Archiv für October, 2008

Deutsche Frauen

Monday, October 27th, 2008 von Barbara

Ein langer Artikel in der Washington Post stellt die aktuelle Situation von berufstätigen Frauen in Deutschland dar. Von Diskriminierung bei Bewerbungsgesprächen aufgrund von Schwangerschaft über geschlechterspezifisch schlechtere Löhne bis zur Reduktion von Frauen auf die drei berühmten K - Kinder, Küche, Kirche - werden die heißen Themen aufgelistet. Also etwa:

Barbara Steinhagen, 36, said age-old prejudices die hard. A former international marketing manager for a music company in Berlin, Steinhagen said she was promised a promotion that was bruptly given to a man when she announced she was pregnant. Her discrimination complaint, still ending, is the first of its kind to reach the German supreme court.

Aber auch Gegner der berufstätigen Mütter werden zitiert:

Hans Meyer, 72, a retired engineer who used to run a Hamburg toolmaking company with 1,500 employees, said the “silent majority of women want to stay home and have families.”

Zum Artikel gibt es noch ein launiges Video, in dem auch Eva Herman zu sehen ist.

Nichts wirklich inhaltlich Neues für uns, das alles, aber ein ziemlich gutes Gefühl, dass das nun auch in der Washington Post zu lesen ist.

Mannschaftspost: Spendiert uns einen BOB!

Monday, October 27th, 2008 von Susanne

Yay!! Wir sind von der Jury der BOB-Awards als einziges deutschsprachiges Weblog für den Reporter ohne Grenzen Award und als bestes deutschsprachiges Weblog nominiert. Die beiden Preise, die von der Deutschen Welle vergeben werden, sind mit diesen Worten ausgeschrieben:

Reporter ohne Grenzen Award: In Zusammenarbeit mit der Organisation Reporter ohne Grenzen werden mit diesem Preis Blogs ausgezeichnet, die sich in herausragender Weise für die freie Meinungsäußerung einsetzen.

Bestes Weblog nach Sprache: Hier wird das beste Weblog in jeweils den elf Wettbewerbssprachen gesucht. Ein besonderer Augenmerk gilt Blogs, die einen Beitrag zur öffentlichen Diskussion leisten, indem sie Themen des Zeitgeschehens analysieren und kommentieren.

Beim Reporter ohne Grenzen Award treten wir gegen die härteste und beeindruckendste Konkurrenz des gesamten Wettbewerbs an - zum Beispiel gegen Yoani Sanchez und ihr Weblog Generacion Y; das Weblog 4equality, auf dem eine Million Unterschriften gegen frauenfeindliche Gesetze im Iran gesammelt werden; die Website der Ehefrau des chinesischen Menschenrechtlers Hujia, die über ihr Leben unter ständiger Beobachtung schreibt.

Bis zum 26. November können die User online abstimmen (in jeder Kategorie mit einer Stimme) - und so über den Userpreisträger entscheiden. Ein weiterer Preis in jeder Kategorie wird von der Jury vergeben.

Gebt uns eure Stimme! Und sagt allen, die ihr kennt, dass sie uns ihre Stimme geben sollen; und die sollen auch allen, die sie kennen, sagen, dass sie uns ihre Stimme geben sollen. Und über Kommentare freuen wir uns auch.

Vielen Dank.

In Bildern: Das dachte die Welt

Sunday, October 26th, 2008 von Anna
Dieser Text ist Teil 25 von 28 der Serie In Bildern: Das denkt die Welt

Mit Dank an meinen Bruder, seines Zeichens regelmäßiger Leser der Mädchenmannschaft, der mir das Bild gestern verlinkt hat.

(Bild über http://nurbilder.com/)

Zwangsehe per Gesetz verbieten

Sunday, October 26th, 2008 von Susanne

In der aktuelle Ausgabe der Zeit fordert die Rechtsanwältin und Autorin Seyran Ates die deutsche Bundesregierung auf, Zwangsheiraten unter Strafe zu stellen. Einen Gesetzesentwurf des Bundesrates gibt es schon seit drei Jahren. Nur, dass seitdem nichts passiert ist.

Natürlich verstoßen Zwangsheiraten auch jetzt schon gegen das Gesetz. Sie können als besonders schwerer Fall von Nötigung geahndet werden, gegebenenfalls kommen Verschleppung, Vergewaltigung und andere Straftatbestände hinzu. Doch das spezifische Unrecht, das Mädchen und Frauen mitten in unserem Land angetan wird, wird durch diesen rechtlichen Umweg nicht ausreichend benannt. Ein eigener Straftatbestand würde ein deutliches Zeichen an Täter und Opfer senden, dass die Bundesrepublik diese Menschenrechtsverletzung nicht toleriert. Es wäre ein Signal an die Öffentlichkeit, an Lehrerinnen, Sozialarbeiter und die Polizei und an gut meinende Publizisten, die immer noch von aufgebauschten Einzelfällen reden.

Die Botschaft lautet: Zwangsheirat ist kein Brauch, den die deutsche Gesellschaft als kulturelle Eigenart oder tolerierbares Fehlverhalten von Zuwanderern bestaunen sollte. Zwangsheirat ist eine Menschenrechtsverletzung, die Mädchen und Frauen im Namen von Tradition und Kultur angetan wird. Dieses Unrecht darf das Gesetz nicht nur en passant abhandeln.

Ates sieht das Problem im Justizministerium, in dem anscheinend niemand das Thema auf die Tagesordnung bringen will.

Wer Seyran Ates’ Aufruf unterstützen möchte, kann sich hier direkt an die Bundesjustizministerin Brigitte Zypries wenden.

Selbermach-Sonntag (26.10.08)

Sunday, October 26th, 2008 von Susanne

Here you go again: mit deinen Textempfehlungen für diese Woche, mit Geschichten aus dem wahren Leben, mit Fragen, Problemen, Ideen, mit Gedanken, mit Neuigkeiten. Einen schönen (Selbermach-)Sonntag!

Working Girl auf dem Catwalk

Saturday, October 25th, 2008 von Susanne

Auf den Laufstegen tut sich was, schrieb Elisabeth Raether vor kurzem in der Taz: Die Designer empfehlen ihren Kundinnen nach mehreren Kollektionen mit 50er-Jahre-Petticoat-Silhouetten und zarten Blumendrucken nun das “Powerdressing”:

Die Silhouette hat sich verändert. Sie war in den letzten Jahren mädchenhaft, (…) Jetzt aber scheint wieder eine Zeit zu kommen, in der Frauen sich an der Garderobe der Männer orientieren. Sie wollen Blazer, das Kleidungsstück, das sie sich im letzten Jahrhundert von den Männern erstritten haben, sie wollen breite Schultern und eine nach unten schmal zulaufende Silhouette.

Bei Stella McCartney gingen die sandfarbenen Blazer bis zur Hüfte und wurden zu knöchellangen Hosen kombiniert, die Ärmel waren hochgeschoben. Die Models stellten sich am Ende des Laufstegs breitbeinig vor die Fotografen und sahen sie herausfordernd an. Die Hosen, die Stefano Pilati von Yves Saint Laurent in der letzten Saison zeigte, sahen aus wie die ersten Hosen, die Frauen getragen haben, wie die Hosen von Katharine Hepburn.

Doch die Designer machen es diesmal nicht auf die harte Tour wie in den 80er Jahren. (Erinnert sich jemand noch an den Film “Working Girl” (s. Foto), in dem Melanie Griffith mit breitgepolsterten Schultern, kriegsbemalungsgleichen Rougebalken und respekteinflößend toupierten Haaren umherlief?) Heute kombinieren sie klare Linien mit zarten Stoffen und wuchtige Kleidung mit feinen Schuhen.

Denn wir sind im Jahr 2008 und nicht im Jahr 1981, als Grace Jones “Nightclubbing” erschien und Margret Thatcher als mächtige Frau noch das Image der “Eisernen Lady” brauchte. Frauen gehen heute ein bisschen entspannter mit ihrer Weiblichkeit um, wahrscheinlich deshalb, weil es im Leben nicht mehr ein so großes Hindernis ist, eine Frau zu sein.

Dass viele Designer die Frau als ernstzunehmendes Wesen entdecken – was auch der Modekritiker der Süddeutschen Zeitung, Peter Bäldle, als Trend ausmacht (Text gibt’s leider nicht online) – klingt gut und lässt hoffen, dass die Zeit, in der erwachsene Frauen reihenweise wie rosaplüschige kleine Mädchen verkleidet herumlaufen, dann doch mal zuende geht.

Baby Big Butt

Friday, October 24th, 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 24 von 28 der Serie In Bildern: Das denkt die Welt

Na klar, man kann nie früh genug damit anfangen … Immerhin sind die ersten drei Jahre die wichtigsten für jegliche Art von Konditionierung.

Über Feministing

20 Jahre Gefängnis für einen kritischen Geist

Thursday, October 23rd, 2008 von Katrin

Unglaublich aber wahr: In Afghanistan ist der Journalismus-Student Sayed Perwiz Kambakhsh zu einer Haftstrafe von 20 Jahren verurteilt worden, weil er einen Artikel empfohlen hatte, in dem die Rolle der Frau im Islam kritisch hinterfragt wurde. Das galt dem Richter als Gotteslästerung. Damit hatte Kambakhsh bereits die zweite Instanz erreicht. Die Erste hatte ihn zum Tode verurteilt. Dieses Urteil wurde immerhin geschwächt, doch wirklich freuen kann das niemanden, zeigt doch die lange Haftstrafe, wie schwierig der Umgang mit den Rechten von Frauen im streng religiösen Afghanistan bis heute ist.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen hat den Fall beobachtet und verfolgt ihn auch weiter, denn der Angeklagte wird nicht aufhören für seine Rechte - und damit indirekt auch für die der Frauen - zu kämpfen. Weitere Informationen zu diesem traurigen Fall sind ebenfalls bei Reporter ohne Grenzen zu finden. Dort kann man auch eine Petition für die Freilassung Kambakhshs unterschreiben.

Quoten für Musikmagazine

Wednesday, October 22nd, 2008 von Barbara

Auf Zoomer.de fordert Missy-Macherin Chris Köver Musikmagazine auf, Quoten für die Musikkritik einzuführen. Gute Idee? Nach der Privatwirtschaft und der Wissenschaft eine weitere typische Jungsdomäne quotieren zu wollen?

Ansichten eines Quotenmannes

Wednesday, October 22nd, 2008 von Werner
Dieser Text ist Teil 1 von 5 der Serie Neues vom Quotenmann

„Wenn ich aus Afghanistan oder dem Tschad wieder zurück nach Europa oder Amerika komme, brauch ich immer ein paar Tage, bis ich mich dran gewöhnt habe, wie Frauen hier zum Verkaufen von Produkten benutzt werden. Selbst Nachrichten werden hier mit Titten verkauft.“

Dies erzählte mir letztes Wochenende Anne Holmes bei einer meiner Diskussionen über Feminismus in einem Club. Sie ist als (Foto-)Journalistin viel in Afrika und dem Nahen Osten unterwegs und gehört sicher nicht zu den Frauen, die viel mit ihren Reizen geizen. Sie wollte mir verdeutlichen – oder sagen wir besser, mich in meiner Meinung bestätigen –, dass die Gleichberechtigung der Geschlechter eben auch in Europa nicht so weit fortgeschritten ist, wie viele immer behaupten oder es sich einreden.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Und dass die meisten davon überzeugt sind, dass alles in Ordnung ist, davon zeugen all die sprachlosen und verblüfften Gesichter, in die ich sehe, wenn ich sage, ich sei Feminist, also eine männliche Emanze. Es dauert meist ein wenig, bis sie dies verdaut haben und die erste Reaktion folgt. Zunächst glauben sie, ich scherze, merken aber bald, dass ich es ernst meine und beginnen eine Diskussion mit mir, die meist gleich abläuft: Erst erklären sie mir, dass doch eigentlich schon alles super ist (also in Deutschland) und dass sie Alice Schwarzer doof finden. Dann erzähle ich ihnen etwas über Gewalt, Lohn, Einstellungspraktiken, Humankapital, strukturelle Benachteiligungen, … (Ich denke, den meisten Leserinnen dieses Blogs muss ich da inhaltlich nichts mehr erzählen) und schließlich kommen wir auf den Punkt, dass wohl doch nicht alles Gold ist, was hier so schön glänzt.

Immerhin: Bisher konnte ich noch keinen wirklichen Unterschied der Reaktionen der verschiedenen Geschlechter auf mein Emanzentum feststellen – aber ob das ein Zeichen für die Emanzipierung der Gesellschaft ist, wage ich doch zu bezweifeln.

Also, mein Leben als Feminist ist spannend und Diskussionen und Erlebnisse gibt es zuhauf! Natürlich nicht nur negative – denn es gibt Frauen und Männer denen es missfällt, dass Brüste für das Verkaufen von Nachrichten nötig sind. Über meine Erlebnisse als Feminist darf ich nun hier bei der Mädchenmannschaft berichten … quasi als Quotenmann, was mich sehr freut, denn dass wollte ich schon immer mal sein.