50 Jahre Pille – nicht für den Mann

von Barbara

Am 18. August 2010  jährt sich zum 50. Mal die Einführung der Pille. Frauen können seit 50 Jahren durch die Einnahme von Hormonen verhüten. Sie bekamen die Freiheit geschenkt, erinnern sich viele Frauen an die frühen Sechziger; 1961 erschien Anovlar, die erste deutsche Pille, in Westdeutschland auf dem Markt, ab 1965 konnten Frauen Ovosiston in Ostdeutschland kaufen. 50 Jahre hormonelle Verhütung – und immer nehmen die Frauen die Hormone. Warum gibt es eigentlich keine Pille für den Mann?

Gleichberechtigung im Schlafzimmer bedeutet, dass Mann und Frau Freude an der Sexualität haben. Sie bedeutet aber auch, dass Mann und Frau Verantwortung für die Empfängnisverhütung übernehmen. Verhütung ist keineswegs Frauensache – das hatten auch zwei Pharmakonzerne verstanden. Bis 2006 erforschte die Berliner Schering AG gemeinsam mit dem niederländischen Pillen-Produzenten Organon Möglichkeiten der Empfängnisverhütung, bei denen der Mann die Hormone kriegt. Dann übernahm Bayer Pharma die Schering AG und das Projekt kam auf den Prüfstand. Friederike Lorenzen ist die zuständige Pressesprecherin des Pharma-Riesen und erinnert sich:

„Bei dem damals getesteten Konzept handelte es sich um ein Implantat, also ein Stäbchen, was ein Gestagen enthielt, was in den Oberarm implantiert werden musste, und ein Testosteron, was alle drei Monate in Form einer Spritze verabreicht werden musste. Die Substanzen, die zur Verhütung notwendig waren, die hätte man nicht als Tablettenform geben können.“

Außerdem wirkte die Hormondosis erst nach ein paar Wochen und schränkte die Zeugungsfähigkeit auch einige Zeit nach Absetzen der Medikamente noch ein. Dazu kamen die üblichen Nebenwirkungen wie Stimmungsschwankungen, Kopfschmerzen oder Hautunreinheiten. All das würde selbst die Feministen unter den verhütungsbereiten Männern abstoßen, meinten die Kenner des Pharma-Marktes und legten das Projekt auf Eis. Sie bemühten sich nicht um ein neues Produkt, dass komfortabler in der Anwendung und stabiler in der Wirkung ist.

Fünfzig Jahre nach Einführung der Pille sei das Thema “männliche Verhütung” für die Zukunft zwar nicht abgeschlossen, so die Pressesprecherin. Aber es ist auf unbestimmt verschoben. Dabei gibt es interessante Ansätze, wie eine Studie der Weltgesundheitsorganisation zeigt. Federführend ist Michael Zitzmann, Professor vom Zentrum für Reproduktionsmedizin an der Universitätsklinik Münster. Bei der Methode, die er erforscht, seien Auswirkungen auf Aussehen, Potenz und Zeugungskraft nicht zu erwarten, erklärte Hormon-Spezialist Zitzmann im Interview mit der Deutschen Welle:

„Wenn Sie Testosteron einem gesunden Mann von außen geben und zwar in der Dosis, die er selber produzieren würde, dann fährt er seine eigene Produktion, zusammen mit der Spermienproduktion herunter. Das heißt, es ändert sich an den Spiegeln nichts. Das heißt für ihn ändert sich am Befinden nichts.“Erst 2012, 2013 wird die Studie von Michael Zitzmann abgeschlossen sein. Niemand weiß, wie die Arzneimittelindustrie dann auf dieses Hormonpräparat für den Mann reagieren wird und ob die Weltgesundheitsorganisation die Lizenz dafür erhält. Auch viele andere Punkte sind ungeklärt, etwa welcher Arzt diese Pille verschreiben könnte. Gynäkologe? Urologe? Hausarzt? An der Gleichberechtigung im Schlafzimmer muss also weiterhin gearbeitet werden: Neben den Laboratorien der Wissenschaft und den Marketing-Zentralen der Pharma-Unternehmen ist wohl vor allem die Gesellschaft gefordert. Es ist ein grundlegendes Recht von Eltern, von Mann und Frau, frei und eigenverantwortlich über Anzahl und Geburtenabstand ihrer Kinder zu entscheiden. Wer Geburtenkontrolle auch praktisch zu einer gleichberechtigten Sache machen möchte, muss laut nach neuen Möglichkeiten verlangen.

Dieser Text ist auch im WDR5 Politikum erschienen.


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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 18. August 2010 um 14:57 Uhr unter Alltag, Der Feminismus ist schuld, Frauenfakten. RSS 2.0. Kommentieren. Trackback.



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45 Kommentare

  1. kathy sagt:

    interessant sind daran doch zwei Dinge, die nicht oder kaum angesprochen werden.
    a) Männer sind scheinbar nicht bereit, die gleichen Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen, die Frauen seit 50 Jahren in Kauf nehmen.
    b) Teilweise sind eben jene Nebenwirkungen mitunter Placeboeffekte.
    um die Süddeutsche zu zitieren:

    Fast alle Teilnehmer der Studie beklagten starke Stimmungsschwankungen sowie emotionale Hochs und Tiefs, sagte Professor Eberhard Nieschlag [...].

    Das Erstaunliche daran: Die durchgeführte Studie war verblindet, einige Tester bekamen nur ein wirkungsloses Präparat, ein Placebo. Aber alle Teilnehmer litten an Stimmungswechseln. “Am meisten erstaunte uns, dass auch jene Männer die Begleiterscheinungen beklagten, die das Placebo bekommen hatten”, sagt Nieschlag.

    So oder so reagierten die beteiligten Tester also hoch empfindlich und irrational auf Placebo oder Pille – weshalb das Mittel von vornherein wohl zum Scheitern verurteilt war.

  2. DerWiegald sagt:

    Kondome?

    In Zeiten von AIDS, sollten doch Kondome als “männliche Verhühtung” anerkannt sein?

    Oder verstehe ich da was falsch?

  3. stepe sagt:

    Würden sich Frauen darauf verlassen, das der Mann verhütet?

    Schließlich werden nicht Männer, sondern Frauen schwanger und sie müssen die Konsequenzen einer mißglückten oder unterlassenen Verhütung “ausbaden”.

    Angesichts der extrem unterschiedlichen Folgen, die eine ungenügende Verhütung für Frauen und Männer hat, kann ich verstehen, das für Frauen die Pille beinahe selbstverständlich ist, sich Männer mit der Pille für den Mann aber nicht so recht anfreunden wollen.

  4. Marion sagt:

    Nur eine Kleinigkeit: Die Ovosiston (und alle anderen Pillen) konnten Ost-Frauen nicht kaufen – sie war rezeptpflichtig und die Kosten trug die Sozialversicherung.

  5. “Männer sind scheinbar nicht bereit, die gleichen Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen, die Frauen seit 50 Jahren in Kauf nehmen.”

    Solche komischen Geschlechterkampfparolen sollte frau doch besser den Maskulisten überlassen…
    Männer haben nunmal die Wahl zwischen Gummi und Sterilisation. Wenn da jemandem mangelndes Interesse vorzuwerfen ist, dann nicht “den” Männern, sondern einzelnen Pharmaunternehmen.

    Abgesehen davon hat die Pille ja durchaus auch positive Nebenwirkungen, oder nicht?
    Und die Frage, wieviel sie im Zeitalter von Aids überhaupt bringt, muss sich wohl auch jede selbst stellen…

  6. iv sagt:

    Naja, interessant ist das schon:
    “Außerdem wirkte die Hormondosis erst nach ein paar Wochen und schränkte die Zeugungsfähigkeit auch einige Zeit nach Absetzen der Medikamente noch ein. Dazu kamen die üblichen Nebenwirkungen wie Stimmungsschwankungen, Kopfschmerzen oder Hautunreinheiten. All das würde selbst die Feministen unter den verhütungsbereiten Männern abstoßen, meinten die Kenner des Pharma-Marktes und legten das Projekt auf Eis.”

    Dieselben Nebenwirkungen also, die mir von zwei Frauenärztinnen hintereinander als Hirngespinste erklärt oder kleingeredet wurden, führen zum Abbruch der Studie, wenn es um Männer geht. Die modernen Möglichkeiten der Empfängnisverhütung sind ohne Zweifel in vielfacher Hinsicht ein Segen und mögen für viele Frauen auch medizinisch regelrecht notwendig sein. Die geradezu flächendeckende und scheinbar selbstverständlich Pathologisierung des weiblichen Körpers, die damit einhergeht, solle man aber m.E. schon in Frage stellen dürfen und führe bei mir nach drei Jahren (voller “ganz normaler” Stimmungsschwankungen und Kopfschmerzen) zum Abbruch des Experiments.

  7. Helga sagt:

    @nichtsowichtig: Die Pille aus Israel ist bisher nur an Mäusen getestet worden, ob sie bei Menschen genauso gut wirkt, steht noch in den Sternen. Dass der betreffende Professor vor 4 Jahren erst die Wissenschaftswelt „geschockt” haben soll, weil er bewies, dass Spermien mehrere Tage überleben und Befruchtungen der Eizelle nicht unmittelbar nach dem Geschlechtsverkehr stattfinden, finde ich dann merkwürdig – das ist nichts Neues und in seiner Veröffentlichungsliste steht auch nichts dazu (sind aber auch nur die Titel angegeben).

  8. kathy sagt:

    ja, in Zeiten von Aids sollten Kondome die erste Wahl sein.
    Aber in einer heterosexuellen Partnerschaft, haben ja vielleicht beide bisweilen das Bedürfnis, das Kondom wegzulassen. und da sollte man einander soweit vertrauen, dass der Mann die Verantwortung für die Verhütung übernehmen darf/kann.
    (den Exkurs über “mit Gummi kann ich nicht”, “ich glaub, ich hab ne Latexallergie”, “ich spüre so einfach nichts” lass ich mal beiseite).

  9. kathy sagt:

    Lieber Ekelbaron,
    ich erspare die Details zu einer derartigen Studie: aber dass sie abgesetzt wurde, liegt eben an den Aussagen der Probanden. d.h. das mangelnde Interesse des Pharmaunternehmens ist durchaus auf reale Menschen bzw. in diesem Falle Männer zurückzuführen (einer hat sogar gleich ein Buch darüber geschrieben, wie schlimm das alles war und schildert Empfindungen, die aber eben alle Probanden hatten – egal ob Placebogruppe oder nicht-Placebogruppe).

  10. David sagt:

    Ich wollte mich hier nur mal kurz zu Wort melden um die frohe Botschaft zu verkünden ;-) Es gibt schon lange eine Methode um Männer für längere Zeitabschnitte (nicht dauerhaft) unfruchtbar zu machen: http://en.wikipedia.org/wiki/Heat-based_contraception – in dem Bereich scheint sich durch den Einsatz von Ultraschall ( http://www.newmalecontraception.org/usound.htm ) einiges verbessert zu haben (eine Anwendung von ein paar Minuten macht ca. ein halbes Jahr unfruchtbar). Dauerhafte Sterilisation scheint auch machbar zu sein (zumindest im Tierversuch) – was den Vorteil hätte, dass die unangenehmen Nebenwirkungen einer Vasektomie wegfallen.

  11. steve, the pirate sagt:

    Hmm, ich selbst verhüte nicht mit Pille. Selbst wenn eine Pille für den Mann auf den Markt kommen würde würde ich nicht wollen, dass er ein hochwirksames Medikament nimmt.

    @Ekelbaron: So viele Möglichkeitenzu Verhüten, wenn man keine Hormone nehmen willt, gibt es für Frauen auch nicht. Mir fällt eigentlich nur die Kupferspirale, Gynefix, Kondom und NFP ein.

  12. Neeva sagt:

    @David
    Reine Neugier, keine Fangfrage: Welche Nebenwirkungen hat eine Vasektomie?

  13. Ich stimm dir in der Sache ja total zu… Das “Herumgezeter” weiblicher Probanden würde wahrscheinlich weitaus weniger ernst genommen, bzw. als Legitimation verwendet werden.
    Auch gibt es eine weitverbreitete Angst, durch Hormone weniger “männlich” zu werden.
    Das kann man/frau nur deutlich intelligenter zum Ausdruck bringen, als durch so kollektivierende “Alle Männer/Frauen sind sind X”-Aussagen. Wenn X am Ende für “Schuld”, “Schlecht”, oder ähnliches steht, ist das auch keine kämpferische Polemik mehr, sondern nurnoch Sexismus. (Ich weiß, dass es da unterschiedliche Definitionen gibt. Ich meine Sexismus im Sinne von Diskriminierung, nicht im Sinne von Gesellschaftsstruktur.)

  14. David sagt:

    Die Nebenwirkungen sind hauptsächlich Schmerzen, die dadurch hervorgerufen werden, dass die Spermienproduktion mit der Unterbrechung der Samenleiter nicht aufhört – genaueres kann man hier nachlesen: http://en.wikipedia.org/wiki/Post-vasectomy_pain_syndrome

  15. Petra sagt:

    Ja, an uns Frauen doktert man herum, obwohl es viel einfacher wäre, Männern eine Pille zu verabreichen.

    Gerade heute Abend habe ich eine Sendung im TV gesehen, wo berichtet wurde, wie gefährlich die neuen Pillen der 3. und 4. Generation sind! Sie verursachen vermehrt Lungenembolien und Thrombosen, und es gibt viele ernste Erkrankungen und sogar Todesfälle unter jungen Frauen. Trotzdem finden die “Herren der Schöpfung”, dass es keinen Anlass gibt, diese Pillen vom Markt zu nehmen.

    Tja.

    Gleichberechtigung nennt man sowas wohl.

  16. Fairfis sagt:

    @kathy

    Der feine Unterschied sollte man vielleicht doch machen: Der Pharmariese hat vermutet, dass Männer nicht bereit sind, Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen (und der Pharmariese könnte ja durchaus auch unter Vorurteilen leiden). Genderstereotypen manifestieren sich ja nicht nur in verzerrter Sicht auf Menschen die als weiblich wahrgenommen werden sondern betrifft “all kinds of people”.

    Ich persönlich bin aufjedenfall bereit mindestens soviele Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen wie ich meinem Gegenüber zumuten würde und ich nehme an, es gibt noch ein paar andere, die ähnliche Vorstellungen über Grundvoraussetzungen für auf gegenseitigem Respekt beruhende Beziehungen haben.

    Für mich ist die Geschichte (und vielen Dank für den Hinweis) ein sehr gutes Beispiel, wie archaische Konzepte auch im 21. Jahrhundert noch massiven Einfluss auf Forschung, Entwicklung und Wirtschaftsgebahren haben. Ist doch faszinierend, wie Pharmamultis in dieser ach so rationalen neoliberalen Business-Welt potentielle Gewinne ignorieren, weil die Machonagers denken, Männer ticken alle so wie sie.

  17. Petra sagt:

    “Gerade heute Abend habe ich eine Sendung im TV gesehen, wo berichtet wurde, wie gefährlich die neuen Pillen der 3. und 4. Generation sind! Sie verursachen vermehrt Lungenembolien und Thrombosen, und es gibt viele ernste Erkrankungen und sogar Todesfälle unter jungen Frauen. Trotzdem finden die “Herren der Schöpfung”, dass es keinen Anlass gibt, diese Pillen vom Markt zu nehmen.”

    Warum auch sollten es Männer für Frauen richten – mir völlig unverständlich. Tun Frauen doch umgekehrt für Männer auch nicht.

    Ich meine, wenn Männer besonders reizbar sind, was Nebenwirkungen angeht, dann zeigen sie da doch nur Gesundheitsbewußtsein … sei es ihnen gegönnt.

    Im übrigen kenne ich einige Frauen, die auf Grund der Nebenwirkungsmöglichkeiten der Pille auf diese verzichten.

  18. Petra sagt:

    Ok. Sprechen wir nicht von Frauen, sprechen wir von jungen Mädchen – denen werden diese hoch gefährlichen Pillen von ihren Ärzten (=Männer) verkauft.

    Es geht nicht darum, dass Männer irgendwas für Frauen richten sollen. Es geht hier in diesem Fall eher darum, dass Männer es verhindern, dass Frauen selbst etwas richten wollen. (=Präparate vom Markt nehmen lassen)

    Ich war selbst mal jung und hab ne Pille genommen. Und gleichzeitig viel geraucht. Seit mir die Gefährlichkeit dieser Kombination bewusst geworden war, habe ich anders verhütet. Ich weiß gut, wie dumm und unbelehrbar junge Menschen sein können, das habe ich nicht vergessen.

    Meine Nichte ist an einer Lungenembolie gestorben. Mit 22.

    Einer der Ärzte in der Sendung meinte bzgl der Todesfälle doch glatt, das seien Nebenwirkungen, die man für den Nutzen der Pillen eben hinnehmen müsste.

    Wäre es seine Nichte gewesen, hätte er so einen Stuss auch daherg’schwätzt???

  19. Sven sagt:

    Die Pille für Frauen mag umstritten sein, wegen ihrer Nebenwirkungen – trotzdem würde ich mich über eine hormonelle Verhütung für Männer freuen. Kondome mögen bei wechselnden Partnern besser sein, ob man sie in einer festen Beziehung für notwendig hält, sollte man aber jedem selber überlassen.

    Die momentane Lage ist nämlich alles andere als gut: Während frau breit auswählen kann, ob sie Pille, Spirale oder so nimmt, steht man(n) nur vor der Wahl Gummi oder Sterilisation… Wenn die Partnerin aus welchen Gründen auch immer keine Pille nehmen kann/will und man gleichzeitig nicht schon endgültig beschließen will, dass Kinder nichts für einen sind, dann bleibt nur das Gummi… mit all seinen Nachteilen.

  20. Petra sagt:

    Wow! Ich bin ehrlich erstaunt. So hab ich das noch nicht gesehen.

    Aber naja, so riesig ist die Auswahl nicht… die Alternativen sind, bis auf die Pille, auch nicht sonderlich sicher, was die Verhütung angeht.

    Es besteht also noch Hoffnung, dass sich die Forschung vielleicht doch mal auf den Mann konzentriert, wenn es um Verhütungsmittel geht. Die alten Herren, die immer Angst um ihre Potenz haben, gehen ja zum Glück nach und nach in Rente :o)

  21. iv sagt:

    @petra Die Gynäkologie mag ein ursprünglich männlich besetztes und (vielleicht?) auch heute noch dominiertes Feld sein – bei mir war es eine Ärztin, die meine Bedenken gegenüber der Pille angesichts der Tatsache, dass Mutter, Vater und Schwester bereits Venenthrombosen hatten, als hypochondrisch abtat. Ich habe den angeblich “furchtbar teuren und aufwändigen” Test unproblematisch bei einer Internistin gemacht, die die Sachlage wesentlich anders einschätzte. Als ich Monate später dieselbe Gynäkologin wegen diverser Nebenwirkungen ansprach, wurde mir mangelnde geistige/sexuelle Reife/Verklemmtheit unterstellt (ich war 27): Sinngemäß: “Sie haben sich da von Anfang an gesperrt dagegen, auch mit Ihrer Thromboseangst. Es gibt Mädchen, die sind 10-15 Jahre jünger und gehen da aufgeschlossener ran.”
    Und weil so eine Annäherung an den weiblichen Körper anscheinend weit verbreitet ist, wird es die Pille für den Mann nicht geben – und ich wäre auch ohnehin nur dafür, wenn es für den Mann nachweislich einen weniger drastischen Eingriff in hormonelle Abläufe bedeuten würde.

  22. fragezeichen sagt:

    Ich war selbst mal jung und hab ne Pille genommen. Und gleichzeitig viel geraucht. Seit mir die Gefährlichkeit dieser Kombination bewusst geworden war, habe ich anders verhütet.

    warum hast du nicht mit rauchen aufgehört? das wäre noch viel gesünder gewesen.

  23. Petra sagt:

    *lach*

    Mit Rauchen hab ich auch aufgehört, aber da es hier um die Pille geht und nicht um Zigaretten, hab ich das nicht extra erwähnt.

    @IV
    Diese Ärztin… da fehlen mir die Worte. Wissenschaftlerin ohne Herz, betriebsblind, beim Studium die Menschlichkeit verloren. Schade. Gibt es aber öfter.

  24. Neeva sagt:

    Nee, eine Wissenschaftlerin würde nicht stur auf ihrer Sicht der Dinge beharren und Fakten – wenn der Patient was sagt, hat das für den Arzt Fakt zu sein – nicht einfach abtun.

  25. XYZ sagt:

    Moment! Es geht in der o.g. Studie ja nicht um “die PILLE für den Mann” sondern um ein Implantat, das unter die Haut gebracht wird und Spritzen, die man immer mal wieder bekommt.

    Ich finde das schon einen gewissen Unterschied.
    Gerade bei Medikamenten spielt die Dareichungsform eine entscheidende Rolle beim Wirkempfinden, auch von Nebenwirkungen.

    Gibt es eine Studie zu den Wirkungen eines Verhütungs-Implantats und dessen Akzeptanz bei Frauen irgendwo nachzulesen?

    Nicht umsonst entscheiden sich die meisten Frauen für die Pille anstatt die diversen (und oft sichereren und Nebenwirkungsärmeren) Alternativen zu nutzen. Spirale, Hormon-Ring und was es nicht alles gibt.

    Also ich als Mann und Einzelperson würde eine Pille durchaus nehmen auch wenn sie die selben Nebenwirkungen hat wie die “Pille für die Frau”.

    Aber ein Implantat und Hormonspritzen ist mir dann doch zu krass. Da bleibts dann doch lieber beim Gummi – sicherer in Sachen Geschlechtskrankheiten ist das doch sowieso.

    Wie wärs denn mal mit einem gemeinsamen männlich/weiblichen Protestbrief an die Pharmaindustrie, die endlich das Projekt Pille für den Mann wieder aufnehmen sollte und dabei darauf zielen sollte, dass es auch wirklich eine Pille ist.

    Ich denke die Nachfrage wäre groß.

    Schönes Wochenende

  26. Sven sagt:

    Die Problematik des “erst erfundenen”. Wäre die Pille für den Mann als erstes entdeckt, so würde die Thematik heute wohl genau anders herum auftreten. Die Frage die ich mir jedoch Stelle ist, ob die Frauen allgemein wirklich wollen, dass der Mann für die Verhütung Sorge trägt.

    Mal von Ehe oder enger Vertrautheit abgesehen ist es für die Frau in den anderen Bereichen die einzige Möglichkeit wirklich zu entscheiden ob man Schwanger werden will oder nicht.

  27. der andere Sven sagt:

    Die Frage die ich mir jedoch Stelle ist, ob die Frauen allgemein wirklich wollen, dass der Mann für die Verhütung Sorge trägt.

    Sicherlich nicht alle. Aber selbst denen steht es ja frei, zusätzlich andere Verhütungsmethoden anzuwenden.

    Abgesehen davon: Klar, wenn was schief geht, ist am Ende die Frau schwanger, nicht der Mann. Verantwortung tragen aber trotzdem beide. Und sei es auch nur die finanzielle.

  28. M.S. sagt:

    @XYZ, es gibt auch ein Implantat für Frauen, ob es jetzt direkt eine Studie dazu gibt, weiß ich nicht.
    Aber eine meiner Freundinnen hat mal auf diese Weise verhütet und hatt überhaupt keine Nebenwirkungen, sie fand es eher viel praktischer, dass man eben nicht täglich daran denken muss, sich eine Pille einzuwerfen. Zusätzliche Spritzen gibt es allerdings bei Frauen nicht.
    Auch ich hätte mich bei der Verhütung lieber für ein Implantat entschieden, aber es ist leider zu teuer (die Pille ist in der gleichen Dauer evt. gleich teuer, aber man muss eben nicht alles auf einmal bezahlen)

  29. Marcie sagt:

    Also ich für meinen Teil hätte sehr gern ein Verhütungsmittel, daß ich jederzeit unbemerkt anwenden (oder bei Bedarf absetzen) kann, ohne daß meine Partnerin das kontrollieren kann. ;-)

    (P.S. Wer sich über diesen Beitrag aufregt, hat evtl. schon kapiert, daß eine Pille für Männer eher am Widerstand von Frauen scheitern könnte als an dem von Männern).

  30. Miriam sagt:

    Klar, wenn was schief geht, ist am Ende die Frau schwanger, nicht der Mann. Verantwortung tragen aber trotzdem beide. Und sei es auch nur die finanzielle.

    Genau das ist ja das Problem, ein Kind wird nicht groß einfach nur dadurch, dass man ihm monatlich Geld überweist… Natürlich ist Geld eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für das Kindeswohl.

  31. Miriam sagt:

    @ Marcie: Aber das gilt ja für die klassische Pille genauso, die kann eine Frau auch unbemerkt nehmen bzw. absetzen. Trotzdem laufen die Männer nicht sturm dagegen…

  32. der andere Sven sagt:

    Genau das ist ja das Problem, ein Kind wird nicht groß einfach nur dadurch, dass man ihm monatlich Geld überweist… Natürlich ist Geld eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für das Kindeswohl.

    Hab ich nirgends geschrieben. Aber die finanzielle Verantwortung ist das Minimum, zu dem man männliche Elternteile verpflichten kann. Dass das Kind davon nicht glücklich wird, steht auf einem ganz anderen Blatt, hat aber auch wenig mit der Wahl von Verhütungsmethoden zu tun – schließlich will man gerade keine Kinder bekommen, wenn man verhütet…

  33. iv sagt:

    @marcie: Nö, find ich völlig in Ordnung.

    Dass Implantate oder der Hormonring nebenwirkungsärmer sein sollen, ist auch ein großes Märchen, stimmt einfach nicht.
    Allerdings ist es, da gebe ich zu, ein großer Unterschied, ob ich irgendwo ein irreversibles Depot im Körper habe, oder ob ich jeden Tag selbst aufs Neue entscheiden kann, das Zeug weiter zu schlucken oder nicht (den Ring kann frau übrigens auch selbst jederzeit entfernen). Depotspritze oder Implanon wäre deshalb für mich nie in Frage gekommen.

  34. Steffan sagt:

    @Petra

    “Ja, an uns Frauen doktert man herum, obwohl es viel einfacher wäre, Männern eine Pille zu verabreichen.

    Gerade heute Abend habe ich eine Sendung im TV gesehen, wo berichtet wurde, wie gefährlich die neuen Pillen der 3. und 4. Generation sind! Sie verursachen vermehrt Lungenembolien und Thrombosen, und es gibt viele ernste Erkrankungen und sogar Todesfälle unter jungen Frauen. Trotzdem finden die “Herren der Schöpfung”, dass es keinen Anlass gibt, diese Pillen vom Markt zu nehmen.

    Tja.

    Gleichberechtigung nennt man sowas wohl.”

    Klar es gibt nur Männer unter den ärzten und in der pharmabranche und frauen sind alles analphabeten und unfähig den backpackzettel zu lesen wo alle bekannten nebenwirkungen aufgelistet sind…

  35. N.i.e. sagt:

    Frauen sind über die Pille in der Lage, die Hoheit über ihren Körper gegen Männer zu erlangen und zu verteidigen. Gar nicht auszudenken, wenn der Schlüssel zur Geburtenkontrolle weltweit wieder ausschließlich in Männerhänden läge.

  36. Petra sagt:

    Wer redet denn von Ausschließlichkeit?

    Ich dachte, es geht hier um die Erweiterung der Möglichkeiten :o)

  37. fragezeichen sagt:

    Dass Implantate oder der Hormonring nebenwirkungsärmer sein sollen, ist auch ein großes Märchen, stimmt einfach nicht.

    natürlich stimmt es. schon allein, weil die wirkstoffe nicht oral aufgenommen werden und bei der verstoffwechslung die sog. erste leberpassage wegfällt.

  38. Ariane sagt:

    Lol, letztens nach dem 5. Bier im Club:
    Und du, wie verhütest du?
    Mit so ner Art Spirale…
    Ach ja, stimmt, bist ja eine Emmanze:-)

  39. Tommel sagt:

    Das Hauptproblem dürfte doch wohl eher die “Darreichungsform” sein: Solange es eher eine (regelmäßige) Spritze als eine Pille für den Mann ist, wird das Ganze zum Scheitern verurteilt sein.
    Das hat dann auch weniger mit männlichem Weichei-tum als vielmehr mit praktischen Problemen (Hygiene, Verfügbarkeit, Schulung, usw.) zu tun.

    Dass sich für “Männerprobleme” immer noch kein Facharzt zuständig fühlt, kommt noch dazu.

  40. XYZ sagt:

    @Petra

    “Trotzdem finden die “Herren der Schöpfung”, dass es keinen Anlass gibt, diese Pillen vom Markt zu nehmen.”

    ???

    Es sind doch nicht ausschließlich Männer, die die Pillen produzieren aber es sind fast ausschließlich Frauen, die sie kaufen. Wo ist da die Logik?

    Und viele Frauen kriegen ihre Pillen von ihrer Frauenärztin verschrieben, ohne dass sie ausreichend über die Risiken aufgeklärt werden.

    Außerdem gibt es genug Alternativen zur Verhütung mit der Pille. Das muss sich niemand antun, der nicht will.
    Allerdings ist die Pille für den Mann keine Alternative, denn die gibt es schlicht (noch) nicht.
    Über die Gründe kann man gern spekulieren aber einiges klingt doch sehr nach Verschwörungstheorie. (böse Männer wollen Frauen mit der Pille unterdrücken)

    Dabei ist die Pille doch genau das Gegenteil. Zumindest wenn man in der Geschichte mal zurückschaut auf die Anfangszeit und was für eine Offenbarung die Pille für viele Frauen war. Wahrscheinlich hat man sich heute schon zu sehr an die Möglichkeit der Pille gewöhnt, dass man gar nicht mehr sieht wie schwierig das Thema vor ihrer Erfindung war.

    Ich frage mich, wie es wäre wenn es die Pille für den Mann gäbe:

    Ich stelle mir das immer so vor.
    Viele Männer in meiner Umgebung wollen in jungen Jahren eigentlich keine Kinder. Viele werden dann von ihrer Freundin “bequatscht” und irgendwann hört sie dann auf die Pille zu nehmen und so fügt sich eins zum anderen.

    Wenn diese Entscheidungsmacht jetzt bei den Männern läge, könnte ich mir vorstellen, dass es doch den einen oder anderen gibt, der sagt “Pille- nehm ich nicht mehr” aber sie heimlich doch nimmt, um das “Kinderkriegen” noch ein bisschen herauszuzögern.

    Ist wahrscheinlich genau so fies wie “Ups, Pille vergessen” – nur andersrum.

    Bin gespannt, falls das irgenwann mal Realität wird…

  41. Erna sagt:

    @ Trommel
    Es gibt in der Tat Fachärzte für Männer. Ich weiß nicht ob Andrologen mittlerweile in ganz Deutschland verbreitet sind aber es gibt sie.

  42. Tommel sagt:

    @Erna:
    Ich hab die Zahl von 929 Andrologen in Deutschland gefunden (Vergleich: ca. 18.000 Gynäkologen). Außerdem handelt sich dabei nur um eine Zusatzbezeichung, die man zu seinem “eigentlichen” Fachgebiet erwirbt (n paar Kurse, paar Nachweise, Dauer ca. 18 Monate), das ist noch kein wirklicher Vergleich zum voll ausgebildeten Gynäkologen.

    “Wenn diese Entscheidungsmacht jetzt bei den Männern läge, könnte ich mir vorstellen, dass es doch den einen oder anderen gibt, der sagt “Pille- nehm ich nicht mehr” aber sie heimlich doch nimmt, um das “Kinderkriegen” noch ein bisschen herauszuzögern.”
    Interessante Theorie…

    Genauso könnte ich mir vorstellen, dass besonders rücksichtslose Typen dann erst recht ohne Kondom rummachen, denn die aus ihrer Sicht “Hauptgefahr” ist gebannt.

  43. Steffan sagt:

    @Tommel: Genauso könnte ich mir vorstellen, dass besonders rücksichtslose Typen dann erst recht ohne Kondom rummachen, denn die aus ihrer Sicht “Hauptgefahr” ist gebannt.

    Zum sex gehören ZWEI! Wenn der Partner es ok findet, was gibt es da zu meckern?

  44. Erna sagt:

    @ Trommel: Naja, solche Angebote hängen ja auch mit der Nachfrage zusammen. Würde es ein verschreibungspflichtiges Verhütungsmittel für Männer geben oder würden mehr Männer zu Andrologen gehen, wäre es wahrscheinlich das die Ausbildung für diese Fachrichtung erweitert und mehr Ärzte dazu ausgebildet werden.
    Noch ist die Situation nicht zufriedenstellend aber zu sagen es gäbe keine Ärzte für Männer stimmt so eben nicht.

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