Archiv für Juni 2009


Nicht aufgeben

23. Juni 2009 von Barbara

Auch wenn die iranische Regierung nach der Präsidentschaftswahl quasi eine Nachrichtensperre für aktivistische und kritische Meinungen verhängt hat, bloggt das Team von “4equality“ in Iran weiter und fordert weiterhin mehr Rechte für iranische Frauen. Dieser Eintrag ist von gestern:

We, the undersigned activists of the women’s rights movement, condemn the violence and humiliation that has continued to be perpetrated against Iranian women and men in recent years and which is aimed at repressing them. We emphasize our continued commitment to achieving the demands of the women’s rights movement, which has had a profound role in educating the public and in civil struggles in recent years, and we express our solidarity with those who protest the results of this election. We demand that those arrested in recent days be released without condition and we call for securing and protecting civil and political freedoms.

Mein Mailkontakt zu einer der Bloggerinnen ist seit drei Tagen abgerissen. In ihren letzten Mails schrieb sie, dass 3 Personen in der Azadi Street in Teheran getötet wurden, dass 5 Studierende an der Universität in Teheran getötet wurden und 1 Person in Shiraz … die Polizei überwacht ihre Telefone, sie ist in Gefahr, und die Islamische Regierung verhaftet Aktivisten …

Ich denke an euch.


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Kurz verlinkt am Dienstag

23. Juni 2009 von Katrin
Dieser Text ist Teil 41 von 138 der Serie Kurz notiert

Was vergangene Woche die Gemüter bewegte:

Wir haben es absichtlich nicht berichtet, da wir solcherlei Positionen kein Forum bieten wollen: Ein “Hort des Männerhasses” seien Frauenhäuser, erklärte Gerhard Amendt in der Welt. Deswegen gehörten sie abgeschafft. Eine intelligente Antwort soll jedoch nicht unerwähnt bleiben, weswegen ich das Thema nun doch aufgreife: Heide Oestreich schreibt in der taz, was das für Folgen hätte, und warum die Polemik des Herrn Amendt eine echte Gefahr für viele Frauen darstellen kann.

Chris Brown, der Sängerin Rihanna verprügelte, hat ein Geständnis abgelegt, wie Spiegel Online berichtet.

Neda, Quelle: flickr.com

Neda Agha Soltani; Quelle: Flickr.com

Die Unruhen im Iran gehen weiter, Menschen gehen für ihre Rechte und gegen den Diktator und gegen Wahlfälschung auf die Straße. Es ist eine junge Frau, die nun zur Ikone dieser Bewegung geworden ist: Die 1982 geborene Neda Agha Soltani wurde beim Protest auf der Straße erschossen. Die Staatsgewalt setzt noch einen drauf: Sie verbietet  Trauerfeiern für Neda, wie FR-Online berichtet.

Welt Online zufolge sind es vor allem die Frauen im Iran, deren Leidensdruck besonders groß sei, die bei den Protesten im Iran besonders aktiv im Aufstand gegen das Regime seien.

Über die Tierschutzorganisation PETA, die bisweilen recht radikale Methoden zur Untermauerung ihrer Ziele anwendet (Nazi-Vergleiche und sexistische Werbung), gibt es sehr gespaltene Meinungen. Die Huffington Post lässt nun über die “sexiest PETA Ads” abstimmen, was feministing-Autorin Jessica Valenti ordentlich nervt.

Berlusconi und kein Ende: Die Präsidentengattinnen sollen den G8-Gipfel boykottieren, als Protest gegen den Ministerpräsidenten Italiens. sueddeutsche.de zitiert drei Akademikerinnen, die diesen Aufruf gestartet haben: “Wir sind hochgradig empört über die Art und Weise, wie der Ministerpräsident Frauen behandelt – in der Öffentlichkeit und in seinem Privatleben.” Seine sexistischen Reden würden “die weibliche Präsenz in der Öffentlichkeit systematisch untergraben.”

Spürt ihr schon die Finanzkrise? Geldsorgen? – Das Bitch Magazine hat eine super Idee: Macht Kohle aus eurer Fähigkeit, Mütter zu werden – verkauft eure Eier! Nein, im Ernst: Sollten Frauen Geld dafür bekommen, wenn sie ihre Eier spenden? Eine sehr knifflige Frage, in die sich ethische, religiöse, politische und feministische Standpunkte und Ideologien mischen. Ich habe noch keine abschließende Meinung, aber vielleicht können wir das einmal diskutieren?

Der Transgeniale CSD

Click this picture for more information!

Noch ein Terminhinweis für alle BerlinerInnen:

Es ist wieder CSD-Zeit, natürlich nicht nur in Berlin. Doch in Berlin gibt es seit 2006 zwei CSDs. Der Traditionelle und der Transgeniale. Was der will? Ein kurzer Auszug: “Gruppen von Menschen werden als Minderheiten außerhalb der Normalität definiert, herabgesetzt und gegeneinander ausgespielt. Bestenfalls werden sie gnädig “toleriert” oder “akzeptiert”, denn “Normalität” braucht Ausgrenzung. Das verdeckt nichts von der rassistischen, homophoben, transphoben, frauenfeindlichen Gewalt, der Ausgrenzung von nicht-”schönen”, nicht-jungen, nicht-reichen, nicht-weißen, behinderten, politisch unbequemen Menschen, die in dieser Gesellschaft – und leider auch innerhalb unserer Szenen – Alltag ist.” Mehr dazu auf der Webseite.


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Gleichbehandlung in Sachen Spätabtreibung

23. Juni 2009 von Barbara

Auf Spiegel Online gibt es ein Interview mit der Psychiaterin Anke Rohde zum Thema Spätabtreibung (über die Neureglung haben wir bereits berichtet). Eine Idee gefällt mir gut daraus:

Die Politik müsste dafür sorgen, dass im Sinne der Gleichbehandlung Frauen in allen Regionen Zugang zu diesen Eingriffen haben. Zum Beispiel, indem nur wenige hochqualifizierte Zentren diese spezielle Diagnostik durchführen dürfen, die dann auch offiziell zuständig sind für die Indikationen und die Abbrüche. Das setzt voraus, dass diese Zentren neutral geführt werden. Die Kollegen dort dürfen als Maßstab nur die körperliche und seelische Gesundheit der Frau sehen, so wie es das Gesetz verlangt, und nicht eine Weltanschauung.

Diese Gleichbehandlung sollte natürlich nicht nur den gleichen, direkten, freien Zugang ermöglichen. Sondern Hand in Hand mit einer Legalisierung gehen. Denn nach wie vor bezweifle ich, ob es das richtige Zeichen von Seiten des Gesetzgebers ist, die Entscheidung “Schwangerschaftsabbruch oder nicht” mit Einführung eines Bußgeldes bei Missachtung der offiziellen Regeln in die gefühlte Nähe einer Geschwindigkeitsübertretung beim Autofahren zu rücken.


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Neues aus den Blogs

22. Juni 2009 von Katrin
Dieser Text ist Teil 45 von 144 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Das Mädchenblog hat einige Neuigkeiten: Die Bundesregierung hat einen Antrag auf Änderung der Strafbarkeit bei weiblicher Genitalverstümmelung abgelehnt, so berichtete das Mädchenblog am 17. Juni. “Der neue Gesetzesentwurf sah vor die Verjährungsfrist für diese Taten aufzuheben, sowie sie unter dem Tatbestand der schweren Körperverletzung zu führen. Desweiteren forderten die Antragsteller_Innen die Tat als Auslandstat aufzunehmen.” Eine bissige Bemerkung zu Eva Hermans neuer Mission auf familyfair konnte leonie sich auch nicht verkneifen – richtig so! Zu guterletzt: Am Donnerstag beginnt die Fusion. Wenig Freude macht da der Brief einer Anti-Sexismus- und Awareness-Organisation, den das Mädchenblog veröffentlichte.

Wie das Väterblog berichtet, gibt es ein neues Internetportal für Väter. Unter www.väterzeit.de ging es am 22. Juni online. Eine weitere sehr interessante Nachricht aus dem Väterblog: Eine neue Studie mit dem Titel “Psychosoziale Kosten turbulenter Veränderungen – Arbeit und Leben in Organisationen“. Unter “turbulenten Veränderungen” werden vor allem Veränderungen im Sinne einer stärkeren Ökonomisierung von Organisationen verstanden, damit einher gehen Flexibilisierung und Beschleunigung. Die Studie fasst die negativen Folgen dieser Entwicklungen zusammen.

Das lesenswerte Blog Zwischengeschlecht.info hat das Buch “Intersex – Geschlechtsanpassung zum Wohl des Kindes” gelesen und zitiert einige Renzensionen. Insgesamt begrüßt die Autorin eine neue politische Debatte, vor allem darüber, ob die seelischen und psychischen Belastungen für Kinder, an denen Zwangsoperationen vorgenommen wurden, gerechtfertigt werden können.

Queer.de hat für Intersexuelle keine guten Nachrichten: Die Bundesregierung, so ihre Antwort auf eine kleine Anfrage der Linken, hält es nicht für notwendig, die Lebensqualität von Intersexuellen zu verbessern.

Ein unterhaltsamer Artikel über Anti-Festivalromantik (passend zum obigen Beitrag aus dem Mädchenblog…) findet sich im Blog des fantastischen Missy Magazine.

Wo gibt es eigentlich universitäre Einrichtungen für Frauen- und Geschlechterforschung?? Wer sich diese Frage schon einmal gestellt hat, der findet im Blog der Genderbibliothek der HU Berlin viele viele Antworten.

Oh, Fräulein Tessa von Flannel Apparel hat wieder einmal über das Feministinnen-Dasein sinniert. Ach – das klingt jetzt viel zu abgeschmackt: Sie nimmt ihre Umgebung, dazu gehört auch das Netz, unter die Lupe und fragt sich, warum so wenige Frauen weiter kommen, als bis zum Hochschulabschluss, warum so wenige Frauen politisch und so wenige Männer über ihre Gefühle bloggen und vieles mehr. Kleiner Auszug: “Es gibt wohl keine kluge Feministin ohne Männer, denen der kümmerliche Stand der Emanzipation ebenso zum Hals heraushängt wie mir, und von ihnen traf ich glücklicherweise reichlich. Wie sollte ich auch ohne Männer lernen, dass Weiblichkeit sehr wohl eine Macht bedeuten kann, die über Sex hinaus geht, dass Chauvinisten vielleicht die verletzlichste Gattung Männer sind und ich in der Küche immer unterlegen sein werde?”

Eine “Barrieren-Serie” gibt es im klugen Side-Glance-Blog. Dieses Mal geht es um die Barriere des Aussehens und des Ansehens. “In unserer Gesellschaft spielt das Aussehen (leider) eine nicht zu unterschätzende Rolle. Vorallem Frauen verbringen oft sehr viel Zeit damit das eigene Erscheinungsbild zu optimieren, verschönern und im extremsten Fall Schönheitsidealen so nah wie möglich zu kommen.” Mehr – dann weiterlesen!

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschspachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter mannschaftspost(at)web.de Bescheid.


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An den Füßen…

22. Juni 2009 von Verena

Auf sueddeutsche.de lässt sich Schuhdesigner Pierre Hardy heute über die Waghalsigkeit seiner Kollegen aus. Nach dem Motto “höher, schriller, vulgärer” kritisiert er ein Schuhdesign, das so hohe Absätze wie noch nie propagiert. Dass solche Modelle es trotzdem noch an die Füße diverser Frauen schaffen, sei auch auf die Verbindung von Mode, Medien und Werbung zurück zu führen.

So, wie sich die Designer durch immer extremere Schuhmodelle voneinander abgrenzen wollen, wollen sich auch die Magazine von ihren Konkurrenten abgrenzen; und so beginnt der Teufelskreis

An sich ja keine schlechte Meinung, die Hardy vertritt. Skeptisch werde ich bloß angesichts solcher Sätze:

Frauen wollen dieses Image leben, also lassen sie sich darauf ein. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass sich viele für ihre Füße schämen. Füße sind der am wenigsten wertgeschätzte Teil unseres Körpers. Um diesen Komplex zu kompensieren, wollen Frauen ihre Füße so pompös wie nur möglich in Szene setzen. Dabei tappen sie in die Image-Falle der Magazine

Frauen tragen High Heels, weil sie sich ihrer Füße schämen? Und wenn Hardy – übrigens nicht zu verwechslen mit dem Tatoo-Look-Designer Ed Hardy – schon so über die Auswüchse der Branche herzieht, warum sieht dann eins seiner Modelle für die Sommerkollektion ’09 so aus?

hardy-modell


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Selbermach-Sonntag (21.6.09)

21. Juni 2009 von Susanne

Here we go again: Zeit für eure Fragen, Texte, Gedanken der Woche.

Schönen Sonntag!

P.S.: Und wer noch für uns beim Grimme Online Award stimmen möchte, muss das bis heute Mitternacht auf der Seite von TV Spielfilm tun.


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Roche on TV

19. Juni 2009 von Verena

Da lohnt sich Fernsehen doch beinahe wieder: Charlotte Roche wird ab September Ko-Moderatorin bei der NDR Talkshow “3 nach 9″. Gemeinsam mit Giovanni di Lorenzo flimmert die 31-Jährige dann monatlich über den Bildschirm. Roche ersetzt Amelie Fried, die “3 nach 9″ seit 1998 moderiert hatte.

Im Interview mit dem Tagesspiegel erklärt Roche, warum sie sich für so ein traditionelles Talkformat entschieden hat:

Mir wurden immer wieder junge, flippige Sendungen angeboten, aber dazu hatte ich einfach keine Lust. Von vornherein auf das Verrückte festgelegt zu sein, ist langweilig. Ich funktioniere viel besser in einem engen Korsett, beispielsweise bei der Moderation der Berlinale-Show, da blühe ich total auf, weil ich da überhaupt erst etwas sprengen kann. [...] Womöglich schockiere ich aber schon, bevor ich überhaupt den Mund aufmache. Alleine, weil ich da sitze oder durch mein Alter. Aber wenn ich das Gefühl habe, ein Gespräch wird zu langweilig, dann kommen solche Dinge wie bei Robbie Williams raus. Ich will das nicht kontrollieren, auch nicht bei „3 nach 9“.

Radio-Bremen-Programmdirektor Dirk Hansen lobt Roche als vorzügliche Moderatorin:

Charlotte Roche kann sehr gut zuhören, ist eine charmante Gastgeberin und sie verfügt über einen speziellen Humor, der wunderbar zu “3 nach 9″ passt.


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Wie ich zum Barbie-Girl wurde

19. Juni 2009 von Katrin
Dieser Text ist Teil 6 von 21 der Serie Freitagsgedanken

Kurz vor der Wende zogen meine Eltern mit mir aus Sachsen-Anhalt ins baden-württembergische Taubertal. Spielen mit Jungs war dann vorbei und ich musste ein Mädchen sein.

(C) Frl. Zucker - fraeuleinzucker.blogspot.com/

Ja, ich bin ursprünglich eine Ost-Göre: Geboren und aufgewachsen im heutigen Sachsen-Anhalt. Damals – also zu meiner Geburt und die sieben Jahre danach – war das noch die DDR. Ein „richtiges” Ostkind war ich anfangs nicht: Ich besuchte nie eine Krippe, was schon fast eine kleine Revolution war. Meine Mutter hielt es für besser, sich die ersten drei Jahre bis zu meinem Eintritt in den Kindergarten selbst um mich zu kümmern. Mit dem Ergebnis, dass ich ihr im Alter von zwei Jahren ausbüxte und sie mich nach langem Suchen im Kindergarten wiederfand. Meine Sehnsucht nach der Gesellschaft anderer Kinder war schon früh groß und sollte mir noch viele Jahre im Leben als Einzelkind erhalten bleiben. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wenn ich mich an meine DDR-Kindheit erinnere, dann sehe ich mich mit Jungen und Mädchen durch Gestrüpp und kleine Wäldchen stromern. Ich sehe uns Rollenspiele spielen. Und ich sehe ein Mädchen und zwei Jungen, die meine besten Freunde waren und mein Leben bestimmten. An Spielsachen kann ich mich schlecht erinnern. Doch Barbie-Puppen spielten eine untergeordnete Rolle: Zwar hatte ich von meiner West-Verwandtschaft eine geschenkt bekommen, sie lebte aber ein wenig glamouröses Leben neben Ost-Puppen mit normalem Körperbau, neben Matchbox-Autos, Plüschtieren und Cowboy- und Indianer-Figuren, die uns Kindern um ein vielfaches wichtiger waren.

Das lag vor allem daran, dass unsere Spielgemeinschaft so geschlechtsheterogen war. Meist zauberten wir aus Stöcken, verrostetem Gerät und was sonst noch auf den Höfen und in den Wäldchen herumlag, die Gegenstände, die wir gerade brauchten. Sicherlich war für diese Taktik auch die weltbekannte Güterknappheit der DDR verantwortlich.

Im Jahre 1989, kurz vor der Wende, zog ich mit meiner Familie in ein Dörfchen im lieblichen Taubertal, Baden-Württemberg. Ich wurde in selbigem Dörfchen eingeschult und meine Lebensrealität wurde einer radikalen Umwälzung unterzogen: Statt Rollenspielen mit Unrat und Stöcken hielten weitere Barbies inklusive deren Accessoires, Keypers, Polly Pocket und Co. nun so richtig Einzug in mein Leben. Rosa wurde zur textilen Übermacht. Diese Veränderung schreibe ich rückblickend einem großen Anpassungsdruck an die anderen Mädchen zu.

Da ich einen ostdeutschen Dialekt sprach und mit meinen kurzen Haaren eher wie ein Junge aussah, war ich schnell Außenseiterin in der Klasse – ein Zustand, den mein geselliges Gemüt schnellstmöglich zu beenden suchte. Nicht anders sein – das wurde mein Mantra. Zwar spielte ich noch sehr häufig auch mit den Jungs und der Kontakt mit den Mädchen in meiner Klasse blieb bis auf eine Ausnahme stets gespannt (weswegen ich mir bis zu meinem 12. Lebensjahr wünschte, ich wäre ein Junge) – aber ich hatte durch meine schnelle Annahme des „Gell“ und des „Grüß Gott“, sowie durch eine eindeutige Zusage an Mädchen-Konsumgüter zu erkennen gegeben, dass ich „normal“ im spießbürgerlichen Sinn geworden war. Das Barbie-Haus hatte dazu einen nicht unwesentlichen Beitrag zu leisten vermocht.

Im Alter von 14 konnte ich mich von meinem mir selbst auferlegten Anpassungszwang wieder ein wenig befreien und wurde zum Neo-Hippie. Und weil die Geschichte gut ausging, bin ich ihr dankbar, dass sie mir passierte. Nichts anderes kann einem vielleicht derart plastisch vermitteln, wie stark Sozialisation und Umfeld das prägen, was andere als „genetische Unterschiede“ verkaufen wollen.

(Dieser Text erschien ursprünglich als Kolumne auf Freitag.de)


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Das Blog für den ein oder anderen klugen Gedanken

18. Juni 2009 von Susanne
Dieser Text ist Teil 8 von 94 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

IHEARTDIGITALLIFE.de

Wie heißt du?
Kathrin.

Seit wann bloggst du?
Der erste Eintrag auf iheartdigitallife.de ist vom Juni 2005, regelmäßig blogge ich aber erst seit April 2007. Vorher habe ich bei Nillson ins Internet geschrieben. Das ist ein popkulturelles Online-Fanzine, das ich 2002 mitbegründet hatte.

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Mich hat es gereizt, eigene Texte, Themen und Meinungen in die Öffentlichkeit zu bringen, ohne damit einen professionellen Anspruch im Sinne eines Davon-Leben-Könnens verbinden zu müssen. Mit Nillson wollten wir anfänglich ein linkes Musikzine jenseits von Punk machen. Es sollte ein klassisches Print-Fanzine werden. Online war dann aber einfacher umzusetzen und wir Gründungsautor_innen kannte uns ohnehin aus dem Netz.
Mit meinem eigenen Blog habe ich aus Lust auf einen eigenen Raum im Netz angefangen, ausnahmsweise mal ohne Kollektiv und Gruppenarbeit, und das Popkulturding hatte ich auch erstmal über.

Worüber schreibst du?
Im besten Falle schreibe ich Überlegungen zu Themen auf, die mir über den Weg laufen, und die mein Interesse geweckt haben. Vielleicht springt ja der ein oder andere kluge Gedanke dabei heraus. Häufig hat das was mit queer-feministischer Politik oder anderen Themenfeldern zu tun, mit denen ich mich auch in meiner wissenschaftlichen Arbeit beschäftige. Oft blogge ich aber auch Veranstaltungshinweise oder Fundstücke. Ich nehme mir die Freiheit, das konzeptionell nicht eng sehen zu müssen.

Was dir ohne Internet nicht passiert wäre:
Ich bin mal per Zufall, wahrscheinlich über einen Blogroll, auf ein sehr sympatisches Blog gestoßen. Je mehr ich darin las, desto klarer wurde das Bild der Person, die dahinter steckt… turns out: Es war eine Bekannte von mir. Internetleute im Reallife treffen mal andersrum und mit Überraschungseffekt.

Wovon braucht das Internet mehr?
Viele Leute, die politisch bloggen – und damit meine ich nicht (nur) Bloggen über Parteipolitik und die Bundestagswahlen – reflektieren zu wenig über ihre eigene Position. Es wird dann gerne ein “wir” konstruiert, und es fehlt der Raum, sich über Unterschiede auseinander zu setzen. Ich freue mich immer darüber, wenn ich beispielsweise bei feministing.com sehe, dass es auch anders geht.

Frauen im Web sind…
nie einfach nur Frauen.

Deine tägliche Web-Lektüre:
In meinem Feedreader ist bei derzeit 117 abonnierten Blogs immer was Lesenswertes zu finden. Drei Tipps: anders deutsch, transmission und Behindertenparkplatz. Und Twitter mag ich auch sehr gerne.

Tipps und Bewerbungen für die WWW Girls an mannschaftspost(at)web.de.


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Anti XXL

17. Juni 2009 von Verena
Dieser Text ist Teil 15 von 25 der Serie Wilde Mädchen

Ein Trend, der unausrottbar scheint, ist das It-Girl. Frauen wie Paris Hilton, Nicole Richie oder Sienna Miller füttern mit ihren bunten Kleidchen und kaputten Liebesbeziehungen die Illustrierten, halten die eigenen Hüften und Hirne aber schlank.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Immerhin macht sich neuerdings ein Gegenentwurf breit: Das Anit-It-Girl. Vertreterinnen sind junge Frauen wie Pixie und Peaches Geldof, die zwar eine ähnlich schlanke Taille wie ihre Pro-Vertreterinnen aufweisen, aber ihrer Kleidung und ihrem Make-Up ein Lotterleben zugestehen. Fuck the All-American-Girl! Trotzdem sitzen diese Mädchen beim internationalen Laufsteggeschehen in den ersten Reihen – und treffen dort auf das meiner Meinung nach einzig wahre Anti-It-Girl: Beth Ditto.

Über die Sängerin der Band „The Gossip“ schreibt die österreichische Standard:

Sie ist klein und dick, lesbisch und vorlaut, rasiert sich weder Beine noch Achseln und soll in ihrer Jugend in einer Wohnwagensiedlung in Arkansas auch schon einmal Eichhörnchen zum Abendessen verspeist haben.

Klein und dick, das heißt 95 Kilo auf 1,55 Meter verteilt. Ihren Wuchtbrummenkörper zwängt Dito außerdem bevorzugt in hautenge Klamotten, derer sie sich auf der Bühne schwitzend wieder entledigt. Das ist ihre Auffassung von Freiheit – zu machen, was sie will.

Ditto stammt aus dem Riot Grrrl-Umfeld und gründetet bereits 1999 The Gossip, die 2006 mit “Standing in the Way of Control” gegen das Verbot von Homo-Ehen ansangen. Und auch sonst weiß Ditto mehr zu bieten als Fettpolster und Achselhaare. Ihrem Aufstieg als Fashion-Vorbild steht sie durchaus kritisch gegenüber und statt sich nun gegenüber Lagerfeld und Co. zu verpflichten, entwirft sie Kreationen für Übergewichtige. Außerdem heißt es, sie wolle einen Stilratgeber für Frauen jenseits der schlanken Konfektionsgrößen schreiben.

Schade nur, dass die mediale Präsenz einer Frau wie Beth Ditto, trotzdem kein gesellschaftliches Umdenken hinsichtlich weiblicher Körperformen nach sich zieht. Da kann die Vogue ruhig fragen, ob dick das neue chic sei, das allgemeingültige Ästhetikempfinden wird sich nicht ändern. Machen wir uns doch nichts vor: Im Alltag wird die Vogue-Leserin, Chanel-Käuferin und It-Girl-Kopiererin nach wie vor das Näschen rümpfen, wenn ihr eine Rubensfrau in Leggins begegnet.

Im spiegel.de Interview sieht Ditto das ähnlich:

Wenn ich mich so umsehe in den Medien, dann habe ich immer noch das Gefühl, dass da ganz andere Trends propagiert werden, Trends wie die Trenndiät.

Gleichzeitig wundert sich spiegel.de Autor Thomas Winkler, warum bei dem ganzen Hype die Musik der Band und ihre feministisch-queere Verortung verloren gehen. Was soll der Mist, Beth Ditto über die – in dem Fall – paradoxen Mechanismen der Modewelt populär zu machen und das Wesentliche, nämlich Musik und Message hinten an zu stellen? Ist Erfolg tatsächlich nur über kurzlebige In- und Out-Listen machbar? Oder sollten wir uns freuen, wenn die cleanen It-Girls von einer unangepassten Dicken an den Rand gedrängt werden?

Der Rest der Band hat seine eigene Meinung:

„Man kann die Medien nicht kontrollieren”, sagt Gitarrist/Bassist Brace Paine, das einzige heterosexuelle Mitglied von Gossip. Und die flächendeckend tätowierte Schlagzeugerin Hannah Billie ergänzt: “Wenn sich die Leute lieber auf diesen VIP-Dreck konzentrieren wollen, dann ist das deren Problem, nicht unseres.”


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