Archiv für Oktober 2010


Selbermach-Sonntag (31.10.10)

31. Oktober 2010 von Verena

Sepiabild eines kleinen Mädchens beim Spielen Die Uhren sind umgestellt, der Winter kann kommen. Vorher aber wie jeden Sonntag für Euch die Gelegenheit, im Selbermach-Sonntag Lust und Frust abzulassen oder auch gerne auf eigene Blogs und Initiativen aufmerksam zu machen.

Viel Spaß und schönen Sonntag!


Facebook | |


Maskiert oder doch lieber stereotyp in Unterwäsche?!

30. Oktober 2010 von Verena
Dieser Text ist Teil 65 von 260 der Serie Die Blogschau

Die Denkwerkstatt veröffentlicht den zweiten Teil des Interviews mit der Literaturwissenschaftlerin Anna Babka. Es geht um Binnen-I, Unterstrich und andere Sprachreinheiten.

Girls Can Blog wirbt für die Onlineumfrage der FH Bielefeld zum Forschungsprojekt „Migrantinnen in Führungspositionen“

Bei scienceblogs wird Bingo! gerufen. Die liebsten Bullshit-Argumente zur geschlechterneutralen Sprache wurden da zusammen getragen. Das ein oder andere habe ich doch schon mal irgendwo gehört…

Den Protest “1000 Kreuze in die Spree” gegen die im September in Berlin versammelten Abtreibungs-GegnerInnen kommentiert Koerpermacht, zusammen mit diesem Video

Antje Schrupp liest Angela McRobbie und stellt der postfeministischen Makerade ein paar grundlegende Fragen.

In eine ähnliche Richtung denkt Nana Adusei-Poku auf stylemag.net aktuelle Popmusikerinnen und ihren Popporn betreffend.

standard.at berichtet über den Wahlsieg Susana Villarán als erste Bürgermeisterin Limas

Die Klamottenmarke Diesel hat eine neue Unterwächenkampagne, der sounds-like-me mal auf den heterosexuell normierten Hintern blickt.

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter post(at)maedchenmannschaft.net Bescheid.


Facebook | |


Frauen- und Gendernews im Überblick

29. Oktober 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 59 von 253 der Serie Kurz notiert

Ein Schritt vor und zwei zurück? Nachdem HartzIV-Empfänger_innen kein Elterngeld mehr bekommen, sollen auch die Besserverdienenden davon ausgenommen werden, stand bei SpiegelOnline. Ein klitzekleines Bißchen mehr Gerechtigkeit, noch deutlicheres Eingreifen in die familiäre Selbstbestimmung oder Abwertung des Elterngeldes?

Außerdem auf der Agenda der Regierung stehen Zwangsverheiratung als neue, eigenständige Straftat und die gleichzeitige Erhöhung der Wartefrist zum eigenständigen Bleiberecht bei nachgezogenen Ehegatt_innen. Terre des Femmes kritisiert den „Kuhhandel“, die angestrebte Härtefallregelung werde wirkungslos bleiben, weil Gewalt in der Ehe kaum zu beweisen sei.

Mitten in der Integrationsdebatte erschien das neue Buch von Alice Schwarzer „Die große Verschleierung.“ Für die taz hat es sich Heide Oestreich durchgelesen und befindet: Keine praktischen Lösungen, sondern nur allgemeiner Alarm.

High Tech-Firmen werden selten von Frauen gegründet. Alle High Tech-Firmen? Nein, eine Branche widersetzt sich dem Trend. Slate erklärt, warum es in der Biotechnologie mehr Gründerinnen als in den anderen Zweigen gibt.

Aus der medizinischen Forschung gibt es dagegen schlechte Nachrichten. So berichtet die New York Times, dass die Hormontherapie für Frauen in der Menopause nicht nur das Brustkrebrisiko allgemein erhöht, sondern auch die Symptome erschwert und das Todesrisiko leicht ansteigen lässt.


Video October Trans 2010 (english) von Stop Trans Pathologization auf VimeoNoch ein Aktionstag, der leider schon letztes Wochenende war: Der Internationale Aktionstag gegen Trans*Pathologisierung. Mehr Informationen auf www.stp2012.info.

Die neuere Geschichte der Modelgrößentrends hat Mercedes Lauenstein auf jetzt.de zusammengetragen und beschreibt dabei auch ihre eigene Entwicklung. Vom „Heroin-Chic“ und Körperkomplexen weg, hin zu bunter Lebensfreude.

Um den „Feminismus des 21. Jahrhunderts“ geht es in dem zweisprachig englisch-französischen Magazin FEM 21 (pdf) der European Women’s Lobby. Mit dabei die Gewinner_innenfotos der EWL Photo Competition 2010, Mutterschaft und Behinderung und „Ich bin kein_e Feminst_in, aber…“.

Noch bis morgen läuft die Konferenz „Krisen bewältigen, bewaffnete Konflikte beenden“ des Gunda-Werner-Instituts und wer nicht teilnehmen kann, hat die Möglichkeit, einige der Veranstaltungen im Livestream anzuschauen.

Die Sendung queerblick tritt beim Bürgermedienpreis der Landesanstalt für Medien NRW an. Deutschlands erstes TV-Magazin für schwule, lesbische, bisexuelle und transidente Jugendliche ist für den Publikumspreis nominiert. Noch bis Sonntag 24 Uhr habt ihr Zeit, das einzige queere Format im Wettbewerb an die Spitze zu voten!

Zum Schluss noch etwas Polemik: Auf babyzimmer.de beschreibt Userin Eva den Zustand deutscher Damentoiletten (katastrophal) und die Sozialisation des Toilettengangs (furchtbar kompliziert).


Facebook | |


Demo in München: “My Body My Choice”

27. Oktober 2010 von Magda

Nicht vergessen: Am kommenden Samstag, den 30. Oktober, findet unter dem Motto “My Body My Choice” die Gegendemonstration zum “1000 Kreuze Marsch” in München statt.

Die Kundgebung beginnt ab um 11 Uhr am Rindermarkt.


Facebook | |


Tu IHN unten rein

27. Oktober 2010 von Verena

Fragwürdiges Merchandising betreiben die Stuttgart-21-Befürworter, wie Dora Asemwald freundlicherweise in ihrem virtuellen Tagebuch kommentierte. Danke Dora!

Auf einem weißen T-SHirt, das die Stuttgart-21-Befürworter am Rande einer Demonstration verkauften, ist der Umriss einer knienden Frau zu erkennen, die eine Handbewegung macht, als würde sie sich einen wie auch immer gearteten Gegenstand einführen.

Vielleicht kann jemand Doras Fragen, ‘wen’ und ob ‘hinten’ oder ‘vorne’ beantworten?


Facebook | |


Der ungleiche Start von Jungen und Mädchen

27. Oktober 2010 von Helga

Im britischen Independent gibt es einen sehr umfangreichen Artikel über die Ungleichbehandlung von kleinen Jungen und Mädchen und den langfristigen Folgen. So geben beispielsweise 88 Prozent der Mütter an, nach Geschlechtern zu differenzieren, auch wenn sie es eigentlich falsch finden. Dabei sind sie doppelt so häufig kritischer gegenüber Töchtern. In anderen Studien sollten Mütter die Geschicklichkeit und Risikobereitschaft ihrer Babies einschätzen – hier wurden die Fähigkeiten der Jungen meist deutlich über-, die der Mädchen unterschätzt. Daran anschließend werden kleine Mädchen von ihren Eltern stärker beschützt, Jungen aber zu mehr Eigenständigkeit ermuntert. Zusammengenommen eine ungesunde Mischung. Im Erwachsenenleben denken Männer dann oft, sie verdienten einfach mehr Freiheiten als Frauen, während diese äußerst selbstkritisch sind, so eine befragte Psychotherapeutin. Wie genau dieser Prozess im Kindesalter abläuft, beschreibt eine Mutter:

“I try not to criticise Sophie more than Luke because I obviously love them equally, but I think I do. With table manners, for example, I let him get away with more. I’m also guilty of using terms like ‘funny’ and ‘cheeky’ for Luke, and ‘argumentative’ and ‘serious’ for Sophie. But life is harder for a woman – they have to look their best and work harder to get somewhere. Maybe subconsciously, I’m trying to prepare her for what I know lies ahead.”

„Ich versuche, Sophie nicht mehr zu kritisieren als Luke, weil ich sie natürlich beide gleich liebe, aber ich denke ich mache es. Wenn es etwa um Tischmanieren geht, lasse ich ihm mehr durchgehen. Ich bin auch schuldig beim Verwenden von Beschreibungen wie ‚lustig‘ und ‚frech‘ für Luke und ‚streitsüchtig‘ und ‚ernst‘ für Sophie. Aber das Leben ist härter für eine Frau – sie müssen immer gut aussehen und härter arbeiten um voranzukommen. Vielleicht versuche ich unterbewußt, sie auf das vorzubereiten von dem ich weiß, dass es sie erwartet.“

Außerdem kommt Angela McRobbie zu Wort, zu deren Kritik an „postfeministischer Maskerade“ und dem Backlash hin zu aufwendigen Schmink- und Kleidungsritualen, auch gerade Antje Schrupp gebloggt hat.


Facebook | |


Reader zum Genderkongress der Bundeszentrale für politische Bildung

26. Oktober 2010 von Nadine

genderkongress

Am Donnerstag beginnt der dreitägige Gender-Kongress der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) “Gender, Glück und Krisenzeiten in der globalen Ökonomie – Das flexible Geschlecht“. Die Teilnahme ist kostenlos für alle Besucher_innen, was erstaunlich und ziemlich toll ist, angesichts der namhaften Referent_innen, die die bpb für den Kongress gewinnen konnte. Das Programm ist äußerst vielversprechend, vielfältig und zum Teil kontrovers, was auch wieder super ist, weil die Foren in ihrer jeweiligen Dauer sehr großzügig bemessen sind. Spannende Diskussionen dürften also garantiert sein!

Von einigen Referent_innen habe ich schon ein paar Sachen gelesen und da dachte ich mir: Wissen für alle! Nachfolgend also ein paar Links und PDFs zu den geistigen Ergüssen der Speaker. Um Debatten und Diskussionen ein bisschen besser einordnen zu können, sich zu bilden (tut ja generell immer gut), für alle, die nicht auf der Veranstaltung sein können oder einfach als Gimmick zum Kongress.

(mehr …)


Facebook | |


Unser Recht auf Porno beim Barcamp Frauen

26. Oktober 2010 von Verena

PorNo, PorYes oder doch lieber die ‘was geht mich das an’-Frage, am kommenden Samstag können wir drüber diskutieren. Beim Barcamp Frauen in der Berliner Kalkscheune. Der Frage nach feministischen Pornos möchte ich im entsprechenden Workshop nachgehen. Wenn ihr dabei sein wollt, meldet Euch an fürs Barcamp und kommt vorbei. Natürlich auch, um über all die anderen Themen zu reden, die euch am Herzen liegen, egal ob es um Kinderbetreuung, Integration, Queerness oder Karriere geht.

Weiß-orangenes Banner zum barcamp Frauen, am 30.10.2010 in der Kalkscheune Berlin

Auch wenn über das tatsächliche Programm erst vor Ort entschieden wird, können jetzt schon auf der Webseite des Barcamps Interessenskreuzchen gemacht werden. Vermisst ihr ein Thema? Schlagt es selbst vor und bringt Leute mit, die ebenfalls Lust auf Diskussionen haben, zu politischen und gesellschaftlichen Themen Stellung nehmen oder einfach neue Perspektiven gewinnen wollen.

Zusammen mit dem Freitag, vorwärts und anderen präsentiert die Mädchenmannschaft das Barcamp Frauen. Wir freuen uns auf spannende Gespräche und neue Offline-Kontakte!

Das „Barcamp Frauen” findet am 30. Oktober 2010 in der Kalkscheune in Berlin Mitte statt. Neuigkeiten rund um das Barcamp gibt es auf Twitter und Facebook, sowie der offiziellen Seite.


Facebook | |


Hilfe, schon wieder ein Gedenktag!?

26. Oktober 2010 von Helga

Weißer Hintergrund mit schwarz-roter Schrift: LGBT… I? Invisible. Ignored. INTERSEX Be INformed. 26. Oktober oder auch Intersex Awareness Day, der Tag der Intersexualtität. Uff, werden da wieder einige sagen, haben wir nicht schon den Tag gegen Gewalt gegen Frauen, den Internationalen Tag gegen Gewalt an Sexarbeiter_innen oder den Transgender Day of Remembrance? Überhaupt, immer diese Aktions- und Gedenktage, muss das sein?

Und wieviel bringen diese Tage eigentlich? Menschen werden immer noch geschlagen, Transgender müssen sich immer noch sterilisieren lassen um ihr Geschlecht legal ändern zu lassen und es wir weitergeforscht, wie die Klitorisreduktionen an kleinen Mädchen zu verbessern sind, statt ihre körperliche Integrität zu achten.

Doch dass sich ohne Gedenktage etwas ändern würde, ist noch unwahrscheinlicher. Sie sind der Knoten im Kalender, der Tag an dem wir auf ein Thema schauen müssen, das wir ansonsten vielleicht gerne ausblenden. Ein Tag, an dem wir uns fragen sollten, was wir eigentlich getan haben, um an diesem Missstand etwas zu ändern. Für die Betroffenen kann ein Gedenktag ein Ventil sein, gegen all das Unrecht lauthals zu protestieren, das ihnen widerfährt.

Auch wenn es manchmal scheint, als sei jeder Tag ein Gedenktag kann der Ausweg nicht sein, die Augen zu verschließen. Sondern weiter gegen Benachteiligungen zu kämpfen. Statt sich als Unbetroffene auf seinen Priviliegien auszuruhen, sind wir alle gefordert, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Daher zum Schluss ganz unironisch die Ärzte:

„Es ist nicht Deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist, es wär’ nur Deine Schuld wenn sie so bleibt.“


Facebook | |


Wer war… Rosa Parks?

25. Oktober 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 22 von 40 der Serie Wer war eigentlich …

„Die einzige Sache, die mich ärgert, ist, dass wir so lange mit dem Protest gewartet haben.“ (Rosa Parks über den Montgomery Bus Boycott)

Rosa Parks und Dr. Martin Luther King jr. (ca. 1955) via Wikimedia/Commons

Rosa Parks und Dr. Martin Luther King jr. (ca. 1955) via Wikimedia/Commons

Die US-amerikanische Bürgerrechtlerin Rosa Parks (geboren Rosa Louise McCauley) kam am 4. Februar 1913 in einer ländlichen Gegend in Alabama zur Welt. Rosa und ihr Bruder wurden von ihrer Mutter, einer Lehrerin, allein groß gezogen und lange Zeit zu Hause unterrichtet. Parks begann als Näherin zu arbeiten und heiratete mit 19 Jahren Raymond Parks, ein Friseur, der in der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) aktiv war. Die NAACP ist eine Bürgerrechtsorganisation, die seit 1909 bis heute für die Rechte von Afroamerikaner_innen in den USA kämpft.

In den Südstaaten herrschte zu der Zeit noch eine strikte Trennung zwischen Weißen und Schwarzen in öffentlichen Bereichen wie Toiletten, Restaurants und den öffentlichen Verkehrsmitteln. Als sich Rosa Parks am 1. Dezember 1955 weigerte, ihren Platz für einen weißen Mann frei zu machen, wurde sie verhaftet und später zu einer Geldstrafe verurteilt.

Martin Luther King jr., damals ein noch relativ unbekannter Prediger, organisierte mit unzähligen Aktivisten und Aktivistinnen den berühmten Montgomery Bus Boycott. Die von den Afroamerikaner_innen organisierten Fahrgemeinschaften in privaten Autos führten zu enormen finanziellen Verlusten für die Verkehrsbetriebe. Der über ein Jahr lang anhaltende Protest endete mit dem Urteil des US-amerikanischen Supreme Courts, welches die Segregation in den Bussen beendete.

Parks war keinesfalls eine ältere müde Dame, die sich spontan dazu entschied, die rassistische Segregationspolitik herauszufordern. Ihr Handeln erwuchs aus jahrelangem aktiven Engagement in der Bürgerrechtsbewegung. Bereits seit 1943 arbeitete sie ehrenamtlich als Sekretärin für die NAACP.

Gestern vor fünf Jahren verstarb Rosa Parks mit 92 Jahren.

Lesetipp: Belinda Robnett (1997): „How Long? How Long? African American Women in the Struggle for Civil Rights.“ Oxford University Press.


Facebook | |



Anzeige