Archiv für Juni 2009


Von einem Matriarchat

16. Juni 2009 von Barbara
Dieser Text ist Teil 29 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

Der argentinische Arzt, Journalist und Fotograf Ricardo Coler hat bereits mehrere Bildbände und Reportagen über Matriarchate veröffentlicht. Sein 2005 in Argentinien erschienenes Buch „Das Paradies ist weiblich“ über eine ethnische Minderheit in China, die Mosuo, wurde in Argentinien schnell zum Bestseller. Nun ist es auf Deutsch erschienen. Coler besuchte für längere Zeit die Mosuo. Eine Gemeinschaft von etwa 35.000 Menschen in der Provinz Yunnan. Sie betreiben Ackerbau und Viehzucht sowie Handel mit den benachbarten Dörfern. Sie sind gläubige Buddhisten und leben in einem Matriarchat. Was bedeutet die Umkehrung der für uns gängigen Machtverhältnisse für den Alltag dieser Menschen? Einige Beispiele:

  1. Die Mosuo leben zusammen mit ihren Blutsverwandten: Familienoberhaupt ist immer eine Frau – die Matriarchin. Das kann die Großmutter, die Mutter oder die älteste Tochter sein. Alle anderen Familienmitglieder ordnen sich der Matriarchin unter. Sie sind alle mit ihr verwandt – ist es etwa die Großmutter, sind es ihre Töchter und Söhne, Enkeltöchter und Enkelsöhne. Die leiblichen Väter leben nicht mit ihren Kinder oder Partnerinnen zusammen.
  2. Es gibt keine feste Partnerschaft zwischen Mann und Frau wie wir sie kennen, sondern etwas, das im Buch als „Besuchsehe“ bezeichnet wird. Jeden Abend empfängt eine Mosuo-Frau einen Mosuo-Mann ihrer Wahl als Besuchs-Geliebten. Es kann jede Nacht derselbe, oder auch jede Nacht ein anderer sein. Der Mann bleibt über Nacht, zeugt möglicherweise ein Kind, und verlässt im frühen Morgengrauen wieder das Zimmer der Frau. An ihrem Alltagsleben und an ihrer Familie nimmt er keinen Anteil.
  3. Die Frauen haben das Sagen. Und die Arbeit – sie packen mit an, schmeißen den Haushalt und kontrollieren das, was die Männer in ihrem Auftrag erledigen. Lediglich in ganz großen Belangen fällen Männer Entscheidungen, z. B. im Viehkauf oder Hausbau. Coler zitiert dazu eine der Matriarchinnen: „Große Entscheidungen, na ja, nichts wirklich Wichtiges, aber das können die Männer, und sie nehmen uns damit das ein oder andere Problem ab.“

Schwer vorzustellen, ein solcher Alltag. Diese Macht der Frauen scheint die Männer sehr zu entmündigen. Das Zusammenleben der Mosuo erscheint auch Coler nicht sehr ausgeglichen:

„Wie es einer Gemeinschaft von Müttern entspricht, werden die Männer wie Kinder behandelt. Ich frage mich, ob das nicht Einfluss auf die erotische Anziehungskraft dieser Männer hat. Die Frauen verhalten sich wie verantwortungsvolle Erwachsene, sie nehmen ihre Arbeit ernst. Der Mann hingegen erhält Befehle, er wird gescholten, … verbringt viel Zeit mit seinen Freunden, fühlt sich für nichts verantwortlich, wechselt ständig die Geliebte und wohnt das ganze Leben bei seiner Mutter.“

Warum begehren die Mosuo-Männer nicht auf? Fordern Gleichberechtigung?

An manchen Punkten jedoch hat das Matriarchat richtiggehend Vorbildcharakter: Eine Matriarchin zum Thema Kinder & Beruf:

„Eine Frau bekommt ihr Kind und bleibt fast ein Jahr bei ihm. Sie gibt ihm zu essen und beschäftigt sich mit ihm. Wenn es Zeit wird, zur Arbeit zurückzukehren, übergibt sie den Sprössling der Großmutter. Und die älteren Tanten sind ja auch noch da. Die Mutter kann in ihren gewohnten Alltag zurückkehren, und das Kind wächst trotzdem im häuslichen Umfeld auf.“

„So einfach ist das“, meint Coler dazu. Klingt einfach, aber ist es das auch? Fehlt dem Kind nicht der leibliche Vater? Nach dem Lesen dieses Buches bleiben Fragen unbeantwortet. Man möchte selbst nach China reisen und Antworten auf die Fragen suchen, die das Buch nicht beantwortet oder gar nicht erst stellt. Warum hat sich bei den Mosuo ein Matriarchat entwickelt? Warum hat es so lange durchgehalten, als Ausnahme im patriarchalischen China? Und warum haben nicht auch einige der umliegenden Regionen diese Gesellschaftsform übernommen? Seit Maos Herrschaft, so schreibt Coler, hat die chinesische Regierung zwar immer wieder versucht, die Mosuo umzukrempeln. Zwangsehen, Zwangswohngemeinschaften, strenge Gesetze – was auf Dauer aber alles nichts bewirkt hat. Einige Soldaten seien bei den Mosuo geblieben, weil ihnen die selbstbewussten Frauen so gut gefallen hätten.

An manchen Stellen erscheinen mir Colers Fragen etwas boulevardesk. Er möchte von den Mosuo für meinen Geschmack zu häufig wissen, wie sie über Verlieben, Eifersucht, Fremdgehen oder dem Bedürfnis nach fester Bindung denken. Die anderen wichtigen Themen wie z. B. dass es keine Homosexualität bei den Mosuo gibt (Warum? Kann das sein? Oder hat man ihm das einfach nicht erzählen wollen?), dass die Mädchen in der Schule immer gut und wissbegierig sind, die Jungen aber nicht, und deswegen die Schulen auch oft wieder verlassen müssen (Liegt das hier an der Erziehung? Warum sind die Jungen eher nur am Dösen und Spielen, nicht am Lernen interessiert?), kommen leider etwas kurz. Dennoch bleibt „Das Paradies ist weiblich“ ein höchst interessanter Einblick in ein lebendiges Matriarchat.

Ricardo Coler, „Das Paradies ist weiblich. Eine faszinierende Reise ins Matriarchat.“ Aufbau Verlag, 2009. Gebunden. 165 Seiten.

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Die Böse Zahl “23″ und rosa Gebamsel

16. Juni 2009 von Katrin
Dieser Text ist Teil 44 von 152 der Serie Kurz notiert

In der vergangenen Woche gab es eine Menge Neuigkeiten, hier eine Auswahl:

Im Kino startete der Film “Der entsorgte Vater“, der sich mit der Problematik von Vätern befasst, die durch ihre Ex-Partnerin von den Kindern fern gehalten werden. Ein klassisches Maskus-Thema, und so ist auch der Film: “Frauen sind andere Geschöpfe, sie sind nicht von dieser Welt. Wenn es nach mir ginge, ich würde sie alle auf den Mond schicken.” heißt es da. Kurz: “Frauen sind Schweine” – titelte die sueddeutsche, und nahm eine ordentliche Kritik vor.

Anne Haeming vom Freitag hat es gewagt: Sie nannte in ihrem Artikel, in dem es um eine immer noch ungerechte und vor allem Frauen benachteiligende Familienpolitik geht, die in bestimmten Kreisen anscheinend “verbotene Zahl” 23 Prozent. So groß sind nämlich die Gehaltsunterschiede von Männern und Frauen bei gleichem Schulabschluss. Alles Lüge, krakeelen die typischen Kommentatoren und lenken mit ihrem Geplärr von dem eigentlichen Thema des Artikels ab: Schön, dass es neue Väter gibt – aber das alleine reicht leider nicht für eine neue Familienpolitik. Ein lesenswerter Artikel – die Kommentare spart man sich besser.

Ein bewegender Bericht über die eigene Erfahrung einer Abtreibung in einer Klinik, ähnlich derer, in welcher der erschossene Dr. Tiller Spätabtreibungen vornahm (wir berichteten über seinen Tod), findet sich in der Huffington Post. Ayet Waldman schrieb auf, warum Menschen wie Tiller Gutes tun und keinesfalls in die Hölle gehören, wie fundamentalistische AbtreibungsgegnerInnen stets skandieren.(Mit dank an Philine für den Link)

Ja, wer wollte das nicht schon einmal wissen: Wie macht Frau Karriere bei der CDU? Im Selbstversuch ging taz-Autorin Tina Groll zur Jungen Union. Sie könnte sehr schnell Mentee bei Sandra Ahrens werden, sie bekommt Tipps, was es braucht: Als Frau in der Union sind ein fester Partner und Kinder obligatorisch – schönes altes Familienbild. *grusel*

Und noch einmal die taz: Eine Forscherin beklagt, dass Medikamente für Frauen und Männer gleich konzipiert werden, obwohl sie oft unterschiedlich wirken.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat die Türkei verurteilt, weil sie sich nicht dafür einegesetzt hat, eine Frau vor der Gewalt ihres Mannes zu schützen. Und obwohl die Türkei sich sonst eher zornig über Einmischung von außen zeigt, jubelt dieses Mal das ganze Land: Sie freuen sich über das Zeichen für den Respekt vor Frauen, wie sueddeutsche.de berichtet.

Einen letzter – äh – Lacher und Irritator: Nach Dells “Della” will nun auch Fuji-Film Frauen mit seltsam rosa mutierten, angeblich “weiblichen” Produkten ködern. Heise.de kann sich denn auch des Lästerns nicht erwehren: “Das nebenstehende Bild führte bei einer Kollegin tatsächlich zu akuter Tachykardie – allerdings ob des Vorurteils, die Tütü-Modefarbe wäre bei der gesammelten Damenwelt so angesagt wie wurstpellenenge Leggins mit Leopardenmuster.” – und hier ist das schicke Ding:
Foto: von Fuji über heise.de


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Fettpölsterchen dazuretuschiert

15. Juni 2009 von Helga

Glaubt man der Chefredakteurin der britischen Vogue, Alexandra Shulman, werden die Models inzwischen digital dicker gemacht. Sie schrieb einen Brief, der eigentlich nicht zur Publikation gedacht war, aber der Times zu Augen kam. Der Grund für die Nachbearbeitung, sind die Designer, die immer kleinere Fetzen an die Magazine schicken:

Wir sind jetzt an einem Punkt angekommen, an dem viele der Probegrößen nicht einmal mehr den etablierten Star-Models passen.

Inzwischen sind die Leser_innen der Magermodels aber überdrüssig.

Ich deute aus den Antworten meiner Leser und der allgemeinen Stimmung in Großbritannien, dass die Leute solche dünnen Mädchen weder im Magazin noch in der Werbung sehen wollen.

Ob die Designer demnächst mehr Stoff verarbeiten wird sich zeigen. Deutsche Zitate aus dem Artikel der Zeit.


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Sexismus bei Tchibo und der Bayerischen Polizei

14. Juni 2009 von Meredith
Dieser Text ist Teil 44 von 157 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Schnell, schnell, bevor die Woche ganz um ist, ein bisschen Inspiration aus der letzten Woche Blogs.

Antje Schrupp macht sich interessante Gedanken über Freiheit und Gerechtigkeit. Was meinen wir überhaupt noch, wenn wir mit diesen Begriffen hantieren? Meinen Frauen und Männer das selbe? Wieviel hat die Freiheit von Frauen mit den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu tun? (Wenig, wenn ich Antje Schrupp richtig verstehe)

Im Mädchenblog  kommentiert Leonie einen Vorschlag des Verbands Deutscher Philologen, im Rahmen der von der Leyen-Internetzensurkampagne gleich noch Pro-Ana-Seiten zu verbieten, weil sich junge Frauen dort treffen, um sich Tipps zur Magersucht zu geben. Eine einigermaßen irrsinnige Idee, und wie Leonie ganz richtig schreibt, das Letzte, was magersüchtigen Mädchen helfen könnte.

Das Antisexismusbündnis Berlin kündigt eine Veranstaltung in Leipzig an, die sich erstmal nach Schwurbelthon anhört: Begriffe von Gewicht. Patriarchat und heteronormative Matrix. Aber:

Anstatt wilder und sinnfreier Wortjonglage wollen wir diese Konzepte offen legen und einer Kritik unterziehen. So wie sich die gesellschaftliche Realität verändert, wandeln sich auch die Begriffe, die zu ihrer Analyse herangezogen werden.

Lest selbst. Klingt spannend und wichtig und wer in Leipzig ist, sollte sich das am 17. Juni vielleicht nicht entgehen lassen.

Luise F. Pusch analysiert den Unterschied zwischen Unterhemden und so genannten Hemdchen in einem Tchibo-Katalog. (Hemdchen für Weibchen)

Nicht ganz frisch aber deswegen nicht weniger brisant: Das ASABM hat einen Erfahrungsbericht einer linken Aktivistin über mehrere sexistische Übergriffe des Unterstützungskommandos (USK) der Bayerischen Polizei in München. Die Vorfälle ereigneten sich beim Tausend-Kreuze-Marsch vergangenen Oktober und Ende Mai bei einer Gegenveranstaltung zu einer Nazi-Demonstration.

Zur Auflockerung bin ich bei den Pimpettes fündig geworden. Okay, es ist ein bisschen, äh, abgeschmackt, aber..

daniel_craig

Via BlameItOnTheVoices

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschspachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter mannschaftspost(at)web.de Bescheid.


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Selbermach-Sonntag (14.6.09)

14. Juni 2009 von Susanne

Yay, Selbermach-Sonntag-Zeit: Eure Links, eure Kommentare, eure Texte, eure Gedanken. Einfach sehr viel Platz für euch zum Selbermachen.

Schönen Sonntag!


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Wahl im Iran

11. Juni 2009 von Helga

Im Iran wird am Freitag ein neuer Präsident gewählt. Obwohl seine Macht begrenzt ist, schaut der Westen wieder gespannt auf die Entwicklungen. Nachdem der vorige Präsident Mohammad Khatami seine Kandidatur zurückzog, scheinen die Hoffnungen auf seinem Freund Mir Hossein Mussavi, oder besser: dessen Frau zu ruhen. Zahra Rahnaward, ihres Zeichens Kunstprofessorin, Autorin, frühere Universitätskanzlerin und Beraterin in der Regierung Khatamis. Sie plädiert für eine Verbesserung der Situation der iranischen Frauen.

Die Benachteiligungen, die die Frauen auf allen Ebenen, in der Familie, beim Erbrecht, Sorgerecht, Scheidungsrecht, kurz durch das gesamte Rechtssystem hinnehmen müssen, seien mit den Grundsätzen des Islam unvereinbar, sagt sie. Daher müssten die Gesetze neu geschrieben und einer modernen Rechtssprechung, die auf Gleichberechtigung basiert, angepasst werden. Es sei nicht hinnehmbar, dass eine Frau für eine Reise ins Ausland oder eine Operation die Erlaubnis ihres Ehepartners einholen müsse. Es sei auch eine Anmaßung, wenn der Staat vorschreiben wolle, wie Frauen sich zu kleiden und welche Farben sie zu tragen hätten.

Der Artikel auf taz.de verweist ferner auf Fatemeh Karrubi, die Frau Mehdi Karrubis, eines weiteren Präsidentschaftskandidatens. Auch sie war bereits in der Regierung Khatamis aktiv, als Staatssekretärin im Ministerium für Arbeit und Soziales. Durch die öffentlichkeitswirksamen Auftritte der beiden wird die Rolle der Frau ein Wahlkampfthema wie schon lange nicht mehr.

Wie sehr allein das Auftretens Rahnawards die Wähler inspiriert, macht ein Profil auf tehranbureau.com deutlich:

Mr. Mousavi, held her hand and stepped outside into the gaze of the public and the photos began to snap. This small gesture symbolizes a departure from the standing protocols of the Islamic Republic of Iran, where officials walk the public stage without their spouses. On the rare occasion an official is accompanied by his wife, there is certainly no holding hands. Though simple and innocent, this gesture for many sparks wild hopes about the progress of women’s issues in Iran. For them, this is a good omen. Symbols and symbolism have always played prominent roles in Iranian politics.

Auf der einen Seite ist begrüßenswert, dass die beiden Politikerinnen Benachteiligungen aufzeigen und für Verbesserungen kämpfen. Auf der anderen Seite bleibt die Frage, ob sie als Ehefrau eines Präsidenten tatsächlich mehr Einfluss haben können, als als aktive Politikerin.

Denn zumindest bei Mussavi bleibt fraglich, was eigentlich sein Programm ist. Als letzter Ministerpräsident des Iran genießt er sowohl Respekt für seine Wirtschaftspolitik als auch seine Unbestehlichkeit. Er ist aber auch als Fan Ayatollah Chomeinis bekannt und wird der Verfolgung politischer Gegner bezichtigt, so der iran-report der Heinrich-Böll-Stiftung.


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Ein Kind mehr, ein Paragraph weniger

10. Juni 2009 von Helga

Thomas Beatie, der als vermeintlich erster schwangerer Mann Berühmtheit erlangt hat, hat sein zweites Kind zur Welt gebracht, stand heute auf taz.de. Ob es den Eltern und dem Kind gut geht, steht kurioserweise nicht explizit in dem Artikel, dafür aber, dass die Frau Beaties wieder stillen wolle.

Bilder des hochschwangeren Thomas gingen 2008 um die Welt und sorgten teilweise für so heftige Ablehnung und Anfeindungen, dass die Familie in ihrem Haus erhebliche Sicherheitsvorkehrungen treffen musste, um sich zu schützen.

In Deutschland ist ein solche Geschichte dabei weiterhin nicht möglich. Das Transsexuellengesetz ist seit 2005 zwar mehrmals als verfassungswidrig eingestuft worden, geändert wurde es bisher aber nicht. Die für dieses Jahr geplante grundlegende Änderung wurde im Mai auf die nächste Legislaturperiode verschoben, wie das Blog Transmission berichtet. Eine Streichung der Voraussetzungen „dauernde Fortpflanzungsunfähigkeit“ und „geschlechtsangleichende Operationen“ wurde in den Änderungsvorschlag noch nicht mal aufgenommen. Auf letzteres wird in der Praxis bei Transmännern zwar verzichtet, weil die Prozedur noch nicht besonders erfolgreich ist, auch Scheidenverschluss oder -verengung darf heute nicht mehr verlangt werden, die Möglichkeit Kinder zu bekommen müssen Transsexuelle aber weiter aufgeben.

Aufgehoben werden soll dagegen der Zwang, sich vor einer Geschlechtsumwandlung scheiden lassen zu müssen. Dies hat der Bundestag bis zum 1. August 2009 zu ändern. Damit einher ginge die Möglichkeit, dass es erstmals zu Ehen zwischen Menschen des gleichen Geschlechts in Deutschland käme. Der Bundestag hat das Gesetz aber zunächst wieder an die Ausschüsse verwiesen. Bis auch Transsexuelle in Deutschland als Menschen behandelt werden, wird also noch einige Zeit vergehen.


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Immer noch die Gretchenfrage

10. Juni 2009 von Katrin
Dieser Text ist Teil 5 von 21 der Serie Freitagsgedanken

Eine Tagung der Böll-Stiftung beschäftigte sich mit dem Verhältnis von Religion und Frauenrechten. Entkommt man der patriarchischen Falle, die allen Religionen innewohnt?

Freitagsgedanken

(C) Frl. Zucker - fraeuleinzucker.blogspot.com/

Wenn man zu einer Konferenz mit dem Titel „Religion Revisited – Frauenrechte und die politische Instrumentalisierung von Religion“ geht, dann tut das wahrscheinlich niemand ohne bestimmte Erwartungen. Diese können religiös geprägt sein: Vielleicht erhofft man sich Lösungen für offenkundige Dilemmata innerhalb der eigenen Glaubensgemeinschaft. Oder man erwartet sich ein klares religionskritisches Signal und Wege zu mehr Säkularisierung im eigenen Staat oder in anderen Staaten auf der Welt. Wenn man als FeministIn hingeht, dann möchte man Antworten auf Fragen der Gleichberechtigung, religiös begründeter Gewalt gegen Frauen weltweit, reproduktiver Selbstbestimmung und viele mehr. Denn gerade als FeministIn fühlt man sich in einem kulturkritischen Dilemma: Auf der einen Seite möchte man nicht in kolonialer Manier intolerant mit den eigenen Vorstellungen als Ideal ein Urteil über andere Kulturen fällen. Auf der anderen Seite will man die notwendige Kritik an menschen- und vor allem frauenverachtender, religiös begründeter Gesetze und Handlungen äußern.

Wahrnehmung der Frauen

In den großen Religionen der Welt finden sich hierarchische Strukturen, welche traditionell ein Patriarchat begründen. Nur sehr schleppend und stets auf Druck von außen, nie durch eigene Aktivität, öffnen sich manche ein kleines bisschen, indem sie auch Frauen in hohen religiösen Ämtern akzeptieren. In anderen Religionen hingegen scheint sich entweder gar nichts zu tun, oder sie verschärfen gar ihre Unterdrückung von Frauen, wie dies in einigen islamistischen Staaten, etwa momentan in Afghanistan, der Fall ist. Die internationale Frauenrechts- und Entwicklungsorganisation AWID (Association For Women’s Rights in Development) beobachtet diese Entwicklungen kritisch und hat eine Befragung an über 1.600 Frauenrechts-AktivistInnen durchgeführt, um Auskunft über deren Wahrnehmung der Gefahr religiöser Fundamentalismen für die Rechte von Frauen zu erhalten. Diese Befragung war Basis eines Tagungs-Workshops.

Zusammenfassend: Fundamentalismen gibt es in allen Religionen der Welt – so die Wahrnehmung der Befragten, die aus vielen Ländern der Welt kamen und nahezu alle möglichen, selbst die kleinsten Religionen repräsentierten. Eine Mehrheit der Befragten AktivistInnen empfand religiösen Fundamentalismus als Problem für ihre eigene Arbeit. Als charakteristischste Merkmale nannten sie “absolutistisch” und “intolerant” (42 Prozent der Befragten). 24 Prozent gaben “gegen Frauen” und “patriarchalisch” an. AWID fand in der Beschreibung des Verhaltens verschiedener religiöser Fundamentalismen vor allem eine ganz besondere Gemeinsamkeit: Das Ziel, den Körper und die Sexualität der Frauen auf die eine oder andere Art zu kontrollieren. Ein aktuelles Beispiel ist die Sex-Pflicht in der afghanischen Ehe. Oder die Kontrolle weiblicher Körper durch verschieden starke Verschleierung derselben. Ein drittes Beispiel ist die Kontrolle der weiblichen Sexualität durch strikte Verbote von Verhütungsmitteln und durch ein Abtreibungsverbot. (weiterlesen …)


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Frauen auf Skateboards und BMX-Rädern

9. Juni 2009 von Susanne
Dieser Text ist Teil 7 von 102 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

MIZZI.at

Wie heißt du?
Stephi.

Seit wann bloggst du?
Ich hab so zirka 1999 begonnen, auf meiner ersten Website Artikel mit meiner Meinung zu bestimmten Themen zu veröffentlichen. Vor mizzi hab ich einen Blog namens Damenrad betrieben, der war deutschsprachig. Mit der Zeit hab ich aber gemerkt, dass ich mich damit etwas einschränke und ich auf Englisch vielleicht viel mehr Leserinnen und Leser erreichen kann. Der Blog liegt immer noch auf damenrad.twoday.net.

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Weil ich so auf einfachem Weg viele Leute erreichen konnte und es damals schlicht und ergreifend cool fand.

Worüber schreibst du?
Mittlerweile blogge ich regelmäßig über Frauen in Extremsportarten wie Snowboarden, BMX, Skateboarden, Wakeboarden, Surfen, Motocross etc. auf www.mizzi.at. Mein Ziel mit diesem Blog ist es, abgesehen von meinem eigenen Interesse an diesen Sportarten, anderen eine Plattform zu bieten. Ich möchte, dass Mädchen und Frauen durch meinen Blog bemerken, dass es viele weibliche Vorbilder gibt und dass man sich auch mal an Dingen versuchen kann, die nicht “typisch Frau” sind. Ich will die Frauen und Mädchen in diesen Sportarten unterstützen und pushen, ihnen etwas Aufmerksamkeit zukommen lassen.
Persönliche Einträge gibts nur mehr für Freundinnen und Freunde in meinem Livejournal zu lesen.

Was dir ohne Internet nicht passiert wäre:
Ich hätte ein paar Menschen wohl nie kennengelernt, die mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsen sind.

Wovon braucht das Internet mehr?
Ein bisschen mehr Freundlichkeit, Zurückhaltung und Humor würden den Menschen im Internet teilweise nicht schaden.

Deine tägliche Web-Lektüre:
derStandard.at

Tipps und Bewerbungen für die WWW Girls an mannschaftspost(at)web.de.


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Neues aus der Wissenschaft

8. Juni 2009 von Helga

Neues aus der Rubrik “Männer und Frauen sind nur so lange total unterschiedlich, bis mal jemand eine ordentliche Studie darüber macht”.

Mädchen können genauso gut Mathe wie Jungs. Janet Hyde und Janet Mertz von der University of Wisconsin haben international Daten verglichen. Dabei zeigte sich, dass die Unterschiede in Schulergebnissen seit Jahren kleiner geworden sind. Trotzdem erzielten zumindest in den USA mehr Jungen Bestnoten als Mädchen, auch wichtige Mathematikpreise sind weiterhin fest in Männerhand.
Allerdings sind ein klein wenig mehr Schülerinnen mit asiatischem Migrationshintergrund als Schüler unter den Besten. In Großbritannien, Island und Thailand ist es genauso. Insgesamt korrelieren die Ergebnisse mit dem Level an Chancengleichheit der Geschlechter in einzelnen Ländern. Mathematische Begabung ist also keine Frage der Biologie, sondern hängt von sozio-kulturellen Faktoren ab, folgern die Autorinnen.

Und Männer sind genauso wählerisch wie Frauen beim Kennenlernen. Untersucht wurde dies bisher beim Speed-Dating. Da zeigten sich Frauen stets wählerischer als Männer und wollten weniger der Kandidaten wieder treffen, als umgekehrt. Allerdings saßen bei diesen Studien immer die Frauen am Tisch, während die Herren die Runde machen mußten.
Eli J. Finkel und Paul W. Eastwick von der Northwestern University in Illinois haben daher den Spieß einmal umgedreht und auch geschaut, wie die Zahlen mit vertauschten Rollen aussehen. Saßen die Männer, während die Damen von Tisch zu Tisch wanderten, wurden diese plötzlich wählerischer. Angesprochen zu werden und sich begehrt zu fühlen erhöht anscheinend die Ansprüche mehr als vermeintliche biologische Faktoren.


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