Archiv für Januar 2009


Neue Formel für Selbstverantwortung und Solidarität

24. Januar 2009 von Katrin

(Der Kommentar von Franziska Brantner und mir erschien in der Taz, dies hier ist die etwas ausführlichere Version.)

Vor einem Jahr, am 1. Januar 2008, fand fast unbemerkt eine gesellschaftliche Revolution in Deutschland statt. Einem bis dahin gesellschaftlich und gesetzlich breit abgesicherten Modell wurde der Boden unter den Füßen weggezogen: Das neue Unterhaltsgesetz trat in Kraft. Die klassische Ehe ist ihrer juristisch-materiellen Grundlage teilweise beraubt. Die Botschaft dieses Gesetzes an die Frauen ist: „Bleib unabhängig, Du bist selbst für Dich verantwortlich.“ Diese Botschaft ist gut. Dennoch birgt das neue Gesetz auch enorme Nachteile – vor allem für Frauen – da neue Lebensmodelle nur bedingt ermöglicht werden.

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Angst vor dem Namen auf einem Wahlplakat

23. Januar 2009 von Susanne

Focus Online berichtet über irakische Frauen, die bei den Wahlen für das Parlament und die Provinzverwaltungen eigentlich kandidieren möchten, sich aber nicht trauen. Denn obwohl es für diese Wahlen eine 25-Prozent-Quote für Frauen gibt, müssen diese bei einer Kandidatur mit Gewalt rechnen. Die Frauen erscheinen bei den Wahlen 2009 zum ersten Mal mit ganzem Namen auf den Wahllisten, wo früher nur das Symbol ihrer Partei zu sehen war. Das macht sie persönlich angreifbar:

Frauen haben nach der Verfassung zwar die gleichen Rechte wie die Männer, was Wahlen, Eigentum und Gerichtsfähigkeit betrifft. Doch in der irakischen Gesellschaft herrschen tiefe Meinungsverschiedenheiten über ihre Rolle und die des Islams.

(…)

Inzwischen wird schon befürchtet, dass gar nicht genug Frauen antreten werden, um die 25-Prozent-Quote zu erfüllen. Für Said Arikat, Sprecher der UN-Mission im Irak, ist dieses Phänomen nicht überraschend: „Manche Statistiken zeigen, dass Frauen in den Ländern, die von geschlossenen zu offenen Wahllisten übergehen, nicht so gut damit fahren.“ Allerdings kann nach seiner Einschätzung die Umstellung auch für Männer schwierig sein: „Zu Wahlen im Irak anzutreten, erfordert Mut und Engagement von allen Kandidaten.“

(…)

Die frühere irakische Frauenministerin Nirmin Othman, die inzwischen Umweltministerin ist, äußert Verständnis für die Angst vieler Frauen. Gleichwohl sei die Teilnahme an den Wahlen wichtig, um den Irak weiter zu verändern. „Wir brauchen Frauen in Bezirkstagen, Provinzverwaltungen und im Parlament – einfach überall, wenn wir wollen, dass unsere Belange bei der Entscheidungsfindung gehört werden“, sagt sie.


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Nach der Geburt: Karriereende

22. Januar 2009 von Susanne

Heute im Zeit Magazin: Das Portrait einer Spitzenmanagerin, die nach der Geburt ihres Kindes aus ihrem Job gemobbt wurde.

Gerade Akademikerinnen, die die Politik immer ermuntert, Kinder zu bekommen, bezahlen genau dafür oft einen hohen Preis. Sie müssen ihre herausgehobenen Positionen aufgeben, weil die Unternehmen fürchten, dass die Mitarbeiterinnen mit Kind zu abgelenkt und unflexibel sind.

(…)

“Bei erfolgreichen Frauen ist die Arbeitsrolle doch die viel bestimmendere als die Mutterrolle”, sagt die Münchner Professorin Barbara Vinken, die den deutschen Muttermythos untersucht hat. Mit ihrer Arbeit hätten sich die Frauen über die Jahre selbst entworfen – sie kommen nicht ohne sie aus. Deshalb ist es heute fatal, wenn eine Mutter aus dem Job gedrängt wird: “Dann führt der Glücksfall, der jede Geburt ist, letztlich zur Zerstörung ihrer Existenz: nicht unbedingt finanziell, aber psychisch.”

Nachtrag:
Zeit Online bringt daneben ein Interview zur Frage “Was sollen Frauen tun, die nach ihrer Rückkehr aus der Elternzeit aus ihrem Job herausgeekelt werden?” Sich wehren, rät der Berliner Anwalt Friedemann Koch.


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So, weiter geht’s

21. Januar 2009 von Susanne

Ihr Lieben,

ihr habt’s ja mitbekommen: In den letzten Tagen hatten wir ein paar Probleme mit der Webseite. Nun sollte alles wieder so funktionieren wie bisher. Die Autorennamen und den Header gibt’s in den kommenden Tagen auch wieder. Ihr seid super, dass ihr einfach weiter hier diskutiert und euch nicht verscheuchen lassen habt.

Die superste aber ist SoE – Danke für den tollen technischen Support!

Weitermachen.


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Gekommen, um zu kassieren

21. Januar 2009 von Verena

Die Notwendigkeit des männlichen Orgasmus’ ist unbestritten. Mit der Ejakulation des Mannes wird die Befruchtung der Eizelle durch die Spermien ermöglicht. Die Bewertung des weiblichen Orgasmus’ dagegen hat so manche Achterbahnfahrt hinter sich. Mal als Bedingung zur Empfängnis verklärt, dann wieder als nicht existent negiert, mal zwischen klitoral und vaginal unterschieden oder schlicht als evolutionäres Almosen bezeichnet – über den biologischen Nutzen weiblichen Kommens wird nach wie vor spekuliert. Eine aktuelle Theorie veröffentlichte jetzt Spiegel Online, wonach sich die Orgasmusfähigkeit der Frau nach der Finanzstärke ihres Liebhabers richte.

Ich weiß, das Thema haben hier schon einige beim Selbermach-Sonntag kommentiert, aber ich habe da noch einige Fragen:

  • Ist Bill Gates als reichster Mann der Welt das Objekt endloser Selbstbefriedigungsphantasien?
  • Wieso finden dann manche Damen einen Blaumann oder sonstige Handwerkerlooks erregend?
  • Erleben Prostituierte nicht einen Höhepunkt nach dem anderen, wenn die Scheine schon in unmittelbarer Reichweite rascheln?
  • Droht dem weiblichen Orgasmus angesichts der gegenwärtigen Finanzkrise ein Konjunkturtief?

Fast überflüssig zu sagen, dass sich die Studie auf die Aussagen von 1.534 Frauen stützt. Obendrein Chinesinnen, deren Lebensumfeld und Rollenverständnis anderen Prägungen unterliegen. Überhaupt, meiner Meinung nach werden hier billig eingekaufte Forschungsergebnisse mal wieder dahingehend verwendet, die Rolle des Mannes auf seinen finanziellen Status und seine Ernährerfunktion zu manifestieren, während der Frau ihr Orgasmus als Erfüllung weiblicher Sehnsucht nach Versorgtsein ausgelegt wird. Das ist nicht nur uns Frauen gegenüber eine Unverschämtheit, auch spricht es jedem Mann ein Talent an sexueller Kompetenz ab.

Vorstellbar wäre, dass sich das an ein höheres Einkommen gekoppelte gesellschaftliche Ansehen positiv auf das Selbstbewusstsein auswirkt. Selbstbewusstsein und der Glaube an die eigenen Qualitäten begünstigt auch die sexuelle Leistung. Oder wie jj es in der  Diskussion formuliert hat:

Frauen mögen selbstbewusste Männer, und wenn ein Mann durch Geld selbstbewusst wird, dann steigert das natürlich auch seine Attraktivität und damit vielleicht auch die Bereitschaft von Frauen, sich sexuell “gehen zu lassen“.

jjs Vergleichsstudienvorschlag:

selbstbewusste, arme Künstler, mit Sendungsbewusstsein.


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Spaß mit Anti-Feminismus

21. Januar 2009 von Susanne
Dieser Text ist Teil 29 von 54 der Serie In Bildern: Das denkt die Welt

Gesehen bei yoshi3329 / Flickr


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Mehr Frauen in die Politik!

19. Januar 2009 von Katrin
Dieser Text ist Teil 9 von 48 der Serie Meine Meinung

Heute habe ich mich wieder sehr aufgeregt. Ein Kommentator bei Spiegel Online, namentlich Claus Christian Malzahn, musste  zum Xten Mal zu Andrea Ypsilantis “Wahlkampflüge” schreiben – wie kreativ…! Doch nicht nur, dass das Thema mittlerweile total zum Gähnen ist, nein, er schreibt einfach Mist:

Es ist im Rückblick geradezu gespenstisch, wie es einer Person gelingen kann, fast im Alleingang das kostbarste Gut ihrer Partei zu verspielen: Vertrauen.

Ich habe schon einmal einen ausführlichen Artikel zum Thema Politik, Macht, Wahlversprechen etc. geschrieben und belasse es deswegen bei folgender knappen, aber eigentlich ganz einfachen Feststellung: Andrea Ypsilanti hat in der Hessenwahl vor einem Jahr zwei Wahlversprechen gegeben: 1. Ich werde Koch ablösen. 2. Nicht mit der Linkspartei. Das Ergebnis war hinterher derart, dass man sich für eines von beiden – und damit gegen das andere – entscheiden MUSSTE. Was war Andrea Ypsilanti dabei wichtiger? Ist diese Prioritätensetzung etwa falsch? Dass die Entscheidung gegen Koch als Lüge, als Bruch eines Versprechens und als Vertrauensbruch hochstilisiert wurde ist doch nicht Andrea Ypsilantis Verdienst, sondern in erster Linie das ihrer GegnerInnen – zu denen offensichtlich auch die Mehrheit der deutschen Medien zählte. Niemand stellte fest, dass Ypsilanti sich nicht nur FÜR eine Duldung durch die Linke sondern auch FÜR das Ablösen Roland Kochs entschieden hatte und damit ihr vielleicht wichtigstes Wahlversprechen hielt.

Genug zu diesem Thema. Ich wollte eigentlich etwas anderes herausstellen, nämlich, dass es eine Sache gibt, die mich wirklich tierisch nervt:

Die männliche Vormachtstellung in der politischen Berichterstattung und Meinungsmache der deutschen Medien.

Ich habe jetzt wirklich fünf Minuten lang gesucht, aber bei Spiegel Online finde ich keinen einzigen Artikel zum Thema Politik von einer Frau. Eine grobe Schätzung des Frauenanteils der Artikel auf sueddeutsche.de im Politikteil: vielleicht ein Fünftel (wenn’s hochkommt). FAZ.net: Null. Ich könnte so weitermachen. Selbst bei der Taz dominieren im Politik-Teil die Männer.

Die alte Frage: Gibt es sie nicht, die Frauen, die etwas Schlaues zur Politik zu sagen haben? Oder traut man es ihnen nicht zu? Haben sie einfach keine Lust und ziehen sich lieber in “weichere” Themen zurück? Sind sie zu defensiv erzogen und überlassen dieses Feld lieber den Männern? Sind sie einfach gerade in Baby-Pause?

Im Grunde ist es mir recht wurscht, was die Gründe für diesen absolut nervigen Zustand sind. Im Sinne einer ausgewogenen Berichterstattung, im Sinne einer geschlechterdemokratischen Gesellschaft ist dieser unhaltbar! Und ich behaupte, dass die Mainstream-Meinung in Bezug auf Andrea Ypsilanti in den deutschen Medien war/ist, wie sie war/ist, hängt auch damit zusammen. Und das nervt mich tierisch!

Die Chefs der Zeitungen sollten sich was schämen! Wenn die Politik-Frauen nicht in Scharen daher gerannt kommen und um eine Anstellung bitten, dann ist es doch – sollte man meinen – nur ein kleiner Schritt zu erkennen, dass dies mit der immer noch zweigeteilten Gesellschaft durch die traditionellen Geschlechterrollen zusammenhängen muss. Frauenförderung beginnt nicht von alleine. Doch anscheinend gibt es diesbezüglich nicht einmal in Ansätzen ein Problembewusstsein. Und das ist das eigentlich schlimme daran. Denn während vordergründig die Themen “Feminismus”, “Geschlechterrollen”, “Geschlechtergerechtigkeit” in den Medien an Präsenz gewinnen und viele der oben Genannten sich mit ihren Inhalten als wahnsinnig progressiv in diesen Fragen generieren – ein Blick in den Politik-Bereich zeigt schnell: Es ist nur hohles Gelaber.


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Babys Duft ist unvergleichlich

18. Januar 2009 von Barbara

Nur kurz, dafür aber umso intensiver:
Warum um alles in der Welt gibt es eine Babyparfum-Linie von “Hello Kitty“? Warum müssen Babys und ihre Mütter mit einem zarten Blütenduft verwöhnt werden? Damit sie auf Partys geruchsmäßig im Partnerlook auftreten können? Liebe Leute, bitte kauft das nicht. Und vielen Dank an Steffi für diese Information, die mich wirklich in Verzweiflung bringt.


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Selbermach-Sonntag (18.1.09)

17. Januar 2009 von Susanne

Ein ganzer Tag für euch allein: Es ist Selbermach-Sonntag.

Viel Spaß und schönen Sonntag!


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Nach rechts abgebogen

17. Januar 2009 von Barbara

In der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung gab es eine kurze Meldung über die Tendenz von Frauen und Mädchen, sich der rechtsextremen Szene zuzuwenden. Zugrunde liegen Äußerungen von Simone Richter, Leiterin der bayerischen Projektstelle gegen Rechtsextremismus.

“Frauen und Mädchen sind ein neues Potenzial für die rechtsextreme Szene”, sagte Richter. Die Frau habe in den Köpfen der Neonazis die weiße Rasse zu erhalten. “Es ist für mich unglaublich, dass selbst gebildete Frauen, auch Akademikerinnen, auf uralte Ideologien und Rassetheorien hereinfallen.” Sie ordneten sich bereitwillig martialischen Vorstellungen unter. Die rechtsextreme NPD hat Richter zufolge vor allem Franken im Visier. “Sie knüpft dabei unverhohlen an alte Traditionen der NSDAP an, die in Franken ihre Hochburgen hatte”, so die Leiterin der Projektstelle gegen Rechtsextremismus in der Landeskirche.

“Ich will endlich etwas tun für die Frauen, denn das wird bei uns zu wenig beachtet”, wird eine Frau, die sich zur rechten Szene bekennt, in einem “Rechtsextremismus”-Dossier auf bpd.de zitiert. Dort heißt es auch:

Frauen fangen an die braune Szene zu prägen: Kindererziehung, Schulsysteme, Gesundheit und Ernährung gehören daher auch bei den selbstbewusst auftretenden Anhängerinnen neuer Neonazi-Gruppen zu den bevorzugten weiblichen Themen.

Die Rattenfänger haben also auch die eine oder andere Rättin mit ihrem Flötenspiel gebannt.


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