Archiv für März 2009


Weg von den ewig Gestrigen

25. März 2009 von Verena
Dieser Text ist Teil 10 von 25 der Serie Wilde Mädchen

Manche Männer kann man einfach nicht ernst nehmen. Den Papst zum Beispiel. Bevor er vergangene Woche zu seiner Afrika-Reise aufbrach, erklärte Vatikanchef Benedikt, Kondome verschlimmerten das AIDS-Problem. Auf dem schwarzen Kontinent angekommen, spricht er sich gegen Abtreibung aus – auch bei akuter Gefahr für die werdende Mutter. Naja, vielleicht sei dem heiligen Vater da eine Bemerkung falsch in den Mund gelegt worden, mutmaßt Johannes B. Kerner in seiner Talkshow. Und wenn schon, die Meinung der katholischen Kirche zu Verhütung, Geburtenregelung und Abtreibung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht eine Rosenkranzperle weit fortbewegt.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Ich weiß nicht, wie oft ich mich in den vergangenen Jahren über die Position der katholischen Kirche gegenüber Frauen, Safer Sex, Empfängnisverhütung und Abtreibung aufgeregt habe… und ich finde, es lohnt sich auch nicht mehr. Vegangene Woche bin ich aus dem Verein namens Kirche ausgetreten, eine vor allem von Wut und Entrüstung geprägte Entscheidung.

Weil ich aber finde, dass diese Wut in etwas Positives umgewandelt werden sollte und auch den ewig gestrigen Äußerungen des Papstes und ähnlicher Kirchenvertreter mit Aktivismus statt mit Kopfschütteln begegnet werden sollte, hier mal einige Moralapostel, die auch anders können:

Zum Beispiel die Theologin Uta Ranke-Heinemann, die sich schon 1987 mit der Kirche überwarf, als sie der Jungfräulichkeit Marias genauer aufs Laken gucken wollte. Fazit: Entzug der Lehrerlaubnis. Seitdem meldet sich die 81-Jährige immer wieder streitbar zu Wort, schimpft den Papst einen Verbrecher und klagt seine rückwärtsgewandte Sexualmoral als verantwortlich für Krankheit und Tod zahlloser Menschen an.

Gemäßigter, aber nicht weniger entschieden tritt der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke auf. In der Zeit spricht sich der Katholik für den Gebrauch von Kondomen zum Schutz gegen AIDS aus:

„Kein Tabu beim Thema Kondom, aber auch keine Mythen und Verharmlosungen, als sei damit die Welt in Ordnung“, sagte Jaschke. “Kondome können schützen, aber oft lehnen Männer sie ab.“ Deshalb bräuchten Frauen Hilfe, zum Beispiel durch eigne Kondome für Frauen.

Zwar widerspricht der Bischof dem Vorwurf, die Kirche versuche die Menschen einzuschüchtern, aber endlich mal jemand aus den katholischen Reihen, der nicht das folgsame Lamm gibt.

Eine Aktion ohne große Worte leistet sich die spanische Regierung. Spanien, sonst erzkonservativ und katholisch bis aufs Stierblut, schickt eine Million Kondome nach Afrika, ließ das Gesundheitsministerium verlautbaren.

Nicht zu vergessen sind die zahlreichen Hilfsorganisationen wie die Deutsche Aidshilfe, Unicef oder unaids.org, die lautstark gegen die Papstäußerungen protestierten. Schließlich macht so ein Satz deren intensive Arbeit dort zunichte, wo Menschen sich, statt auf praktische Aufklärung, auf den vermeintlichen Trost ihrer Kirche verlassen.

Wer sich jetzt mal wieder fragt, was das hier mit wilden Mädchen zu tun hat, der denkt bitte daran, dass sich vor allem Frauen schnell mit HIV infizieren können und dass es oft besonders an uns liegt, Kondome zu nutzen. Denn wer kennt sie nicht die Situation, in der der One-Night-Stand darauf drängt, aufs Kondom zu verzichten, weil es viel geiler sei, er ohne besser könne, mehr spüre und sie sich mal nicht so anstellen soll. Da muss Frau sich durchsetzen und auf das mit bestehen, sonst bleiben die Hosen eben oben. Denn im Ernst, wer will es schon mit dem Papst und der katholischen Kirche halten und auf deren Empfehlung, Enthaltsamkeit genannt, setzen? Eben!


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Alles neue macht der Mai, auch neue T-Shirts

25. März 2009 von der Mädchenmannschaft

Im Mai gibt es eine neue Mannschaftskollektion: grüne Baumwolle mit schwarzem Aufdruck (Simone de Beauvoir). Die T-Shirts werden wieder in limitierter Auflage erscheinen, in den Größen S, M, L und (neu!) XL. Neu: Männer-T-Shirts. Diese müssen verbindlich vorbestellt werden, hier gibt es auch die Größen S bis XL.
Vorbestellungen bitte bis 14. April 2009 mit Größenangabe und Adresse an kaufen(at)maedchenmannschaft.net


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Mehr Frauen für mehr Wettbewerbsfähigkeit

25. März 2009 von Susanne
Anke Domscheit und Franz Müntefering bei der Übergabe der Nürnberger Resolution am 17. März in Berlin

Anke Domscheit und Franz Müntefering bei der Übergabe der Nürnberger Resolution am 17. März in Berlin

Schon neulich haben wir hier über das Phänomen der “Trümmerfrauen” gesprochen, nämlich dass Frauen in Krisenzeiten viel eher mal nach “vorn” gelassen werden als wenn alles seinen Gang geht. Nun hat die Microsoft-Managerin und Erstunterzeichnerin der Nürnberger Resolution, Anke Domscheit, in der Taz über diese momentane Entwicklung geschrieben, unter der Überschrift “Die neuen Trümmerfrauen”. Unter anderem ist dort zu lesen:

Jetzt gehts um das nackte Überleben, um den Kampf raus aus der Krise. Da sind auch ungewöhnliche Methoden recht. Niemand lächelt mehr über Ansgar Gabrielsen, Norwegens früheren konservativen Wirtschaftsminister und Urheber des weltweit ersten Gesetzes, das Quoten für Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen vorschreibt. Seine Begründung: Norwegens Wirtschaft kann sich so viel Inkompetenz in den Führungsetagen nicht mehr länger leisten. Bei einer Anhörung im Deutschen Bundestag fügt er hinzu, er glaube nicht, dass Deutschland sich das leisten könne. Um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu stärken, will Siemens-Chef Löscher jetzt unter Verweis auf die “weiße, männliche Lehmschicht im mittleren Management” Stellen abbauen sowie mehr Frauen befördern und holt auch gleich die nunmehr zweite Frau in einem DAX-30-Vorstand in seine Führungsriege.

Den ganzen Text könnt ihr auf Taz.de lesen.


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Pokerface für mehr Kohlen

25. März 2009 von Verschiedenen
Dieser Text ist Teil 6 von 26 der Serie Der Kommentar

In der Diskussion um eine Coaching-Aktion am Equal Pay Day verrät unser User David seine Tricks für Gehaltsverhandlungen. Ich kann nur sagen: Nachmachen, Ladys!

1. Als allererstes sollten Frauen sich dieses unsägliche Klein-Mädchen-Grinsen verkneifen. Ist nicht bös gemeint, aber Frauen (z.B. Kolleginnen) machen das oft so. Mal davon abgesehen, dass es irgendwann einfach nervt, weil man das Gefühl hat, man hätte es mit einem Kind zu tun, impliziert es Opferstatus und eine “Mit-mir-kann-man-alles-machen”-und-”Ich-lass-mich-hier-so-mitschleifen-”Mentalität. Mit “alles machen” meine ich: sich z.B. auch in Gehaltsverhandlungen klein machen und abwatschn lassen.

2. Ich denke tatsächlich, dass es auf Verhandlungsgeschick ankommt, aber insbesondere auch darauf, dass du auch wirklich beste Arbeit leistest und nicht etwa mit einer “Ach-ich-probiers-jetzt-mal”-Laune in die Verhandlung gehst. Du selbst musst felsenfest davon überzeugt sein, dass deine Arbeit deutlich mehr wert ist – ganz egal, ob du schon mehr als gut verdienst.
Ich z.B. beginne die meisten Verhandlungen mit der Eingangsfrage danach, ob mein Vorgesetzter zufrieden mit meiner Arbeit ist. Da er es ist – ich weiß das – kann ich ihm nach seiner wohlwollenden Zustimmung eröffnen, dass wir aber natürlich künftig noch besser sein müssen (woraufhin ich ihm dies mit Zahlen, Fakten, Ist-Soll, Perspektiven und möglichst aktuellen Marktzahlen belege, auf die die genannten Punkte aufbauen).
Das stellt ihm in Aussicht, was er von mir für mehr Patte erwarten kann, ist aber auch gleichzeitig eben Message an ihn: “Wenn du das willst, kostet dich das was. Gute Arbeit kostet Geld. Viel bessere Arbeit kostet viel Geld. Wenn du dich das nichts kosten lassen willst – auch gut. Dann mache auch ich weiter wie bisher, bzw. schaue mich nach was Neuem um, wenn mir mein Posten nicht mehr schmeckt.” Noch bin ich jung genug, um mir diese Arroganz raus zu nehmen.

3. Zum Habitus: Ich lächle eigentlich meist gar nicht, selbst bei einem seiner “lustigen Sprüche” (mit denen er dich schon mal vorab auf die “private kumpelhafte Ebene” ziehen will) ziehe ich nur leicht einen Mundwinkel zur Bestätigung für sein Ego hoch. Egal, wie der sich bei dir einschleimt – das ist keine Grillparty. Morgen , wenn ich wieder am Schreibtisch sitze, ist seine “Grillparty” vorbei und Pustekuchen ist’s mit “Kumpelstimmung”. Klar bin ich nervös und angespannt, wenn ich da sitze, aber jede Wette: Der merkt nichts davon, ich bin die Ruhe selbst. Ich weiß nicht, ob man das “üben” kann, denke aber, dass diese Art von Souveränität dich äußerlich schon mal von einem Newbie oder Youngster unterscheidet.

4. Ach ja: Ich bin fest der Meinung, dass Frauen (aber auch Männer mit höherer Stimme) versuchen sollten, die Stimmlage etwas runter zu drücken. Natürlich nicht so, dass du klingst, wie ‘ne chinesische Schwimmathletin ;-) – außerdem muss jede selbst wissen, ob sie das “Stück Frausein” dafür “hergibt”.

Was soll ich sagen – bisher bin ich immmer mit Erfolg, breitem Grinsen und tieeefer Stimme rausgegangen.

DAVID

Danke für den Einblick. Und alle anderen: Fehlt noch was? Welche Tipps habt ihr  für eine bessere Entlohnung?


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Hausfrauen und Karrierefrauen

24. März 2009 von Barbara

Am 25. März spricht Dr. Antje Schrupp in der Vortragsreihe “Ewige Rivalinnen?” der Frauenstudien München e.V. zum Thema “Hausfrauen und Karrierefrauen”. Die 1964 geborene Journalistin und Politologin Schrupp veröffentlicht regelmäßig Texte zur Frauenbewegung, etwa das 2004 veröffentlichte Bändchen “Zukunft der Frauenbewegung“, über das sie auf ihrer Website schreibt:

Die Frauenbewegung ist die wohl erfolgreichste soziale Bewegung, die die westliche Welt erlebt hat. Kein anderer gesellschaftlicher Bereich hat sich in den letzten dreißig Jahren so sehr zum Positiven verändert, wie das Verhältnis von Frauen und Männern. Frauen haben für sich gleiche Rechte errungen, sie haben die alten Rollenbilder aufgebrochen und mit neuen Formen von Weiblichkeit experimentiert, sie haben an Einfluss gewonnen und neue Möglichkeiten für sich und ihresgleichen geschaffen. Nun kommt es darauf an, diese Möglichkeiten und Errungenschaften auch sinnvoll zu nutzen. Sie als bedeutsame kulturelle Veränderung ins öffentliche Bewusstsein zu bringen, sie ausstrahlen und wirksam werden zu lassen. Gerade in Krisenzeiten wie diesen, wo die Welt gute Ideen so nötig hat.
Dieser Text ist ein Diskussionsangebot für alle, die sich dieser Herausforderung stellen wollen – für Abenteurerinnen also. Denn es ist in der Tat ein Abenteuer, nach neuen Wegen in der (Frauen-)Politik zu suchen. Es bedeutet auch, das sichere Terrain der eigenen Gewissheiten zu verlassen, das bislang Undenkbare zu denken und das scheinbar Unmögliche zu versuchen, auch wenn es ungewohnt und vielleicht sogar gefährlich ist.

Auf einen Blick:
Mittwoch, 25. März, 20 Uhr, Atelierhaus, Baumstraße 8, München, Eintritt 9 /7


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Arbeitsminister gegen Gehaltsdiskriminierung

23. März 2009 von Susanne

Nun hat sich auch SPD-Arbeitsminister Olaf Scholz in die Debatte um gleiche Gehälter für Frauen und Männer eingeschaltet. Wie sein Parteikollege Franz Müntefering fordert er eine 40-Prozent-Quote für Frauen in den Kontrollgremien deutscher Unternehmen. Zur Bild am Sonntag sagte er nicht nur, dass er diese Quote ins Wahlprogramm seiner Partei schreiben lassen wolle, sondern sprach auch über das Thema Gehaltsdiskriminierung:

“Wir müssen den Frauen den Klageweg erleichtern. Die Unternehmen sollen verpflichtet werden, die Daten für einen Gehältervergleich zur Verfügung zu stellen. (…) Wenn es eine Ungleichheit gibt, muss die Firma beweisen, dass es sich dabei nicht um eine Diskriminierung der Frauen handelt.”

Bisher ist es umgekehrt und die Klägerin muss die Diskriminierung nachweisen. Eine gesetzliche Änderung hin zur Beweispflicht der Unternehmen könnte diese stärker als bisher in die Verantwortung nehmen. Bisher hat ein Unternehmen, das Frauen und Männer unterschiedlich bezahlt, doch recht wenig von Seiten der Gerichte zu befürchten – und entsprechend wenige Frauen verklagten bisher ihren Arbeitgeber.

Die Bundesgleichstellungsministerin (ja, auch das ist sie, nicht nur Familienministerin) Ursula von der Leyen hält übrigens nichts von den SPD-Plänen. Sie äußert sich weiterhin ablehnend zur Quote und will die Gleichstellung von Frauen den Unternehmen überlassen.


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Selbermach-Sonntag (22.3.09)

22. März 2009 von Susanne

Auch an diesem schönen Selbermach-Sonntag wieder: Viel Platz in den Kommentaren für eure Lese-Empfehlungen, für Gedanken und Anregungen – eben für euch ganz allein.

Schönen Sonntag!


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Und die anderen so…?

21. März 2009 von Anna
Dieser Text ist Teil 33 von 157 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Der Genderblog gibt einen Hilferuf des Berliner Mädchennotdienstes Wildwasser weiter. Dieser braucht dringend eine neue Wohnung.

Christa Wolf wurde am 18. März 80 Jahre alt. Danilola gratuliert und verlinkt außerdem zu weiteren Gratulanten.

Dieses Bild einer - ja! - öffentlichen Waage hat die Kaltmamsell bei feministing gefunden.

Dieses Bild einer - ja! - öffentlichen Waage hat die Kaltmamsell bei feministing gefunden.

dieStandard.at berichtet über die geplante Abschaffung der Anrede “Fräulein” (und anderer Anreden, die auf den Familienstand hinweisen) im EU Parlament und über die Ehrung von IBM und dem Beratungsunternehmen equalizent als Organisationen, die aktiv für die Gleichstellung von homosexuellen MitarbeiterInnen eintreten.

Anna von Karmakonsum hat es uns schon verlinkt, aber dies soll nochmal einen prominenten Platz bekommen hier: Anlässlich des Equal Pay Day wird Christoph 23% seines durchschnittlichen Brutto-Tageseinkommens an ein Frauenprojekt spenden. Er sucht noch Nachmacher!

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschspachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter mannschaftspost(at)web.de Bescheid.


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Fünf-Minuten-Coaching

21. März 2009 von Verena

Gestern war Equal Pay Day und ich habe mich ins Frauengetümmel im Hamburger Museum der Arbeit gestürzt. Dort fand der Weltrekordversuch im High-Speed-Coaching statt: 56 Coaches machen 1000 Frauen in 12 Stunden für Gehaltsverhandlungen fit. Und das sah so aus:

Auf den ersten Blick sehe ich jede Menge Kameras, ein paar Männer und viele, viele Frauen. Als ich mich um 12.30 Uhr in die Liste eintrage, bin ich Nummer 238. 1000 Frauen sollen es bis 19 Uhr werden. Obwohl ganz schön viel los ist, bin ich nicht sicher, ob sie das schaffen. Ich schlendere ein bisschen umher, schaue mir Prospekte an Infoständen an, werfe einen Blick auf einen Stand mit roten Taschen und stelle mich schließlich in die Coachingreihe. Ziemlich schnell spricht mich eine Frau an, stellt sich als Barbara Graber vor und führt mich an einen kleinen Tisch.

Vorab sollte ich mir eine Frage überlegt haben, denn mehr als fünf Minuten Zeit bleiben bei High-Speed nicht. Trotzdem habe ich nicht den Eindruck, dass hier die Zeit drängt und ich möglichst schnell abgefertigt werden soll. Ich will wissen, wie ich mich als freie Journalistin auf dem Honorarmarkt nicht unter Wert verkaufe. Barbara Graber fragt mich nach Themen, auf die ich spezialisiert bin und was ich außerdem für Fähigkeiten und Eigenschaften zu bieten habe. Zuverlässigkeit und Ideen abseits des Mainstreams fallen mir ein. Sie notiert sich ein paar Punkte und rät mir, mich bei Gehaltsverhandlungen auf diese Vorteile als Argumente für ein entsprechendes Honorar zu stützen. Wir entwerfen noch grob eine Szene, in der ich ein Gehalt verhandele und dann gibt sie mir außerdem die Emailadresse einer anderen freiberuflichen Journalistin mit. Mit der könnte ich mich austauschen, sagt Graber.

Wirklich neu sind Grabers Tipps für mich nicht. Sich über die eigenen Stärken klar zu werden, scheint nun mal die Coaching-Strategie schlechthin zu sein. Worauf es hier beim Equal Pay Day – neben der Schaffung eines Bewusstseins für Lohnungleichheit – viel mehr anzukommen scheint, ist das Netzwerken. Das betont auch Sabine Asgodom, neben den Business and Professional Women (BPW), Initiatorin der Veranstaltung und bestsellernde Coaching-Autorin. „Für die heutige Veranstaltung habe ich nur zwölf Adressen angeschrieben und siehe da, 56 Coaches aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind heute nach Hamburg gekommen“, sagt Asgodom. Kontakte knüpfen zu Menschen, die die gleichen Interessen, das gleiche Anliegen, ähnliche Ziele verfolgen – so lassen sich Fragen beantworten, Unsicherheiten überwinden und schließlich auch ganz allgemein Dinge verändern – vielleicht sogar bis zur gerechten Lohnverteilung.

Also stecke ich die Emailadresse, die mir „mein“ Coach in die Hand gedrückt hat, in meine rote Tasche. Ich bin zwar nicht unbedingt klüger was Gehaltsverhandlungen angeht, aber womöglich um einen spannenden Kontakt reicher.

Übrigens, ein Interview mit einer der Organisatorinnen des Equal Pay Days, könnt ihr bei jetzt.de lesen. Tipps für die eigene Gehaltsverhandlung gibt es bei karriere.de. Und Tarifverträge könnt ihr euch bei der Hans-Böckler-Stiftung anschauen.


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Kurz notiert am Wochenausgang

20. März 2009 von Katrin
Dieser Text ist Teil 29 von 152 der Serie Kurz notiert

Immer wieder beeindruckend, was in einer Woche so alles zusammenkommt. Hier unser kurzer Nachrichten-Überblick:

Foto des Tages: gefunden bei Flickr.com

Foto des Tages: Equal Pay Day - gefunden bei Flickr.com von Topsy Grewlike

Stud or slut? – diese alte Frage wird bei broadsheet aufgeworfen.

Die Finanzkrise aus weiblicher Sicht” wird auf dieGesellschafter.de von Dr. Uta von Winterfeld geschildert.

Das BMFSFJ hat eine neue Studie zum Rollenverständnis der Männer veröffentlicht  und der tagesspiegel schreibt prompt einen Artikel. Auch der Deutschlandfunk hat dazu einen Beitrag gebracht: Artikel und MP3 sind hier abrufbar.

Christa Wolf wurde diese Woche 80 Jahre alt und auf freitag.de erschien diese wunderschön Homage.

Auch eine sehr sehr gute Nachricht: In Dänemark dürfen homosexuelle Paare nun Kinder adoptierenderStandard.at berichtet.

In Serbien hingegen sieht es düster aus für Homosexuelle: Die Orthodoxe Kirche dort hat ein Gesetz torpediert, das die Gleichstellung von Homosexuellen rechtlich verankern sollte, wie die taz berichtet.

Und noch einmal kirchliche Einmischung, diesmal in Spanien, diesmal gegen Abtreibung:

“Was ist der Unterschied zwischen einem Luchs und einem Kind? Die spanische Kirche kennt die Antwort auf diese scheinbar sinnlose Frage: “Der Luchs ist geschützt. Und ich? Schütze mein Leben” , steht auf übergroßen Plakaten mit denen Spaniens Bischöfe Front gegen die geplante Reform des Abtreibungsgesetzes machen.”

(der ganze Artikel auf derStandard.at)

Und, last, but not least: Der Papst ist immernoch gegen Kondome. Was soll man dazu noch sagen, außer: “Sexualität ist nicht durch Enzykliken zu kontrollieren.” (M. Drobinski auf sueddeutsche.de)

Eine irgendwie erschütternde Geschichte einer jungen Frau, die ohne Vagina auf die Welt kam und erst mit 16 Jahren davon erfuhr (auf nicht gerade schöne Weise). Jetzt ist sie eine “richtige” Frau, dank einer “Neovagina”. Ein langer, aber interessanter Artikel auf ncc.ch – nur das Ende fand ich seltsam: Auch Frauen, die Kinder kriegen können, müssen nicht Hausfrau und Mutter werden, okay?

Stichwort Mütter: Einen aufrüttelnden Artikel über junge Mütter in Marzahn-Hellersdorf (Berlin) mit dem Titel “Letzter Ausweg Schwangerschaft“, hat Waltraud Schwab in der taz geschrieben.

Zwei unschöne Nachrichten aus Nahost liefert die Feminist Majority Foundation: “Elderly Woman Sentenced to Jail and Lashings for Fraternization in Saudi Arabia” und “Iranian Women’s Rights Activist Shirin Ebadi’s Secretary Released from Prison“.

Ursula März macht sich im Zeit-Magazin Gedanken darüber, dass es immer noch als unschön gilt, wenn Frauen mit jüngeren Männern Beziehungen eingehen: “Die ältere Frau hingegen, die sich ein Bürschlein angelt – sie wird viel tiefer, viel gründlicher abgelehnt, ja nahezu verachtet.”

Und zum Abschluss: Heute ist ja Equal Pay Day, passend dazu zwei Beiträge: Ein Artikel zu einer aktuellen Lohn-Studie von FR-online.de. Sowie ein Tagebucheintrag auf dieGesellschafter von Brigitte Triems, Präsidentin der EWL.


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