Am Ball beteiligt

von Verena

Der Ball ist rund – keine Frage. Aber dass er rollt, scheint mittlerweile vor allem der Verdienst von Frauen zu sein. „Frauen machen Fußball zur Wachstumsbranche“ hieß es diese Woche in einer dpa-Meldung. So das Ergebnis einer Erhebung unter 1.000 sportinteressierten Bundesbürgern, die das Kölner Marktforschungsinstitut „Sport und Markt“ durchgeführt hatte. Demnach hat sich die Zahl der weiblichen Fußballfans seit 1991 von 5,9 auf 12,5 Millionen mehr als verdoppelt. Außerdem seien fast ein Viertel (23 Prozent) der Stadionbesucher von Erstligaspielen Frauen.

Klingt doch super! Vor allem der Blick hinter die Nachricht: Frauen sind ein entscheidender Wirtschaftsfaktor für den deutschen Fußball! Hartmut Zastrow, Vorstand des Marktforschungsunternehmens „Sport und Markt“, bestätigt: „Die Erstligavereine haben in der Saison 2007/2008 mehr als 100 Millionen Euro durch Frauen und Mädchen eingenommen.“ Bei männlichen Fans sei die Begeisterung dagegen weitgehend „ausgereizt“.

Bleibt abzuwarten, wie der Markt auf dieses Zeichen reagiert und Frauenzeitschriften um ein Sport/Fußballressort erweitert werden oder der Kicker beim Gynäkologen im Wartezimmer ausliegt.




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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 26. November 2008 um 18:00 Uhr unter Uncategorized. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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6 Kommentare

  1. Florian sagt:

    Vergessen wurde bei dieser Pressemeldung, dass der Frauenfußball in Deutschland viel erfolgreicher ist als der der Männer. Bestimmt auch ein Grund für diesen“Frauen und Fußball – Boom“.

  2. A.M. sagt:

    Was auch nicht vergessen werden darf: In diesem Bereich sind Frauen und Mädchen nichts weiter als eine neue Zielgruppe, nachdem die alte Zielgruppe ausgereizt ist. So als würde man sagen: Frauen sind endlich ein Wirtschaftsfaktor für Videospiele. Sorry, aber das letzte, auf das ich reduziert sein möchte ist, ein „Wirtschaftsfaktor“ zu sein.

  3. Verena sagt:

    @A.M.: Richtig – im Grunde geht es darum, den Fußballmarkt durch Nutzung einer „neuen“ Zielgruppe, nämlich Frauen, am Laufen zu halten.

    Ich finde aber, das ein „Wirtschaftsfaktor“ auch immer ein großes Einflusspotential besitzt (wobei das bei Fußball nicht ganz so notwendig ist). Veränderungen lassen sich nun mal leider mehr durch Kaufkraft als durch auf-die-Straße-gehen herbeiführen…

    Außerdem ist es eine nette Meldung wider der Klischees, Frauen seien nicht an PassivSport interessiert. :)

  4. Noomi sagt:

    Also ich freue mich über so eine Meldung, wobei ich sogar noch höhere Zahlen erwartet hatte. Meines Wissens sind z.B. im Durchschnitt an die 40% der Gäste im Weserstadion (meine 2. Heimat ;-) ) mittlerweile weiblich.
    (Finde gerade keine Statistiken im www, war aber mal ’ne Medung in Bremen…)

    Ach, und ich gehe nicht seit 7 Jahren dort hin, weil irgendjemand mich als „Wirtschaftsfaktor“ oder Zielgruppe entdeckt hat, sondern weil’s Spaß macht (gut, zur Zeit nicht ganz so sehr :-( ) , ich mit Fußball-Interessierten aufgewachsen bin (auch und vor allem die weiblichen Mitglieder!) und ich dadurch irgendwann Fan wurde.

    Umgekehrt wird ein Schuh draus: Da es immer mehr Frauen werden, werden diese auch als Zielgruppe z.B. für Merchandising Artikel entdeckt bzw. ernst genommen.

    Mich würde freuen, wenn dadurch nach und nach auch mal die altbekannten Rollenklischees a la „in Stadien sind alles nur männliche Prolls/Hooligans“, „Frau hindert ihren Mann am Sportschau-Gucken“ etc. weniger werden.

  5. Frank sagt:

    Da, wo Fußball zum Event wird, ist der Frauenanteil relativ hoch, z. B. Welt- und Europameisterschaften, Champions League, eventuell noch Bundesliga bei eher erfolgreichen Clubs, wie Werder oder Bayern.
    Ich gehe zu Union Berlin, die spielen in der dritten Liga, Frauenanteil geschätzte 10%, aber immerhin.

    Ist schon interessant, dass das Interesse der Frauen so gewachsen ist. In den 80er Jahren galt ein Mann, der sich für Fußball interessiert, als eine Art Dumpfbacke. Fussi-Typ war der gängige, durchweg abfällig gemeinte Ausdruck, den die meisten Frauen für solche Männer bereit hielten.

    Tja, so ändern sich die Zeiten. Aber ich denke, so ist es besser.
    Denn das Frau-hindert-Mann-am-Sportschau-gucken war schon mehr als nur ein Klischee. Wenn es damit vorbei ist, um so besser.

  6. Noomi sagt:

    @Frank: Ich habe meine Werder-Dauerkarte seit 2001, und „damals“ wurde dort noch kein „Event-Fußball“ gespielt. Und derzeit auch nicht, und trotzdem bleib ich nicht weg. Ist wieder so’n Klischee, als wenn Frauen „Schönwetter-Fans“ wären…
    So ähnlich, als wenn die Frauen nur wegen der „strammen Fußballer-Waden“ ins Stadion gehen würden.

    Ach, und das mit der Sportschau ist in meinem persönlichen, weiblichen Umfeld durchaus _nur_ Klischee.
    Bei mir ist es sogar anders rum, mein Freund nörgelt eher mal dass „schon wieder Fußball“ im TV läuft…
    Und das ist nicht das einzige Klischee/Vorurteil, dass ich in (meiner persönlichen) Realität nicht/kaum noch wieder finde, aber das nervt.
    Daher wehre ich mich auch wo ich kann gegen solche.