Archiv für April 2009


Eine genau definierte Zielgruppe

25. April 2009 von Anna

Unsere Leserin Nicole hat uns diese Woche Bilder von einem interessanten Schokoriegel geschickt:

Er heißt “Yorkie” und Nicole schreibt dazu:
“Den hab ich im Supermarkt in Cambridge, United Kingdom, gefunden, gekauft, gegessen. Schmeckte kein bisschen hart, knusprig oder irgendwie anders männlich.”

Doch wenn nicht der Geschmack, was macht einen einen Schokoriegel denn dann so überaus männlich? Was passiert, wenn eine Frau ihn trotzdem isst? Muss Nicole mit Folgeschäden rechnen?
Warum brauchen Männer überhaupt einen eigenen Schokoriegel?
Und warum gibt es eigentlich keinen speziellen Männerhaushaltsreiniger oder Männergeschirrspülmittel?

Mit Dank an Nicole.


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Pepsteinfest in Leipzig

24. April 2009 von Susanne

Unsere ehemalige Kolumnistin Mrs. Pepstein feiert mit ihrer Radiosendung “Mrs. Pepsteins Welt” an diesem Samstag den 10. Geburtstag. Und zwar in der Skala in Leipzig, ab 20 Uhr, mit Britta, Kevin Blechdom und Frau Müller. Alle Infos zum großen Fest gibt’s in Mrs. Pepsteins Radioblog.


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Kurz verlinkt am Wochenausgang

24. April 2009 von Katrin
Dieser Text ist Teil 26 von 152 der Serie Kurz notiert

Diese Woche habe ich den Comic-Blog von Angie Wang entdeckt, hier eines ihrer Bilder - anklicken um mehr zu sehen

Und wieder eine Woche rum, in der neben all dem, was wir schon berichtet haben, auch noch das hier passiert ist im Netz:

dieStandard.at greift das Thema Börsenmakler-Studie und männliches Testosteron als vermeintliche Ursache für die Finanzkrise kritisch auf und erläutert, warum sich auch dahinter Sexismus und illegitime negative Zuschreibungen verstecken.

Da stellt sich natürlich die große Frage: Darf man sich trotzdem freuen, wenn Frauen – wie zum Beispiel in Island – nun verstärkt nach der Macht greifen? Auch wenn sie mit fragwürdigen Formulierungen wie “weibliche Werte” und “Gefühlskapital” jonglieren, wie Spiegel Online berichtet?

Ein kleine Hommage an die Riot Grrrls, Punkrock-Gruppen der Neunziger, geschrieben von Laura Barton (Guardian), fand sich diese Woche auf derFreitag.de.

Die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gestartete Initiative Neue Wege für Jungs ermuntert dazu, auch Jungen am sogenannten “Girls’ Day” traditionell weniger typische Männerberufe beschnuppern zu lassen. Wie hier zu lesen ist.

Die Sendung “Mona Lisa” hat den “Prix Courage” an mutige Frauen verliehen – wie sueddeutsche.de berichtet.

Ein heißes Eisen – immer wieder – dass selbst feministische Mütter in zwei Lager zu spalten vermag ist die Frage nach dem Stillen. Feministing hat vor heißen Eisen ja bekanntlich keinen Respekt, und zitieren eine ziemlich kämpferische Jennifer Block mit den Worten: “It’s no wonder women are ready to burn their nursing bras.” Warum – das könnt ihr hier nachlesen. Und gleich die aufgeregte Diskussion im vorbeigehen mitnehmen – war ja erwartbar ;) – sie ist aber angenehm sachlich.


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Männer im Duell, Frauen im Zickenkrieg

23. April 2009 von Helga

Dass das Gesetz zur Sperrung von Kinderpornografieseiten im Internet ein umkämpftes Thema ist, ist lange klar. Die eine Seite fordert, jeglicher Zugang müsse erschwert werden, dafür müsse auch eine Einschränkung der Grundgesetze in Kauf genommen werden. Die andere Seite hat sieht das nicht ein und fordert stattdessen, bestehende Gesetze anzuwenden. Pikant ist natürlich, dass die Fronten auch durch die große Koalition verlaufen. Hier Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU), dort Justizministerin Brigitte Zypries (SPD). Dass ein solcher Konflikt bis auf die Pressekonferenz getragen wird, ist in der großen Koalition auch nichts Neues.

Bemerkenswert ist allerdings die Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung im Internet. Schon der Titel “Zickenkrieg im Kabinett” lässt Unheil ahnen. Und auch der weitere Artikel lässt kein Klischee aus. Da wird angegiftet, angeätzt, man gönnt sich nicht die Butter auf dem Brot bis alle trotzig sind. Nur Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wird zwar angelächelt und von den Damen gelobt, ansonsten könne er einem aber fast leid tun. Nachdem die Minsterinnen wie direkt aus dem Hühnerstall auf die Politikbühne gehievt präsentiert werden, auch kein Wunder.

Apropos Guttenberg. Auch der ist mitten im politischen Zweikampf. Mit Markus Söder steckt er im “Duell der Kronprinzen”. Das klingt doch gleich ganz anders. Der wilde Samurai und Shooting Star Guttenberg wird dabei als lässig und aufgeschlossen beschrieben. Dagegen lästerte Söder wohl mal auf den Gängen, ansonsten sei er aber ein guter Parteisoldat, dem der parteiinterne Wettbewerb hilft, sein Profil zu schärfen.

Neben von der Leyen gegen Zypries locken dann auch mit “Peinlich wie Palin”, “Ich geh nicht auf den Strich” und “Ein Mädchen aus Texas” gleich drei Bilderserien über lustige Politikversprecher. Wer Guttenberg gegen Söder las, darf dagegen im Quiz (“Der Held der Franken”, Edmund der Große”) überprüfen, ob einem die Kosenamen von Politikergattinnen bekannt sind.

So befinden wir uns zwar im Jahr 2009, das Maß mit dem Politikerinnen einerseits, Politiker andererseits gemessen werden, stammt mitsamt der dahinterstehenden Rhetorik aber eher aus dem Mittelalter.


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Girls’ Day

23. April 2009 von Barbara

Heute findet zum neunten Mal der Girls’ Day statt. Um was es geht – jungen Mädchen die Möglichkeit bieten, in ungewöhnliche, “unmädchenhafte” Berufe hineinzuschnuppern – ist hinlänglich bekannt: Mädchen haben oft die besseren Schulabschlüsse als Jungen. Sie wählen aber dennoch sehr häufig aus einem äußerst eingeschränkten Berufsfeld ihre Ausbildung bzw. ihren Job. Am Girls’ Day können Mädchen ihren Horizont erweitern. Deswegen gibt es heute viele Aktionen, Veranstaltungen und Gespräche in Betrieben, Universitäten, Einrichtungen. Um Schwellenängste abzubauen und Mut zu spenden für berufliche Wege, auf die sich noch nicht so viele Mädchen gemacht haben. Raus aus den Frauenbranchen, die Welt ist für alle da!

Obwohl ich die Einrichtung eines solchen Tages an sich gut finde, denke ich doch immer sofort an die anderen 364 Tage des Jahres, an denen Mädchen dann wieder auf Mädchenpfaden wandeln. Sollen? Müssen? Möchten? Und so mein Aufruf: Every day shall be a girls’ day. So wie jeder Tag auch ein Muttertag sein sollte. Und ein Vatertag. Und ein Jungstag. Die Idee ist nicht von mir, und sie ist gut.


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Wenn Frauen bloggen

22. April 2009 von Susanne

Auf der re:publica fing so der Titel einer Veranstaltung an. “Wenn Frauen bloggen…” Und weiter: “Warum Babykotze genauso relevant ist wie das iPhone.” Ob das so ist und ob die technikfixierten Debatten ums Internet wirklich den Schluss zulassen, das andere Themen (und in diesem Zusammenhang als “weiblich” konnontierte Themen) die gleiche Relevanz besitzen – darüber hat sich nun noch einmal Freitag-Autorin Teresa Bücker Gedanken gemacht:

(…) Thematisch kreisen die von Journalisten besprochenen Topblogs allerdings meist um Themen, die ihre eigene Legitimation betreffen. Eine publizistische Vielfalt kann man unter den Leistungsträgern der Netzpublizistik nicht entdecken. Die Szene, die gerne als „digitale Avantgarde“ bezeichnet wird, weist erste Rostflecken auf. Bei Deutschlands größtem Treffpunkt der Netzbürger, der re:publica Anfang April, wirkte die homogene Masse aus technikversierten Männern zwischen 30 und 40 eher undurchlässig, bequem und keinesfalls auf Krawall, Vermehrung und Machtergreifung gebürstet. Das Web 2.0 hat -bislang weniger zur Verschiebung von klassischen Machtstrukturen und Geschlechterstereotypen beigetragen als angenommen.

(…) Frauen schreiben Blogs seltener mit der Absicht, Eigenes zu publizieren, als über Persönliches zu kommunizieren. Während bei Männern durchaus beobachtet werden kann, dass sie beim Bloggen gerne Punkte sammeln und Siege erringen, steht bei Bloggerinnen der Dialog, aber auch die visuelle Darstellung im Vordergrund.

Ihren nachdenklichen und zum Nachdenken anregenden Aufsatz beendet Teresa Bücker mit einer Frage:

„Wieso schreiben so wenig Frauen politische Blogs?“ steht jetzt im Raum. Ich würde auch gern fragen: “Wieso schreiben so wenig Männer über ihre Gefühle?” Ich meine es ernst. Ich bin ja nicht zum Spaß hier.


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Amoklaufen ist nicht weiblich

22. April 2009 von Barbara

In der Zeit machte sich Alice Schwarzer äußerst interessante Gedanken über die Tatsache, dass einerseits elf der zwölf Opfer des Amoklaufs von Tim K. in Winnenden vergangenen Monat weiblich sind. Und dass das andererseits nicht berichtenswert ist.

»Das Geschlecht«, erklärt Pressesprecherin Claudia Krauth von der zuständigen Stuttgarter Staatsanwaltschaft, »hat für den Täter nach unseren bisherigen Erkenntnissen keine Rolle gespielt.« Welche bisherigen Erkenntnisse? Haben in den Klassen etwa deutlich mehr Mädchen als Jungen gesessen? Nein, sagen die entkommenen SchülerInnen – die Ermittler geben auf diese simple Frage jedoch auch einen Monat nach der Tat noch keine Antwort.

Warum wird in den Medien zwar viel über den Amoklauf und seine eventuellen Hintergründe geschrieben, über das Geschlecht der Opfer und die Möglichkeit, dass Misogynie der Tat (auch) zugrunde liegen könnte, jedoch nicht? Schwarzers Resümée lautet: Niemand berichtet darüber, weil Gewalt gegen Frauen eben alltäglich ist. “Für uns ist das so normal, dass wir das Ungeheuerliche daran nicht mehr wahrzunehmen scheinen”, schreibt sie in der Zeit.

Doch nicht nur das Geschlecht der Opfer ist betrachtenswert, auch das Geschlecht der Täter. Denn in den wenigsten Fällen ist der Mensch, der Amok läuft, weiblich. Dazu Schwarzer:

“Weibliche Amokläufer sind (bisher) quasi inexistent. Nicht etwa, weil Frauen die besseren Menschen wären. Nein, weil Frustration und Aggression sich bei Frauen traditionell anders Bahn brechen als bei Männern, nämlich weniger nach außen und mehr nach innen, weniger physisch und eher psychisch.”

Dass jedoch der einzige Unterschied zwischen Mann und Frauen, besonders beim Erwachsenwerden, die Gewalt sei, dort wird ihre Beurteilung meines Erachtens zu pauschal:

… die Zeiten, in denen nur Männer den exklusiven Zugang zum Wissen und zur Welt hatten, sind vorbei. Heutzutage überholen die Mädchen die Jungen in der Schule, und auch Frauen fahren Auto und umsegeln die Weltmeere. Was also macht den Mann noch zum Mann? Die Gewalt.


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Schmonzettensex

22. April 2009 von Verena
Dieser Text ist Teil 12 von 25 der Serie Wilde Mädchen

So wie Zigaretten und HipHop-CDs mit Warnhinweisen versehen werden, sollten auch gewisse erotische Bücher Sticker tragen: Achtung, Lektüre gefährdet die Libido!

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Zum Beispiel Tanja Steinlechners Debüt „Wahrheit oder Lüge“, erschienen im ANAIS Verlag, der in begleitender Pressemitteilung schwärmt:

Virtuos spielt die Autorin Tanja Steinlechner mit der Ungewissheit und den Rätseln, die die Freundinnen einander aufgeben. Die zehn betörenden Geschichten, die sie erzählen, sind mal zart und romantisch, mal wild und atemberaubend … »Wahrheit oder Lüge« ist ein Roman, der neugierig macht. Tanja Steinlechner überrascht mit zahlreichen unkonventionellen Wendungen, einem lockeren Erzählton und viel Sinnlichkeit.

Mich überraschte vor allem immer wieder ein herzhaftes Gähnen. Nein halt, wirklich überrascht hat es mich nicht. Erotik, deren Einband eine Blumenwiese voll gelbem Löwenzahn ziert, findet ihren Höhepunkt wohl kaum über die Missionarsstellung hinaus. Auch schön, die blonde junge Frau auf dem Cover, die mit geschlossenen Augen vor sich hin träumt. Vermutlich denkt sie so wie eine der Protagonistinnen:

Hier bin ich keine Studentin, die den Tag in stickigen Bibliotheken und langatmigen Seminaren verbringt. Auch nicht das unkomplizierte Mädchen mit dem dunkelblonden Pferdeschwanz, den Polohemden und den Sneakern. Hier bin ich ganz Frau.

Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn es Frauen gibt, die solche Bücher mögen und erotisch ansprechend finden. Mich stört nur wieder mal die „Wir wissen was Frauen wollen“-Attitüde, mit der weibliche Erotik als wild und zügellos dargestellt wird, über Schmonzettensex mit Vorortcharme aber nicht hinaus geht. Ich stehe aber auch nicht auf diese Dildos mit Delfingesicht – wer will schon eine lieb blickende Eichel im Bett …

Und auch wenn die Autorin sich um so abwechslungsreiche Szenarien wie den Besuch im Swingerclub, Voyeurismus, lesbischen Sex und SM-Spiele bemüht, ihrem „atemberaubenden“ Gesamtkonzept mangelt es an Potenz. Den ersten Blow-Job gibt es auch erst auf Seite 59. Stattdessen wird bevorzugt missoniert gevögelt, jedes Mal an den Nippeln gesaugt, ein Stöhnen unterdrückt, ein paar Stöße unternommen und immer (!) gemeinsam (!) der Höhepunkt erreicht – Na herzlichen Glückwunsch, selbst auf Youporn lassen sich die Akteure mehr Zeit. Oder irre ich mich und erotische Frauenliteratur dient gar nicht als Masturbationsvorlage?

Was mich an dem Buch aber wirklich ärgert, sind die klassischen Rollenklischees. Keine der Protagonistinnen ergreift die Initiative. Da können sie sich zuhause bereits in sündiger Vorahnung den String übergezogen haben und die sanfte Berührung des Liebhabers – hüstel – herbeisehnen, sich einfach zu nehmen, was sie wollen, das tun sie nicht. Stattdessen spielen sie angenehm überrascht, wenn ihnen ins Höschen gegriffen wird. Dazu die traditionelle Rollenverteilung im Alltag: Männer haben einen guten Job, verdienen nicht schlecht, bestellen im Restaurant den Wein und sind beim Sex fordernd und furchtlos. Überhaupt, das körperliche Verlangen gilt vor allem denjenigen, zu denen die Frauen aufschauen können: der Nachhilfelehrer, der intelligente Komilitone oder direkt der Professor.

Dabei legt ANAIS mit seinem Verlagsprogramm Wert auf Authentizität. In den Tipps für Autorinnen heißt es:

Wir suchen realistische Geschichten aus der Gegenwart mit Identifikationspotential, zum Beispiel aus dem Club hier um die Ecke, wo das wahre Leben spielt. {…} Die Themen, die wir suchen, dürfen gern sehr explizit sein, kein verschämtes Wischiwaschi. {…} Auch S/M ist kein Problem, sofern es sich nicht um angelesenes Wissen handelt, sondern um ureigenste Kenntnisse – sonst wird es unglaubwürdig. Das ist überhaupt das wichtigste – diese Authentizität, ganz egal in welcher Spielart.

Aber wenn wir mit diesen Geschichten unsere Phantasie anregen wollen und über das, was wir tagtäglich und nachtnächtlich haben können, hinaus wachsen wollen, sollte dann nicht ein bisschen mehr drin sein, als die Nippellutschnummer und ein bisschen Dildosex, dem natürlich tiefes Vertrauen in den Partner/ die Partnerin vorrausgeht? Ok, es muss nicht direkt de Sade sein, aber auch in explitzit an Frauen gerichteter Erotikliteratur sollten die Abgründe keine Tagesreise entfernt sein.

Liebes ANAIS-Team, orientiert euch doch mal ein bisschen an Eurer Namenspatin Anaïs Nin und deren Lebensgefährten, einem gewissen Henry Miller… denn dort ist der geschriebene Sex dreckig und grob und trotzdem poetisch – ganz ohne Blümchenwiese.


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Erzwingt der europäische Gerichtshof ein neues Abstreibungsrecht in Irland?

22. April 2009 von Meredith

Nach Polen ist Irland möglicherweise das nächste EU-Mitglied, das sein Abtreibunsgrecht reformieren muss. Drei irische Frauen ziehen demnächst vor den Europäischen Gerichtshof, um gegen das Abtreibungsverbot in ihrem Staat zu klagen. In Irland sind Schwangerschaftsabbrüche in jedem Fall verboten. Angeblich reisen jeden Tag 20 Frauen nach England, um dort Abtreibungen vornehmen zu lassen

Alle drei Klägerinnen argumentieren, dass die rechtliche Situation in ihrem Land einerseits einen Eingriff in ihre Privatsphäre verursacht, und sie andererseits einer degradierenden Behandlung ausgesetzt hat. Die Frauen hatten Schwangerschaften, die als extrem riskant einzuschätzen waren, aber eben keine Möglichkeit zu Hause etwas zu tun. Eine der Frauen hatte eine ungeplante, hochgefährliche Eileiterschwangerschaft (der Fötus entwickelt sich nicht in der Gebärmutter, solche Schwangerschaften gehen für die Mütter oft tödlich aus); eine Frau hatte gerade die Chemotherapie beendet, als sie ungeplant schwanger wurde; die dritte war Alkoholikerin und psychisch so instabil, dass ihr das Sorgerecht für die bereits vorhandenen Kinder entzogen worden war. Alle drei mussten unter enormem Kostenaufwand und gesundheitlichen Risiken nach Großbritannien reisen und dort die Abbrüche vollziehen lassen. Alle drei hatten danach mit Schmerzen, starken Blutungen und anderen gesundheitlichen Belastungen zu kämpfen.

Von daher das Argument, dass die iritschen Gesetze Menschenrechte (z.B. auf körperliche Unversehrtheit) verletzen, wenn sie in solchen Fällen keine die Gesundheit der Mutter missachten.

Der irische Staat wird dagegen argumentieren, dass die Menschenrechtskonvention der EU sich nicht auf Schwangerschaften und Abtreibungsrecht beziehen lässt. Sollte in Strasbourg allerdings ein Urteil zugunsten der Klägerinnen fallen, ist ziemlich wahrscheinlich, dass Irland seine Abtreibungsgesetze reformieren muss. Alles andere wäre auch ein Skandal.


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Jetzt bloß nicht mu(t)tieren!

22. April 2009 von Katrin
Dieser Text ist Teil 2 von 21 der Serie Freitagsgedanken

Deutschland ist nun kinderfreundlich per Erlass. Warum stehen junge Eltern trotzdem unter dem Druck, von den Kinderlosen bloß nicht für spießig erklärt zu werden?

(C) Frl. Zucker - fraeuleinzucker.blogspot.com/

„Demografischer Wandel“, „wir brauchen mehr Kinder“, „Methusalem-Komplott“: Horrorszenarien über eine alte, kranke und pflegebedürftige, kurz teure Gesellschaft, sollen junge Menschen unter Druck setzen, Kinder zu bekommen.

Was die aber denken? Wir sind doch erst Ende zwanzig, haben gerade die Uni beendet, das zweite Praktikum aufgenommen, dem Partner nach einjähriger Beziehung aus Mangel an persönlicher Freiheit den Laufpass gegeben und fühlen uns einfach noch nicht reif für so eine große Aufgabe, für ein Kind und die ganze Verantwortung. Aber alle liegen uns in den Ohren: die Großeltern, Eltern, der Staat. Am schlimmsten: Gleichaltrige, die Eltern werden oder sind.

Es ist noch nicht lange her, da hatten Anti-Kinder-Pamphlete aus dieser Ecke große Konjunktur. Selbstbewusst wurde über zu militanten Nichtrauchern mutierte Eltern hergezogen, die ihre Kinder nicht im Griff hätten, Spaßbremsen geworden seien, die kein anderes Gesprächsthema neben „mein Kind“ mehr kennen würden. Angriff ist eben die beste Verteidigung. Heute traut sich niemand mehr, zu sagen, was er wirklich von Kindern, frischgebackenen Jungeltern und dem Gebärdruck hält. Denn Deutschland ist nun kinderfreundlich per Erlass, da gibt es keine Widerworte. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Ausrufezeichen.

Familie vor Spaß? Kinderfreundlichkeit vor Rauchvergnügen überall? Nervös betrachten die Verfechter eines ewig jungen, nur sich selbst Rechenschaft schuldenden Lebensstils voller Partys, unnötiger Luxusartikel und qualmigen Bars diese Entwicklungen. Doch ihre Pamphlete sind noch nicht vergessen, sie haben Nachwirkungen. Zum Beispiel auf junge Eltern in diesem Land.

Bloß nicht seltsam werden, heißt die Parole. Nicht zu Spaßbremsen mutieren. Keinen hysterischen Anfall bekommen, wenn jemand in der Nähe des Kindes raucht. Denn solche militanten Nichtraucher sind spießig und kleinkariert. Wenn man sich mit Freunden trifft, dann besser ohne Kind (denn das schreit, muss gestillt, gewickelt und unterhalten werden, steht immer im Mittelpunkt, in dem doch der lange nicht besuchte Bekannte stehen sollte). Und bloß nicht über das Kind reden. Ein Beweisfoto muss genügen. Kinderlose Menschen fühlen sich sonst schnell mit dem Kinderthema überschüttet und reagieren passiv-aggressiv. Man sollte sich mindestens einmal im Monat ordentlich besaufen gehen (was besonders glaubwürdig wirkt, wenn man davon kotzen muss), sich nie, niemals beim Kaufen von Babyklamotten im Prenzlauer Berg erwischen lassen! Und schlussendlich: Immer wieder betonen, dass man natürlich nicht normal ist, weil man ja schon mit Mitte zwanzig seinen Nachwuchs in die Welt gesetzt hat.

Dass man dabei selbst in Passiv-Aggresivistan landet, ist nicht ausgeschlossen. Während sich die lieben Freunde und Bekannten in Sachen Anti-Kinder-Ideologien selbst zensieren, schluckt die junge Mutti auch so einige Gedanken missmutig herunter. Denn eigentlich nervt einen die verbreitete Einstellung Endlosjugendlicher: Sich bloß von Verbindlichkeit und Verantwortung schön fernhalten, wenn sie nicht beruflicher Art ist. Mit Kind muss man anfangen zu planen, sich zu organisieren und abzusprechen. Spontaneität ist toll, aber leider mit Kind am Hals nicht mehr ganz so leicht umzusetzen.

Und so geht es weiter wie gehabt, nur heimlich still und leise. Die Republik bleibt in die Lager getrennt, nur dass man sich heute gegenseitig eben zähneknirschend erträgt, anstatt aufeinander rumzuhacken. Eltern gegen Kinderlose: ein Streit von gestern, ein passiv-aggressives Showlaufen heute. Man versucht sich gegenseitig an Toleranz gegenüber der anderen Seite zu übertreffen. Sagt vordergründig: „Nein, nein – natürlich rauche ich in Gegenwart von Lucas nicht!“ und denkt sich leise hinterher, nicht mehr so oft zu Besuch zu kommen. Oder eben nur noch, wenn Lucas bei seinen Großeltern ist.

(Dieser Text erschien ursprünglich als Kolumne auf Freitag.de)


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