Äh, Hormone?

von Barbara

Unlängst berichtete die Süddeutsche Zeitung über eine Studie des Instituts MKM im Auftrag von Essex Pharma zum Thema Verhütung. Das Ergebnis ist niederschmetternd: Unter 500 hormonell verhütenden Frauen zwischen 15 und 45 Jahren wissen viel zu wenige Bescheid über das, was sie da tun.

… weiß jedoch fast ein Drittel (32 Prozent) der Befragten nicht, wie ihre Verhütungsmethode wirkt. Mehr als drei Viertel der Frauen (75,6 Prozent) können zudem nicht sagen, welche Hormone ihr Verhütungsmittel enthält. … 48 Prozent können … nur vage angeben, dass Hormone am Werk sind und der Hormonhaushalt verändert wird. Immerhin 38,5 Prozent sagen, dass der Eisprung gehemmt wird …

Kann das sein? Ist das (bitte bitte) nur das verfälschte Ergebnis einer fiesen Verschwörung, eine Pharmalobbylüge? Warum wissen diese 500 Frauen nicht alle ganz genau, welche Hormone sie warum schlucken?

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16 Kommentare zu “Äh, Hormone?”

  1. Miriam schreibt:

    Also mich schockt das ehrlich gesagt nicht sonderlich. Dafür reicht eine kleine Stichprobe im eigenen Umfeld, um sich ein solches Bild zu machen.

    Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie eine Klassenkameradin vollkommen naiv erzählte, dass sie die Pille öfter mal vergesse. Als ich sie vollkommen erschüttert darauf hinwies, dass sie froh sein könne, noch nicht schwanger zu sein, hat sie mich mit weit aufgerissenen Augen gefragt, warum.

    Mein Gynäkologe hat mir ohne jegliche Aufklärung die Pille verschrieben, schlimm genug. Bei einer eitrigen Mandelentzündung verschrieb mir mein Hausarzt dann ein Antibiotikum, ohne den Hinweis, dass das die Wirkung der Pille beeinträchtigen könnte. Ebenso wurde beim Aushändigen das Antibiotikums in der Apotheke nicht darauf hingewiesen. Lediglich meine [Ironie] komische Angewohnheit [/Ironie], die Packungsbeilage zu lesen führte dazu, dass ich mich in dem Einnahmezyklus nicht mehr auf die Verhütungswirkung der Pille verließ…

    Dies nur 2 kleine Beispiele im direkten Zusammenhang mit der Pille.

    Aber auch ansonsten kümmert es die meisten Menschen ziemlich wenig, was sie so zu sich nehmen. Oder seid ihr euch immer genaustens im Klaren darüber, welche Hormone ihr mit jedem Schnitzel so verzehrt? Oder was genau jetzt in der Tütensuppe drin ist, die so schön praktisch schnell zubereitet ist.
    Unsere Welt ist viel zu komplex geworden als das ich von all meinen Mitmenschen und mir erwarte, dass wir über alles, was wir essen, vollkommen im Bilde sind. Bei Medikamenten versuche ich mich einigermaßen zu informieren, aber über das Lesen der Packungsbeilage geht das meistens auch nicht hinaus.
    Traurig aber wahr…

  2. Anna schreibt:

    Muss mich Miriam anschließen; mich wundert es auch nicht. Bei vielen Menschenin meiner Umwelt hab ich sogar das Gefühl, dass sie Medizin behandeln wie etwas Okkultes, an das man nur glauben muss. Und das dementsprechend auch durch andere Dinge, an die man glaubt, ersetzt werden kann. Ob das nun die Antibiotika sind, von denen man nur die halbe Packung nimmt oder das die Packungsbeilage direkt weg geworfen wird. Warum sollte das bei der Pille anders sein?
    Mein Arzt/ meine Ärztin bzw. meine Apothekerin/ mein Apotheker denkt doch für mich.

    Apropos Antibiotika und Pille: Es gab eine Zeit in der ich öfter Antibiotika nehmen musste. Dabei gab es einmal eines, in dessen Packungsbeilage eine Wechselwirkung mit der Pille nicht beschrieben war. Auf Nachfrage meinte die Apothekerin aber, dass diese Wirkstoffklasse doch Einfluss darauf hat. Da war ich wirklich verwundert, wenn nicht erschrocken.

  3. Triticea schreibt:

    Eine Bekannte von mir, Akademikerin, wohlgemerkt, und Pillennehmerin, hat sich irgendwann gewundert, dass ihr ihre Hosen nicht mehr passten. Ein paar Monate vorher hatte sie einen heftigen Magen-Darm-Infekt. Kurz danach hatte sie auch noch eine Magenspiegelung wegen häufiger Übelkeit und Unwohlsein. Dreieinhalb Monate vor der Niederkunft hat sie dann erfahren, dass sie ein Kind bekommt. Der Hausarzt hätte damals ruhig mal nach der Verhütung fragen dürfen. Und dann hätte er sie wohl wegen ihrer Magenbeschwerden wohl besser gleich zur Frauenärztin statt zum Internisten überwiesen. Naja, wenigstens hatte die Frau eh schon länger über dem richtigen Zeitpunkt für das erste Kind gegrübelt…

  4. Lune schreibt:

    Ich bin ja in mehreren Frauenforen unterwegs und für mich ist das was in der Studie ermittelt wurde einfach Alltag.
    Frauen haben keine Ahnung wie und mit was sie verhüten und wenn sie die Pille absetzten um ein Kind zu bekommen ist ihnen ihr eigener Körper ganz fremd geworden.
    Ich hatte darüber im Mädchenblog schon eine wilde Diskussion und hoffe, dass ihr mich jetzt nicht auch für eine Pillen-Gegnerin haltet…
    Den so ist es nicht, aber es liegt mir am Herzen, dass Frauen wissen, dass sie ein hochwirksames fruchtbarkeitzerstörendes Medikament zu sich nehmen und nicht ein rosa life-style Bonbon.
    Und dann wäre es noch toll wenn Frauen irgendwann akzeptieren, dass die Pharmaunternehmen nicht recht haben wenn sie meinen nur hormonelle Verhütung wäre sicher.
    Denn nfp hat schließlich auch einen PI von 0,3 - 0,6 (letzteres wenn man in der fruchtbaren Zeit mit Kondomen verhütet).

  5. Juli_K schreibt:

    @ Lune: Warum wäre das schlimm, wenn man dich für eine Pillengegnerin hält? Ist das verpönt? Ich bin Pillengegnerin. Also nicht radikal und nicht so, dass ich Freundinnen die Pille ausreden will. Aber so, dass ich sie selbst nie genommen hab und wenn es auf das Thema kommt, auch gern und ausführlich in die Diskussion einsteige. Es ist wirklich krass, wie viele wie wenig wissen. Denen kann man meistens in zehn Minuten mehr beibringen als sie in 10 Jahren Pillenehmen gelernt haben.

  6. Lune schreibt:

    Ich habe auch nie die Pille genommen und werde die vorraussichtlich nie nehmen. Aber trotzdem denke ich, dass es Frauen gibt für die es keine bessere Verhütung gibt. Wenn hormonelle Verhütung, dann ist die Pille immer noch die beste Wahl. Und da sehe ich dann auch nichts schlimmes drin die zu nehmen- wenn die Frau eben um Nebenwirkungen und Langzeitwirkungen weiß. UND wenn sie keine Nebenwirkungen hat.
    Das muss ich sagen, stößt mir am schlimmsten auf- wenn Frauen sich vehement weigern ihre Trockenheit beim Sex, ihre dauernden Kopfschmerzen etc. nicht als mögliche Nebenwirkungen anzusehen.
    Ach ja, und nicht zuletzt wurde mir im Mädchenblog vorgeworfen ich würde mich dort unter zwei Namen tummeln, man lernt ja bekanntlich aus Erfahrungen, darum wollte ich das hier vorsichtiger vormulieren.
    Aber mir scheint hier sind die offeneren Frauen zu finden- freut mich. :-)

  7. SoE schreibt:

    Was den Mädchenblog-Kommentatorinnen aufgestossen ist, war die latente Unterstellung, dass diese zu jenen gehören, die keinen Plan von Verhütung haben, während jene Kommentatorinnen zu der löblichen Minderheit zählen die sich Gedanken gemacht haben.

    Um zum Thema zu kommen: Der Biologie-Unterricht liegt wahrscheinlich einfach zu lange zurück, seine Sprachkenntnisse kann man nach ein paar Jahren auch gepflegt in die Tonne treten. Und dann ist das immer so eine Frage, wie die Fragen gestellt werden, so nach TV total-Art oder seriös.

    Das MKM ist übrigens ein Marketinginstitut. Bei solcher “Forschung” bin ich dann eher skeptisch.

  8. Neeva schreibt:

    Die Frage, wie der Fragebogen aussah wurde ja schon gestellt.

    Eine Sache möchte ich allerdings zum Thema Pille/hormonelle Verhütung noch loswerden.
    Ja, selbst die besten Präparate wirken sich auf das Gesamtbefinden aus. Es wird schließlich eine absolut grundlegende Körperfunktion ausgeschaltet. Ich käme also im Leben nicht darauf, eine Frau anzugreifen, die das Zeug nicht nehmen will.

    ABER, man muss die Auswirkungen jeder Verhütungsmethode den Auswirkungen einer unerwünschten Schwangerschaft gegenüberstellen. (In meinem Fall eine deutliche und permanente Korrektur des Lebensstandards nach unten und eine erhebliche Verschlechterung der beruflichen Aussichten. Von medizinischen Risiken fange ich jetzt gar nicht an.)

  9. wennsdennseinmuss schreibt:

    Hallo Barbara,

    mich verwundert das nicht, dass viele Frauen (und Männer) nicht wissen, was sie da zu sich nehmen. Die Unwissenheit ist allgemein sehr groß. Das ist sozusagen unsere Natur.

    Ich arbeite seit fast 20 Jahren mit Computern. Aber ich habe nicht den blassesten Schimmer, wie die Hardware (auf technsicher und pysikalischer Ebene) eigentlich funtkionieren. Ich kann sie benutzen - also anwenden - aber ich kann nicht behaupten, dass ich weiß, was ich da anrichte. Vielleicht sitzt im Gehäuse ein kleines Mänchen und knippst die Lämpchen am Monitor ein und aus ;-)

    …es sind also nicht nur die Hormone, mit denen wir uns nicht auskennen. Selbst wenn du den Beipackzettel der Pillen auswendig gelernt hast, weißt du nicht wirklich, was da “eigentlich” passiert… Das wissen weder die Apotheker und das wissen nicht mal die (Pillen-)Forscher. Wenn sie es wüssten, dann gebe es die 100%ig sichere Medizin/Pille. Aber die gibt es nicht.

    …Unwissenheit ist immer schlecht. Also lasst uns anfangen, den Dingen auf den Grund zu gehen!

    :-)

  10. wennsdennseinmuss schreibt:

    …ups, meine Unwissenheit in bezug auf Rechtschreibung ist auch sehr groß -ggg
    (eine editierfunktion für kommentare wäre ganz vorteilhaft)

  11. cinta schreibt:

    ich frag mich in dem zusammenhang wieviele leute auf der strasse spontan den wirkstoff von aspirin benennen koennten, oder gar erklaeren wie bzw. wo er wirkt…
    ich meine nur, dass die leute m/f generell eine menge zeug schlucken, ohne zu wissen was genau da drin ist, hauptsache es funktioniert.
    und gibt es nicht sowieso genuegend biochemische prozesse im koerper, die auch von fachleuten nicht so wirklich ins detail verstanden wurden…

    die leute sollten sich ueber die neben/wechsel-wirkungen im klaren sein und die praeperate vorschriftsgemaess nehmen.
    wenn das der fall ist/waere, sehe ich ueberhaupt kein problem mit dieser “niederschmetternden” unwissenheit.

  12. Lune schreibt:

    Naja, aber gerade bei soetwas wie Verhütung schadet es nicht ein bisschen mehr zu wissen.
    Es ging in den Fragen ja nicht darum was die Hormone denn nun genau für 120 Prozesse in Gang setzten oder ändern sondern um sowas wie Sicherheit und Wirkungsweise.
    Bei der Pille sind es drei Wirkungen die zur Unfruchtbarkeit führen.
    Keine Ahnung ob das nun so viel ist.
    Ich denke es ist auch für Frauen die zu Schwangerschaftpanik neigen eigentlich nur ein Vorteil sich ein bisschen damit zu beschäftigen.
    Die Verhüten Seite wird demnächst auch neu strukturiert und dann ist es noch einfacher sich zu informieren. ;-)

  13. Anna schreibt:

    Ich finde es btw auch nicht von Nachteil, wenn der jeweilige Partner ein wenig Ahnung von der Materie hat….

    Ansonsten wundern mich die Ergebnisse auch nicht weiter, auch in Anbetracht der Tatsache, mit welcher Sebstverständlichkeit Frauenärzte mit der Pille geradezu um sich schmeißen. Manche (ich befürchte die meisten) klären ungefähr so viel auf, als würden sie Smarties verschreiben.

  14. Ayuda schreibt:

    Wundert mich ehrlich gesagt überhaupt nicht.
    Die Erfahrung, dass die meisten Frauen keine Ahnung von dem haben, was sie da schlucken, habe ich schon oft gemacht.
    Was mich darüber hinaus erstaunt hat ist die Tatsache, wie schwer sich viele Anwenderinnen mit Informationen über die negativen Seiten ihres “perfekten” Verhütungsmittels tun. Manchmal beschleicht mich das Gefühl, man diskutiere in Foren gegen die Pharmakonzerne persönlich, so harsch wird man als Pillengegnerin dort angegangen.

  15. Chrissy schreibt:

    Ich war mal, wohl für die Zeit von etwa einem Jahr so blöd, mich mit künstlichen Hormonen vollzustopfen. Auch mangels Information. Spricht man einen Arzt auf Alternativen an, dann kullert er zuerst mit den Augen. Dabei gibt es viele gute Alternativen, auch für junge Frauen geeignet, wie spezielle Spiralen oder Kettchen…. aber damit verdient man wohl nicht so viel wie mit dem Pillenverkauf.

  16. ariane schreibt:

    Im Zusammenhang mit Feminismus ist die Antibabypille in meinen Augen eines der widersprüchlichsten Probleme. Einerseits hätten wir Frauen vieles nicht erreichen können, wenn man uns nicht dieses Mittel gegeben hätte. Auf der anderen Seite ist es ein Eingriff in unseren Hormonhaushalt. Es gibt auch andere sichere Verhütungsmittel, aber die Pille ist sehr einfach in der Handhabung und wird durch die Frau selbstbestimmt eingenommen. Und kann jederzeit abgesetzt werden.
    Die Nebenwirkungen sind aber eine andere Sache und ein endgültiges Urteil kann ich mir nicht bilden. Selbst wenn ich auf meine eigene Verhütungsbiographie zurückblicke: 14-17 Mikropille; 17: nur Kondom–> Schwangerschaft; 18-22 Mikropille, das letzte halbe Jahr Minipille; 23-25 zuerst NFP kombiniert mit Kondomen, dann nur Kondome–>Schwangerschaft; 25-jetzt Mikropille im Langzyklus.
    Fazit: Mit der Pille verhüte ich sicher; dank dem Langzyklus zusätzlicher Gewinn. 8 Jahre Pille: teilweise Nebenwirkungen, mit Wechsel auf anderes Präparat erträglich geworden. 3 Jahre Verhütung ohne Pille: 1mal Pille danach, 2 Schwangerschaftsabbrüche. Die Pille erleichtert einiges, dafür aber “versklave” ich meinen Körper mit künstlichen Hormonen. Sichere, hormonfreie Alternativen überlege ich mir, scheitern aber an den sehr hohen Einmalkosten.

    Ach, ich schweife wieder aus. Was ich sagen wollte, trotz allen Vorbehalten ist die Pille praktisch und erlaubt der Frau ihre Selbstverwirklichung. Und die Kontrolle des Zyklus hat auch seine Vorteile.

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