8. Mai: Tag der Befreiung

von Anna-Sarah

Heute vor 70 Jahren, am 8. Mai 1945, endeten in Europa die nationalsozialistische Herrschaft und der zweite Weltkrieg. Ein offizieller Feiertag wurde hierzulande allerdings nicht aus diesem Datum gemacht – stattdessen wurden lange Zeit eher die Schmach der Niederlage beklagt (und nicht wenige Menschen tun das heute noch). Umso mehr ein Grund, der zahllosen Opfer der unfassbaren Verheerungen, die zwischen 1933 und 1945 von Deutschland ausgingen, zu gedenken und den Tag der Befreiung auch als genau solchen zu feiern.

Unter accalmies Post zum Tag der Befreiung vor zwei Jahren wurde kontrovers diskutiert, ob oder ob nicht am 8. Mai 1945 auch die Shoah beendet worden sei – Fakt ist jedenfalls, der schlandsche Antisemitismus ist es keinesfalls.

Einige Veranstaltungshinweise zum heutigen Tag findet ihr unter diesem Link. In Berlin wird zu dem heute Abend Esther Bejarano, eine der letzten Überlebenden des Mädchenorchesters von Auschwitz, gemeinsam mit der Microphone Mafia auftreten. Magda stellte sie bereits im Januar anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung von Auschwitz vor.

Egal wie ihr diesen Tag verbringt – ob ruhig erinnernd, gedenkend, feiernd, laut demonstrierend – die Mädchenmannschaft wünscht wiederum einen kämpferischen achten Mai – alerta, alerta, antifascista!




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Eintrag geschrieben: Freitag, 8. Mai 2015 um 8:30 Uhr unter Geschichte, Terminkalender, Zeitgeschehen. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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10 Kommentare

  1. Lea sagt:

    Dass aus dem 8. Mai noch kein offizieller Feiertag in Deutschland gemacht wurde, hat mich auch immer irritiert… Letztens hat aber eine Kollegin gesagt, dass sie das sogar verstehen würde – aber aus einem anderen Grund, als die Ewiggestrigen: Wenn nämlich die Deutschen, die ja unbestritten die Schuld am Krieg und am Holocaust tragen, den Tag der Befreiung zum Feiertag machen, käme das ekelhaft zynisch rüber.
    Ich denke, es wird langsam Zeit, dass dieser Tag zum Feiertag wird, vielleicht ist es aber tatsächlich gut, wenn das erst jetzt – durch die heutige Generation – geschieht, und nicht von denjenigen eingeführt wird, die noch am Krieg beteiligt waren?

  2. valaki sagt:

    JFTR:
    In der DDR war der 8.Mai anfangs noch ein Feiertag, bis 1967. Damals wurden mit der Einfuehrung der Fuenftagewoche mehrere Feiertage gestrichen.
    in der BRD hingegen gab es ja schon einen Aufstand, als Weizsaecker damals, 1985, wagte, auch nur von „Befreiung“ zu sprechen.

  3. Anna-Sarah sagt:

    @valaki, Danke für den Hinweis!

  4. Anna-Maria sagt:

    „den Tag der Befreiung zum Feiertag machen, käme das ekelhaft zynisch rübe“

    @ Lea

    Hier muss ich wiederum aus anderen, feministischen Gründen widersprechen.

    Angesichts der millionen vergewaltigten Mädchen und Frauen (nicht nur Deutsche!!) ist es zynisch das Befreiung zu nennen.Ich komme ursprüglich aus Rumänien und meine Grossmutter erzählte mir was dort vor sich ging.

    Man kann nicht eine rapeculture beklagen und so etwas Befreiung als Befreiung verkaufen.

    Liebe Grüße

    Anna-Maria

  5. accalmie sagt:

    @Anna-Maria: Ich finde das wichtig zu benennen und zu kritisieren. Gleichzeitig bitte ich aber die spezifischen Relationen zu bedenken bei der Frage um „Befreiung“ oder nicht. Wir reden hier von der Shoah und einem Vernichtungskrieg. Kriegsverbrechen (d.h., auch strategisch eingesetzte Vergewaltigungen) und rape culture gilt es natürlich zu bekämpfen und nicht im Nachhinein zu beschönigen. Dazu zählt auch die sexualisierte Gewalt, die von Alliierten gegen Frauen ausgeübt wurde (…und man könnte auch weitere Ambivalenzen benennen im Bezug auf Freiheitsfragen, z.B. die Frage von Rassismus innerhalb der US-Armee, die erst 1948 desegregiert wurde).

    Daraus aber zu basteln, dass der Tag der Kapitaluation des nationalsozialistischen deutschlands und des Endes des Holocaust nicht Befreiung genannt werden kann oder sollte, halte ich für falsch, auch angesichts der – auch dezidiert sexualisierten – Gewaltausübung gegenüber als nicht deutsch Definierten (inklusive der sexualisierten Gewalt, die durch die „Wehrmacht“ ausgeübt wurde), geschweige denn der industriellen Massenvernichtung von Juden_Jüdinnen.

  6. Danke für diesen Beitrag zum 8 Mai ich bin der Ansicht das der Tag der Befreiung unbedingt Feiertag werden muss was natürlich nicht zu einer Verklärung der Deutschen führen darf sondern klar erkennbar bleiben muss das es ein Tag der Befreiung durch andere vorallen die Sowjetunion war. Der Anteil des Widerstandes in Deutschland so mklein er auch war darf aber auch nicht verschwiegen werden. Kleine Anmerkung das Konstrukt Nationalsozialismus was eine Eigenbezeichnung der Deutschen Faschisten war finde ich äusserst problematisch weil sie einenZusammenhang zwischen der Politik der Faschisten und Sozialismus herstellt der nicht vorhanden ist . Danke für eure Arbeit die ihr leistet

  7. Jane sagt:

    Ich finde auch, dass gefeiert werden sollte, aber mit dem Begriff Befreiung habe ich ein paar Probleme. Einfach deshalb, weil man sich befreit fühlen muss, und da denke ich auch wieder an die vielen vergewaltigten Frauen, die schon in der DDR nicht offen sagen durften, was ihnen „die sowjetischen Freunde“ angetan haben. Wenn dann „Befreiung“ wieder von oben verordnet werden soll, fühle ich mich an diesen Mechanismus erinnert. Ich bin nicht in dieser Generation großgeworden und habe weder Berührungspunkte mit den einen Opfern, noch mit den anderen. Ich möchte keiner Gruppe, die gelitten hat, eine Brgrifflichkeit aufzwingen, die Opfer zum Schweigen verdammt, das finde ich zynisch. Ich würde gerne die Kapitulation oder die Niederschlagung der Naziherrschaft feiern, das finde ich weit weniger subjektiv, als Befreiung. Ich sehe ein, dass Befreiung hier als etwas kollektives gesehen wird, dem einige Schicksale untergeordnet werden, aber ich glaube nicht, dass das hilft, Geschenisse richtig aufzuarbeiten. Gleichzeitig finde ich den damit einhergehenden Heldenkult um die Befreier höchst unangenehm. Heldentum an sich finde ich als Konstrukt schwierig, weil es genau die Strukturen beinhaltet, die man eigentlich hinter sich lasse wollte.

  8. Jane sagt:

    PS: Gerade war ich mal auf deinem Blog, @fesseln des kapitals, da sprichst du dem „Genossen Stalin“ ja tasächlich deinen ergebenen Dank aus, und zwar völlig ironiefrei. Was DARAN alles verklärt ist, spare ich mir hier jetzt mal, aber da deine Seite ja nun hier als Link auftaucht, wollte ich das dochmal erwähnt haben.

  9. Anna-Sarah sagt:

    @Jane: Ich finde, die Diskussion, ob dieser Tag Befreiung genannt werden sollte oder nicht – sei es aus den von dir genannten Gründen oder auch, weil durch das Wort „Befreiung“ impliziert werde, die deutsche Bevölkerung sei irgendwie zum Nazitum gezwungen worden und habe nicht großenteils begeistert mitgemacht – ist hier irgendwie an der falschen Stelle und am falschen Tag. Opfer von Kriegsverbrechen an sämtlichen Orten müssen Raum bekommen, das ist klar. Und ich stimme dir zu, dass Kritik an widerspruchsfreier Heldenbejubelung und Abfeierei berechtigt ist. Dennoch war der 8. Mai 1945 zumindest offiziell das Ende von Nazideutschland. Dieser Sachverhalt ist uneingeschränkt feiernswert, und ich finde das sollte an diesem Tag im Vordergrund stehen. accalmie hat dazu weiter oben ja auch schon etwas gesagt.

    Das Argument „Ich bin nicht in dieser Generation großgeworden und habe weder Berührungspunkte mit den einen Opfern, noch mit den anderen“ finde ich schwierig, denn es gibt ja durchaus sehr sehr viele Menschen, denen das ganz anders geht und wo durchaus Berührungspunkte, familiäre Beziehungen etc. vorhanden sind. Und wo eine Befreiungsgeschichte durchaus erzählt wird.

  10. Jane sagt:

    @Anna-Sarah: Da sitmme ich dir auch uneingeschränkt zu. Gerade weil ich weder für die einen, noch für die anderen Opfer sprechen kann und will, tue ich mich schwer gegen den Willen der einen oder anderen Gruppe einen Begriff festzulegen, der meiner Meinung nach eine subjektive Erfahrung voraussetzt. Ich bin eben auch der Meinung, dass es einen Feiertag geben muss, mit dem sich gerade solche Gruppen auch identifizieren können, sonst geht das absolut richtige Ansinnen, das Ende der Naziherrschaft zu würdigen, meiner Meinung nach nach hinten los, und das wäre schade. Ich plädiere daher für eine Betonung auf dem Ende der Naziherrschaft, so könnte man den Tag feiern und gleichzeitig Menschen, die persönlich schreckliche Ereignisse damit verbinden, Raum für ihre Gefühle geben und ihnen nich zuletzt auch die Möglichkeit zu geben, trotz persönlicher schimmer Erlebnisse das Positive an diesem Tag zu sehen. Es wäre für mich einfach schade, wenn es so zu Ausschlüssen kommt, die nicht sein müssen. Deshalb finde ich diese Diskussion gerade hier wichtig.