44 Tote wegen verletzter Ehre

von Susanne

Die kurdische Frauenrechtlerin Nebahat Akkoc sagt im Interview mit der Taz, das Massaker im türkischen südosttürkischen Mardin sei ein sogenannter Ehrenmord:

Ein Cousin wollte selbst die junge Frau heiraten. Gemäß der Tradition hätte er das Vorrecht gehabt. Aber die Familie des Mädchens gab sie einem anderen Bewerber. Der Cousin und seine Familien fühlten sich übergangen und in ihrer Ehre verletzt. Es kann aber auch sein, dass weitere Gründe eine Rolle spielten.

Das Mädchen hat bei der Frage, wen sie heiratet, nicht mitzureden?
Gerade in ländlichen Gegenden leben patriarchale Traditionen fort. Viele Mädchen können sich ihre Ehepartner nicht selbst aussuchen, sondern müssen den Mann heiraten, den ihre Familie ausgewählt hat. Und wenn sie sich widersetzen, müssen sie mit Gewalt rechnen.

Ist das immer noch so? Immerhin hat die türkische Regierung in den vergangenen Jahren mit einer Reihe von Reformen die Rechte der Frauen gestärkt.
Wir sind in den letzten Jahren wirklich ein gutes Stück vorangekommen: Gesetze haben sich geändert; Frauen, die sich an uns wenden, haben jetzt die Möglichkeit, Polizeischutz zu bekommen, wenn sie es wünschen. Zugleich stoßen wir noch immer auf Widerstände, wenn es gilt, die Gesetzesänderungen in die Tat umzusetzen.

Die Türkei muss – will sie wirklich EU-Mitglied werden – unbedingt einen riesen Schritt nach vorn machen, Richtung Gleichberechtigung. Akkoc sagt, dass immer noch viele Staatsanwälte und Polizeibeamte Gewalt an Frauen nicht ahnden, oder dass es zwar ein Programm gegen die sogenannten Ehrenmorde gibt, gleichzeitig aber kein Geld für deren Umsetzung bereitgestellt wird.

Nebahat Akkoc arbeitet bei der Stiftung Kamer in Diyarbakir.




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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 6. Mai 2009 um 11:18 Uhr unter Gewalt, Zeitgeschehen. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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3 Kommentare

  1. Rahab, Kanaan sagt:

    ich finde es schwierig, diesen artikel zu diskutieren.
    natürlich muß die Türkei schritte (nicht nur einen) machen. andererseits ist es falsch, diese tötungsaktion auf ‚verletzte ehre‘ eines abgewiesenen ehe-bewerbers mitsamt seinem clan zu reduzieren. immerhin geht es um land, um mitgift, um erbfolgen und um teilhabe oder nicht an staatsmacht vermittelt über nationalstaatliches territorium und darum, wie frauen darin vorkommen.

  2. leichenzehrer sagt:

    Bitte!
    Nicht nur mädchen sondern auch jungen können sich bei der zwangsheirat ihre partner nicht aussuchen.

  3. Rahab, Kanaan sagt:

    ja leichenzehrer, mit freiheit hat das auch für den aus welchen gründen auch immer ausgeguckten jungen/mann nichts zu tun! vielleicht hindert die vorstellung, dass in einer solchen ehe der mann immer noch mehr freiheiten habe als die frau, die hiesigen jungs/männers daran, da mal genauer nachzufragen? dabei liegt es doch eigentlich auf der hand, dass auch ein männliches wesen nicht unbedingt mit den vorstellungen seiner familie/sippe identisch ist. spätetens in einem solchen fall wie hier, in dem ja auch der mann die „zwangsehe“ nicht überlebt hat, sollten die jungs/männers aber mal aufwachen. oder?