Archiv für Juli 2011


Selbermach-Sonntag (31.07.11)

31. Juli 2011 von der Mädchenmannschaft

Bei dem anhaltenden Nicht-Sommer und dem regnerischen Grau müsste eigentlich jeder Tag ein (Selbermach)-Sonntag sein! Wir freuen uns über eure Linktipps, Neuigkeiten, Aufreger oder Freuden der Woche.

Eigenwerbung ausdrücklich erlaubt!


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Unter anderem: Astra, die Zweite – die Blogschau

30. Juli 2011 von Nadia
Dieser Text ist Teil 122 von 242 der Serie Die Blogschau

Ein großer Schritt für das Bundesverfassungsrecht, ein kleiner für transidenten Menschen, aber immerhin: Michaela berichtet über ihre Personenstandänderung, die überraschend und einfach so “über die Bühne gegangen ist und das alles ohne GaOp”.

Ninia La Grande hat mal wieder – und berechtigt – die Krawatte voll:  Nicht lange her, dass sie gegen die Pants-Werbung von Astra wetterte und den Werberat einschaltete, und nun folgt schon der nächste Streich der Company: Sexistische Werbung, gepaart mit rassistischem Quatsch. Und auch wir fragen uns natürlich: “Was ist das denn wieder für eine Shayze?!”

Um “Frau­en, das Viele, die Dif­fe­ren­zen, In­ter­sek­tio­na­li­tät und das “ver­ges­se­ne” wa­ren­pro­du­zie­ren­de Pa­tri­ar­chat” geht es in Roswitha Scholz Kritik am Post-Feminismus. Kann man sich gut anhören, und zwar hier.

UFO-Kult? Nein! Besser! “Am 22. September wird Joseph Aloisius Ratzinger Berlin besuchen.” Für diesen “besonderen” Abstecher Ratzingers ist am 30.7. um 15 Uhr eine Gegenkundgebung in Berlin geplant. Inklusive Special Guest.

Dann gab es noch das ominöse Interview mit zwei Sexarbeiterinnen aus Marokko von Martin Reichert, das vom anderdeutsch.blogger im Nachgang kompetent auseinander genommen wird.

Sina fasst die weltweiten Auswirkungen der US-Prostitutionspolitik zusammen – inklusive interessanter Verweislinks, die unterschiedliche staatliche Handhabungen verschiedener Länder thematisieren. Sehr lesenswert.

Hier gibt es einen absolut unterstützungswürdiger Aufruf zur Unterstützung gegen alle Vorfälle von sexueller Gewalt, sexistischen Übergriffen, Hate-Crimes und Belästigungen – als Reaktion auf den Vergewaltigungsvorfall beim transgenialen CSD.

Zum Norwegen-Attentat hat Regina Frey einen sehr ausführlichen Beitrag zur genderpolitischen Verortung des Täters verfasst: Somit ergänzt sie die die Debatte, die sich vorwiegend um Islamfeindlichkeit und Rassismus dreht, um sehr wichtige Aspekte – indem sie auch auf die sexistischen und antifeministischen Inhalte des UnManifests eingeht.

Die Humboldt Universität sucht Mentorinnen für first generation Students.

“Don`t Ask, don`t Tell”: Das seit 1993 bestehende Gesetz, das es Lesben und Schwulen im Us-amerikanischen Militär verboten hat, irgendwelche Hinweise auf ihre sexuelle Orientierung zu geben, wurde am 22. Juli außer Kraft gesetzt. Auch wir hatten uns an anderer Stelle schon Mal damit beschäftigt.

Und, last not least, ein schöner Text zur “Prüden Freizügigkeit”: Warum “sexuelle Tabu-Brüche” vor allem  in erster Linie nur angestaubte Vorstellungen von Sexualität festigen.


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Samstagabendbeat mit Mensch

30. Juli 2011 von Magda

Das französische Duo Mensch aus Lyon hat Gitarre, Bass, Keyboard, eine Drum Machine und ein knackiges Motto im Gepäck: Dance and die!

Mehr Infos zu Mensch findet ihr auf ihrer Homepage, auf Facebook und auf Twitter. Live erleben könnt ihr sie beim diesjährigen Berliner LaDIYfest am 13. August im SO36.


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Vulva verzweifelt gesucht

29. Juli 2011 von Anna-Sarah

Kürzlich berichtete der Mädchenmannschaft eine Mutter, dass bei ihrer 8 10jährigen Tochter im BiologieSachunterricht gerade das Thema „männliche und weibliche Anatomie“ auf dem Plan stehe. Dabei würde allerdings auf den entsprechenden Lehrmaterialien die Klitoris komplett unterschlagen. Dass sowas in der Schule passiert, ist tatsächlich bemerkenswert – generell aber nicht wahnsinnig überraschend angesichts der Tatsache, dass die sogenannten weiblichen Geschlechtsorgane sprachlich und bildlich gerne mal auf ein Loch oder eine Ritze, auf das Fehlen von Etwas reduziert werden. Wie Mithu M. Sanyal in ihrem Buch „Vulva – die Enthüllung des unsichtbaren Geschlechts“ (Rezension Mädchen­mannschaft), einer „Suche nach dem symbolischen Ort [...], den die Vulva in unserer Kultur besetzt”, schreibt:

“Anatomisch betrachtet besteht das primäre weibliche Geschlechtsorgan aus drei Einheiten: dem sichtbaren, äußeren Teil: der Vulva; der Körperöffnung, die den äußeren und den inneren Teil miteinander verbindet: der Vagina; sowie dem inneren, nicht sichtbaren Teil: dem Muttermund, der Gebärmutter und den Eierstöcken. In der Umgangs- und Fachsprache kommt die Vulva jedoch nahezu nicht vor. Stattdessen wird der Begriff Vagina verwendet. Dadurch bleibt von dem sichtbaren weiblichen Genitale nur ein Loch übrig.”

Hartnäckig hält sich der Mythos vom mängelbehafteten „nach innen verlegten Penis“ – analog entsprechender anatomischer Befunde aus der Renaissance – wider längst verfügbares besseres Wissen von der Komplexität dieses Organs, sowohl im wissenschaftlichen Kontext als vor allem auch in der Alltagssprache und -symbolik.

Kinder beginnen von dem Moment an, in dem sie anfangen, sich für diese Dinge zu interessieren, einen ganz bestimmten Blick auf die Geschlechtsorgane einzuüben – bestimmte Dinge zu sehen, andere eben nicht. Angeleitet werden sie dabei durch Eltern und Bezugspersonen, die ihrerseits oft versuchen, sich zu informieren, wie sie dem Kind dabei  zur Seite stehen können. So hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) eine Broschüre herausgegeben mit dem Titel „Liebevoll begleiten… Körperwahrnehmung und körper­liche Neugier kleiner Kinder“, die als Ratgeber für Eltern zur kindlichen Entwicklung vom 1. bis zum 6. Lebensjahr dienen soll. (mehr…)


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Ladyfeste, Queer Music History und falsche Feminist_innen – kurz verlinkt

28. Juli 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 115 von 231 der Serie Kurz notiert

„Ich war für das Recht auf Abtreibung, ich konnte nur nicht verstehen, warum jemand eine Spätabtreibung vornehmen lassen würde“ – Dana Weinstein erzählte Mother Jones, warum sie doch eine späte Abtreibung hatte und wie schwierig das heute bereits in den USA ist.

Die Washington Post berichtet ebenfalls über dieses Thema und stellt den Gynäkologen LeRoy Carhart vor. Vor 20 Jahren brannten Abtreibungsgegner seine Farm nieder, aus Angst vor weiteren Mordanschlägen leben er und seine Angestellten mit einer Reihe an Vorsichtsmaßnahmen.

“Wenn am Sonntag in New York das Gesetz zur Legalisierung der Ehe gleichgeschlechtlicher Paare in Kraft tritt, wird es eine Rekordzahl von Trauungen geben”, berichtet dieStandard.at.

Wundervolle Aufnahmen hat The Boston Big Picture von der Fußballweltmeisterschaft 2011.

Queer Music History 101: Texte, Audios, Bilder – alles über die Geschichte queerer und queerender Musik.

Das Public Insight Network und Ms. Magazine rufen Betroffene sexualisierter Gewalt dazu auf, ihre Geschichten zu erzählen.

Schlampige Übersetzung oder sogar böswillige Verfälschung? Jezebel berichtet, dass das vermutliche Opfer von Dominique Strauss-Kahn nie sagte, hinter seinem Geld her zu sein. Tatsächlich sind ihre Aussagen konsistent, Strauss-Kahns Anwälte äußern sich inzwischen nicht mehr dazu.

Zeit zum Schmunzeln: Thought Catalog stellt verschiedene Typen von Feminist_innen vor. Pandagon.net antwortet mit einer Liste typischer “Fauxminists” (auch: False Feminists – Falsche Feminist_innen).

Die leitende Geschäftsführerin von Facebook, Sheryl Sandberg, setzt sich für die Gleichbehandlung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt ein. Allerdings mit sehr fragwürdigen Mitteln, wie Nerve.com zurecht kritisiert.

Solltet ihr vom 16-18. September in Rom sein – ab zum Ladyfest!

LADYFEST 2011 – SPOT vom LadyFest Rome auf Vimeo.

Um Slutwalks in Lateinamerika (dort Marchas de las putas genannt) geht es in einem Audiobeitrag von onda, der Agéncia radiofónica Latinoamérica-Europa.

Soft skills besitzen und für Selbstdarstellung sorgen sind, so heißt es oft, die Karrierestrategien. Aber nur für Männer, heißt es bei der Wirtschaftswoche. Denn Frauen werden damit nicht mehr als Individuen wahrgenommen, sondern mal wieder als Repräsentantinnen ihres Geschlechts, so eine Studie der TU Berlin. Ein weiterer „weiblicher Karrierefehler“: Probleme lösen wollen, statt sich auf Kosten anderer zu profilieren.

Immer wieder angekündigt – bis heute nicht auf dem Markt. Für Deutschlandradio Kultur hat Sigrun Damas die Geschichte der Pille für den Mann nacherzählt.

Der Spiegel schreibt über Pakistans neue Außenministerin, Hina Rabbani Khar, und die Vorurteile und den Sexismus, der ihr entgegenschlägt. Und titelt dann selbst „Die Schöne und die Generäle“.

Eine alte Studie hat Wired (die US-Blogausgabe) ausgegraben. Danach werden heterosexuelle Männer durchaus von Schwulenpornos angetörnt – aber nur diejenigen, die eine Abneigung gegen Homosexuelle zu Protokoll gaben.


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Für das revolutionäre Herz

28. Juli 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 5 von 18 der Serie Wanna Disco? Listen Up!

In unserer neuen Serie “Wanna Disco? Listen Up!” (Le Tigre meets Gossip) stellen wir euch (feministische) Musiker_innen vor, die euren Player zum Grooven bringen. Bereits interviewt haben wir djane mithras (Djane Kurse für Mädchen und Frauen), Sookee (HipHop), The Stattmatratzen (Punk) und Zorro Zensur (New Wave/Punk). Heute sprechen die drei Musikerinnen Mel, Inna und Eve von Monsterbeat and the Immigrant neuerdings Stereowoolf (auch auf twitter und facebook) über weibliche Vorbilder, Sexismus in der Musikszene und warum sie nicht auf allen Konzerten spielen. 

Monsterbeat and the Immigrant

In einer Welt voll Elektro und Indie haben Monsterbeat and the Immigrant ein neues Genre erschaffen – 21st century riot grrrl rock! Erst Oktober 2010 in Marburg formiert, treffen sie das revolutionäre Herz mit Texten über Themen, über die sich nur wenige Leute zu singen trauen, mal offensiv, mal subtiler – untermalt durch Klänge mit Ohrwurmgarantie! Und das alles D.I.Y!

Ihr kommt aus Marburg. Gibt es dort eine feministische (Musik-)Szene?

Eve: Eine feministische Szene gibt es sehr wohl! Und aus genau der kommen wir auch. Das heißt, sie hat uns den letzten Anstoß gegeben, uns als Band zu formieren.

Inna: Eine Musikszene hat aber erst kürzlich angefangen, sich zu entwickeln. Es gab z.B. im Mai den ersten Schlagzeug- und Gitarren-Workshop für Frauen. Außerdem organisieren wir eine Open Stage, zu der jetzt auch immer mehr Frauen kommen und mitspielen.

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Europaparlament fordert die Quote

27. Juli 2011 von Franziska
Dieser Text ist Teil 12 von 22 der Serie Post aus Brüssel

Salut aus Brüssel,
dieses Mal übernehme ich für die Kolumne in Ansätzen unsere Pressemitteilung, die wir vor zwei Wochen angesichts der Forderung nach mehr Frauen in den Vorständen und einer verbindlichen Frauenquoten formuliert haben.

Hintergrund war, dass das Europaparlament den Bericht “Frauen und Unternehmensleitung” angenommen hat und darin die Wirtschaft auffordert, den Anteil von Frauen in Vorstandsgremien zu erhöhen oder verbindliche Quoten zu akzeptieren. Dazu lautete meine Erklärung:

Wir nehmen es nicht länger hin, dass gerade einmal 12 Prozent der Vorstände und 3 Prozent der Führungskräfte weiblich sind. Die Wirtschaft muss sich endlich von ihren Altherren-Clubs verabschieden. Sollten bis 2012 nicht spürbar mehr Frauen in Führungsgremien sitzen, brauchen wir verbindliche Quoten. Die Wirtschaft verliert sonst weiter Potential und der Staat viel Geld, das er in die Ausbildung von Frauen investiert, die es dann nicht in Spitzenpositionen schaffen. Einige Länder haben das längst erkannt, allen voran Norwegen und Frankreich, seit kurzem gehört auch Belgien dazu. Die Selbstverpflichtung der deutschen Wirtschaft zeigt seit zehn Jahren kaum Ergebnisse. Ohne gesetzliche Quote wird sich in deutschen Unternehmen nichts bewegen. Es wird Zeit, dass Brüssel handelt.

Es ist also einiges in Bewegung und ich werde euch auf dem Laufenden halten, wie es weitergeht. Bis dahin einen sommerliche Gruß!

Eure Franziska


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Battlefield 3 startet in Texas ohne Frauen

27. Juli 2011 von Helga

Geschlechtertrennung ist auch in der westlichen Welt noch ganz schön lebendig. Gerade berichtete Tami B. im Blog Border House über die Ankündigung einer großen LAN-Party in Texas. Auf solchen Parties treffen sich Computer­spieler­_innen, um gemeinsam eines oder mehrere Games zu zocken. In diesem Fall ging es um den Start von Battlefield 3 (kommt im Oktober). Um allen Beteiligten ein angenehmes Spielklima zu verschaffen entschieden sich die Veranstalter(_innen?), das Event einfach nur für Männer zu öffnen.

AUF DEM WEG ZU IHREM NÄCHSTEN EINSATZZIEL DURCHQUERT EIN TEAM VON MARINEINFANTERISTEN EINE GASSE TIEF IN FEINDLICHEM GEBIET.

Pressebild über battlefield.com/de

Nothing ruins a good LAN party like uncomfortable guests or lots of tension, both of which can result from mixing immature, misogynistic male-gamers with female counterparts. Though we’ve done our best to avoid these situations in years past, we’ve certainly had our share of problems. As a result, we no longer allow women to attend this event.

Nichts ruiniert eine gute LAN-Party mehr als Gäste die sich unbehaglich fühlen oder große Spannungen – beides kann aus der Mischung von unreifen, frauenverachtenden Gamern mit weiblichen Gegenstücken herrühren. Auch wenn wir in den letzten Jahren unser bestes getan haben, diese Situationen zu vermeiden, hatten wir einige Probleme. Als Konsequenz werden wir Frauen nicht länger erlauben, teilzunehmen.

Nach einiger Kritik nahmen sie diesen Absatz wieder zurück. Im entsprechenden Forum erklären sie zunächst die Hintergründe der Entscheidung – eine Gamerin hatte sich über einen furchtbaren Typen beschwert. Der im Übrigen so schlimm war, dass ihn niemand mehr da haben wollte und er rausgeworfen wurde. Nach einem Internetshitstorm mit erfundenen Kommentaren und echten Drohmails sieht man die Konsequenzen jetzt aber anders. (mehr…)


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Bravo verherrlicht Vergewaltigungen

26. Juli 2011 von Nadine

Über den Gehalt der Foto-Lovestorys im Jugendmagazin Bravo lässt sich streiten: Geschlechterklischees und Heternormativität sind immer wieder gern gesehene Zugaben für die Redaktion, um die Geschichten der Jugendlichen mit Inhalt zu füllen.

Uns erreichte gestern ein Hinweis auf diese Geschmacklosigkeit in einer Foto-Lovestory namens “Der One-Night-Stand” (Triggerwarnung!): Neben den üb­li­chen langweiligen sexistischen Implikationen (Jungs wollen unter sich sein und Fuß­ball gucken, Mädchen nerven dabei nur – Mädchen wollen lieber kuscheln, sind emotional und engen ihren Partner ein), wird in diesem Fotostrip nicht-kon­sen­sualer Sex dargestellt, ohne diesen zu problematisieren.

Sie betrinkt sich, weil sie sauer auf ihren Partner ist, ein anderer Junge bringt sie nach Hause. Dort schläft sie betrunken ein, während er ihre Lage schamlos ausnutzt. Die Situation wird im Anschluss nicht problematisiert, sondern als “harm­loser” One-Night-Stand und “Fremdgehen” verkauft. Als ob das nicht schon un­er­träg­lich genug wäre, erfährt sie im Anschluss, dass der Junge, der gegen ihr Ein­ver­ständnis und ohne Kondom Geschlechts­verkehr mit ihr hatte, ein HIV-Infizierter ist. Zu den Vergewaltigungs­verharmlosungen, -mythen und Victim Blaming in dieser Foto­serie gesellen sich also auch noch Vorurteile gegen HIV-Erkrankte, die – pathologisiert und sozial isoliert – rücksichtlos Menschen “an­stecken”, sobald sich eine Gelegenheit ergibt.

Besonders widerlich in dieser Bravo Foto-Lovestory ist das Gegeneinander-Ausspielen von diskriminierenden Klischees gegenüber Frauen, die vergewaltigt wurden, und HIV-Infizierten. Wer_welche sich beschweren möchte, kann dies beim Presserat tun oder eine Email an die Bravo-Redaktion schreiben.


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Ägypten: Immer noch ein Staat der Revolution

26. Juli 2011 von Helga

Im März berichtete Amnesty International von Vorwürfen, nach denen ägyptische Demonstrantinnen entwürdigenden „Jungfrauentests“ unterzogen wurden. Bei „Nichtbestehen“ drohte man mit Anklagen als Prostituierte. Später erhärteten sich sich die Vorwürfe, ein General entschuldigte das Vorgehen, bei den Betroffenen habe es sich nicht um „ehrbare Frauen“ gehandelt habe.

Nun haben eine Reihe an Frauenrechtsorganisationen eine gemeinsame Petition gegen den Verteidungsminister und den Vorsitzenden der Armee, die gerade die Übergangsregierung stellt, eingereicht. Sie wollen verhindern, dass die Tests als Routineinstrument gegen Demonstrantinnen eingesetzt werden und so die Beteiligung von Frauen in der Politik verhindern. Mit der Journalistin und Aktivistin Bothaina Kamel gibt es immerhin bereits eine Präsidentschaftskandidatin.

Leil-Zahra Mortada (die bereits die Facebookgalerie “Women of Egyptstartete) hat unterdessen ein neues Projekt begonnen. “Words of Women from the Egyptian Revolution” heißt es und soll Videobotschaften von Frauen sammeln, die an der Revolution beteiligt waren.

Das Projekt soll in drei Phasen ablaufen. Zunächst sollen Frauen aus Kairo interviewt werden, anschließend Frauen aus ganz Ägypten. Wenn das Projekt erfolgreich läuft, soll es auch Videos aus anderen arabisch-sprachigen Staaten geben. Dafür sammelt Mortada noch Spenden – immerhin etwas über 1000 Dollar sind aber bereits zusammen gekommen.

Seit einigen Tagen sind die Aktivist_innen in Kairo auch wieder auf dem Tahrirplatz. Sie protestieren gegen die Militärübergangsregierung, die ihrer Ansicht nach zu langsam handelt. Auch dass Zivilist_innen vor Militärgerichte gestellt werden, wie es bereits unter Mubarak der Fall war, wird kritisiert. Am Samstag kam es daher zu gewalttätigen Auseinandersetzungen – wie es in Ägypten nun weitergeht bleibt erstmal unklar.


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