Alt macht unsichtbar

von Barbara

(c) dpa über taz Betagte Single-Damen leben in Armut, titelte die taz gestern. Ihr Leben lang haben sie für andere gekocht, den Boden gewischt oder die Hemden gebügelt, nun droht ihnen ein Lebensabend ohne Geld. Weil die typisch weibliche Arbeit nicht entgeltet wird. Und so malt die Statistik für alte Frauen kein rosiges Bild:

Altersarmut ist kein geschlechtsneutrales Problem. Sie ist vor allem weiblich. Von den 370.500 über 65-Jährigen, die von Sozialhilfe leben, sind rund zwei Drittel Frauen. … 35,7 Prozent der Frauen erhalten zwischen 600 und 750 Euro pro Monat. Mehr als ein Drittel der Frauen liegt sogar noch darunter. Bei den Männern erhalten immerhin rund 60 Prozent eine Rente zwischen 900 und 1.500 Euro.

Die 76-jährige Österreicherin Elisabeth Hellmich hat über die Sorgen von alten Frauen promoviert, ihr Buch “Forever young? Die Unsichtbarkeit alter Frauen in der Gegenwartsgesellschaft” ist 2007 im Milena Verlag erschienen.

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19 Kommentare zu “Alt macht unsichtbar”

  1. Nils schreibt:

    Was ist das wieder für eine merkwürdige Zahlenverdreherei? Wenn 2/3 der Frauen zwischen 600 und 750 Euro Rente erhalten soll, und mehr (!) als 1/3 unter 600 Euro, dann gibt es ja

    a) mehr als 3/3 der Frauen

    b) keine Frau die mehr als 750 Euro erhält

    Da beschwere sich einer, daß der Feminismus nicht ernst genommen wird..

  2. Miriam schreibt:

    Entschuldige Nils, aber ich würde sagen, du brauchst Mathe- und Lese-Nachhilfe…

    2/3 der über 65-jährigen Sozialhilfeempfänger sind weiblich

    35.7% aller Rentnerinnen bekommen zwischen 600 und 750 Euro
    >33% aller Rentnerinnen bekommen weniger als 600 Euro

    -> unter 31.3 % der Renterinnen haben mehr als 750 Euro zur Verfügung

    Kannst du das denn ernst nehmen, oder ist das noch immer nicht verständlich genug?

    Entschuldige meine Polemik, aber dein Kommentar wars ja auch…

  3. bastian schreibt:

    Nils…
    Nicht 2/3 der Frauen erhalten zwischen 600 und 750 Euro Rente, sondern 35,7 Prozent. Also etwas mehr als ein Drittel.
    Ein (anderes) Drittel erhält weniger.
    Die 2/3 beziehen sich auf die 370.500 über 65-Jährigen, die von Sozialhilfe leben.
    So steht das da. Mann, Mann, Mann.

    Und deinen albernen Nachsatz von wegen “da beschwere sich einer, dass Feminismus nicht ernst genommen wird”, den kannst du dir schön sparen. Dieses herablassende Gehabe nervt.

    Ja ja, Männer und rechnen, gell? Fällt uns schon schwer…

  4. bastian schreibt:

    Oh, war jemand schneller. Verdammt.

  5. Nils schreibt:

    Na gut, da habe ich zu schnell gelesen. Nichtsdestotrotz bleibt die aneinandereihung von Zahlen unseriös. Dazu das statistische Bundesamt:

    Sozialhilfe bezogen 2006 insgesamt 41225 Männer und 40593 Frauen.

    Grundsicherung im Alter bezogen 2006 293.909 Männer und 388.082 Frauen.

    Was der Vergleich der erhaltenen Renten soll, wenn die entsprechenden Ehen (die ja Zugewinngemeinschaften sind, d.h. die Renten beider werden in einen Topf geworfen und 50/50 aufgeteilt) nicht berücksichtigt werden ist mir ebenfalls unklar. Ich spare mir mal die Mühe, auch diese Zahlen nachzurecherchieren - Wenn schon die ersten Zahlen grob tendenziös und falsch sind.

  6. Nils schreibt:

    ..und was soll überhaupt die absolute Gegenüberstellung der Grundsicherung beziehenden Männer und Frauen über 65 aussagen, wenn es in der Altersgruppe erheblich mehr Frauen als Männer gibt? Tss, tss..

  7. Nils schreibt:

    ..entschuldigt: o.g. Zahlen beinhalten auch die “Erwerbsgeminderten”, sodaß sich tatsächlich die 375.543 Bezieher von Grundsicherung ab 65 ergeben.

    Die Quote der Beziehenden Männer und Frauen verhalten sich 1,8% zu 2,4%. Absolute Angaben werden von Destatis nicht gemacht. Da hat dann wohl jemand die absoluten Zahlen herausgerechnet. Warum wohl?

    Glaubwürdig ist sowas nicht.

    Über die 1,8% zu 2,4% kann man ja diskutieren.

  8. Bastian schreibt:

    @Nils: Altersarmut ist eben kein geschlechtsneutrales Problem. Sondern eines, das Frauen stärker betrifft. Auch, weil mehr Frauen älter werden.
    Warum fühlst du dich denn deswegen angegriffen? Darf darüber kein Buch geschrieben werden?

  9. Nils schreibt:

    @Bastian: Bücher darf jeder schreiben, soviel und worüber er will. An mir soll es weiß Gott nicht scheitern. Ich fühle mich nicht angegriffen, ich kann nur diese dramatisierende Zahlenfäberei nicht ernst nehmen.

    Wenn ich deiner Argumentation folge, ist Altersarmut in den USA kein ethnieneutrales Problem, es sind ja absolut mehr Weiße betroffen.

  10. Bastian schreibt:

    @Nils: Du kannst hier natürlich so tun, als würdest du das alles nicht verstehen. Ich bewundere inzwischen diese alte Dame, die mit 76 promoviert. Coole Frau, spannendes Thema. Respekt.

  11. Nils schreibt:

    @Bastian: Oh je, ich stelle die Zahlen aus dem Taz-Artikel in einen Statistisch umfassenderen Kontext, und du hältst mir Ignoranz vor.

    Die Emperie gibt eben nicht das her, was da nahegelegt wird. Dabei geht ein ganz wichtiger Aspekt verloren: Daß es in Zukunft ganz erhebliche Probleme mit weiblicher Altersarmut geben könnte. Für all die Babyboomerinnen, die nicht geheiratet haben und in “wilder Ehe” die Kinder großgezogen haben dürfte es ziemlich schlecht aussehen. Da gilt dann keine Zugewinngemeinschaft und da gibt es keine Witwenrente.

    Das ganze ist aber ein viel umfassenderes Problem. Die Segregation zwischen Männern und Frauen ist dabei noch die geringste.

  12. Judith schreibt:

    @Nils
    Mal unabhängig von der Sache mit der Sozialhilfe: “35,7 Prozent der Frauen erhalten zwischen 600 und 750 Euro pro Monat. Mehr als ein Drittel der Frauen liegt sogar noch darunter.
    Bei den Männern erhalten immerhin rund 60 Prozent eine Rente zwischen 900 und 1.500 Euro.”
    Egal wieviele männliche und wieviele weibliche Senioren es gibt, die Gruppe der männlichen Senioren hat im Mittel einen höheren Betrag zu Verfügung als die Gruppe der weiblichen Senioren im Mittel.
    Das ist das was die Empirie offensichtlich h e u t e vorgibt.

  13. Nils schreibt:

    P.S.: Für die alleinerziehenden dürfte es noch schlechter aussehen. Für die aktuelle Rentnergeneration ist das kaum relevant. Das Thema wird zwar angeschnitten, geht aber in all den “Zahlen” zur aktuellen Altersarmut unter. Da heißt es dann mal wieder “die Frauen” seien betroffen - Gruppendenken, am Problem vorbei.

  14. Schnatterinchen schreibt:

    Bastian, glaubt man den Zahlen in Abb. 1 auf dieser Seite: http://www.eds-destatis.de/de/downloads/sif/nk_02_21.pdf, dann beträgt das Geschlechterverhältnis in D bei über 65-Jährigen ca. zwei Drittel Frauen zu einem Drittel Männern.

    Wenn die taz jetzt schreibt, dass das Geschlechterverhältnis von Sozialhilfeempfängern Ü65 zwei Drittel Frauen zu einem Drittel Männern beträgt, dann wäre die logische Schlussfolgerung aus meiner Sicht: Sozialhilfebezug im Alter Ü65 ist ein geschlechtsneutrales Problem.

    Die taz aber interpretiert die Sozialhilfe-Zahlen so: “Altersarmut ist kein geschlechtsneutrales Problem. Sie ist vor allem weiblich.”

    Offenbar liegt hier eine Verwechslung von absoluten Zahlen mit proportionalen Anteilen vor.

  15. Nils schreibt:

    @Judith: Dabei unterschlägst du die Witwenrente und die Zugewinngemeinschaft (Die Ehefrau hat Anspruch auf 50% der Rente ihres Mannes und umgekehrt). Wenn 1/3 der Rentnerinnen tatsächlich unter 600 Euro zur Verfügung haben würden, dann wäre die Quote der Altersgrundsicherung beziehenden bei ca. 30% - Und nicht bei 2,4%.

    An eine Dunkelziffer von über 25% mag ich nicht so recht glauben..

  16. SoE schreibt:

    Ich versteh diese Zahlendreherei hier irgendwie nicht. Ein Drittel plus knapp 36% sind gerundet 70% an alten Frauen die weniger als 750 Euro im Monat haben, während 60% der Männer über 900 Euro haben. Egal wie sich das in absoluten Zahlen auswirkt, es ist trotzdem scheiße. Und ganz besonders wenn man bedenkt, dass nur die wenigsten wohl ihr Leben lang Party gemacht haben, sondern ohne Geschirrspüler und Waschmaschine verdammt harte Arbeit geleistet haben.

  17. Nils schreibt:

    Ja, SoE, und genau deshalb hat der Gesetzgeber die Ehe als Zugewinngemeinschaft und die Witwenrente geschaffen. Da geht es genau darum, daß die Hausfrau eine lebenstandardgarantie hat.

    Die Generaldirektorswitwe hat wahrscheinlich keinen Cent Rentenanspruch, lebt aber trotzdem in Saus und Braus.

    Wenn der Herr Generaldirektor zu Lebzeiten nichts abgeben wollte, konnte sie einen schönen Scheidungsantrag einreichen - Mit dem gleichen Ergebis.

    In dem Artikel ist folgerichtig auch eigentlich von der Altersarmut der Singles die Rede. Was ja leider aufgrund der skandalheischenden Zahlendreherei völlig untergeht.

    So ein Journalismus will nicht informieren, er hält uns für total dämlich und will politisieren.

  18. Goofos schreibt:

    Hey Nils, woher kennst du meine Oma? ;>

  19. Nils schreibt:

    Huch? Habe ich etwa einen mir unbekannten Großcousin? ;)

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