Ägypten plant die Zukunft. Ohne Frauen.

von Verena

Wochenlang sind Ägypterinnen und Ägypter auf die Straße gegangen, um für ein neues politisches System zu demonstrieren. Nun machen es die Männer unter sich aus: Im seit Mittwoch tagenden Verfassungsausschuss sitzt keine einzige Frau. Ägyptische BürgerrechtlerInnen kritisieren das als „inakzeptable Marginalisierung der Hälfte der Gesellschaft,“ wie standard.at berichtet.

In den nächsten zehn Tagen soll der Ausschuss erste Vorschläge machen, wie es nach dem Sturz von Präsident Mubarak mit der Demokratie in Ägypten weitergeht. Wie die Mitglieder des Verfassungsauschusses gewählt wurden, ist nicht bekannt, aber Frauen würden im öffentlichen Leben des Staates ohnehin eine begrenzte Rolle spielen, wie es in der Agenturmeldung von Reuters heißt. Dass sie aber auf den Straßen rund um den Tahrir-Platz präsent und aktiv waren, scheint nun nicht länger von Bedeutung zu sein.

Und wie fragte Helga neulich schon ganz richtig:

Warum schaffte es der Kampf der iranischen Frauen für mehr Beteiligung in das allgemeine Bewußtsein, die Kämpfe der Frauen in Tunesien und Ägypten aber (erstmal?) noch nicht? Und werden wir ihr Engagement und die wichtigen Aktivistinnen am Ende wieder vergessen, werden wir allein von den Revolutionären sprechen und Frauen nur als unschuldige Opfer wie Neda in Erinnerung behalten?

Sieht so aus, als habe man in Ägpyten mit dem Vergessen bereits begonnen.




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Eintrag geschrieben: Freitag, 18. Februar 2011 um 9:35 Uhr unter Zeitgeschehen. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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6 Kommentare

  1. Claudio sagt:

    Der Kampf der iranischen Frauen ist Thema in den Medien, weil der Iran das nächste Angriffsziel der USA/Israels darstellt, und der Machthaber Ahmadinedschad soll dementsprechend als böser Despot ins Bewusstsein gerückt werden. Auch hier wird „die Sache der Frauen“ lediglich benutzt, um andere Ziele zu verfolgen.

    Gruss

  2. Andrej sagt:

    Das hier könntet Ihr auch nochmal auf deutsch aufarbeiten, falls Ihr Zeit habt:
    http://tinyurl.com/69vchtg

  3. Christian Alexander Tietgen sagt:

    Muss man wirklich an jedes Ereignis eine Frauenquote anlegen? Wie wäre die Französische Revolution möglich gewesen, wenn man abgewartet hätte, bis genug Frauen dabei gewesen wären?

  4. Gerd sagt:

    @ Christian Alexander Tietgen

    Wir leben aber nicht mehr im 18. Jahrhundert. Als liberaler Mann ist mir zuwider, wenn in der Politik und Wirtschaft zu 99% Männer sitzen. Das entspricht weder der Fairniss noch der Befähigung der Frauen. Gut das ist Ägypten ich habe wenig Ahnung wie die Gesellschaft so ist ausser das was man in den Medien gehört.

    Ich habe im TV soviele kluge Frauen gesehen, die wirklich Ahnung von Politik hatten und fließend Englisch sprachen. Wo sind die?

    Quoten lehne ich trotzdem ab, egal wo, ausser für körperlich oder geistig Behinderte beides Geschlechts im öffentlichen Dienst.

    Frauen sind keine Kinder oder Behinderte. Quoten werten Frauen dardurch ab. Ich würde mir auch gern 1. mehr Frauen in der Wirtschaft, aber 2. genauso mehr Männer als Lehrer oder in den kitas wünschen, aber es bringt nichts Leute mit Quoten dahin zu befördern.

    Mir als Durchschnitts- Mann und Arbeiter kann Punkt 1 sowie egal sein, denn 1. werde ich sowie nie in eine so hohe Position kommen (wie 90& aller Männer UND Frauen auch) und 2. würden Frauen an der Stelle nichts groß anderes machen (dürfen können sollen). Schade um solche Idealistinnen, die dann entweder sich um 180 grad drehen oder rausgeworfen oder schlimmeres werden.

    Es gab auch mal einen guten und sozialen deutsche Bank Chef, nur leider hat er es nicht lange überlebt.

    Auch der sozial eingestellte Chef der Treuhand nicht, anstatt dessen wurde eine Frau installiert, die weniger skrupel hatte.

    Es kommt nicht aufs Geschlecht an. Jedenfalls nicht dort bei den Finanzhaien. Das Grundprinzip der Spekulanten die uns plündern wurde übrigens von einer Frau entwickelt.

    Wir sind sowieo am A….

  5. munditia sagt:

    @Christian:

    Wenn du mal scharf nachdenkst, könntest du auch darauf kommen, dass bei der Französischen Revolution durchaus genügend Frauen dabei bzw. betroffen waren. Die Tatsache, dass *du* sie nicht spontan damit assoziierst, sagt so einiges aus über: a) über deine eigene metaphorische Brille, b) die Brille der Geschichtsschreibung und medialen Geschichtsdarstellung, c) die revolutionären Strömungen / Institutionen, die auch damals die Interessen /Beteiligung der Frauen unter den Tisch kehrten — wie es jetzt bei den Ereignissen in Ägypten ähnlich passiert… Womit wir wieder beim eigentlichen Thema des Posts wären.

  6. Christian Alexander Tietgen sagt:

    Ich bin ja dafür, dass immer genug Frauen dabei sind. Ich finde es bloß nicht gut, in Zeiten der Revolution zuerst daran zu denken, dass sie nur von Männern gemacht ist. Es ist grundsätzlich wünschenswert, dass Frauen überall beteiligt sind. Ich finde es aber nicht entscheidend, welches Geschlecht die Beteiligten haben. Viel entscheidender finde ich die Befähigung. Natürlich sind Frauen genauso fähig. Aber ich kann nicht die Empörung darüber teilen, dass nicht überall im Leben Männer und Frauen in gleicher Weise vertreten sind. Ich finde das nur natürlich. Manchmal bleiben Männer unter sich und manchmal bleiben Frauen unter sich. Ich kann daraus noch keine Unterdrückung ableiten. Im Zweifelsfall müssen Frauen eben dafür kämpfen, dass sie beteiligt werden. Aber aus eigener Kraft und nicht totalitär durch den Staat erzwungen.

    Ich kann mich da nur Christian Lindner (FDP) anschließen.
    „Die Grünen wurden aus einer Skepsis gegenüber Staat und Parteien gegründet. Heute instrumentalisieren sie die Staatsgewalt, um ihre gesellschaftspolitischen Vorstellungen bis in den privaten Lebensvollzug durchzusetzen. Im parlamentarischen Alltag kann ich regelmäßig nur staunen, wie die Grünen aus unserer Gesellschaft mit immer neu geforderten Regeln, Verboten, Paragraphen, Steuern und Appellen eine staatliche Besserungsanstalt machen wollen. Liberale sind dagegen keine Zensoren privater Lebensentwürfe.“