieben haben, über das hier ja auch schon letztes Jahr diskutiert wurde (Kategorie: feministischte Bibliothek), haben ja auch am Ende der Recherchen unter Frauen festgestellt, daß das wesentliche, was diese von Männern wollen, ist “sich sicher fühlen.” Wobei halt nicht mehr klar ist, wovor Männer Frauen heute noch beschützen sollen – das ist ja meines Erachtens auch der Kern der Frage die AS stellt… und was dann Männlichkeit noch ausmachen kann in einer Weise, die das kollektiv verunsicherte männliche Ego und die weibliche Suche nach “Sicherheit beim Manne” in einer gleichberechtigten Weise zusammenbringt?
“sicher” kann man sich bei jemandem fühlen, der gelassen bleibt, wenn es auch mal drunter und drüber geht, der Probleme bewältigen kann, mit sich im Reinen ist. Da müssen keine Bären oder feindlichen Stämme mehr eine Rolle spielen. Ich fühle mich bei meinem Mann aus den oben genannten Gründen sicher, und trotzdem versuche ich, diese Qualitäten auch selber zu verwirklichen. Das ist kein Widerspruch.
“Wobei halt nicht mehr klar ist, wovor Männer Frauen heute noch beschützen sollen”
Es geht wohl eher um emotionale Sicherheit, nicht um den Bodyguard im Park.
Liebe, dass ist die Anerkennung des Besonderen und der Verrat am Allgemeinheitsprinzip.
Auch ich will mich sicher fühlen bei einer Frau, emotional eben.
Access Denied,
ist das Liebeszitat von Dir? Das ist ja mal schön formuliert…
“eher”
Das ist wohl das Problem bei der Geschichte. Wiedermal der “kleine” Unterschied.
@jj: was hältst du von meiner Ansicht… da steckt kein “eher” drin
“ist das Liebeszitat von Dir? Das ist ja mal schön formuliert…”
Es existiert in ähnlicher Weise schon, aber prinzipiell, ja, ist auf meinem Mist gewachsen.
Nur kurz (gut, länger), was ich neulich dazu geschrieben habe (Selbermach-Sonntag 19.4.2009):
Gewalt ist männlich, das ist klar: Doch das Verhältnis Straftäter zur Gesamtbevölkerung liegt unter einem Prozent- weit darunter sogar! In absoluten Zahlen: 99 Prozent aller Männer verhalten sich so normal wie Du und ich- ausser Du hast schon einmal eine Frau (er)schlagen oder sonstwie genötigt. Die Ausnahme scheint hier lediglich die häusliche Gewalt zu sein: Da haben Frauen mittlerweile mächtig aufgeholt (75 Prozent Männer als Täter, 25 Prozent Frauen / Vgl. Kantonspolizei Zürich). Wobei natürlich noch hinterfragt werden muss, was denn alles unter den Begriff Gewalt fällt- und vor allem was nicht.
Amokläufe bilden innerhalb der Kriminalitätsstatistiken einen Anteil von weit unter einem Promille- aber in den Medien werden das gefühlte… 10 Prozent?
Vieleicht sollte man auch langsam damit aufhören, aus jeder Einzeltat immer gleich einen gesellschaftlichen Trend ableiten zu wollen.
Vor allem Letzteres scheint mir eminent wichtig zu sein.
Ja, wie gesagt, Gewalt ist männlich. Doch ich spanne den Bogen mal etwas weiter: Kann es sein, das Gewalt einfach die Schattenseite der männlichen Aggression ist? Der Mann sei der Sportwagen beider Geschlechter, hat letzthin eine Soziologin in der Weltwoche gesagt. Und der Sportwagen fährt- im Normalfall, wohlgemerkt- grundsätzlich schneller, aggressiver, gefährlicher und risikoreicher als beispielsweise der Familienvan (ist mir grad so eingefallen, sorry: Sagen wir mal ein Chevy-Van mit V8).
Woher kommt eigentlich die Kraft, Neues zu schaffen- (Gross)Unternehmen zu gründen, den Flug zum Mond zu wagen, die Golden Gate-Bridge zu bauen, den Mikroprozessor zu entwickeln, den Nordpol unter lebensgefährlichen Umständen zu erkunden oder die Atomkraft nutzbar zu machen (jaja, ich weiss: Marie Currie)? Ist das nicht auch alles Ausdruck eines aggressiven Geschlechtes, das zur Zeit gerade männlich ist?
Man ist immer wieder versucht, die männlichen Charaktermerkmale auf ihren kleinstmöglichen, negativen Nenner zu reduzieren (hier drinnen nicht).
Kernfrage: Ist Gewalt nichts weiter, als die fehlgeleitete, männliche Aggression, die aber auch- wenn sie in ihrer Entwicklung (und v. a. in ihrer Ausprägung) normal verläuft- imstande ist, auf den Mond zu fliegen oder auf den Grund der Tiefsee zu tauchen, das Maschinengewehr und den Ottomotor zu erfinden, die Quantentheorie zu entwickeln, Elementarteilchen zu erforschen und auf den Mount Everest zu steigen?
Kennt- oder will Alice Schwarzer (die ich persönlich für völlig passé halte) einfach nur die negativen Seiten der männlichen Seele breitschlagen? Warum der Amokläufer nur Frauen umgebracht hat, wissen ja schlussendlich weder Frau Schwarzer, noch die Ermittlungsbehörden. Die Polizei steckt noch mitten in den Untersuchungen zu diesem verheerenden Amoklauf- weshalb sie wohl auch kaum in der Lage ist, etwas Handfestes über die Hintergründe dieser Tat zu sagen- doch Alice Schwarzer, medial wendig und flink wie immer, hat da natürlich schon wieder einen Grund gefunden, ihr eigenes, wirklich äusserst beschränktes Weltbild zu bestätigen- pickt sich also dankbar diesen Einzelfall heraus- und leitet daraus eine raumgreifende These ab.
Gut möglich, dass Misogynie das Motiv dieser Tat war- aber mit absoluter Sicherheit kann das zum jetzigen Zeitpunkt niemand sagen- ausser Tante Alice natürlich, das ist schon klar.
Alice Schwarzer hat es wieder einmal blendend verstanden, die ganze mediale Aufmerksamkeit auf sich zu lenken- mir wär’ lieber, die Alphamädchen wären dazu ebenfalls imstande… (Wink mit dem Zaumpfahl;-)
Es bestätigt sich leider wieder einmal mehr, dass Alice Schwarzer offenbar die Deutungshoheit über die Geschlechter inne hat- muss das denn im 21. Jahrhundert wirklich sein?
Gut, ich hab’ auch schon kürzere Posts geschrieben- ging dafür in einem Zug durch…
Lini,
ja – aber warum wurde das von Frauen dann als einzige wirklich “männliche Qualität” herausgestellt (bzw. deren Fehlen beklagt?)
Ein alter Kommentar von mir aus dem Beitrag zu dem von mir zitierten Buch.
http://maedchenmannschaft.net/wie-werde-ich-ein-richtiger-mann/#comment-4103
@ SoE: Auch wenn ich regelmäßiger jungle world-leser bin, war mir der Artikel irgendwie entgangen, danke, dass ich durch dich auf ihn aufmerksam geworden bin. Ein wirklich grandioser Artikel! Warum steht sowas nicht in den mainstream-Medien?
@jj: weil das Fehlen dieser Qualitäten vielleicht bei Männern besonders unangenehm ist? Und weil manche Frauen vielleicht immer noch finden, sie müssten diese Qualitäten nicht verwirklichen – was ein Trugschluss ist
“Woher kommt eigentlich die Kraft, Neues zu schaffen- (Gross)Unternehmen zu gründen, den Flug zum Mond zu wagen, die Golden Gate-Bridge zu bauen, den Mikroprozessor zu entwickeln, den Nordpol unter lebensgefährlichen Umständen zu erkunden oder die Atomkraft nutzbar zu machen (jaja, ich weiss: Marie Currie)? Ist das nicht auch alles Ausdruck eines aggressiven Geschlechtes, das zur Zeit gerade männlich ist?”
nee, das war audruck der tatsache, dass frauen in der zeit, als männer zum nordpol unterwegs waren, zu hause die kinder hüten mussten. oder, um es allgemeiner zu fassen, weil frauen in den privatbereich verbannt waren, ihnen bildung, entfaltung und teilhabe zum großem teil systematisch auf grund ihrer körperlichkeit verwehrt wurden.
daher ist die eingangsformulierung “woher kommt eigentlich die kraft” heute veraltet und müsste lauten “woher kam eigentlich die kraft”.
eine doch recht destruktive eigenschaft wie aggression automatisch mit etwas schöpferischem wie kreativem forscherdrang gleichzusetzen ist nicht unbedingt logisch.
auch wenn ich schwarzer bei vielem nicht zustimme – ich finde diesen (leider durch den medienrummel um die alphamädels wieder en vogue gekommenen, aber da könnens ja nix für) beißreflex, der sich automatisch bei leuten einstellt, wenn sie nur den namen schwarzer lesen, einfach lächerlich.
klar, sie ist unbequem – das ist ja aber auch absicht! sie war schon immer extrem provokant und das war auch notwendig, sonst hätte man dem feminismus viel viel weniger beachtung geschenkt. aber das ist ein anderes thema.
denn im grunde hat sie recht:
irgendwer männliches hier (vllt. auch mehrere, weiß grad nicht) beschwert sich doch immer, daß frauen noch viel zu sehr auf machos, auf aggressive flirter abfahren als auf sog. “frauenversteher”, richtig? gut, ob das jetzt wirklich so ist, darüber will ich nicht gerade unter diesem thread diskutieren – aber fakt ist doch, daß das sowohl von den männern als auch frauen hier eher negativ wahrgenommen wird. diese tatsache, daß männer, um als “echter mann” zu gelten, in ein aggressives rollenverhalten gedrängt wird, obwohl das von keiner seite eigentlich wirklich gewünscht wird.
und warum? weil das männliche rollenbild zusammen mit dem frauenbildklischee solangsam abgebaut wird (fußballweltmeister sind die frauen, die hälfte der kommilitonen weiblich, etc. pp.) und gewalt und aggression sozusagen das letzte monopol bezüglich “männlichkeit” zu sein scheint. deswegen klammern sich verunsicherte männer gerade daran. oder, wie schwarzer es provokanter und schnittiger formuliert: “Was also macht den Mann noch zum Mann? Die Gewalt.”
warum dem nicht zustimmen? sie hat doch recht.
und klar, daß misogynie ein (mit)grund für den amoklauf war, ist nur eine hypothese. aber schwarzer ist auch weder psychologin, elternteil von tim k.,, mit dem fall befasste juristin noch ermittelnde polizeibeamtin, sondern journalistin.
es ist schlichtweg nicht ihr job, derartige beweise präsentieren zu müssen.
also journalistin ist es legitim, eine hypothese aufzustellen und diese zu analysieren, solange die hypothese begründet ist (und wenn bei gezielten kopfschüssen 10 von 11 opfern weiblich sind, ist eine vermutung in richtung misogynie bestimmt nicht abwegig).
@kousheru: Du schreibst dass “das männliche Rollenbild zusammen mit dem Frauenbildklischee so langsam abgebaut wird”. Das klingt ganz gut (und ist auch wünschenswert), hält aber dem Test in der Wirklichkeit kaum stand: Da wird zwar gerne über diese Veränderungen gesprochen- blickt man aber in die statistisch erschlossenen Haushalte, dann lässt sich aufgrund des jeweiligen Beschäftigungsgrades (nicht Erwerbsbeteiligung!) lediglich sagen, dass aus den urspünglichen Alleinernährern heute einfach Haupternährer geworden sind- nach dreissig Jahren Gleichberechtigung nicht gerade das gelbe vom Ei. Das wird übrigens auch im Buch der Alphamädchen explizit beschrieben (wenn ich jetzt zuhause wäre, könnte ich sogar das Volltextzitat samt Seitennummer einfügen): Frauen ziehen sich wieder vermehrt auf ihre “angeborene, biologische” Mutterrolle- d. h. in den Haushalt- zurück. Mir wär’s anders auch lieber- doch vieleicht ist es ja nach dreissig Jahren Feminismus noch zu früh, eine sinnvolle Bilanz über den Wandel bei den Geschlechterrollen zu ziehen (dito in Sachen Gender-Theorie). “Was also macht den Mann noch zum Mann?”, fragt Alice Schwarzer so schön süffig, wie Du sagst? Genauso süffig liesse sich jetzt antworten: Die Lebenswirklichkeit, wie sie von der überwiegenden Anzahl der Paare in unseren Breiten gelebt wird… ein Blick auf die Einkommens- und Beschäftigungsstatistiken genügt da vollauf, um diese Aussage zu bestätigen. Ich hoffe, dass sich hier noch viel mehr verändert, sowohl bei Männern, als auch bei Frauen!
Thesenjournalismus ist durchaus berechtigt- und Alice Schwarzer stellt hier ja auch eine These auf. Allerdings handelt es sich in diesem Falle (da wieder einmal raumgreifend und pauschalisierend, es gibt ja nicht nur diesen Artikel) wohl eher um Spekulationsjournalismus. Von investigativem Journalismus (immerhin ein seriöser Zweig, wenn er sich sich nicht zum Thesen- oder gar Spekulationsjournalismus hinreissen lässt) ist bei Alice Schwarzer im erwähnten Zusammenhang nichts- oder nur bedenklich wenig- zu spüren: Das finde ich zwar legitim, aber nicht seriös. Gut, in ihrem Falle handelt es sich dabei wohl eher um eine medienwirksame Überlebensstrategie, als um das ernsthafte Bemühen, den Tatsachen auf den Grund zu gehen.
ich schrieb ja auch “so langsam” abgebaut. ;-)
Und eine Änderung in “Die Lebenswirklichkeit, wie sie von der überwiegenden Anzahl der Paare in unseren Breiten gelebt wird” – klar, vermutlich sogar austauschbar. Dem würde Schwarzer bestimmt auch zustimmen. Nur geht es in dem Artikel über Tim K. um einen jugendlichen, männlichen Amokläufer und nicht um die Lebenswelt von Pärchen.
Und ich weiß immer noch nicht, weshalb der Artikel so unseriös sein soll. Wenn beispielsweise irgendwo ein asiate zusammengeschlagen wird und ein journalist – auch wenn er über den ermittlungsstand sonst nix bis wenig weiß – immerhin weiß, daß die täter thor steinar shirts anhatten, dann kann er auch die these aufstellen, daß die tat mit fremdenfeindlichkeit zu tun hatte, obwohl er an beweisen nix als die t-shirts hatte. und er kann daraus einen artikel über die fremdenfeindlichkeit in d-land machen.
genauso wie schwarzer nix hat als die tatsache, daß 10 der 12 opfer weiblich waren, als tatgrund u.a. misogynie vermutet und zu einer gesellschaftskritik überleitet.
“Gut, in ihrem Falle handelt es sich dabei wohl eher um eine medienwirksame Überlebensstrategie, als um das ernsthafte Bemühen, den Tatsachen auf den Grund zu gehen.”
*seufz* mal gaz ehrlich – solche sätze sind so… unnötig! (und, ganz nebenbei bemerkt, mindestens so spekulativ wie schwarzers misogynie-these)
ob man sie mag oder nicht, die frau hängt sich seit ewigkeiten mit einer enormen leidenschaft in ihre arbeit – das alles auf mediengeilheit oder “irgendwie muß sie ihren bekanntheitsgrad ja erhalten” zu reduzieren ist doch doof, oder?
sie kommt in ihrer wahrheitssuche halt auf andere schlußfolgerungen (obwohl, wie ich meine (siehe mein letzter post), eigentlich seid ihr ja einer meinung ;-)
@ kusheru: Der Täter war 17-jährig. Misogynie als Tatmotiv? Mit siebzehn Jahren haben wohl noch viele Jugendliche Probleme mit dem anderen Geschlecht- Mädchen wie auch Jungen. Nicht dass das eine solche Tat rechtfertigen würde, in keinster Art und Weise: Doch in diesem Alter, in dem das Leben wie eine Fahrt ins Nirgendwo wirkt; wo man noch nicht weiss, wie man was mit dem anderen Geschlecht… in einem Alter notabene, in dem einen Fragen beschäftigen wie woher komme ich, was soll ich, wohin gehe ich etc.: Misogynie wie bei einem Erwachsenen? Oder vielmehr Hormonschubbedingte Extremreaktion? Handelte es sich hier um einen erwachsenen Menschen- gut, das wäre etwas anderes- dann müsste man ganz klar von Mysogenie sprechen- aber bei einem Jugendlichen?
Bei Alice Schwarzer ist ja nicht nur das interessant, was sie sagt, sondern auch das, was sie nicht sagt.
Und ob, *gähn*, meine Aversion gegen Alice Schwarzer überhaupt noch nötig ist, *gähn*? *Gähn*, ja natürlich, die Frage ist nun wirklich nicht allzu scharfsinnig: Jede Bewegung, *gähn*, durchläuft verschiedene Entwicklungen- so auch die Frauenbewegung: Keine (politische) Bewegung verläuft statisch, wie nur schon der Alphamädchen-Feminismus beweist: Der Feminismus ist ein dynamischer Prozess- wobei die einen immer wieder altbekannte Stereotypen wälzen- wie eben Alice Schwarzer- während andere es wiederum wagen, Neuland zu betreten- wie zum Beispiel in diesem Blog, in dem sogar Bücher über Männer rezensiert werden.
Hallo jj,
daran blieb mein auge hängen
„Wobei halt nicht mehr klar ist, wovor Männer Frauen heute noch beschützen sollen – das ist ja meines Erachtens auch der Kern der Frage die AS stellt… und was dann Männlichkeit noch ausmachen kann in einer Weise, die das kollektiv verunsicherte männliche Ego und die weibliche Suche nach “Sicherheit beim Manne” in einer gleichberechtigten Weise zusammenbringt?“
und zuvor noch an deinem lob für
„Es geht wohl eher um emotionale Sicherheit, nicht um den Bodyguard im Park.
Liebe, dass ist die Anerkennung des Besonderen und der Verrat am Allgemeinheitsprinzip“ von access denied.
Und dazu ging mir aus Adornos ‚minima moralia’ der zumindest früher so beliebte aphorismus durch den kopf
„geliebt wirst du einzig, wo du schwach dich zeigen kannst, ohne Stärke zu provozieren“.
An dem gilt es sich – immer noch – abzuarbeiten.
Ansonsten verstehe ich die schwarzer’sche frage danach, was männlichkeit ohne gewalt ausmache, eben als eine frage. Die erst mal so verstanden werden kann: ob es nicht statt und/oder ohne gewalt auch anderes gäbe, das männlichkeit ausmacht, ausmachen könnte. Und die sich zuvörderst womöglich nicht an das „kollektiv verunsicherte männliche Ego“ wendet, sondern an das je persönliche.
Ein „kollektiv verunsichertes männliches Ego“ ist mir nämlich sehr suspekt. Auch und gerade deshalb, weil es geneigt zu machen scheint, in den persönlichen verhältnissen zu gewalt zuflucht zu nehmen (wobei ich auch diesen amoklauf als ein ‚persönliches verhältnis’ verstehe und nicht als etwas allgemeines).
Als einen gegensatz zur männlichen gewalt haben Sie die „weibliche Suche nach Sicherheit beim Manne“ aufgerufen. Nun – zuallererst möchte ich (frau) bei einem mann vor diesem selbst sicher sein. Aber das möchte ich bei anderen menschen, mit denen ich zu tun habe, auch. Ich erwarte, wünsche, hoffe also, dass andere menschen gelernt haben, ihre aggressiven regungen/strebungen/wünsche anders als in gewalttätigkeit auszuagieren. Und besonders erwarte ich das von einem menschen (of all three+x sexes), mit dem ich ein liebes-verhältnis eingehe. Alles, was an einem wunsch nach sicherheit darüber hinaus geht, müssen frauen und männer gemeinsam hinkriegen. Das feld, auf dem dies hinkriegen stattfindet, nenne ich politik.
Der Täter war 17-jährig. Misogynie als Tatmotiv? Mit siebzehn Jahren haben wohl noch viele Jugendliche Probleme mit dem anderen Geschlecht- Mädchen wie auch Jungen. Nicht dass das eine solche Tat rechtfertigen würde, in keinster Art und Weise: Doch in diesem Alter, in dem das Leben wie eine Fahrt ins Nirgendwo wirkt; wo man noch nicht weiss, wie man was mit dem anderen Geschlecht… in einem Alter notabene, in dem einen Fragen beschäftigen wie woher komme ich, was soll ich, wohin gehe ich etc.: Misogynie wie bei einem Erwachsenen? Oder vielmehr Hormonschubbedingte Extremreaktion?
natürlich ist der begriff misogynie ein komplexes feld und bei einem 17jährigen trifft dieses feld bestimmt andere ecken als bei einem erwachsenen. aber das spricht nicht gegen die these, im gegenteil:
schwarzer kritisiert die frauenfeindlichkeit der gesellschaft und diese “misogyne stimmung” beeinflußt uns alle – und bestimmt und gerade auch einen verunsicherten, hormonüberschwemmten teenager.
als erwachsener, gefestigter oder reflektierter mensch kann man erzwungene rollenmuster und sexismus bis zu einem gewissen grad kompensieren – einem 17jährigen mit psychischen problemen ist dies nicht möglich. gerade diese gruppe von menschen leidet also am meisten darunter, was ja wiederum zeigt, wie gefährlich diese misogyne stimmung ist!
von dem her hat schwarzer recht, wenn sie misogynie im zusammenhang mit der katastrophe in winnenden anprangert.
“Und dazu ging mir aus Adornos ‚minima moralia’ der zumindest früher so beliebte aphorismus durch den kopf”
Und mein Satz steht sinngemäß auch dort drin :)
@ kousheru: Ich bin übrigens bei Weitem nicht der Meinung, Alice Schwarzer liege grundsätzlich falsch, ganz im Gegenteil: Nur stammen ihre Hauptargumente aus einer Zeit, die mit dem 21. Jahrhundert kaum mehr kompatibel ist. Dass sie extrem sein musste, um in der patriarchalen Gesellschaft von damals überhaupt auf Gehör zu stossen, ist auch mir klar. Nur hat sie vergessen, im richtigen Augenblick vom Gaspedal zu gehen- und schiesst heute gerne weit übers Ziel hinaus.
Misogynie gibt es bedauernswerterweise genauso, wie Misandrie. Ein anschauliches Beispiel zu Letzterem (die Misandrieliste liesse sich übrigens fast beliebig verlängern):
http://www.youtube.com/watch?v=wNJ_P7FZvPE
So ein Mann bin ich nicht- und so einer werde ich NIE! werden. Wohlgemerkt: Hier handelt es sich um einen Werbespot des grössten Detailhändlers der Schweiz..! Die Zielgruppe ist also entsprechend weit gefasst- was tief blicken lässt. Den Spot hae ich hier im Blog schon einmal eingefügt- worauf jemand bemerkt hat, dass der AD oder der CD bei dieser Agentur kaum eine Frau gewesen sein dürfte, sondern ein Mann.
Im Gegensatz zur Zeit von Alice Schwarzer gibt es heute nicht nur die Misogynie- sondern auch die Misandrie. Insofern haben wir auf schon fast zynische Art und Weise eine Art Gleichberechtigung erreicht- nur das ich das nicht gerade als Fortschritt betrachte.
Sowohl die Misandrie als auch die Misogynie gehören auf den Müllhaufen der Kulturgeschichte- und zwar so schnell wie möglich!
Die üblichen, kleineren und auch grösseren Feindseligkeiten zwischen den Geschlechtern hat’s ja sowieso immer gegeben- wahrscheinlich schon vor 360 Millionen Jahren, als der Fisch zum Wasser raushupfte…
Und was den Fall Winnenden betrifft: Warten wir doch einfach mal die Ermittlungsergebnisse ab- die schaffen dann schon Klarheit ;-)
Sowohl die Misandrie als auch die Misogynie gehören auf den Müllhaufen der Kulturgeschichte- und zwar so schnell wie möglich!
ja klar, bestreitet ja niemand.
aber ich versteh nicht, wo misandrie hier ist.
Rahab,
ich fühle mich zu jung, um im Netz gesiehzt zu werden ;). Ich bleibe daher bis zum Widerspruch beim “Du”.
“Ansonsten verstehe ich die schwarzer’sche frage danach, was männlichkeit ohne gewalt ausmache, eben als eine frage. Die erst mal so verstanden werden kann: ob es nicht statt und/oder ohne gewalt auch anderes gäbe, das männlichkeit ausmacht, ausmachen könnte. Und die sich zuvörderst womöglich nicht an das „kollektiv verunsicherte männliche Ego“ wendet, sondern an das je persönliche.”
Natürlich ist das eine Frage. Meine Primärfaszination war ja auch vor allem, daß Alice Schwarzer eine Frage in Bezug auf Männlichkeit gestellt hat, Probleme von Männlichkeit akzeptiert hat und offenbar auch keine Antwort hat (davon hat sie ja im Regelfall genug ;)). Wie gesagt, die Frage ist offen, ob und in wie weit physische Gewalt und Männlichkeit anthropologisch nur korrelieren oder sich gegenseitig ein Stück weit bedingen.
Aber “Männlichkeit” ist so wie Feminismus nur als Kollektivbegriff sinnvoll einzusetzen, ob die Zuschreibung nun essentiell der performativ erfolgt. “Meine Männlichkeit” hat nur in Bezug zu einem allgemeinen Begriff irgendeinen über meine individuelle Persönlichkeit hinausgehenen Sinn. Der Feminismus schafft es ja auch schon seit einiger Zeit das spätestens von Judith Butler erklärte Ende der “Frau” als Untersuchungs- und Identifikationsfigur zu ignorieren bzw. auf einer Ebene davon zu abstrahieren, die den meisten Diskutanten sinnvoll erscheint.
Alle Menschen sind verschieden, jeder ist ein Unikat. Aber so komplex das auch im Detail sein mag, und so sehr jeder trotz oder sogar wegen seiner individuellen Schwächen angenommen und geliebt werden möchte, sosehr gibt es doch kollektiv zugängliche Begriffe, die Verhalten und Interaktionskriterien beschreiben.
War der ursprüngliche Gesellschaftsvertrag ein Deal zwischen einigen Frauen und einigen Männern war, der Zugang zu reproduktiven Ressourcen gegen Schutz vor anderen Männern angeboten hat? Wer weiß. Macht eine solche spieltheoretische Analyse von gruppenbasiertem Sicherheitsverhalten noch Sinn, wenn man andererseits von einer auf Liebe – also das individuelle – und zumindest mittelfristige – paarweisen – Kooperation angelegten Neurobiologie ausgeht? Das ist letztlich alles Spekulation, solange wir über unsere eigene Neurobiologie und die biologischen Grundlagen unserer Emotionen nicht mehr wissen, als das im Moment der Fall ist.
Wenn sogar Alice Schwarzer anfängt, Männlichkeit nicht mehr nur im Zusammenhang mit ihrer Patriarchatskonstruktion zu problematisieren, dann ist das vielleicht ein Moment, in dem die Gesamtdiskussion vorankommt. Das war eigentlich mein wesentlicher Punkt – im klassisch radikalfeministischen Weltbild ist männliche Gewalt vielleicht ein individueller Fehler, aber auf jeden Fall ein systemisches patriarchales Element zur Konditionierung von Frauen (“rape culture”). Alice Schwarzer sieht aber hier männliche Gewalt nicht mehr Teil der Aufrechterhaltung der von ihr gesehenen und kritisierten gesellschaftlichen Hierarchie, sondern letztlich als Resultat deren Aufbrechens. Ihre Wahrnehmung war natürlich nie ganz dran an der Realität, aber damit kommt sie zumindest in der Postmoderne an.
@ kousheru: Und ich kann Deiner Argumentation bzgl. der Misogynie nicht folgen: Warum sollte ausgerechnet ein 17-jähriger Amokläufer den Deiner Ansicht nach immer noch vorhandenen gesellschaftlichen Grundtenor (den ich in dieser Verbreitung heutzutage stark anzuzweifeln wage) in eine solche Wahnsinnstat umwandeln?
“@ kousheru: Und ich kann Deiner Argumentation bzgl. der Misogynie nicht folgen: Warum sollte ausgerechnet ein 17-jähriger Amokläufer den Deiner Ansicht nach immer noch vorhandenen gesellschaftlichen Grundtenor (…) in eine solche Wahnsinnstat umwandeln?”
woher soll kousheru das wissen?
wir wissen alle nicht genau, was tim k. antrieb.
allerdings wissen wir, dass sich die geschlechtsidentität weit vor dem 17. lebensjahr herausbildet und in der pubertät noch mal ganz besonders auf dem prüfstand steht. die frage “warum ausgerechnet ein 17-jähriger” ist also relativ plausibel beantwortbar. dass tim k. misogyn eingestellt war, ist auch nachvollziehbar. da er nun aber nicht mehr befragt werde kann, ist der ruf nach mehr investigativen journalismus unsinnig.
was frau schwarzer in ihrem artikel sehr schön aufgezeigt hat, ist die igoranz in der gesellschaft für gewalt gegen frauen. auch hier wird das ja heftigst relativiert. und nicht damit gespart, alice schwarzer als person am zeug zu flicken, um ihren artikel als weniger (zu)treffend, weniger wahr akzeptieren zu müssen. sie legt den finger in die wunde. das beweisen die reaktionen.
stellen wir uns doch tatsächlich mal vor, es wären in berlin kreuzberg in einer hauptschule mit einem ausländeranteil von ca. 50% 10 von 11 opfern türken gewesen!
keiner würde daran zweifeln, dass diese tat einen ausländerfeindlichen hintergrund hat.
aber es sind mädchen. war sicher nur zufall. schwamm drüber. die schwarzer provoziert eh nur.
Ich meine irgendwo eine recht einfache und plausible Erklärung gelesen zu haben, warum die meisten Opfer weiblich waren: Sie saßen in den vorderen Reihen und die Jungs in den hinteren Reihen hatten deshalb die besseren Chancen hinter Schulbänken abzuducken. Als weiterer Grund wurde da angegeben, dass die Mädchen duch ihre Todesangstschreie für den Täter auffälliger waren.
Quelle weiß ich im Moment nicht und für ihre Seriosität übernehme ich keinerlei Garantie.
Heißt das, Männer (Jungs) schreien bei Todesangst nicht? Stand da noch was dazu Johannes?
Zumindest sind die männlichen Todesangstschreie weniger gut hörbar einfach aufgrund der anderen Stimmlage. Schau dir beispielsweise das Video der Katastrophe von Rammstein an. Da hört man praktisch nur die Schreie von Frauen.
Wie gesagt. Ich behaupte nicht: So war’s. Sondern ich sage, dass die Tatsache, dass die meisten Opfer weiblich waren, auch eine ganz banale Erklärung haben kann. Also weder Zufall noch Frauenhass.
Lauter Spekulationen- wollen wir nicht einfach mal die Untersuchungsergebnisse abwarten? Wir könnten ja auch mal alle zusammen eine Gruppenreise nach Winnenden machen- es käme ganz bestimmt nichts dabei raus, was den bisherigen Erkenntnissen vorgreifen würde.
Wir könnten aber auch versuchen, uns gegenseitig solange zu missionieren, bis nur noch faules Konsensgeschwätz rausschaut.
Misogynie ist nicht auszuschliessen. Doch so genau weiss das niemand so genau- auch wir hier drinnen nicht- genausowenig wie Alice Schwarzer.
Ich wär dann mal raus aus der Debatte.
Johannes: Ja, dass du nicht sagst, so war es, hab ich verstanden. Das mit der Stimmlage und so ist aber deine Erklärung, oder?
Also es könnte ja wirklich sein, dass Frauen bei sowas schreien und Männer nicht. Deswegen meine Frage, würde ich – wenns so wäre – recht interessant finden.
Ich persönlich glaube übrigens nicht an einen Zufall. Ob das gleich misogyn ist, sei mal dahin gestellt, aber [spekulation] wenn es zb so war, dass der junge Mann oft von Mädchen zurück gewiesen wurde und das vielleicht auch nicht besonders nett, dann kann ich mir schon vorstellen, dass daraus eine Abneigung, ein Hass auf alle Mädchen entsteht.[/spekulation]
Deswegen finde ich es auch fahrlässig, wenn dieser Gedanke in den Ermittlungen wirklich nicht weiter verfolgt wurde. Es geht hier ja auch um Prävention, was an vielen Schulen passiert ist schlicht und einfach grausames Mobbing.
Aber da wäre man dann wieder an dem Punkt, dass die Gründe vielschichter und verwobener sind als “Killerspiel” und das scheint ja einigen PolitikerInnen zu komplex und zu wenig öffentlichkeitswirksam zu sein.
Aber ja, Marcel, du hast recht, das sind viele, zu viele Spekulationen. Wobei ich es wirklich fahrlässig finden würde, wenn die ErmittlerInnen diesen Punkt einfach von vorne herein ausgeschlossen hätten. Weiß aber nicht, ob das so ist…?
@ Anna: “Weiß aber nicht, ob das so ist…?”
Offengestanden neige ich auch zu dieser Annahme- und hättet Ihr das von den Alphamädchen gebracht, hätte ich wahrscheinlich bei Weitem nicht so allergisch reagiert, wie bei Alice Schwarzer.
Tatmotive können so verworren sein- genauso wie die Tat selber. Ich hab da gerade mit einem Fall zu tun (Tötung)- da schien auf den ersten Blick auch alles sonnenklar zu sein- bis jemand damit begann, Fragen zu stellen. Ergebnis nach Aktenlage: Besser als jeder Kriminalroman!
Wieso gehen eigentlich so viele Leute davon aus, dass das Schlimmste, was ein Teenagermädchen einem Teenagerjungen antun kann eine “nicht nette” Zurückweisung ist? In meinen Teenagerjahren hatte ich auch auf viele Mädchen eine große Wut, aber die, die mich abgewiesen hatten, waren nicht darunter.
Matze, ich hab doch geschrieben “alle Mädchen”. Aber ja, da spielt mehr rein, als nur zurück gewiesen zu werden, deswegen ja noch mein Verweis auf Mobbing im allgemeinen.
Was hat bei dir zu der Wut auf die Mädchen geführt?
@jj
das ‚Sie’ bitte ich nicht persönlich zu nehmen – da kam meine déformation professionelle zum tragen, welche beinhaltet, dass ein freundliches ‚Sie’ leichter auszusprechen ist als ein kühles ‚du’. Beim schreiben verhält es sich so ähnlich. Folglich duze ich Sie doch gerne, wenn du das so haben möchtest. Hat mit alter nichts zu tun (sagt die déformation professionelle), sondern eher damit, dass ein klein bisschen distanz über die form der anrede nicht schadet. Aber die distanz lässt sich ja auch anders herstellen…
Ende der vorrede.
Zum rest: da geht, wie ich finde, einiges durcheinander.
Beispielsweise ist es mir ein stinkendes rätsel, woher der gegensatz männlichkeit ./. feminismus (oder auch umgekehrt) kommt. Aber das kann ich mir zur not noch erklären… wobei auch mit geklärt gehört, was mit feminismus eigentlich gemeint sei. Da können wir zwecks abkürzung der debatte ins blog-eigene wörterbuch schauen; was auch weiterhilft, insoweit dann unter feminismus eine sich politisch verstehende und agierende bewegung zu vestehen ist, welche für gleiche rechte für menschen unabhängig von geschlecht eintritt (und wenn wir uns anschauen, wie sich seit dem neuerlichen beginn einer frauenbewegung in den 1970-ger jahren das feld, auf dem diese bewegung selbst tätig wurde oder ihre ideen aufgenommen wurden, verändert also erweitert hat, dann verstehen wir sehr schnell, dass feminismus sich nicht ‚nur’ auf frauen bezieht. Dann haben wir dazu/daneben oder stellenweise auch nur in anderer gestalt die feministische theorie – welche eigentlich auch nur im plural zu lesen ist. und dann finden wir noch feminismus als kampfbegriff derer, welche den feminismus ablehnen.
Das wäre ganz grob das, womit wir es zu tun haben, was den feminismus anbelangt. Mit der männlichkeit verhält es sich so ähnlich, aber auch gänzlich anders.
Um es abzukürzen: wenn ich von männlichkeit spreche, dann meine ich (auch Butler aufnehmend, aber die idee ist schon älter) männlichkeit als konzept. Nicht als wesen von männers oder etwas, was in der evolution schon immer angelegt war oder dergleichen. Und ich denke – hoffe! – dass die gute Alice, wenn sie über männlichkeit schreibt, das auch so meint. Aber manchmal bin ich mir da nicht ganz sicher.
Wie ich mir aber auch nicht immer sicher bin, dass/ob sich die idee von weiblichkeit und männlichkeit als konzept, also konstrukt, in gänze durchhalten lässt. Obwohl ich es vernünftig finde, es zu versuchen.
Weiter irritiert mich, dass nun (mal wieder) mehr über die gute Alice diskutiert wird und weniger über die frage/n, die sie gestellt hat. Meine irritation rührt wohl daher, dass die gute Alice für mich auch zur frauenbewegung gehört, aber sie weder repräsentiert noch ihren kulminationspunkt darstellt – und deshalb auch nicht für die frauenbewegung oder für den feminismus spricht, sondern eine stimme unter etlichen anderen darstellt.
Und nun, auch um es abzukürzen: der zusammenhang von patriarchat, patriarchatskonstruktion, männlichkeit und gewalt und frauenbewegung, – befreiung, – ermächtigung. Genau den hat der artikel thematisiert. Und einige vorstellungen darüber, wie dieser zusammenhang bestimmt und erklärt werden könnte, zu papier gebracht. Und hat dazu die frage gestellt, warum gewalt in den geschlechterverhältnissen lieber nicht thematisiert wird, und vor allem dann nicht, wenn ein ereignis wie dieser amoklauf eigentlich allen anlaß dazu gäbe. Und hat es zugespitzt auf die these, dass von männern ausgehende körperliche, bewaffnete, sexuelle, verbale, psychische etc gewalt heute auch als reaktion darauf zu verstehen ist, dass männer im heutigen system anders machtlos sind/sich erleben als vor – sagen wir – hundert jahren und sich gegen diese objektive wie subjektiv als leiden und abwertung/wertlosigkeit empfundene machtlosigkeit wehren. Dummerweise jedoch nicht gegen das system (das immer noch ein weitgehend patriarchalisch bzw. androzentriert konstruiertes ist), sondern gegen individuen. Die im fall dieses amoklaufes mehrheitlich weiblich aussahen/waren/schienen und die sich mehrheitlich an einem ort, nämlich in der schule, aufhielten, an dem sich weibliche wie männliche nun mal queerbeet aufhalten.
Und wenn ich dann mal revue passieren lasse, wie heute in der öffentlichkeit geschlechterverhältnisse beschrieben und beklagt und verurteilt werden, dann ist an dieser these etwas dran.
Außer der weitverbreiteten klage über die „feminisierung“ der schule fällt mir aus aktuellem anlaß die darstellung des heute zur verabschiedung anstehenden gendiagnostikgesetzes an. Dazu hörte ich heute im radio: das gendiagnostikgesetz stellt den heimlichen vaterschaftstest unter strafe. Stimmt, unter anderem tut es auch dieses. Vordringlich oder übergeordnet soll das gesetz verbieten, genetische informationen zu gewinnen und auszuwerten und gegen die zu verwenden, über die derartige informationen gewonnen wurden; und dies vor allem dann, wenn die informationsgewinnung heimlich, also ohne zustimmung erfolgt. Der heimliche vaterschaftstest ist da ein unterfall unter etlichen anderen. Der heimliche großvaterschaftstest übrigens auch. Aber im grunde geht es darum, überhaupt die möglichen folgen von gen-diagnostik in den griff zu bekommen, also erst mal rechtlich zu regeln.
Oder nehmen wir die diskussionen über unterhaltsrecht. Da wird zur zeit jegliche bgh-entscheidung daraufhin abgeklopft, ob sie nun endlich die frauen zwinge, arbeiten zu gehen und selbst geld zu verdienen. Wird im einzelfall entschieden, die klägerin müsse dies nicht, dann ist die entscheidung schlecht – und zwar völlig unabhängig davon, wie sie im einzelfall begründet wurde. obwohl, wenn ich das gesetz so lese, da nichts von frau/mann steht, sondern nur etwas von elternteil, welches kind betreut (z.b.).
Oder nehmen wir die letzthin hier diskutierte entscheidung zu schmerzensgeld nach vergewaltigung. In der wurde stillschweigend vorausgesetzt, dass frauen wüssten/zu wissen hätten, dass ihnen sexuelle gewalt in bestimmten situationen fast zwangsläufig begegnen muß.
In diesen beispielen kommen geschlechterverhältnisse auch als gewalt-verhältnisse vor. Und zwar als gewalt-verhältnisse, die beschwiegen werden. Was dazu führt, dass sie relativ unangefochten andauern.
Kurzum: die auseinandersetzung geht ja nicht nur um die frage, wer wen ‚hauen’ darf oder warum nicht, sondern sie geht auch um die frage, wer darüber wie reden darf und wer wie nicht. In dem zusammenhang mache ich immer wieder die erfahrung, dass männer wütend und verzweifelt und zuweilen verbal gewalttätig darauf reagieren, dass die deutungshoheit nicht bei ihnen allein liegt. Und nicht nur das – sondern das frauen nicht mal mehr die männliche deutungshoheit bestreiten, sondern sie glatt ignorieren. Und einfach selber hoheitlich deuten. Weil sie davon ausgehen, dass allenfalls die deutung zur diskussion steht – nicht aber mehr, von wem sie ausging.
@Anna: Mobbing.
@ Marcel
Vielen Dank für das Statement!
Letztendlich sind das alles nur Spekulationen.
Ob Frauenhass oder Zufall oder nichts davon der Grund war können nur fachkundige Menschen beurteilen.
Und Frau Sch. gehört sicherlich nicht dazu.
@Anna: Ja das mit der Stimmlage ist meine Erklärung. Ob Männer in Todesangst weniger schreien als Frauen, weiß ich nicht. Ich würde mich auch nicht als Testperson zur Verfügung stellen. Natürlich könnte man wunderbar pseudowissenschaftlich biologistisch erklären, warum Frauen in Todesangst schreien und Männer nicht, aber ernsthaft tun will ich das nicht. Ich bin kein so Freund von biologistischen Verhaltenserklärungen.
Andererseits ist das Verhalten in Todesangst ein derartiges Ausnahmeverhalten, dass da vielleicht wirklich angeborene und nicht ansozialisierte Verhaltensmuster greifen, im Gegensatz zum Partnerwahl- und Berufswahlverhalten.
Warum arbeiten sich eigentlich alle immer an Alice Schwarzer ab? Hat Frau Schwarzer jemals schon einen Mann erschossen, vergewaltigt, geschlagen? Meines Wissens nicht. Hat sie jemals Bilder von nacken Männern veröffentlicht, die gefesselt und gedemütigt werden? Und dies als sexy bezeichnet. Meines Wissens nicht.
Warum also ist Alice Schwarzer der Feind, über den herablassend als “Tante Alice” geschrieben wird?
Schwarzer meldet sich zu Wort. Na und? Könnten die Alphamädchen ja auch tun.
@anne:
Ich finde Schwarzer ziemlich langweilig. Ich lese manchmal auf emma.de einen Artikel von ihr, einfach weil mich manche von ihnen zum Schmunzeln bringen, so als wären sie Satire.
Interessant ist in diesem Fall aber wirklich die Tatsache, dass sie männliche Gewalt nicht als Mittel zur Unterdrückung der Frauen interpretiert, sondern als Ausdruck der Verunsicherung eines jungen Mannes in einer Zeit, die schwieriger und komplexer geworden ist, was Geschlechterrollen angeht.
Dass Schwarzer von vielen (vorallem Männern) als Feind bezeichnet wird, ist meiner Interpretation nach so ein Fall von “Wie es in den Wald hineinschallt …”
Ich denke schon, dass Tim K. in gewisser Weise Mädchen gehasst hat.
Ob er nun oft zurückgewiesen wurde oder sich nicht getraut hat zu fragen, ist im nachhinein schwer zu erklären.
Ich hätte da die ein oder andere Überlegung.
Erstens, ein Amokläufer ist jm., der nicht einfach gescheitert ist, sondern er ist der Kränkung erlegen, dass er als Individuum völlig unwichtig ist. Das Massaker ist also ein Versuch, jm. zu werden, Macht zu haben, es ist der Krieg gegen die eigene Überflüssigkeit. Nun haben durchaus nicht wenige Männer im insgeheimen immer noch den Wunsch, Frauen in gewisser Weise untertan zu machen, über sie zu verfügen. Gerade auf dem Land, wo konservative und regressive Denkweisen häufiger anzutreffen sind als in den urbanen Großstädten, hat der Machismo als Zeichen von Männlichkeit durchaus Geltung. Insofern ist es, finde ich, denkbar, dass Tim K. eben deshalb vermehrt auf Mädchen geschossen hat, da ihm dadurch diese Macht gegeben wurde.
Eine andere Überlegung ist, dass er zurückgewiesen wurde oder sich nicht traute, eine Klassenkameradin anzusprechen. Dann wäre es denkbar, dass er Rache an denen nahm, die ihn zurückwiesen.
e
Also das mit dem postulierten männlichen Wunsch, sich die Frauen Untertan zu machen, halte ich für mehr als spekulativ. Auch finde ich, dass deine Annahme mit den konservativen regressiven Denkweisen auf dem Land hier passt. Winnenden ist S-Bahnstation des Stuttgarter S-Bahn Netzes und damit Bestandteil des Stuttgarter Speck- und Hightechgürtels.
Die These des frustrierten Zurückgewiesenen halte ich für sehr viel wahrscheinlicher.
“Warum arbeiten sich eigentlich alle immer an Alice Schwarzer ab? Hat Frau Schwarzer jemals schon einen Mann erschossen, vergewaltigt, geschlagen? Meines Wissens nicht. Hat sie jemals Bilder von nacken Männern veröffentlicht, die gefesselt und gedemütigt werden? Und dies als sexy bezeichnet. Meines Wissens nicht.”
Das wirft ihr ja auch niemand vor, anne. Jedoch: Nur weil man all diese Dinge bisher nicht getan hat, heißt das nicht, dass die geäußerten Standpunkte unangreifbar sind. Im Übrigen wurde sie weiter oben sogar gelobt für ihr Abrücken vom leicht angestaubten Patriarchatsbegriff.
“Warum also ist Alice Schwarzer der Feind, über den herablassend als ‘Tante Alice’ geschrieben wird?”
Da kann ich mich nur Johannes (“Wie es in den Wald hineinschallt…”) anschließen. Ich kann mich an keinen einzigen Text (schriftlich oder mündlich) von Frau Schwarzer erinnern, der ohne einen Funken Herablassung, Spott, Häme, Abwertung, Ironie ausgekommen wäre.
Es scheint eine Kommunikationsregel zu sein, dass man sich, will man auf diese Art zu reden oder schreiben antworten, auf ein vergleichbares Niveau begibt, vielleicht in der Annahme, ansonsten nicht gehört oder verstanden zu werden.
Man kann das “Wie es in den Wald hinein schallt …” auch anders formulieren: Wenn sich bewusst provokativ äußert, darf man sich nicht wundern, wenn man den Zorn einiger Leute auf sich zieht. Und ich gehe mal von aus, dass Schwarzer als Medienprofi das bewusst macht.
Für mich sind ihre Provokationen aber so abgedroschen, so *gähn*, dass sie höchstens noch als (unfreiwillige) Satire taugen.
das: “Für mich sind ihre Provokationen aber so abgedroschen, so *gähn*, dass sie höchstens noch als (unfreiwillige) Satire taugen”, werter Johannes Müller, Ludwigsburg, klingt aber arg nach galoppierender abwehr.
Was darf ich mir denn unter “arg galoppierender Abwehr” vorstellen?
“Also das mit dem postulierten männlichen Wunsch, sich die Frauen Untertan zu machen, halte ich für mehr als spekulativ. Auch finde ich, dass deine Annahme mit den konservativen regressiven Denkweisen auf dem Land hier passt. Winnenden ist S-Bahnstation des Stuttgarter S-Bahn Netzes und damit Bestandteil des Stuttgarter Speck- und Hightechgürtels.”
Ist aber keine
Und über den provinziellen Charakter von Stuttgart muss man ja nichts mehr sagen.
“arg galoppierende abwehr” soll bedeuten: etwas zu schnell als gähn-unwichtig-falsch abwehren, also in diesem fall nicht als denkmöglichkeit zulassen wollen. in anderen worten: gähn ist langweilig, uralt, kenn ich schon, hat mich noch nie weder interessiert noch begeistert und auch sonst emotional überhaupt nicht berührt, aufgebracht.
@Rahab: Stimmt nicht so ganz. Es gab Zeiten, da hat mich Schwarzer aufgeregt. Aber das ist vorbei. Mittlerweile ist es wirklich uralt und abgedroschen. Ich habe es als Denkmöglichkeit zugelassen und nach der Nutzung der Denkmöglichkeit als *gähn* eingestuft. Und *gähn* bedeutet so viel wie “war so kurz nach dem Krieg vielleicht mal interessant”.
@ad: Ist aber keine was? Und es war ja klar, dass du jetzt mit dem Klischee der schwäbischen Spießigkeit argumentieren würdest.
“@ad: Ist aber keine was? Und es war ja klar, dass du jetzt mit dem Klischee der schwäbischen Spießigkeit argumentieren würdest.”
Tja
Ich hab lange genug da unten gewohnt.
Und wie Du vielleicht weisst, sind Schwaben in Berlin nicht gerade eine Randerscheinung
@Johannes Müller, Ludwigsburg: nach welchem krieg? wir hätten da ja einige zur auswahl…
@Rahab: Ich verwende die Wendung “kurz nach dem Krieg” des öfteren, wenn ich “vor Urzeiten” oder “annodazumal” ausdrücken will. Bisher hat das auch noch jeder verstanden.
Heißt das, meine Vermutung, dass access denied in Berlin wohnhaft ist (nachdem Kommentar über das provinzielle Stuttgart), trifft zu? Cool!
Und wir wissen immer noch nicht, worauf sich “Ist aber keine” bezog. :(
sorry, Johannes Mieller, Ludwigsburg. wahrscheinlich liegt es daran, dass ich auch in jüngster zeit noch mit dem einen oder anderen gerade stattfindenden oder eben noch stattgefundenhabenden krieg zu tun hatte… und unter all denen Alice in der chronologie unterzubringen, das war ja nicht so leicht (und auch, weil ja die einordnung als krieg nicht immer so einfach ist, wa)
aber nun, nachdem das zeitverständnis halbwegs geklärt ist, wüßte ich schon noch gern, warum person (Alice) und inhalt ihrer artikel so in eins fallen. liegt das auch daran, dass der letzte krieg, welcher interesse gerechtfertigt hätte, schon so lange her ist?
ps. wollte mueller schreiben – ach, die abgenutzte tastatur! und vielleicht sollte ich auch mal wieder zur nagelfeile greifen… also sorry, sollte keine verballhornung des namens sein…
@Rahab: Das kann ich dir glaube ich erklären, woran das liegt. Das liegt daran, dass die gute Frau nur dieses eine Thema hat und sich innerhalb diesen Themas seit 40 Jahren nicht wahrnehmbar weiterentwickelt hat, also seit 40 Jahren immer mehr oder weniger dasselbe von sich gibt.
Und jemand der 40 Jahre lang immer dasselbe sagt, wird eben irgendwann auch als Person auf diese eine Aussage reduziert.
@Johannes Mueller, Ludwigsburg: möchtest du damit sagen, dass es an Alice liegt, wenn das patriarchat sich seit 40 jahren nicht weiterentwickelt hat? oder möchtest du damit sagen, es habe, nur Alice habe dies noch nicht bemerkt?
“Also das mit dem postulierten männlichen Wunsch, sich die Frauen Untertan zu machen, halte ich für mehr als spekulativ”
War damit gemeint.
In der Tat ein grammatikalischer Fehler meinerseits
@Rahab: Ich verstehe gerade nicht den Zusammenhang mit meinem Posting. Ich schrieb nichts von Patriarchat, das sich weiterentwickelt hat oder nicht. Alice hat sich nicht weiterentwickelt, sondern sagt seit 40 Jahren dasselbe.
Rahab,
“Beispielsweise ist es mir ein stinkendes rätsel, woher der gegensatz männlichkeit ./. feminismus (oder auch umgekehrt) kommt.”
Ich habe das gar nicht als Gegensatzpaar angeführt, sondern lediglich den Feminismus als Beispiel dafür, wie man relativ Problemlos mit dem dekonstruierten Abhandenkommen des eigenen notwendig kollektiven Untersuchungsgegenstands umgehen kann. Politisch war Feminismus natürlich oft der Gegenspieler von “Männlichkeit” auch wenn dazu keine Notwendigkeit besteht – auch dahingehen beschreitet AS ja scheinbar Neuland in ihrem Artikel.
Zitat -
“Und hat es zugespitzt auf die these, dass von männern ausgehende körperliche, bewaffnete, sexuelle, verbale, psychische etc gewalt heute auch als reaktion darauf zu verstehen ist, dass männer im heutigen system anders machtlos sind/sich erleben als vor – sagen wir – hundert jahren und sich gegen diese objektive wie subjektiv als leiden und abwertung/wertlosigkeit empfundene machtlosigkeit wehren.”
Genau, das ist ja das, was ich oben geschrieben habe – AS sieht männlihce Gewalt zwar vielleicht noch als systemimmanent an, aber nicht mehr als etwas, das Männern hilft. Im Gegentei, sie anerkennt deren problematische Situation und fragt, wie männliche Identität heute aussehen kann, u.a. damit Frauen Männer ablehnen können, ohne Angst vor einer standrechtlichen Exekution zu haben. Was hier ganz neu aufgerollt wird ist die für den Radikalfeminismus zentrale Frage von Macht und “Privilege” (engl., keine Ahnung, wie man das Konzept im deutschen Genderdiskurs nennt). Selbst auf halbwegs modernen radikalfeministischen Seiten, die sich der zivilen Vermittlung der Ideologie verschrieben haben, wie z.B. Feminism 101 wird man ein derartiges (wenn auch implizites) Eingeständnis nicht finden. Weibliche Sexualität wird als unabhängige Quelle von gesellschaftlicher “Macht” wegdefiniert und weibliches “Privilege” als “benevolenter Sexismus” abgetan. Alles mit der Zielsetzung, die eigenen ideologischen Axiome nicht in Frage stellen zu müssen. Genau das aber tut AS hier implizit – es bleibt zu hoffen, daß sie sich dessen bewußt war.
Zitat -
“Kurzum: die auseinandersetzung geht ja nicht nur um die frage, wer wen ‚hauen’ darf oder warum nicht, sondern sie geht auch um die frage, wer darüber wie reden darf und wer wie nicht. In dem zusammenhang mache ich immer wieder die erfahrung, dass männer wütend und verzweifelt und zuweilen verbal gewalttätig darauf reagieren, dass die deutungshoheit nicht bei ihnen allein liegt. Und nicht nur das – sondern das frauen nicht mal mehr die männliche deutungshoheit bestreiten, sondern sie glatt ignorieren. Und einfach selber hoheitlich deuten. Weil sie davon ausgehen, dass allenfalls die deutung zur diskussion steht – nicht aber mehr, von wem sie ausging.”
Naja, in dem ganzen Genderdiskurs liegt die Deutungshoheit ja tendenziell eher bei Frauen. Als Mann sitzt man in diesem Diskurs ja im Regelfall ohnehin zwischen allen Stühlen.
@Johannes Mueller, Ludwigsburg: ich fragte nach deiner erklärung dafür, warum Alice seit 40 jahren dasselbe sagt. – nun sagst du: es liegt an ihr. sie hat sich nicht weiterentwickelt. – also gibt es etwas, was sich entwickelt hat, mit dem sich Alice aber nicht mit-weiter-entwickelt hat. oder? na gut, es könnte auch sein, dass es da nichts gibt, aber Alice sich trotzdem hätte weiterentwickeln können, auch ganz ohne korrelation zu was auch immer – womit ich nicht sage, dass es wirklich so sei – sondern nur versuche, der logischen struktur deines arguments auf die spur zu kommen. mit anderen worten: ich versuche, dich zu verstehen. vastehste? in abwandlung eines spruchs, der da lautet: frauen sind soziale wesen und darum immer bemüht, dem mann das gefühl zu geben, dass er gebraucht – hier: verstanden – wird.
@Rahab: Ich verstehe nicht, was du von meiner Argumentation nicht verstehst, verstehst du?
Natürlich gibt es etwas, was sich weiterentwickelt hat. Die Gesellschaft ist nicht mehr dieselbe, wie vor 40 Jahren. Alice ist aber noch dieselbe, wie damals.
ne, Johannes Mueller, Ludwigsburg, das verstehe ich nun garnicht, was an meinen nachfragen so unverständlich sein soll. die habe ich doch laut und deutlich aufgeschrieben und überhaupt nicht dabei genuschelt…
aber gut, andersrum: wenn also Alice sagt, dass es hier und heute noch gewalt gegen frauen gibt – dann hat sie unrecht? oder dann erklärt sie dies auf eine weise, die du für falsch hältst? – wenn letzteres: wie erklärst du das denn? oder hältst du gewalt gegen frauen für absolute spinne?
@Rahab: Sie erklärt sie auf eine Weise, die ich für falsch halte. Die Erklärung, dass Gewalt gegen Frauen dazu dient, dass Männer sich die Frauen untertan machen wollen, hat nämlich die Schwäche, dass sie nicht erkärt, warum es auch Gewalt von Frauen gegen Männer gibt. Wollen sich auch die Frauen die Männer Untertan machen? Sind das überbleibsel aus dem Matriarchat, das es vielleicht mal gegeben hat?
Ich erkläre die häusliche Gewalt nicht gesellschaftspolitisch. Sie ist einfach Ausdruck von Unfähigkeit und Überforderung im Umgang miteinander.
Hier rede ich vom westlichen Kulturkreis. In anderen Kulturkreisen mag das anders sein.
siehste @Johannes Mueller, Ludwigsburg, und da hat sich Alice doch weiterentwickelt. weg vom sog. differenz-feminismus und der mit diesem verbundenen vorstellung von natur (der frau wie des mannes) hin zur frage nach den gesellschaftlichen bedingungen der geschlechterverhältnisse und den in diesen wirksamen wechselwirkungen. mit anderen worten: was die feministische theorie (welche eigentlich im plural zu lesen ist und auch die männlichkeitsforschung miteinschließt) angeht, hat Alice sich durchaus weiterentwickelt und stellt fragen, die sich auf der zumindest theoretischen höhe der zeit bewegen.
@ rahab & Johannes: Wenn man jedes Wort auf die Goldwage legt, gebiert der Berg am Schluss eine Maus…
Immerhin.
Alice hat sich durchaus weiterentwickelt- unter dem allgemeinen Druck der Zeit, schätze ich mal- nicht aus eigenem Antrieb.
Würde mich nicht wundern, wenn das Pseudonym rahab bekannter wäre, als allgemein bekannt. Die Gesprächstechnik kenne ich…
Goldwaage natürlich.
@Rahab: Das war ja auch der Grund warum jj und ich das hier so betont haben. Erstmalig seit 40 Jahren sieht man bei Alice sowas wie Ansätze Lernfähigkeit.
Das ändert aber nichts daran, das diese Weiterentwicklung 40 Jahre lang nicht wahrnehmbar war und Alice sich als lebende Gebehtsmühle betätigt hat. Uns dieser Umstand führt dazu, dass man Alice so auf den Radikalfeminismus reduziert.
“Das ändert aber nichts daran, das diese Weiterentwicklung 40 Jahre lang nicht wahrnehmbar war und Alice sich als lebende Gebehtsmühle betätigt hat. Uns dieser Umstand führt dazu, dass man Alice so auf den Radikalfeminismus reduziert.”
alice schwarzer hat sich immer gegen radikalfeminismus ausgesprochen. darauf reduziert wurde sie – da haben sie recht – um sie als person zu diskreditieren, weil sie ihre unbequemen forderungen und thesen konsequent vertritt.
die bekannte sichtweise geht davon aus, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. und dabei bedient man sich ganz bekannter muster. besonders signifikant ist das unsachliche, unterstellende diffamieren der “feindin”.
im nachbarstrang wird gerade darüber diskutiert, wie das in heutzutage mit politikerinnen in der presse praktiziert wird.
aber, herr mueller, sie haben recht, wenn sie feststellen, dass die gebetsmühle behauptungen nicht wahrer macht. und das trifft ja gottsseidank auf viele behauptungen zu. auch auf die auf unkenntnis und ignoranz beruhenden.
@Kugelschreiber:
Das hätte ich gerne mal mit einem Zitat von ihr belegt.
Naja, schuld sind eben immer die anderen. Zur Not bin ich eben einfach zu unbequem, zu konsequent und werde deshalb zum Opfer. Eine sehr bequeme Sichtweise.
Ich denke nicht, dass das was mit Diskreditierung zu tun hat. Auch nicht mit Unbequemheit und Konsequenz, sondern eher mit dieser Eindimensionalität, dem Dogmatismus, der Unfähigkeit auch mal zurückzurudern.
Das habe ich aber nicht festgestellt.
nur um zu klären, worüber wir reden… amoklauf ist ein unterfall von häuslicher gewalt? – ich dachte, wir diskutierten hier über gewalt als strukturelement aktueller deutscher geschlechterverhältnisse…
Nein. Amoklauf ist kein Unterfall von häuslicher Gewalt. Aber auch kein Unterfall von Gewalt gegen Frauen. Und ich werte häusliche Gewalt auch nicht als Strukturelement aktueller deutscher Geschlechterverhältnisse sondern als Strukturelement individueller Familien- und Partnerschaftsverhältnisse. Das ist eine insofern unbequeme Sichtweise, als dass sie impliziert, dass es keine globale Lösung gibt, sondern eben nur einzelne individuelle. Und selbst die sind je nach Fall schwer umsetzbar.
hm, Johannes Mueller Ludwigsburg – das liest sich jetzt aber in meinen ohren so als sei Alice erheblich weiter als du… denn immerhin hat sie doch, sei es nun als ausdruck ihres persönlichen glaubensbekenntnisses oder aber in anwendung der ergebnisse heutiger sozial-, kultur- und geisteswissenschaftlicher forschung versucht, nach diesem einen amoklauf die frage nach gewalt als strukturelement zuzuspitzen. by the way – ich denke, dies auch für frühere neuzeitliche (20.+21.jahdt nZw) amokläufe (in schulen und gerichtsgebäuden) zu tun, wäre nicht verkehrt. was ja nicht ausschließt, dass es auch noch sehr höchstpersönliche anlässe gibt, welche solche gewaltsamen schritte nach außen auslösen. denn: wenn es einfach nur ausdruck individueller familien- und partnerschaftsverhältnisse wäre, dann würden die möglichen gründe doch sehr beliebig. und einer erklärung wären sie – außer in der einzeltherapie – auch nicht mehr zugänglich. das aber wäre, wenn ich es konsequent zu ende denke, grund für einen kollektiven globalen selbstmord. denn dann wären es auch nicht die ballerspiele und die gewalt in der glotze und auch nicht die sog. feminisierung der schule und auch nicht die politik von gender-mainstreaming, sondern dann müssten wir den grund und die begründung darin suchen, dass das hemd bei der ersten selbstgetätigten wäsche eingelaufen war (und ähnliches kaliber). – und globale lösung? ne, so weit möchte ich nicht gehen. es reicht mir völlig, wenn wir uns auf ein in teilen gemeinsames verständnis der hier (BRD mit nen bißchen west-europa drumrum) vorfindlichen gegebenheiten einigen könnten.
1. schritt wäre dann: ein amoklauf ist nicht häusliche gewalt, sondern außerhäusliche. was aber nicht ausschließt, dass die gründe für einen amoklauf auch in inner-häuslicher gewalt liegen (können? müssen?). wozu dann weiter zu fragen wäre, was die inner-häusliche gewalt mit der das haus umgebenden gesellschaft zu tun hat. wäre das ein ansatzpunkt?
@Rahab:
Alice hat …
Eben. Sie tut das, was sie seit 40 Jahren tut: Die Welt mit Männer sind Täter und Frauen Opfer erklären. Und dann darf sie sich nicht wundern, wenn sie darauf reduziert wird. Die Ansätze zur Lernfähigkeit, die sie hier gezeigt hat äußern sich darin, dass sie Tim K. auch einen gewissen Opferstatus zugesteht.
Das meinte ich mit “insofern unbequem”. Gibt halt keine globale oder von mir aus auch “halbkontinentale” Lösung. Alles, was geht ist, den Opfern helfen und die Leute für das Thema ohne jede Polemik so zu sensibilisieren, dass sie als unbeteiligte eher Einschreiten oder auch als Opfer sich besser zu wehren wissen.
Finde ich nicht. Man kann natürlich versuchen jeden Gewaltvorfall auf ein gesellschaftliches Problem zurückzuführen. Aber ich denke, da lügt man sich selbst in die Tasche, weil man sich eben Eingestehen müsste, dass man einen Grund für kollektiven Selbstmord gefunden hat.
Das ist es ja, was die Amokläufe so bedrückend macht. Man kann sie nicht erklären, nicht vorhersagen, sich nicht vor ihnen schützen.
So. Mein letztes Posting für heute …
Macht’s gut.
verbibsch!, was für ne gesprächs-kultur! aber, @ Johannes Mueller, Ludwigsburg, nachdem dir nun klargeworden ist, was Alice gelernt hat, habe ich noch die frage, was du selbst gelernt hast!
der herr mueller macht es sich sehr einfach, “unbequem” sind seine ansichten natürlich für andersdenkende. er selsbt hat sich recht gemütlich darin eingerichtet: das problem ist für ihn einfach nicht vorhanden. falls es doch existiert, dann nur im individuellen rahmen, und der muss uns nicht kümmern. sollte jemand hinter diesen “privaten” problemen eine struktur erkennen, kann das nur ein irrtum einer verwirrten seele sein.
alice schwarzer vertritt und vertrat, das nur, weil er sicher noch mitliest, den sogenannten gleichheitsfeminismus. den kann man natürlich auch als “radikalfeminismus” deklassieren, weil gleichheit mit frauen ein unding wäre.
hallo jj,
dein längeres posting sah ich erst jetzt. werde mal ein bißchen drüber ‘brüten’ und dann antworten. z.b. dazu, ob ‘dem feminismus’ (? welchem?) via dekonstruktion der untersuchungsgegenstand abhanden gekommen sei. und wer wie wann und warum und ob überhaupt zwischen welchen stühlen sitzt.
…aber wer hinter dem Pseudonym rahab stecken könnte, darüber macht sich wohl gar niemand Gedanken. Die Gesprächstaktik macht die Musik…
Gut, warum auch nicht.
Und was Alice Schwarzer anbetrifft- jenseits des feministischen Schlachtfeldes ist aus ihr eine scharfsinnig denkende, klar argumentierende und überaus humorvolle Intellektuelle geworden, das muss, nebst all der Kritik, eben auch mal gesagt werden. Und am Humor, speziell dem feingliedrigen, den man erst auf den zweiten Blick bemerkt; der seine Wirkung auch aus dem nicht gesagten bezieht- nun, genau an diesem Humor fehlt es noch vielen von ihren in dieselbe Kerbe hauenden Geschlechtsgenossinnen…
das, Marcel, nämlich eine “scharfsinnig denkende, klar argumentierende und überaus humorvolle Intellektuelle” war sie schon immer, mehr oder weniger, denn bekanntlich haben auch intellektuelle of all three+x sexes gelgentlich mal einen ‘ausreißer’. nur: was heißt denn “jenseits des feministischen Schlachtfeldes” schon wieder? und humor ist machmal auch das, was in eine andere kerbe haut. ob er ankommt, der humour, hängt wohl auch von der jeweiligen erkenntnisfähigkeit ab… hau!
Da wir uns in diesem Thread bereits schon ziemlich weit vom ursprünglichen Thema- nämlich dem Amoklauf von Winnenden- weg bewegt haben, und bei den (geschlechterspezifischen?) Kausalitäten angekommen sind, glücklicherweise, würde ich den Aspekt der (männlichen) Aggression gerne einmal aus einer anderen Perspektive aufgreifen. Magst Du Peter Sloterdijk? Grundlage hier ist das Unbehagen in der Kultur von Freud- wobei dieses raumgreifende Über-ich des westlichen Kulturkreises von Peter Sloterdijk in “Zorn und Zeit” interessanterweise mit keinem Wort erwähnt wird- ausgerechnet! Ich nehme an, Dir ist der Angelpunkt von Sigmund Freud und seinem “Unbehagen in der Kultur” bekannt (Libido und Todestrieb; der Wiederspruch von Kultur und der Triebhaftigkeit des Menschen im weitesten Sinne also).
Und also sprach… Peter Sloterdijk zu uns: “(…) Kaum treten bei Individuen oder Gruppen “Symptome” wie Stolz, Empörung, Zorn, hoher Selbstbehautungswille und akute Kampfbereitschaft (>vulgo Aggression) auf, nimmt der Parteigänger der Thymos-vergessenen therapeutischen Kultur Zuflucht zu der Vorstellung, diese Leute müssten Opfer eines neurotischen Komplexes sein.”
>Bewegen wir uns nicht schon bereits in einer geistig und materiell übersättigten Kultur mit einem langsam entarteten (wenn nicht sogar entgleisten) Grundbedürfnis nach Harmonie, Gerechtigkeit und Brüderlichkeit, die kaum mehr fähig ist, Aggression zu entwickeln, die konstruktiv ist? Eine Freud’sche Triebabfuhr, die die destruktiven Seiten unserer Natur “entladen” helfen sollte, ist in unserer Kultur doch gar nicht mehr vorgesehen. Das ist wie bei einem Dampfkessel- ohne Ventil geht er irgendwann einmal hoch…
> Wir suchen das Heil in der Vermeidung von Konflikten, anstatt sie offen auszutragen. Alles, was auch nur schon im Entferntesten nach Aggression, Zorn, Kampf und Unfrieden aussieht, wird sofort, sozusagen reflexartig pathologisiert.
>Ist die männliche Natur anfälliger für unkontrolliert ausbrechende, Gewalttätige Affektreaktionen, als die Weibliche? Und wenn ja: Was müsste in unserer zunehmend femininen Konsenskultur geschehen, damit diese urtriebhaften (männlichen) Reflexe sinnvoll abreagiert werden können? Killergames spielen (Ego-Shooter)? Mehr Robinsonspielplätze? Abenteuerferien?
Oben stehender Text natürlich @rahab.
ne, Marcel, Sloterdijk mag ich nicht. aber vielleicht sollte ich den auch mal lesen (wenn ich alles andere, was ich gerade so lesen muß, durch habe). allerdings nur unter der vorausetzung, dass du mir erklären kannst, was er mit “Natur” meint. verständlich, nachvollziehbar und so einleuchtend, dass ich am ende davon überzeugt bin, dass es eine männliche natur wirklich gibt. – oder ist das da, was du aus Sloterdijk raus bzw. in ihn hineingelesen hast? das wäre wohl mal als erstes zu klären. und danach können wir ja versuchen, ob so oder so das alles zum verständnis/zur erklärung dessen weiterhilft, was da in Winnenden passiert ist, zum einen, und zum anderen, was in den erklärungen zu Winnenden passiert ist. das gehört, denke ich, getrennt.
also mal ganz dahin gestellt, wie klug oder zutreffend der artikel von alice schwarzer sein mag,-es gab durchaus berichterstattung( zumindestüber im rems-murr kreis)über den vermutlichen grund, weswegen in den klassenzimmern,überwiegend schülerinen getötet wurden-
dies hat sich offensichtlich aus der sitzordnung ergeben.
die klassenzimmertüre war an der “rückwand” des zimmers, die hinterste reihe mit mädchen besetzt.
der täter hat laut aussage der sich mit im klassenzimmer befind. schüler
wahllos geballert.
ein schüler wurde ebenfalls getötet. alle opfer außerhalb der schule waren
mänlich…
@ rahab: Nur eine Frage- bevor ich auf Deine Fragen einzugehen versuche: Magst Du Elvis?
@Rahab: Keine Sorge Rahab. Ich habe in den letzten Jahren einiges gelernt und öfters meine Meinung an neue Erkenntnisse und für mich neue Argumente angepasst. Ist ja auch ein Grund für mich, hier mitzudiskutieren, dass ich hier immer mal wieder auf für mich neue Meinungen und Argumente stoße, die es mir erlauben meine eigene Meinung weiterzubilden.
@Kugelschreiber: Interessant, wie du hier meine Gedanken in irgendeine Richtung weiterdenkst und das Ergebnis versuchst als meine Gedanken zu verkaufen.
Ich tue mir schwer damit, den Feminismus von Alice als “Gleichheitsfeminismus” zu werten. Einfach deshalb, weil er so total frauenfokussiert ist. Männer kommen da nur als Täter vor. Ihre spezifischen und auch individuellen Bedürfnisse und Wünsche spielen absolut keine Rolle und werden sogar teils explizit als schädlich und gefährlich gewertet, während die Bedürfnisse von Frauen immer schützenswert sind. Das ist für mich kein Gleichheitsfeminismus, sondern Radikalfeminismus.
Beim Gleichheitsfeminismus spielen Männer und Frauen eine gleich wichtige Rolle. Keines der Geschlechter wird als das schützenswertere erachtet. Das gelingt der Mädchenmannschaft ganz gut, das umzusetzen. Nochmal meine Anerkennung dafür.
@Marcel: gelegentlich ja. gelegentlich mag ich auch Georges Brassens und Arik Einstein und Ofra Haza, wie ich gelegentlich auch Pachelbel und Albinoni nicht abgeneigt bin, was aber nicht ausschließt, dass mir nicht auch gelegentlich Claire Waldoff durch den kopf summt…
@Johannes Mueller, Ludwigsburg: so wie ich es sehe, hat Alice den gedanken von “geschlecht als kategorie” des wissens, der analyse und der alltagsdeutung aufgenommen und die immer noch sehr üblichen deutungen für männliche gewalt mal “gegen den strich” gebürstet. dabei kamen bei ihr männers, vor allem junge, als “opfer” vor. als “opfer” von geschlechterverhältnissen, und zwar der geschlechterverhältnisse, wie sie hierzulande vorzufinden sind.
das ist ein vorgehen, das in solch ‘alltagskram’ wie kriminalität noch relativ un-eingeübt ist. deshalb sieht es vielleicht auch “radikal-feministisch” aus. ist es aber mitnichten. sondern einfach nur eine in den wissenschaften zunehmend üblicher werdende vorgehensweise. dies mal angewandt in journalismus/feuilleton.
das liest sich vielleicht für den einen oder die andere ungewohnt. für andere weniger. weshalb ihr dafür, sagen wir auf einem soziolog_innenkongress zu/über geschlechterverhältnisse, womöglich kritisch entgegengehalten worden wäre (zu halten wäre) , der ansatz sei zwar ok, aber die ausführung ließe noch da und da zu wünschen übrig.
so sehe ich den artikel und was daran diskussionswürdig ist.
“Ich tue mir schwer damit, den Feminismus von Alice als “Gleichheitsfeminismus” zu werten. Einfach deshalb, weil er so total frauenfokussiert ist. Männer kommen da nur als Täter vor. Ihre spezifischen und auch individuellen Bedürfnisse und Wünsche spielen absolut keine Rolle und werden sogar teils explizit als schädlich und gefährlich gewertet, während die Bedürfnisse von Frauen immer schützenswert sind. Das ist für mich kein Gleichheitsfeminismus, sondern Radikalfeminismus.”
herr mueller, ich attestiere ihnen ungern unkenntnis, das würde gegen die netiquette verstoßen. allerdings sprechen ihre einlassung dafür, dass sie die über alice schwarzer sehr wenig wissen, und dass das, was sie “wissen”, vermutlich aus 2. hand stammt(ischt).
der feminismus von schwarzer ist menschenfocussiert. und es ist einfach eine propagandistische unterstellung, zu behaupten, männer kämen nur als täter vor. genau das gegenteil ist der fall. schwarzer sieht den mann sehr wohl auch als opfer. z.b. als opfer der gesellschaftlichen erwartungen an das konstrukt “mann”, die männer einschränken, verunsichern, entfremden und frustrieren.
der gleichheitsfeminismus strebt das partnerschaftliche miteinander der geschlechter an. männer und frauen sollen die möglichkeiten bekommen, alle aspekte ihrer persönlichkeiten zu entwickeln und die starren regeln der rollenstereotype überwinden können. dass wünsche & bedürfnisse von männern “schädlich und gefährlich” wären, hab ich noch nie von frau schwarzer gehört. und sie, herr mueller, wollen mir doch jetzt nicht ersthaft verkaufen, dass vergewaltigen oder meinetwegen amoklaufen respektable wünsche und bedürfnisse von männern sind, oder?
ich würde ihnen als nahelegen, lassen sie ihre platten vorurteile beiseite und beschäftigen sie sich ernsthaft und inhaltlich mit schwarzer. dann können sie über gleichheitsfeminismus mitreden. eine vorstellung davon haben sie ja bereits:
“Beim Gleichheitsfeminismus spielen Männer und Frauen eine gleich wichtige Rolle.”
frau schwarzer weiß sehr genau, dass es keinen feminismus ohne männer geben kann.
@Kugelschreiber:
Ich erinnere an die PorNO-Kampagne.
Es ist einfach so, das Alice mit dem, was ich so von ihr gehört und gelesen habe (wohl gemerkt von ihr, nicht über sie), mich nicht dazu animiert, mich weitergehend mit ihr zu beschäftigen. Dass Alice irgendwo die Männer als Opfer sieht, habe ich noch nie gehört außer in dem hier diskutierten Artikel. Ich warte immernoch auf ein entsprechendes Zitat.
@ rahab: Bitte noch etwas Geduld mit meiner Antwort zu Sloterdijk (s. mein letztes Post).
Keine Sorge, ich komm wieder…
@rahab: Und jetzt kommen wir zu Sloterdijk (obwohl ich das Buch nicht dabei habe, das bereits erw. Zitat muss also reichen, leider). Sloterdijk unterscheidet in Zorn und Zeit nicht explizit zwischen männlich und weiblich- aber er beschreibt praktisch ausschliesslich männli-che Thymos-Exponenten (v. a. Marx). Weibliche kommen, soweit ich mich erinnern kann, gar nicht vor- und er geht da zurück bis in die griechische Antike, spannt einen Bogen quer durch die Kulturgeschichte und verweilt dann ein ganzes Weilchen beim guten alten Karl und der Oktoberrevolution, nimmt Mao unter Feuer und skizziert zum Schluss noch einen Kapitalis-mus, der in Zukunft zum grössten Feind seiner selbst werden wird (womit er eindeutig recht gehabt hat). Im Zentrum steht Thymos (oder im weitesten Sinne der Freud’sche Todestrieb, den er, wie gesagt, mit keinem Wort erwähnt). Ob Sloterdijk damit implizieren will, dass Thy-mos (oder in seiner Interpretation der Zorn) ein typisch männliches Seelenmerkmal ist, er-schliesst sich dem Leser nicht. Dieser Rückschluss wäre aber m. E. vielleicht zulässig.
Männlich? Weiblich? Gestern war ich mit meiner Tochter Minigolf spielen. Sie liebt das über alle Massen. Gut, da in der Anlage gab es auch ein paar Tiere (mal den zoologischen De-terminismus beiziehen, wie das der ungarische Ökonom Karl Polanyi [The Great Transfor-mation] einmal spöttisch bezeichnet hat- also Dr. Grzimek, remember? ;-). Und vorab noch einmal das Zitat von Markus Werner: „Die Frauen sind nur an den äusserer Erscheinungs-formen der männlichen Macht interessiert.“ Interessiert es sie den gar nicht, was einen Mann in seinem Innersten (bewusst oder unbewusst antreiben könnte?
Da waren Pfauen. Der Pfauenhahn der stolze, bewegte sich als einziger ausserhalb des für Pfauen vorgesehenen Geheges. Die Anlage ist voller Menschen. Hinter mir eine Grossfami-lie mit zahlreichen Verwandten, Bahn für Bahn- jedes Mal geduldig wartend, bis wir jeweils fertig waren- und das Alphamännchen, unschwer am Habitus zu erkennen (gepflegt, Sonn-tagsstaat), immer voraus, die Kinder (zahlreiche) meistens knapp hinter oder vor ihm, der Rest der Familie zumeist hinter ihm. Der Pfau schlägt völlig unvermittelt ein Rad, prachtvoll, das Alphamännchen hinter mir dokumentiert diese Akt seinen Kindern, „oh, schau mal, der schöne Schwanz, jaja, der Schwanz, der ist viel grösser, als bei den Weibchen da hinten“, sagt er halblaut zu seinen Kindern- er scheint übrigens überhaupt alles zu dokumentieren- „hm, die Weibchen, die haben ganz kleine Schwänze, seht ihr. So braune…“ Mhm. Eine Bö zieht plötzlich über’s Land und bringt den Pfau fast zum Kippen, er muss sich, immobil wie er ist mit seinem Riesenrad da, der Windrichtung anpassen, sonst haut’s ihn womöglich noch samt (und vor allem wegen dem) Rad gegen die Stallwand. Er schafft’s und zieht das Rad nach einer Weile wieder ein. Geschlagen hat er’s ausserhalb der Sichtweite der Weibchen, einfach so, weil er… nicht anders konnte vieleicht? Weil ihm das seine Natur von ihm abver-langt? Weil er von ihr getrieben wird? Weil er ein Getriebener ist?
Ein anderer Vogel, auch ein ganz bemerkenswerter (Namen vergessen): Es ist Balzzeit und das Männchen, wie immer, balzt was das Zeug hält- aber anders als seine Artgenossen. Dieser Vogel da ist nicht speziell bunt- aber dafür baut er (in vorauseilenden Gehorsam?) bereits ein Nest hoch oben in einem Baum, daran arbeitet er wochenlang! Dann wartet er demonstrativ und gut sichtbar auf dem Boden (wo’s gefährlich ist, speziell in Afrika, wie all-gemein bekannt) und gibt dann doch allerhand Töne von sich- wenn’s mir recht ist, tanzt er sogar noch dazu. Dann kommt ein Weibchen. Balz. Später: Wohnungsbesichtigung. Er war-tet geduldig draussen. Und jetzt der Hammer: Passt dem Weibchen das Nest nicht, zerrupft es dieses augenblicklich in tausend Stücke, bis nichts mehr von ihm übrig bleibt!! Und das Männchen steht Fassungslos, so würde man als Mensch gerne meinen, daneben und lässt das Weibchen walten! Um sich anschliessend, wenn die Aktion vorüber- und besagtes Weibchen längst von Dannen ist, gleich an den Bau des nächsten Nestes für das nächste Weibchen zu machen.
Am Anfang war das Feuer, hiess einmal ein Film. Und ich glaube eben, dass von allem Anfang an das (strenge) weibliche Selektionsverhalten steht (Arterhaltung, nur der Stärkste überlebt und wird „erwählt“). Das Männchen weiss das; ALLE Männchen wissen das…
Vielleicht sind wir Männer ja Getriebene… nicht unschuldig zwar, aber doch getrieben von einem einzigen Gedanken (oder einem Urwillen; einem Urtrieb tief in uns drinnen)..!
Und manchmal erwachsen (aus der Abweisung) eben furchtbare Früchte… des Zornes, des Hasses, der Enttäuschung… was weiss ich.
Gut, das war’s erst mal.
auch ich, @Marcel, bin grad eine “getriebene”. nach Dahlem treibts mich. aber ich druck es mir aus und werde es bebrüten. so zwischen Emar und Hebron und Genesis und Josua. denn: das schreiben und denken und begriffe bilden reicht etwas weiter zurück als gerade bis zu den ollen griechen… und, so viel muß noch geschrieben sein, bevor ich mal wieder den bus verpasse… im alten orient (und lange darüber hinaus auch noch) war ja das ‘weibliche’ in den erscheinungsformen von knospe-blühen, reife, ernte-vergehen recht präsent, und das auch nie ohne ‘männliches’, wie die geschichten um hierogamos zeigen. das merkwürdige ist, dass es zum verschwinden gebracht wurde…obwohl es sogar(!) noch in der guten alten bibel drinsteht…
so dass meine frage an Sloterdijk wäre, warum er gerade diese auswahl trifft?
@ Dahlem liegt ja in der Nähe von Köln, nicht wahr..?
@ rahab natürlich da oben.
@Marcel – Dahlem liegt eher nicht in der nähe von … sondern in Berlin. FU. wo ich jetzt grad wieder herkomme und erst mal noch sortieren muß zwischen völkertafel in genesis und zoo in Jerusalem bei Yehoshua…
interesse an den äußeren erscheinungsformen der macht, männliches – und das auch noch ‘nur’? – ich denke, da irrt der gute. allerdings scheint der irrtum weitverbreitet, dass es so sei. – andersrum: die frage an die jungs, was ihnen der ganze zinnober bringe, der äußerliche, kontern sie gern mit der vermutung, frau wolle sie ja nur nackig machen und das sei unlauter. und danach kommt dann zumeist irgendwas über natur. die mir aber eher die äußere zu sein scheint. das farbenprächtige rad oder das schwere heben wird dann mit natur, innerer, verwechselt. fürchte ich.
und macht? – hängt am ende nicht vom farbenprächtig geschlagenen rad ab…
@rahab: “Die frage an die jungs, was ihnen der ganze zinnober bringe, der äußerliche, kontern sie gern mit der vermutung, frau wolle sie ja nur nackig machen und das sei unlauter.”
So schlägt Mann das Rad (oder wechselt es zumindest aus, am Wagen). Nein, im ernst: Das eine hat mit dem anderen in dieser Form nix zu tun: Mit dem nackig sein verhält es sich vielmehr umgekehrt. Zum Beispiel: Mercedes 600 SLC = Telefonnummernbeschleiniger.
“Das farbenprächtige rad oder das schwere heben wird dann mit natur, innerer, verwechselt. fürchte ich.”
Das IST die Natur, die innere, versteht sich.
“und macht? – hängt am ende nicht vom farbenprächtig geschlagenen rad ab…”
Keinenfalls: Das Rad (auch das am 600er) hat lediglich Symbolcharakter. Dahinter verbirgt sich häufig völlige Machtlosigkeit. Wahnhaft manchmal.
wie jetzt @Marcel – mehr ist da nicht drin? dann stellt sich doch gleich nocmals die frage, was der ganze zinnober soll! vielleicht hat da ja wer fetisch/warencharakter mit symbol verwechselt?
so könnte es auch dem freund mit dem teuren eigenheim gegangen sein. viel geld für umbaute luft.
“wie jetzt @Marcel – mehr ist da nicht drin?”
Zitat Freud. “Manchmal ist ein Veilchen nur ein Veilchen.”
Nein, ich muss Dich enttäuschen- in der überwiegenden Anzahl der Fälle fährt man mit dem 600er gut (habe ich gehört). In einer durch und durch materialisierten Gegenwart geniessen solche ollen Symbole offenbar einen hohen, zugegebenermassen fetischartigen Stellenwert.
“so könnte es auch dem freund mit dem teuren eigenheim gegangen sein. viel geld für umbaute luft.”
Der ist schon lange unter der Haube- wenn der sowas jetzt noch nötig hätte- das wär’ ja ganz armselig. Muss ihn mal fragen diesen Donnerstag bei unserem nächsten Quartalsbesäufnis (bevor ich dann am nächsten Tag in Zürich Pflasterschteine aus dem Boden buddle und gegen den Kapitalismus schleudere- oder zumindest das, was ich dafür halte ;-)
oh @Marcel, ich hab mir sagen lassen, dass das nix mit bereits unter der haube sein zu tun haben muß… sondern damit, dass das veilchen aus daffke kein veilchen sein mag
Hm, kleine Protzereien also sollen das sein, Rahab.
Ich bin ja in derselben Gegend aufgewachsen- einfach in tieferen Lagen, im Dorf unten, beim einfachen Volk; dem lokalen Industrieproletariat also. Die da oben im Hang, haben wir jeweils gesagt, jaja, die…
Im Grossraum Zürich sind die Immobilienpreise seit ein paar Jahren (>seit Einführung der Personenfreizügigkeit, Ausweitung des Arbeitsmarktes auf die EU) förmlich explodiert. Für gewisse Familien ist das Leben sehr teuer geworden hier am Zürichsee. Entsprechend hoch sind die Mietzinsen- selbst die letzten, gammligen Löcher werden noch zu Höchstpreisen vermietet. “Billiger” wird es nur noch, wenn man kauft (bei den niedrigen Zinsen), wie er sagt.
kleine protzereien? – damit kommen wir vielleicht zu Alice’ artikel zurck, Marcel.
kann es sein, dass über solch “kleinen protzereien”, solchen äußerlichen attributen von ansehen, dazugehören, wer-zu-sein, macht-fantasien eher als wirklich macht, wenn sie von anderen als gewalt erfahren werden, reaktionen entstehen, für die womöglich “amok-lauf” das falsche wort ist?
@Rahab: “kann es sein, dass über solch “kleinen protzereien”, solchen äußerlichen attributen von ansehen, dazugehören, wer-zu-sein, macht-fantasien eher als wirklich macht, wenn sie von anderen als gewalt erfahren werden, reaktionen entstehen, für die womöglich “amok-lauf” das falsche wort ist?”
Ich steige nicht ganz durch- ahne aber etwas: Könntest Du mir diesen Gedanken bitte neu formulieren (evtl. nicht in Form eines Schachtelsatzes)?
Danke
war etwas verschachtelt. stimmt.
also, das ging mir danach so durch den kopf, vielleicht kommt mehr dabei raus, wenn wir mal versuchen, folgendes zu denken:
nicht der vater, sondern die mutter war der sportschütze/die sportschützin, hatte mehr als eine knarre im haus (davon wirklich eine im schlafzimmer? – oho!) und alles andere auch so … und dann zieht eines tages der sohne-matz los und … wie wäre es, wenn es nicht der sohne-matz sondern die tochter-mätzin wäre? mit welchen deutungsmustern würde gearbeitet? welche deutungsmuster kämen in den verschiedenen alternativen zur anwendung – oder explizit nicht oder scheinbar deshalb nicht, weil es so abwegig scheint? so, in der richtung, sollte man mal versuchen, das aufzudröseln, was Alice in ihrem artikel gemacht hat/die anderen nicht gemacht haben. worüber geredet wird/werden soll? oder was beschwiegen wird.
so – und nun muß ich los!
@Rahab: Bevor ich auf den Zinnober zu sprechen komme, noch etwas zur Auflockerung- V8-getriebene US-(Macht)Symbolik aus einer anderen Zeit, spielerisch eingesetzt von Quentin Tarantino (Death Proof):
http://www.youtube.com/watch?v=vPCgC_Hpr40&feature=related
Man = 1969er Doge Charge, Women = 1970er Dodge Challenger
Letzthin hat mich eine Frau aus der Generation der Betreiberinnen dieses Blogs hier mit einem 1968er Fastback Mustang 390 GT überholt… Bullitgrün métalic wie seinerzeit Steve Mc Queen im Film!!! Siehe hier:
http://www.youtube.com/watch?v=Z-7IEPTAoTg&feature=fvst
Hat perfekt gepasst: Frauen können das auch ganz gut! Da bleibt mir, mit Verlaub, die Spucke weg: Geil!!!!
Gut, zum anderen werde ich Dir noch antworten. Tarantino mag ich übrigens nicht besonders- und Du?
“nicht der vater, sondern die mutter war der sportschütze/die sportschützin, hatte mehr als eine knarre im haus (davon wirklich eine im schlafzimmer? – oho!) und alles andere auch so”
Ich kenne genau eine Frau, die schiesst- im allgemeinen 9mm Para. Sie schiesst gut. An einem Schiessstand haben 10 Personen Platz: Am Tag eins schiessen zehn Mann. Am Tag zwo sind’s acht Mann (zwei Plätze leer). Am Tag drei muss einer hinten anstehen und warten, bis die vorderen zehn alle Munition draussen haben, dann darf er auch (macht elf Mann auf verfügbaren zehn Plätzen). Nun nehmen wir den Durchschnittswert und multiplizieren ihn mit zehn Tagen, der Einfachheit halber. Am vierzehnten Tag betritt eine Frau den Schiessstand. Die Anzahl der männlichen Schützen ist unergeblich. Die folgenden zehn tage geht’s wieder so weiter, wie während der ersten drei.
In der Armee (ein leidiges Thema) leisten Frauen Waffenlosen Dienst. Entsprechend wenige melden sich zum Dienst. Und nun Schnitt: Nochmals zurück zum Schiesstand: Eine Frau innerhalb von 23 Tagen. Das ist nicht schlecht geschätzt, ich weiss, von was ich spreche.
Und jetzt ;-) ?
Zweiter Komment auch @Rahab versteht sich.
@Marcel
ich kenne … na ja, vielleicht doch… nämlich u.a. die professorin, bei der ich rabbinische literatur lerne. aber darum geht es nicht. sondern darum, hinter die vorstellungen etc zu kommen, die anläßlich dieses falles zu diskutieren opportun bzw. in-opportun erscheint/erschien.
deshalb: wieso läßt du dich nicht einfach auf die von mir anskizzierten vorstellungen ein und fragst dann, wie es gesehen, erlebt und kommentiert worden wäre oder hätte werden können, wenn es ein Winnenden mit einer sportschießenden mama im hintergrund gegeben hätte (etc)? sondern schreibst mir irgendetwas über rechnerisch erscheinende möglichkeiten, an einem schießstand zu einem schuß zu kommen? – ist das so schwierig? abwegig? unvorstellbar?
@Rahab: Ein Amok-laufendes Mädchen ist z. Z. undenkbar- das war eigentlich das Ziel meines Textes. Da eine Hypothese aufzustellen, fällt mir ausgesprochen schwer. In unserer Kultur zumindest ist das nahezu völlig undenkbar. Einzig Selbstmordattentäterinnen im Nahen Osten fallen mir hierzu ein. Die Medien berichten auch vermehrt darüber. Das wäre vieleicht noch ein ganz interessanter Untersuchungsgegenstand. Wobei ich mich immer schwer damit tue, Beispiele aus anderen Kulturkreisen zur Rate zu ziehen, um dann daraus irgend etwas abzuleiten, was sich auch in der westlichen Superzivilisation (den Begriff habe ich aus einer Kafka-Ausstellung in Bratislava) festmachen lässt.
Ob aus dem Phänomen Amok allzuviel herausgepresst werden kann, was auf gesellschaftliche Tendenzen schliessen lässt, wage ich zu bezweifeln- mit viel Rückenwind ja: Amokläufe sind schlussendlich dermassen selten- in keiner Kriminalstatistik werden sie gesondert erfasst- dass hier bestenfalls von Einzelfällen gesprochen werden kann. Natürlich hat Emma einen Fast-Amokläufer interviewt: Doch ich bin vieleicht etwas näher an der Sache dran- in meinen 17 Jahren Berufserfahrung habe ich noch mit keinem einzigen Amokläufer zu tun gehabt- aber dafür mit allen anderen Formen der Gewalt.
Ausser Du willst Amok als Metapher einsetzen. Das ist natürlich etwas anderes.
vielleicht nicht gerade als metapher, Marcel – aber ich bezweifle, dass der begriff amok auf das, was da geschieht, paßt. vielleicht wäre es besser/weiterführender, es als einen homicid zu bezeichnen, und zwar einen anonym scheinenden.
wobei dann natürlich auch interessant wird, warum etwas, was vielleicht garkein amok ist, hier so bezeichnet wird. also weshalb eine begriffliche anleihe in/aus einem anderen ‘kulturkreis’ vorgenommen wird.
“aber ich bezweifle, dass der begriff amok auf das, was da geschieht, paßt.”
Alltagssprachlich, Rahab, gibt es dazu vorerst keine Alternative. Ein Amokläufer multipliziert einfach die Anzahl seiner Opfer- ich nehme an, das ist es, was Du meinst.
Ich bin gespannt auf die Untersuchungsergebnisse.
gibt es nicht, Marcel?
darüber wäre nachzudenken…
vielleicht sollten wir das geschehen dann wenigsten solange “amoklauf western style” nennen, bis uns etwas zutreffenderes eingefallen ist.
@Rahab: Zu meiner These des getriebenen Männchens (Pfau, bzw. Sexhunderter Mercedes u.a.) habe ich heute einen beinharten Artikel im Tages Anzeiger gefunden- dessen Quintessenz (Biologismus?) ich Dir nicht vorenthalten will (Auszugsweise):
“Das absurde Wettrüsten im Tierreich” (Titel Frontpage) / “Die auffälligsten Waffen töten nicht” (Titel Seite 41)
“(…) Ob Käfer, Dino oder Hirsch- die hochgerüsteten Männchen kämpfen immer um das Gleiche: Frauen und Nahrung”
“(…) Das Tierreich ist voller Geschichten, in denen sich Rivalen bis aufs Blut bekämpfen. Entsprechend ausgefeilte Waffen hat die Evolution hervorgebracht. Vom zwei meter langen Horn der Riesenrhinozerosses oder dem Morgensternähnlichen Schwanz (!) des Glyptodon bis zum Rosenkäfer Thedosia viridiaurata, dessen Kopf einer gigantischen Zange gleicht (…) Auch die Winkelkrabbe hat gewaltig aufgerüstet. Ihre ABSURD GROSSE SCHERE kann die Hälfte des Körpergewichts ausmachen (!). Verfeindete Männchen kämpfen damit, bis eines aufgiebt. Nicht selten steht der Verlierer ohne Shere da. Das hat Folgen (>Amok, wenn’s ein Mensch wäre?). Schliesslich fühlen sich die Weibchen zu den typen mit der grössten Schere hingezogen.
“(…) Die auffälligsten Waffen verursachen beim Gegner meist die geringsten Verletzungen (…) Im Tierreich bestünde deshalb ein Trend zu immer grösseren Waffen mit Signalwirkung.”
“Wobei es Männchen auch mit List und OHNE WAFFENGEWALT zu etwas bringen können. Die männlichen Mistkäfer beispielsweise kommen in zwei Ausführungen daher: Machos und Schwächlinge. Die Machos tragen lange Hörner auf ihrem Panzer. Mit denen bewachen sie “ihre” Weibchen, die in Höhlen leben. Die Schwächlinge dagegn sind hornlos (>ohne Mercedes) und von geringer Gestalt. Sie erschelichen sich den Zugang zu den Weibchen. Während die Machos am Höhleneingang stehen, graben sich die Schwächlinge einen Seitentunnel (!!), um sich heimlich mit dem Weibschen zu paaren (>der Gehörnte hockt ja schliesslich draussen;-). Ein pikantes Detail: Die Schwächlinge haben im Vergleich grössere Hoden und auch fittere Spermien.”
Soviel “Biologismus” mag abtörnen- wir Menschen unterscheiden uns ja schliesslich durch zahlreiche Eigenschaften, die das “Tier” nicht kennt…
“Am Anfang war das Feuer, hiess einmal ein Film. Und ich glaube eben, dass von allem Anfang an das (strenge) weibliche Selektionsverhalten steht (Arterhaltung, nur der Stärkste überlebt und wird „erwählt“). Das Männchen weiss das; ALLE Männchen wissen das…”
Solltest Du da in Berlin irgendwie an einen schweizer Tages Anzeiger von heute kommen- nur schon der Illustrationen zum zitierten Artikel wegen ist die heutige Ausgabe empfehlenswert!
Marcel – mal gucken, ob ich einen finde. ich gucke gern mal bilder …
das andere ist aber das verständnis von evolution oder die frage, wie was wohin übertragen wird. also beispielsweise “machos” und “schwächlinge” auf mistkäfer. könnte doch sein, dass die mistkäfer das ganz anders sehen und bewerten. oder?
Um nochmal zum Thema zu kommen: sehr interessant fand ich die Analyse von Luise Pusch zu dem Thema (ab dem Eintrag vom 13.3.)
http://www.fembio.org/biographie.php/frau/blog
Diese wurden nicht von Alice Schwarzer geschrieben, sodass sich vielleicht der Beißreflex in Grenzen halten könnte?
Nachdem ich mir hier alle Kommentare durchgelesen habe, möchte ich noch sagen, dass ich Spekulationen, wer wohl hinter welchem Pseudonym stehen mag, ziemlich merkwürdig finde – war das so gemeint, hier schreibt Alice Schwarzer selbst? Warum erscheint es merkwürdig, dass noch mehr Menschen ihre Auffassungen teilen?
Vergleiche mit der Tierwelt sind meiner Meinung nach immer so richtig unnötig. Das sagt ja nun mal gar nichts über menschliche Verhältnisse aus und ist ebenfalls oftmals geprägt von den (Wunsch-)Vorstellungen der untersuchenden WissenschaftlerInnen oder zumindest berichtenden JournalistInnen.
Mich animiert ein Mercedes 600 SL (?) eher dazu, ihn anzuspucken als den Besitzer nach seiner Telefonnummer zu fragen. Also wäre ich keine gute weibliche Winkelkrabbe?!? So what?
@Rahab: Ja, die Mistkäfer, die sind wirklich interessant! Da gibt’s im fernen Afrika noch eine Antilopenart (Namen vergessen), die kommt in zwei sozialen Formationen daher:
a) Eine Horde Weibchen und ein Männchen
b) Eine Horde Männchen ohne Weibchen
Und jetza kummt’s: Horde a) wird vom Männchen beschützt, das im festen Glauben lebt, das seien jetzt alles “seine” Weibchen. Dieses Männchen ist permanent beschäftigt; ständig auf Achse. Horde b) besteht, wie schon gesagt, aus einem losen Verband wild vagabundierender Männchen. Und die machen sich regelmäsig einen Sport daraus, eine Horde vom Typus a) mit einem ganz bestimmten Ziel (Weibchen) anzugreifen, was folgendermassen abläuft: Ein Männchen von Horde b) lenkt das Alpha-Männchen von Horde a) ab und lockt es von seiner Weibchenhorde weg. Natürlich schäumt das Alpha-Männchen bereits schon vom ersten Augenblick an- und macht buchtäblich alles, was der wild vagabundierene Lockvogel von ihm verlangt: Es entfernt sich zusehends von seinem Macht- und Einflussbereich und ist natürlich auf Kampf aus.
Und jetzt rate mal, was die anderen, jungen Wilden währenddessen machen..? Die warten natürlich nur darauf, dass das Alpha-Männchen ausser Sichtweite ist, dann…
Nach getaner Arbeit kehren die jeweiligen Männchen wieder in ihre ursprünglichen Formationen zurück (Horde a und b) und ziehen Seelenruhig von dannen.
@Lucy: “Mich animiert ein Mercedes 600 SL (?) eher dazu, ihn anzuspucken als den Besitzer nach seiner Telefonnummer zu fragen. Also wäre ich keine gute weibliche Winkelkrabbe?!? So what?”
Wir leben ja in einer pluralistischen Gesellschaft- so what?
Lucy: Danke für den Link.
Jetzt kann ich mir sicher sein, dass ich mir bei solcher Rhetorik auch dann die Galle hoch kommt, wenn sich jemand anders als Alice Schwarzer ihrer bedient.
Wenn du jetzt noch einen Mann zitieren könntest, der sowas über Frauen von sich gibt, könnte ich sogar meine These überprüfen, dass ich diese Rhetorik auch bei Männern und auch, wenn sie sich gegen Frauen richtet, Scheiße finde.
@Matze: Genauso kam auch mir die Galle hoch, bei diesem Link.
Programmatisch ist da noch ein heiliges Wort dafür.
Dogmatisch und völlig verbaut käme der Sache wesentlich näher.
Einfach rückständig und aus der Steinzeit- da waren die Suffragetten geradezu human dagegen- und die waren dann gesellschaftlich wirklich notwendig!
das stichwort, Marcel, dem nachzugehen sich lohnt, lautet: “female bonds”. das sieht erst mal nach entgegensetzung aus. eröffnet auf jeden fall andere, mehr-dimensionale, sichtweisen auf das leben des auf der erde außer den hominiden vorfindlichen getiers.
@Rahab: Isch guet- unter Bonds verstehe ich sonst nämlich Staatsanleihen…
P.S. Mir geht es oben in meinem Tierwaffenkampftext vom Tages Anzeiger etwa gar nicht darum, den “Biologismus” übers zoologische Hintertürchen wieder salonfähig zu machen.
Ganz und gar nicht sogar, das möchte ich also betont haben.
@Lucy: Auch von mir Danke für den Link. Zeigt sehr schön, dass es auch andere Feministinnen außer Alice gibt, die lernresistent sind. Ich denke nicht, dass es sich lohnt, da genauer drauf einzugehen. Oder was meint Ihr?
ach wat, janz im jejenteil! bis hin dazu, dass bei Luise Pusch humor gelernt werden kann. sprach- und sonstig spielerischer.
sag Marcel, eine frage geht mir durch den kopf, vielleicht hast du eine antwort für mich.
wozu brauchen die frauen-antilopen eigentlich diesen einen antilop? könnte es sein, dass sie finden: der stört nicht weiter und im bedarfsfall haben sie gleich einen, welcher den (alpha-)affen macht?
@Rahab: Das habe ich mich auch schon gefragt. Vieleicht um die wilden, bösen Tiere zu vertreiben, die vielen, vielen…
Aber eins weiss ich mit Bestimmtheit: Dieser Cornutto, das wär’ nicht mein Ding…
aber Marcel! wieso denn nicht? der ist doch wichtig! und hat eine ehrenvolle aufgabe! und ganz viele frauen auf einem haufen! und wenn er mal ne pause braucht, dann findet er doch bestimmt auch nen anderen als urlaubsvertretung..
Cornutto? Der muss ja einen Kopf aus Stahl haben- oder zumindest eine Stahlplatte oben- wie Beuys ;-)
Um den jährlich und wahrscheinlich mehrfach nachwachsenden Zwölfender, der ja immer grösser wird, bei jedem Mal, wahrscheinlich, überhaupt tragen zu können!
Abendessen- en guete!
warum nicht cornutto? der zwölfender wächst ganz ohne pharmazie, touristen auf safari nehmen ihn als foto (zwölfender gegen untergehende sonne) mit nach hause, die kleinen böckchen beäugen ihn aus respektvoller entfernung … den fragt keine, ob er mal den müll runterbringt!
@Rahab: Wie artikuliert man eigentlich lautes Loslachen im Internet? Hahaha? Oder: Haaaaaaahahahaaaaaaaaa! Oder selbiges mit Stern (*) vorn und hinten? Ohne Stern? Oder so: Haaaaaaahahahaaaaaaaaa! *aufdieschenkelklopf*
Du hast Humor, bist intelligent & gebildet! Sehr schön, Konversation zu führen mit Dir!
Ick bin übrigens och n’ bisschen ain Böhrliner- oder wie sagte Kennedy damals?
Ich denke, wir setzen unsere Java Applet- und HTTP-Internet-Protokoll-gestützten Gespräche fort. Sind so schön vielschichtig!
Macht echt Spass & ist ein Zugewinn an Denkqualität!
Schönen Abend!
hats gemundet, Marcel?
bevor wir hier weiter bei den antilopen und hirchkäfern herummenscheln … zurück zum thema führt uns der nachstehende kommentar (aus dem thread zum schwarzer-artikel in der zeit). der lautet so:
<>
ich hätte ihn vermutlich genauso zur kleinen geschichte der misogynie packen können. denn dieser kommentar ist jenseits eines vielleicht verunglückten witzes auf kosten von frauen.
ich denke, er läßt sich ohne weiteres als bestätigung dafür lesen, dass an der diagnose: frauenhaß mehr dran ist als pure spekulation. ein grund mehr, nicht nur die verhältnisse auszuloten, die solch eine form des erweiterten suizids hervorbringen, sondern auch das, was sie hervorbringt/hervorgebracht hat und danach strebt, sie aufrecht zu erhalten.
denn: hätte ich söhne (hab ich nicht, ich habe töchter, aber: hätte ich söhne), ich würde mich allmählich sehr verzweifelt fragen, wie ich diese meine söhne vor solchem ‘gift’ schützen könnte. vor solch einem ‘vorbild’ von “jetzt sag ich ihr mal die meinung”. vor solch einem pandoras-box-syndrom. und das nicht zuletzt, um ihnen (also den söhnen) dabei zu helfen, den respekt vor allen menschen zu bewahren.
ich weiß übrigens nicht, ob den kommentar ein mann geschrieben hat. ich denke nämlich, darauf kommt es entscheidend garnicht an.
aus irgendeinem mir unerfindlichen grund verschwand das zwischen den . nun muß ich den kommentar den ich meine doch etwas anders hier einführen. -> Thomas.F »
29.04.2009 um 13:06
238. Schwarzer hat mit ihren
Schwarzer hat mit ihren Texten mehr als 30 Jahre lang „Aggression und Zerstörungswut“ (Streeruwitz!) erzeugt. Ihre absurden Angriffe und Beleidigungen gegen „die Männer“ haben ihr Publicity, Macht und, nicht zuletzt, Geld eingebracht. Und sie haben ein Klima erzeugt, das unsichere und schwache Männer, die sowieso schon zu den Verlierern dieser Gesellschaft zählen, noch weiter unter Druck gesetzt hat. Manchmal eben gerade soweit, dass diese Männer…
Mehr (1076 Zeichen)Schwarzer hat mit ihren Texten mehr als 30 Jahre lang „Aggression und Zerstörungswut“ (Streeruwitz!) erzeugt. Ihre absurden Angriffe und Beleidigungen gegen „die Männer“ haben ihr Publicity, Macht und, nicht zuletzt, Geld eingebracht. Und sie haben ein Klima erzeugt, das unsichere und schwache Männer, die sowieso schon zu den Verlierern dieser Gesellschaft zählen, noch weiter unter Druck gesetzt hat. Manchmal eben gerade soweit, dass diese Männer Sexualmörder, Familienmörder, Vergewaltiger oder eben Amokläufer wurden. Ich bin davon überzeugt, dass Schwarzer diesen Effekt ihres Handelns genau gekannt und sogar geplant hat. Denn dieser Anstieg der Gewalt hat sowohl ihre eigene Position in der Gesamtgesellschaft als auch unter den Feministinnen gestärkt und zusätzlich den Zusammenhalt der Feministinnen und deren Einfluß in der Gesellschaft erhöht. Diejenigen, die dies absurd finden, sollen doch mal Schwarzers Interview mit Sartre zum Thema “Revolutionäre Gewalt” lesen. Dort verbreitete Schwarzer ganz offen Werbung für politischen Mord (wenn er sich auszahlt!).
Schwarzers Behauptung, der Amokläufer sei ein „Mädchenmörder“, ist also keineswegs skandalös, sondern wahrscheinlich durchaus richtig. Das wirklich skandalöse an diesem Artikel ist, dass Schwarzer eine der Mitverursacher (und Profiteure) des Amoklaufs ist und das genau diese Schwarzer von führenden Politikern und Medien hofiert und ausgezeichnet wird.
(entfernt. Anmerkung: Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Die Redaktion/jk)
na ja Marcel, bei cornutto denk ich auch immer an cornetto. die werbung im kino, vor hundert jahren… führte dazu, dass viele frauen einen cornetto nur noch unter gepruste bestellten, am liebsten für die männliche begleitung….
und zuweilen mach ich mir gern ein paar anti-lopische gedanken…
hast du irgendwo in der nettiquette gelesen, dass spaß verboten sei?
Spass verboten? Wär’ gar nicht schön- aber hör mal *Panik*: Der Zürcher Bahnofplatz droht gerade einzustürzen!
http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/kanton/Der-Zuercher-Bahnhofplatz-droht-einzustuerzen/story/25777356
Ich muss rennen… nur weg von hier!
Das dünne Ein, auf dem ich mich bewege (auf dem ich mich schon immer bewegt habe- darauf wäre noch zurückzukommen): Das stürzt jetzt dann ein! Da gibt’s noch ein herrliches Gedankengebäude von Dürrenmatt (wie immer brüchig und einsturzgefährdet bei ihm) zum Thema Einstürzereien mit Todesfolge. Kommt auch morgen- göttlich!
Auf Schwarzer komm’ ich noch zurück- mit einer eigenen Erfahrung bzgl. Medien. Werde voraussichtlich Originaltexte einfügen.
Aber morgen.
Schönen Abend- Anti-lopisch klingt vielversprechend!
das dünne Eis natürlich, Rahab
@Rahab: Das war mal, vor langer Zeit, eine Anfrage von einer grossen schweizer Tageszeitung an mich (uns / Originaltext Mail):
“Wir hätten gerne ein paar prägnante Aussagen zu unserer These:
Wenn Frauen Männer belästigen, wird das weniger wahrgenommen oder verharmlost, weil immer noch das Klischee vom schwachen Geschlecht vorherrscht. Dabei definieren Frauen ihre Rolle heute viel offensiver und es müssten daher auch ihnen klare Grenzen gesetzt werden.”
Um den erw. Gegenstand geht es hier nicht. Alice Schwarzer- wie auch viele andere Personen von öffentlichem Interesse- stehen häufig im Rampenlicht der Medien- folglich sind sie auch mit den Gesetzmässigkeiten der Informations- und Mediengesellschaft vertraut und wissen diese zu nutzen. Das Mail dieser Zeitung, speziell der erste Satz
“Wir hätten gerne ein paar prägnante Aussagen zu unserer These”
ist absolut exemplarisch für die Art der Medien, zu informieren: Kurz, bündig und prägnant. Man könnte jetzt ein Zitat von Neil Postman (Wir amüsieren uns zu Tode) zu diesem Thema einfügen- um die Fragmentierungsmechanismen innerhalb der heutigen Massenmedien besser sichtbar machen zu können- doch ich habe das Buch nicht dabei. Man kann natürlich auch einfach von einer “20-Minuten-Informationsgesellschaft” sprechen, wie ich das gerne tue (schönes Verb, ich weiss).
Was Alice Schwarzer anbelangt. Sie ist auch eine Medienfigur- ergo kennt sie die Mechanismen der massenmedialen Informationsgesellschaft aus dem ff- und weiss diese voraussichtlich auch ganz gut zu nutzen: Prägnante Aussagen, vermischt mit Schlüsselbegriffen zu einem medialen Grossereignis, mit etwas Zeitgeistigem verwürzt- und die Medien werden’s fressen, ganz speziell von ihr!
Soviel zur Mechanik. Inhaltlich (zum Artikel von ihr): Im ersten Teil schlüssig und gut- im letzten Drittel dann folgt das, was man schon lange kennt von ihr (und dem Second-Wave-Feminismus): Aus den potentiellen Vergewaltigern sind jetzt einfach potentielle Amokläufer geworden. Das finde ich nicht sehr geistreich- alter Wein in neuen Schläuchen, mehr nicht.
Dürrenmatt: Turmbau, Stoffe IV bis IX MUSST Du lesen:
http://www.amazon.de/Turmbau-Stoffe-4-Friedrich-D%C3%BCrrenmatt/dp/3257230699
Speziell die Story mit dem Studenten, der an einer Brücke beim Pipi-machen von einem Kometen erschlagen wird!
@ Rahab 29. April 9:15 pm: Zitieren kannst du mit dem HTML-Befehl “blockquote”. Geht dann so: Spitze Klammer auf, blockquote reinschreiben, spitze Klammer zu, Zitat einfügen, spitze Klammer auf, /blockquote reinschreiben, spitze Klammer zu, fertig.
@Marcel – darüber und über meine antwort muß nun ich wieder etwas länger nachdenken, denn ich habe den eindruck, da gehen ein paar dinge durcheinander, die vielleicht besser auseinandergehalten gehören.
wobei mich dein zweiter teil erst mal etwas mehr beschäftigt als der erste – aber während ich dies noch schreibe, bemerke ich, dass das doch nicht ganz so ist. was es mir noch ein mal mehr notwendig erscheinen läßt, da etwas auseinanderzudröseln.
erst mal, mehr ins unreine, bewegt mich die frage, wieso Alice Schwarzer, der feminismus und dann noch mal der second-wave-feminismus so in eins fallen. liegt das daran, dass Simone de Beauvoir schon lang, Olympe de Gouges noch länger tot ist und alles andere, was sonst noch feministisch auf dieser welt gedacht und getan und geschrieben wird, zu weit weg (once upon a time in america…) ist? und Luise Pusch als Alice Schwarzer gelesen wird, z.b.? weiter bewegt mich die frage, woher es kommt, dass in den gender-studies/geschlechter-studien so viele studenten (mask.pl) zu finden sind. weshalb mich auch die frage beschäftigt, wieso die pappas von diesen jungs nicht mitgekriegt haben, dass ihre söhne-mätze sich mit geschlechter-ordnung und geschlechterverhältnissen anders auseinandersetzen als sie selbst. reden die nicht miteinander? dürfen die pappas das nicht wissen oder wissen sie es und halten es für eine vorübergehende verirrung? und: wann eigentlich kommt in den medien an, dass zumindest in den geistes- und kulturwissenschaften die voraussetzungen des eigenen denkens auch im hinblick darauf untersucht/thematisiert werden, wie in ihnen die konstruktion von geschlecht, sex, gender, begehren, körper, natur, wissen, macht/gewalt ineinandergreift und befördert + verfestigt oder auch ganz im gegenteil.
deshalb schon jetzt ein widerspruch: vergewaltiger wird nicht einfach durch amokläufer ersetzt. noch nicht mal bei Alice!
Diese Schwarzer kann einem wirklich leid tun. Ihr Aufmerksamkeitsvermögen scheint sehr niedrig zu sein, sonst wäre ihr aufgefallen, dass es Frauen gibt, die ihre Kinder ermorden, misshandeln oder vergawaltigen. Auch wäre ihr nicht entgangen, dass Frauen auch aus Rache morden (siehe den Fall mit dem Polizistenpaar). Interessant ist auch der deutliche Anstieg von häuslicher Gewalt gegenüber Männern in den letzten Jahren. Aber nein was erzähle ich denn da, Frauen begehen keine Gewaltverbrechen, das machen nur Männer ;-).
“(…) Tim litt laut “Focus” an seiner ehemaligen Schule unter massiven Versagensängsten und habe zu zittern begonnen, wenn die Lehrer ihn aufriefen. Schon auf dem Schulweg sei Tim von Mädchen gehänselt worden und habe durch die vielen Verletzungen den Glauben an sich und die Menschen verloren,” Quelle: http://de.news.yahoo.com/2/20090912/twl-focus-amok-laeufer-von-winnenden-wur-4bdc673.html