„Wir brauchen dringend Solidarität unter Feministinnen“
von BarbaraIm Interview mit maedchenmannschaft.net sprechen Sabine Scherbaum und Waltraud Pomper von DIE FRAUEN über Ziele und Zukunft ihrer Partei.
Wofür steht die Feministische Partei DIE FRAUEN?
Die Feministische Partei DIE FRAUEN steht für eine feministische Politik. Diese basiert auf drei Faktoren:
a) Wir wollen mehr Macht für Frauen. Dies ist ein Gebot der Demokratie und Gerechtigkeit. Frauen müssen die Macht haben, selbst an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen mitzuwirken – und zwar in einem Umfang, der ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht.
b) Wir wollen eine Überwindung der Ungerechtigkeiten, die vor allem darauf beruhen, dass Frauen die überwiegende Mehrheit der unbezahlten Versorgungsarbeiten verrichten und dadurch von der angemessenen Verteilung der gesellschaftlichen Macht und des wirtschaftlichen Reichtums ausgeschlossen sind.
c) Unsere Vision ist ein Wertewandel hin zu einer herrschaftsfreien Gesellschaft, in der das gleichwertige Miteinander aller Lebensweisen im Mittelpunkt des politischen Handelns steht. Wir gehen davon aus, dass die Verwirklichung dieser feministischen Vision Voraussetzung dafür ist, dass eine Welt jenseits der Politik von Kriegen, Umweltzerstörung und Gewalt ermöglicht werden kann.
Wie hat sich das politische Klima seit Angela Merkels Einzug ins Kanzleramt und die damit verbundene Große Koalition hinsichtlich Ihrer Themen verändert? Begreift eine Frau an der Macht, unterstützt von Ministerinnen und besonders einer starken Familienministerin, feministische Themen besser?
Natürlich hat es eine Bedeutung für Frauen, dass wir in Angela Merkel erstmals eine Frau als Bundeskanzlerin haben. Sie versteht es mit unterschiedlichen Positionen, konstruktiv umzugehen. Doch Frau-Sein ist kein politischen Konzept. Feministische Themen bleiben bei ihr unberücksichtigt, frauenparteiliche Äußerungen werden von ihr nicht vernommen. Das ist auch nicht verwunderlich, denn gerade in ihrer Partei herrschen in den Köpfen traditionelle Geschlechterbilder.
Und was unsere starke Familienministerin anbelangt: Sie lässt auf eine Einstellung schließen, dass mit mehr Kinderbetreuung schon alles getan wäre. Sie thematisiert nicht, dass Frauen schon viel früher benachteiligt werden und nicht erst dann, wenn sie Kinder haben. Wir müssen Frau von der Leyen Anerkennung dafür zollen, dass sie die Thematik “Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch für Männer” ernsthaft und gegen den massiven Unwillen ihrer Parteikollegen öffentlich angestoßen hat. Dennoch wird sich mit den von der Regierungskoalition beschlossenen Maßnahmen nichts an der geschlechtsspezifischen Aufteilung unserer Gesellschaft ändern.
Was muss sich ändern in der bundesdeutschen Politik? Welche innenpolitischen Baustellen sehen Sie? Welche Themen gehören wieder in den Fokus?
Ein erster wichtiger Schritt sind sofortige Maßnahmen zur Erhöhung der Repräsentanz von Frauen. Dass dies mit Hilfe von Quoten schnell umgesetzt werden kann, ohne dass Politik und Ökonomie zusammenbrechen, hat die norwegische Regierung bereits bewiesen. Die Sichtbarmachung von Frauen bedarf lediglich des politischen Willens. Den Gegnerinnen von Quoten ist entgegen zu halten: Auch momentan werden Posten nicht auf Grund von Qualifikation vergeben, sondern in erster Linie auf der Basis des “Old-Boys”-Netzwerk, angetrieben von wirtschaftlichen und politischen Machtinteressen. Männer haben noch nie Skrupel gehabt, einen Posten anzunehmen, den sie nur auf Grund von “Beziehungen” angeboten bekamen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Gleichstellung von Reproduktions- und Erwerbsarbeit. Diese Diskussion bezieht alle aktuell drängenden Probleme mit ein: Professionalisierung und angemessene Bezahlung für Arbeiten im Zusammenhang mit Kinderbetreuung und Pflege, Abschaffung der so genannten geringfügig Beschäftigung, Einführung einer existenzsichernden Grundsicherung, die Verkürzung der durchschnittlichen Arbeitszeit.
Wir wollen auf allen Ebenen der Gesellschaft eine Veränderung zu gewaltfreier Konfliktbewältigung, gerechtem Interessensausgleich, eben eine Kultur, in der jeder Person unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer Herkunft oder Nationalität gleichwertige Chancen und Lebensbedingungen zustehen.
Derzeit ist eine Debatte von altem und modernem Feminismus in den deutschen Medien im Gange. Wie stehen Sie zum so genannten “Wellness-Feminismus” der jüngeren Generation?
Es gibt für uns keine Trennung in “alten” oder “modernen” Feminismus. Feminismus will in erster Linie gleiche Rechte für Frauen und Männer. Davon kann keine Rede sein, solange so profane Forderungen wie “Gleicher Lohn für gleiche Arbeit” noch nicht verwirklicht sind. Die diskriminierende Bezeichnung “Wellness-Feminismus” ist u. E. nur eine Neuauflage des alten Tricks aus der Mottenkiste des Patriarchats, der da heißt: Männer müssen Frauen gar nicht fertigmachen, das besorgen die schon selbst. Dabei sind Frauen immer dann erfolgreich gewesen, wenn sie sich nicht auseinander dividieren ließen, in alt und jung, arm und reich, schön oder nicht, Karriere- oder Hausfrau…, siehe die Erkämpfung des Wahlrechts und die Erfolge der Frauenbewegung in den 70er Jahren.
Gibt es – vergleichbar mit den JuSos – auch JuFrauen in Ihrer Partei? Wie halten Sie den Kontakt zur jungen Generation?
Ja, die gibt es, aber es sind viel zu wenige, viel zu wenig junge und viel zu wenig alte, überhaupt viel zu wenige, und das liegt daran, dass wir uns Öffentlichkeit nicht erkaufen können wie es in unserem System so üblich ist. Wir haben eben nicht den Anteil an Macht und Geld, der uns auf Grund unserer Arbeitsleistung zusteht, und freiwillig werden uns Männer bzw. patriarchal denkende Frauen – wie Frau Merkel – diesen Anteil nicht geben. Wir brauchen daher dringend Solidarität unter Feministinnen – Feminismus eben.
Tags: Feminismus!, Feministinnen, Haltung statt Posen, Interview
June 12th, 2008 um 1:03 am
“Die diskriminierende Bezeichnung “Wellness-Feminismus” ist u. E. nur eine Neuauflage des alten Tricks aus der Mottenkiste des Patriarchats, der da heißt: Männer müssen Frauen gar nicht fertigmachen, das besorgen die schon selbst.”
Ob sie nicht aufgepaßt haben, wer die Sache mit dem Wellness-Feminismus zuerst erwähnt hat? Oder ist das eine subtiler Versuch, altbekannte Vorurteile gegen Alice Schwarzer wieder aufzuwärmen ;).
Ich würde empfehlen, mal das Parteiprogramm der Frauen zu lesen. Dabei dürfte Euch nämlich auffallen, daß es relativ wenig mit dem zu tun hat, was ich als Eure Programmatik ansehe… aber egal, ich freue mich jedesmal, wenn ich einen von den lustigen Wahlwerbespots von “DIE FRAUEN” sehe. Wäre ja schlimm wenn es in einem freien Land keine fringe-Parteien gäbe. Und als nächstes bitte ein Interview mit der Männerpartei über die Frage, warum die sich eigentlich diskriminiert fühlen…
June 12th, 2008 um 2:18 am
Wenn ich sowas lese, ermutigt das mich nur dem ominösen Patriarchat anzuschließen. Vielleicht sollte ich dafür mal in eine dunkle Seitenstrasse gehen und irgendwelche zwielichtigen Typ fragen, psst!, ob er zufällig schon mal was vom Patriarchat gehört hat?
Im Grunde genommen störe ich mich arg an der Argumentation und Methodik die man eher von Neokonservativen Thinktanks gewohnt ist. Da frage ich mich ernsthaft welche Vision sich wirklich unter dem Deckmantel “Schutz der Natur”, “Nahrung für alle”, “Frieden in der Welt” usw. verstecken? Bestimmt nur gutes, so wie uns andere Leute nur vor Terroristen schützen wollen.
June 12th, 2008 um 6:29 am
So viele Kampfansagen noch vor dem Frühstück… oh man, ich muss erstmal die Äuglein öffnen.
Also diese Frauenpartei spricht mich so gar nicht an, obwohl ich eine bin. Sie verfolgt nicht meine “feministischen” Ziele, wenn ich diese mal so nennen darf, weil sie sich vollkommen den konservativen Parteien angeschlossen hat in der Argumentationsweise und den Kampfphrasen.
Wir haben in der Bundesrepublik Gesetze, die die Gleichheit aller garantieren… im Alltag siehts da schon etwas kritischer aus. Wer bringt Mädchen bei, sich durchzusetzen oder lieber nur zu lächeln und schick auszusehen? Mädchen und Jungs müssen frei erzogen werden… weg mit rosa und hellblau. Wir haben da kein politisches sondern ein gesellschaftliches Problem. Wer eine Chance auf Reproduktion will, muss sich unterordnen und dass heisst für Mädels schick aussehen und nicht zu viel denken und für Jungs voll den Macho machen … und naja ebenfalls nicht zu viel denken, aber durch große reden dürfen die das kaschieren. Alles andere wird anstrengend und damit unattraktiv.
Bildung und Akzeptanz jeder einzelnen Person ist daher super wichtig und keine Quote…. das kommt dann schon von ganz alleine, wenn sich irgendwann Arbeit statt Macht durchsetzt. Es sollte mal wieder schick sein, schlau zu sein.
June 12th, 2008 um 10:22 am
“Es sollte mal wieder schick sein, schlau zu sein.”
Danke dafür, was ein wunderbarer Satz!
June 12th, 2008 um 11:35 am
Das die Frauenpartei im 1%-Bereich vor sich hindümpelt, ist der beste Beweis, dass es keine Unterdrückung/Benachteiligung von Frauen gibt. Das wusste Frau Vilar bereits in den 70ern:
Zitat: “Es sind ihr alle Möglichkeiten zur Verfügung gestanden, sich unabhängig zu machen. Wenn sich also die Frau in dieser langen Zeit nicht von ihrem “Joch” befreit hat, dann gibt es dafür nur eine Erklärung: Sie hat keins.” (aus “Der dressierte Mann”)
June 12th, 2008 um 11:44 am
@Tobi: Und dass die NPD in Teilen Deutschlands zehn Prozent bekommt, ist der Beweis dafür, dass aufrechte Deutsche hierzulande unterdrückt werden, oder was?
Mann, Mann, Mann.
June 12th, 2008 um 11:54 am
Also dann liegt es deiner Meinung nach an der Dämlichkeit der Frauen, dass sie ihr Kreuz nicht an der richtigen Stelle machen können? Mann, Mann, Mann, ganz schön misogyn.
Aber ich hab noch mehr bezüglich der geringen Präsenz von Frauen in den Chefetagen. Christine Bortenlänger, Managerin des Jahres 2007 klärt auf, dass es weniger an einer “gläsernen Decke” als vielmehr an einer “warmen Badewanne” liegt:
Zitat:”Statt der Gläsernen Decke sehe ich etwas ganz anderes: die warme Badewanne, in der Frauen sich so gerne tummeln. Traut sich eine heraus, steht sie plötzlich alleine und frierend da. Doch wer Karriere machen will, muss raus aus der wohligen Wanne! Meine Erfahrung: Viele Frauen wollen gar nicht in Führung gehen – mit allen Konsequenzen wie Verantwortung tragen, ungewisse Entscheidungen fällen, länger und mal am Wochenende arbeiten. Die Unannehmlichkeiten einer Karriere sind es vielen nicht wert.”
Da könnte eine Frauenquote natürlich helfen, keine Leistung erbringen, verschont bleiben von den unangenehmen Seiten einer Karriere und trotzdem die angenehmen Seiten genießen.
June 12th, 2008 um 12:00 pm
Ich sag jetzt nicht, dass andere Parteien sich auch für Gleichberechtigung einsetzen, nein, das tue ich nicht, und auch ansonsten lasse ich Tobis Weltbild hier einfach mal unberührt und unkommentiert.
Trolle soll man ja nicht füttern und so weiter.
June 12th, 2008 um 12:02 pm
*Bingobrettchen raushol*
“If anything, we live in a matriarchy.”
… *gähn*
@Tobi
So leicht kann man es sich nicht machen. Was, wenn es den Unterdrückten (angenommen, es gibt sie) unmittelbare Vorteile bringt, die eigene Ausbeutung zu unterstützen? Lässt sich in vielen Herrschaftsverhältnissen beobachten.
June 12th, 2008 um 12:15 pm
@ Tobi: Neoliberalismus! Leistungsgesellschaft!! Yeah! Yeah!! Yeah!!! Yeah!!!!
June 12th, 2008 um 12:16 pm
Und was, wenn die Vorteile so groß, dass sie die Nachteile locker in den Schatten stellen? Es ist ein weibliches Privileg nicht arbeiten zu müssen, das erkannte schon Simone de Beauvoir, die dann auch eine totalitäre Forderung aufstellte:
Zitat: “Nein, wir wollen den Frauen gerade nicht die Wahl lassen zwischen Berufstätigkeit und Mutterdasein und zwar aus dem einfachen Grunde, weil zu viele Frauen sich für die Mutterschaft entscheiden würden.”
Wenn sie etwas weitergedacht hätte, dann hätte sie sich vielleicht wie Esther Vilar auf die Seite der Männer geschlagen. Es ist einer der größten Irrtümer des Feminismus, im arbeitenden Mann und der zuhause bleibenden Frau eine Unterdrückung/Ausbeutung der Frau zu sehen.
June 12th, 2008 um 12:19 pm
@ Tobi: Pfff. Meinetwegen kann jede Frau zuhause bleiben, die will. (Würde ihnen jemand mal ganz deutlich zeigen, wie abhängig sie von ihrem Partner sind, würden viele von ihnen sicher anders entscheiden.) Diese Frauen interessieren mich als Feministin nur bedingt. Mich interessieren aber die 40 Prozent der Frauen, die zuhause bleiben und unter Depressionen leiden, die klar auf ihre Lebenssituation zurückzuführen sind. Und mich interessieren als Feministin all jene Frauen, die gern arbeiten möchten, aber aus dem Arbeitsleben gedrängt werden.
So viel zu deinem “Irrtümer des Feminismus”. Bitte etwas differenzierter demnächst, ja?!
June 12th, 2008 um 12:22 pm
Tobi, die 50er Jahre haben angerufen.
Sie hätten gerne ihr Familienmodell zurück.
June 12th, 2008 um 12:24 pm
Tja, mit unterschiedlichen Ansichten wird unterschiedlich umgegangen.
Wer die Zeichen der Zeit deutet, sieht daß der Feminismus an einem Scheideweg steht. Entweder er wird weltoffen, kommunikativ und offen für alle Facetten der Lebenswirklichkeit oder er fällt zurück in die 75`er Jahre.
Allerdings gibt es leichte Anzeichen, daß es anders laufen könnte als damals. Ich habe die letzten Jahre nicht den Eindruck gewonnen daß alle Männer noch bereit sind alles was da aus dieser Richtung kam und kommt kritik-, wehrlos und schweigend hinzunehmen.
Schaun wir mal.
June 12th, 2008 um 1:21 pm
Susanne: “Mich interessieren aber die 40 Prozent der Frauen, die zuhause bleiben und unter Depressionen leiden, die klar auf ihre Lebenssituation zurückzuführen sind.”
Hast Du dazu einen Link? Das würde mich interessieren.
June 12th, 2008 um 1:41 pm
“Wenn sie etwas weitergedacht hätte, dann hätte sie sich vielleicht wie Esther Vilar auf die Seite der Männer geschlagen. Es ist einer der größten Irrtümer des Feminismus, im arbeitenden Mann und der zuhause bleibenden Frau eine Unterdrückung/Ausbeutung der Frau zu sehen.”
Eigentlich hasse ich das Argument “Aber die nordischen Länder blablabla” ja mittlerweile schon selbst, aber da funktioniert das mit den arbeitenden Frauen wohl ganz gut auch aufgrund dessen, dass es dort bessere Möglichkeiten gibt Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen. Hier sieht es dagegen anders aus! Kostenlose Kinderbetreuung is hier nich selbstverständlich, da bleibt dann eben doch einer dem Kind zuliebe daheim (dank langjähriger Tradition meist die Frau), d.h. aber nich, dass der-/diejenige das aus lauter Spaß an der Freude macht und nich auch viel lieber aktiv von ihrem Hochschulabschluss profitieren würden.
Ich hab am eigenen Leib erfahren, wie “selig” das reine Hausfrauendasein macht: Was unausgeglicheneres, unzufriedeneres und mit mehr Decke auf den Kopf gefallenes als meine Mum gibbet gar nich!!!
Ein weiteres Indiz: Die Kinder von reinen Hausfrauen (wie ich mal gelesen habe) sind wohl gar nicht mehr gefördert/weiter entwickelt - im Gegenteil! Die gehen offensichtlich ihren unzufriedenen Müttern oftmals nur auf den Sack, weil die auch ma gerne was anderes sehen würden als Sandkasten, Frau Meier, Herd, Sandkasten, Frau Meier, Herd…da drehste doch durch! Der Schrei nach Abwechslung is nun ma menschlich…
June 12th, 2008 um 1:52 pm
@ Schnatterinchen: Ich hab leider grad nur wenig Zeit, dir Studien rauszusuchen, aber zwei werden hier erwähnt:
Ansonsten, wenn du das Thema vertiefen magst, gib mal bei Google “hausfrauen” und “depressiv” ein, da kommt eine Menge. Mich hatte eine befreundete Journalistin auf die Zahl gestoßen, weiß aber ihre Quelle nicht.
June 12th, 2008 um 3:05 pm
Danke, Susanne!
June 12th, 2008 um 3:07 pm
Jassy: “Die Kinder von reinen Hausfrauen (wie ich mal gelesen habe) sind wohl gar nicht mehr gefördert/weiter entwickelt - im Gegenteil!”
Oh, haben wir dazu auch einen Link?
Ein “Nur-Hausfrau”-Kind
June 12th, 2008 um 4:24 pm
So von “Nur-Hausfrau-Kind” zu “Nur- Hausfrau-Kind”:
http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,539032,00.html
Natürlich kann man an der Studie sicherlich einige Schwachstellen bemängeln (bei welcher eigentlich nicht?), aber insgesamt finde ich es einleuchtend, dass vermehrter sozialer Kontakt zu anderen Kindern geistig fördernd auf die Kinder wirkt.
June 12th, 2008 um 4:29 pm
Zitat: “… aber da funktioniert das mit den arbeitenden Frauen wohl ganz gut auch aufgrund dessen, dass es dort bessere Möglichkeiten gibt Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen.”
Der Vollständigkeit halber: Dort (Schweden) ist man _gezwungen_ die Kinder in den Krippen abzuliefern. Aufgrund der hohen Steuerlast können es sich die Durchschnittsverdiener gar nicht leisten, dass eines der Elternteile zu Hause bleibt. Schöne Zustände! Ganz die Forderung von de Beauvoir. Aber es zeichnet sich ein Wandel ab: Die schwedische Bevölkerung selbst honoriert mit Wahlen seit einiger Zeit jene Politik, die es ermöglicht, die Kinder wieder zu Hause zu betreuen. In 10-20 Jahren ist das feministische Experiment dort wahrscheinlich schon wieder beendet, während es bei uns erst richtig anläuft.
June 12th, 2008 um 6:58 pm
@Jassy:
Und noch mal danke!
June 12th, 2008 um 7:06 pm
Tobi, Du kannst nicht ernsthaft glauben, dass die Schweden (hier bitte beliebiges skandinavisches Land oder “Frankreich” einsetzen) sich zurück entwickeln auf den Stand, den gerade wir in Deutschland haben?
Das ist doch Unsinn!
Ich habe da eine ganz andere Meinung, und zwar gar nicht in erster Linie als Feministin, sondern vor allem, weil ich selber als Au Pair in Schweden war.
Es geht ja nicht nur um die Betreuung an sich, es geht auch um die allgemeine Grundhalten, die Stimmung in der Gesellschaft.
In Schweden ist es zb schon lange so, dass man das volle Elterngeld nur bekommt, wenn BEIDE Elternteile zu Hause waren eine Zeit lang. Heißt in der Konsequenz zb auch, dass auch die Väter ein anderes Verhältnis zu Haushalt, Kindern etc entwickeln, weil sie einfach wissen, was alles zu tun ist, weil sie eben auch alleine mit den Kindern waren. Heißt, dass Männern zb auch die Fähigkeit zugesprochen wird, “ein Nest zu bauen”, liebevoll mit den Kindern umzugehen und Apfelkuchen zu backen.
Und auch wenn das schwedische System nicht so perfekt ist, wie es hier in Deutschland manchmal dargestellt wird, ist der Gedanke, dass die Schweden dahin wollen würden, wo wir gerade stehen ziemlicher Quatsch.
(Mal ganz abgesehen davon, dass das eh so eine Debatte ist, die quasi nur die Westdeutschen betrifft und viele Ostdeutsche bis heute nicht begreifen, was eigentlich das Problem sein soll.)
June 12th, 2008 um 8:48 pm
Gestern erzählte mir ein Norwegen-Kenner, dass es dort völlig normal ist, dass Eltern grundsätzlich nur bis 4 arbeiten - egal, ob Mann oder Frau. Das finde ich mal einen sinnvollen Ansatz.
Dass in Deutschland immer noch der 16-Stunden-Tag propagiert und immer noch von einem entweder-Kinder-oder-Karriere ausgegangen wird, kommt mir irgendwie so wahnsinnig rückständig vor. Von einer postmodernen Dienstleistungsgesellschaft erwarte ich einfach mehr Flexibilität.
June 12th, 2008 um 9:03 pm
@ Tobi: Die schwedische Bevölkerung selbst honoriert mit Wahlen seit einiger Zeit jene Politik, die es ermöglicht, die Kinder wieder zu Hause zu betreuen.
Wo haste denn das her?
June 14th, 2008 um 12:06 pm
@ Jassy: Find den Artikel nicht mehr, trotz Google
@ Anna: Nicht zurück zu den alten Zuständen, privilegierte Frauen in “Amüsierberufen” (Esther Vilar ;-) werden ihre Kinder auch in Zukunft in Krippen abgeben können. Es geht um die breite Bevölkerung, die keine Karriere macht sondern tatsächlich arbeitet (oder malocht). Mal im Ernst: Glaubst Du wirklich, dass der wirtschaftliche Zwang, die Kinder in Krippen geben zu müssen für eine breite Zufriedenheit sorgt?
June 14th, 2008 um 1:45 pm
“Natürlich kann man an der Studie sicherlich einige Schwachstellen bemängeln (bei welcher eigentlich nicht?), aber insgesamt finde ich es einleuchtend, dass vermehrter sozialer Kontakt zu anderen Kindern geistig fördernd auf die Kinder wirkt.” kann ich nur unterstreichen, das ist voll meine Erfahrung. Ich schicke mein Kind gern in die Krippe, aus zwei Gründen: die bieten ihm da einiges, das ich ihm nicht bieten kann (was kein Armutszeugnis, sondern völlig normal ist), also eben: Kinder und sozialer Kontakt (das findet der kleine so super, dass er mich jeden morgen regelrecht scheucht, er kann es gar nicht abwarten, in die Kita zu gehen!), zweitens: braucht es ein ganzes Dorf, um Kinder groß zu ziehen, es ist völlig irrsinnig, das ganz alleine zu versuchen! Bis auf sehr wenige Ausnahmen kenne ich keine Frau, die das lange und auf hohem Niveau durchhält. Seit mein kleiner in eine Kita geht, habe ich in der Zeit, die uns beiden/dreien bleibt, viel mehr Energie und Kreativität ürbig. Davor (oder zu Krankheitszeiten) ist so schnell die Energie weg, man wird genervt und die Decke fällt einem auf den Kopf…
Trotz allem: natürlich sollte das jedeR selbst entscheiden können, aber machen wir uns doch nix vor: wie oft es das wirklich freier Wille, wenn frau drei Jahre beim Kind bleibt und wie oft hat es infrastrukturelle, wirtschaftliche und sonstige systemisch bedingte Gründe? Nicht zu vergessen, das schlechte Gewissen, das einem die vielen Eva Hermans in diesem Lande mit ihrem Schlachtruf “Kinderbatterien!” machen…
Ja, so viel zum wirtschaftlichen Zwang. ich sehe keinen wirtschaftlichen Zwang, mein Kind in eine Krippe zu geben, sondern eher einen Selbsterhaltungstrieb um nicht den Verstand zu verlieren, um nicht das zu verlieren, was vor dem Kind eine wichtige Rolle hatte und mich glücklich gemacht hat.
Und nein: mein Kind ist nicht weniger wichtig, als all das! ich freue mich jeden Tag riesig darauf, ihn abzuholen und ich genieße unsere Wochenenden und Urlaube. Aber ich SEHE einfach, dass die Kita uns ALLEN gut tut und dass es bei ALLEN (bis auf wenige Ausnahmen) Kindern und Eltern in meiner Umgebung haargenauso ist.
June 14th, 2008 um 1:48 pm
Ergänzung: ich möchte mich auch Susanne anschließen: auf 40-odermehr-Stunden-Woche hab ich keine Lust, das wäre mir viel zu wenig Zeit für meine Familie! Maximal 35, warum auch nicht, wenn beide arbeiten ist das doch genug.
June 14th, 2008 um 3:24 pm
“auf 40-odermehr-Stunden-Woche hab ich keine Lust, das wäre mir viel zu wenig Zeit für meine Familie! Maximal 35, warum auch nicht, wenn beide arbeiten ist das doch genug.”
Mal ganz von der Studienwahl abgesehen: SO wird das dann aber nix mit DAX-Vorständin. :)
Ist ja ok, hinterher dann aber bitte nicht rum maulen.
June 14th, 2008 um 4:03 pm
@ Ben Harper: Unsere Gesellschaft profitiert auch nicht nur von DAX-Vorständen.
Und es ist keine weibliche Eigenschaft, keine 50 Stunden pro Woche malochen zu wollen, so wie du es suggerierst. Das wird eher die Zukunft der Erwerbstätigkeit sein (meiner Meinung nach).
June 14th, 2008 um 4:28 pm
Tobi:
Ich glaube, dass es für Zufriedenheit sorgt, die Wahl zu haben!
Und ich glaube übrigens auch, dass Arbeiten auch ohne Karriere Spaß machen kann. Ich glaube, dass es sogar glücklich machen kann, mehr als nur Mutter (oder nur Vater) zu sein.
Wie geschrieben, ich weiß aus eigener Anschauung, dass das schwedische System natürlich nicht perfekt ist. Aber Deine (btw immer noch nicht mit einer Quelle belegte) Behauptung, fast alle Schwedinnen und Schweden würden sich ein System zurückwünschen, wie es hier in Deutschland herrscht, ist einfach Unsinn. Die wünschen sich Korrekturen am bestehenden System. Aber kein anderes.
June 14th, 2008 um 5:38 pm
“Unsere Gesellschaft profitiert auch nicht nur von DAX-Vorständen.”
Sicher nicht. Dennoch ist es gerade die Besetzung dieser Posten, die herangezogen wird, wenn behauptet wird, Frauen würden in der Arbeitswelt diskriminiert.
“Und es ist keine weibliche Eigenschaft, keine 50 Stunden pro Woche malochen zu wollen, so wie du es suggerierst.”
Ist es nicht? Dennoch arbeiten Frauen im Schnitt ganz erheblicher weniger Std. als Männer. Die Bereitschaft dazu oder eben nicht dazu könnte ein Grund sein.
Außerdem ist sicher nicht das “Wollen” das maßgebliche Kriterium, sondern das “Müssen”. Kaum ein Mann arbeitet freiwillig so lange, es sei denn (was gerade bei Selbstständigen und Firmengründern so ist), es geht um mehr als nur Broterwerb - z.B. Begeisterung.
Wesentlich dürfte sein, dass Männern von klein auf eingetrichtert wird, dass sie später mal (finanzielle) Verantwortung für eine Familie zu übernehmen haben - es sei denn, sie wollen allein bleiben. Und der werden sie eben gerecht, so gut (oder so lange) es eben geht.
Frauen scheint diese spätere Verantwortung weniger gegenwärtig zu sein, was sich insbesondere in der Berufs- und Ausbildungswahl zeigt.
“Das wird eher die Zukunft der Erwerbstätigkeit sein (meiner Meinung nach).”
Dein Wort in Gottes Ohr. Zumindest für abhängig Beschäftigte dürfte das sicher ein Modell sein, welches bereits u.a. in den Niederlanden zur Anwendung kommt und dort u.a. zu einer Erhöhung der Frauenerwerbsquote geführt hat.
Nur wird keine wie auch immer geartete “verantwortungsvolle Führungsposition” in einer 30 Std.-Woche zu bewältigen sein. Und die Bereitschaft, diese Leistung zu erbringen, muss vorhanden sein.
June 14th, 2008 um 7:15 pm
@ Ben: Mag sein, dass Männern das von jungen Jahren an mitgegeben wird. Aber ehrlich gesagt, würde ich meinen, dass es dann mal Zeit wird, euch von diesem Geschlechterklischee (”Ernährer”) zu befreien. In meinem Freundeskreis gehen alle Männer arbeiten, weil sie sich beruflich verwirklichen wollen und nicht, weil sie hoffen, so eine tolle Frau abzukriegen, die sie dann samt Kindern durchfüttern dürfen/sollen/müssen/wollen.
Ignoriert man mal, dass sehr viele Menschen malochen müssen - Männer und Frauen - denke ich, dass in den Bereichen, wo es bei der Erwerbsarbeit sehr viele eigene Entscheidungen zu treffen gibt, auch eine Entwicklung der Männer geben muss, dass sie sich nicht mehr als die dumpfen Arbeitstiere “dressieren” lassen. Besser ist doch: Frau suchen, die auch berufstätig ist und so entspannt zu zweit für ein ordentliches Einkommen sorgen.
June 14th, 2008 um 7:49 pm
“Mag sein, dass Männern das von jungen Jahren an mitgegeben wird.”
Nicht nur von jungen Jahren an. Diese Erwartungshaltung bleibt einem schon erhalten.
“Aber ehrlich gesagt, würde ich meinen, dass es dann mal Zeit wird, euch von diesem Geschlechterklischee (”Ernährer”) zu befreien.”
Ja? Gern! Und wer soll dann den Ernährer spielen? Eine Soziologin in Teilzeit oder doch der Elektroingenieur? Von einem emanzipierten Doppelnamen wird eben keiner satt.
“In meinem Freundeskreis gehen alle Männer arbeiten, weil sie sich beruflich verwirklichen wollen und nicht, weil sie hoffen, so eine tolle Frau abzukriegen, die sie dann samt Kindern durchfüttern dürfen/sollen/müssen/wollen.”
Dein Freundeskreis ist aber nun mal nicht repräsentativ, genau so wenig wie dein Bauchnabel. Und Kinder sind da überwiegend auch keine da, vermute ich. Und berufliche Verwirklichung können sich Männer - gesellschaftlich betrachtet - nur in absoluten Ausnahmesituationen gönnen. Wenn sie scheitern - bleiben sie allein, denn seltsamerweise erwarten die ganzen Soziologinnen irgendwann, dass sie wer durchfüttert. Reality bites.
Und “Arbeitstier”… erstmal muss Arbeit da sein, jemand muss für diese Arbeit bezahlen wollen und für die Arbeit, mit der “Selbstverwirklichung” verbunden ist, zahlt nun mal kaum wer.
Womit es - wen wundert’s - am Kerl hängen bleibt.
Aber ist ja alles ok.
Schöne Welten… aber irgendwer muss für z.B. das Gesundheitssystem, welches ihr tagtäglich nutzt, eben aufkommen…
Ich bin nur dafür, dass ihr das fortan eben selber tut.
June 14th, 2008 um 8:03 pm
Lieber Ben, nachdem du ja jetzt hier schon mehrere Kommentare gepostet hast, kann ich mich nicht zurückhalten, dir zu empfehlen, dir ein anderes Forum zu suchen. Du bist hier mit deinen Soziologinnen-Durchfütterkerl-Klischees total am falschen Ort. Das ist nicht die Diskussionsbasis, auf der wir uns hier bewegen wollen - wir erwarten im Gegenteil wenigstens ein Mindestmaß an flexiblem Denken.
Hier sprechen Frauen, die sehr wohl selbst für sich sorgen wollen, und Männer, die genau das von den Frauen erwarten. Tut mir sehr leid, dass das nicht in dein enges Weltbild passt. Ich denke, du bist in einem der zahlreichen Maskulisten-Forum des WWW sehr viel besser aufgehoben als hier.
June 14th, 2008 um 8:37 pm
Susanne,
“Besser ist doch: Frau suchen, die auch berufstätig ist und so entspannt zu zweit für ein ordentliches Einkommen sorgen.”
klar. Aber das ist eben mitunter nicht so einfach, wie man gerade heute mal wieder bei n-tv lesen konnte:
http://www.n-tv.de/MarktwertAnalyse_Aufschlussreiche_Singleboersen/030620084815/973776.html
“Frauen mit Abitur und Männer mit Hauptschulabschluss sind besonders häufig in Singlebörsen im Internet aktiv. Das sei auf die schwierige Lage beider Gruppen auf dem Heiratsmarkt zurückzuführen, erläutern Sozialwissenschaftler der Universität Bamberg, die rund 1800 Telefoninterviews einer repräsentativen Erhebung auswerteten. Durch das höhere Bildungsniveau der Frauen hätten Männer mit Hauptschulabschluss an Marktwert verloren. Mit den steigenden Ansprüchen der Frauen nehme jedoch die Wahrscheinlichkeit ab, einen passenden Partnern im realen Leben zu finden. Daher greifen sie auf das Internet zurück.
Allerdings waren auch Frauen mit [Abitur (schlecht formulierte dpa-Meldung, macht sonst keinen Sinn, Anm. jj)] häufig unter den Onlinedatern zu finden. Eine Erklärung der Forscher: Die Frauen orientieren sich nach oben und lernen in ihrem Umfeld zu wenige Männer mit höherem Bildungsniveau kennen, berichtet Zeitschrift “Psychologie heute” (Ausgabe 7/2008). Männer mit Abitur seien dagegen seltener auf die Partnersuche per Internet angewiesen. Die Forscher führen das auf den höheren Marktwert der gut gebildeten Männer zurück. Gerade bei Männern machten höhere Bildung, ein qualifizierter Beruf und das damit verbundene höhere Einkommen einen wesentlichen Teil ihrer Attraktivität aus. Bei Frauen sei das in der Regel nicht so.”
Der Artikel von Psychologie heute ist leider nicht online.
June 14th, 2008 um 8:42 pm
@ jj: Ja, diese Vermutungen gibt es und ich finde es auch sinnvoll und angebracht, darüber zu diskutieren, ob und warum das so ist. Aber: diskutieren und überdenken, anstatt sie immer nur wieder zu wiederholen. Das bringt niemanden weiter. Dass wir neue und vor allem freiere Geschlechterrollen brauchen, dürfte doch jedem klar sein.
June 14th, 2008 um 9:18 pm
Wieso “geben muss”? Die Entwicklung gab und gibt es. In meinem Bekanntenkreis wüsste ich niemanden, der diesem Klischee entsprechen tut oder will, obwohl er das so eingetrichtert bekommen hat. Der für mich relevante Punkt wäre, wie allgegenwärtig ist dieses eingetrichterte Klischee noch bei den Frauen?
June 14th, 2008 um 9:20 pm
ok ihr wart schneller.
June 14th, 2008 um 9:22 pm
Was ben hier sagen will ist dass frauen als kollektiv durch ihr verhalten bei der sexuellen selektion eine große macht darstellen der man(n) sich nicht einfach so verweigern kann, wenn man nicht mönch werden will. Eben weil frauen hier mit erschreckender übereinstimmung handlen.
June 14th, 2008 um 9:27 pm
Susanne,
“Dass wir neue und vor allem freiere Geschlechterrollen brauchen, dürfte doch jedem klar sein.”
naja, ich denke, wir können uns darauf einigen, daß zumindest *wir* gerne Geschlechterrollen hätten, die wirkliche persönliche Freiheit geben. Der Unterschied zu “freiere Geschlechterrollen” liegt hier für mich in der Berücksichtigung von eventuellen “essentiellen” Bedürfnissen der Menschen - auf 3Sat lief von Dienstag bis Donnerstag eine faszinierende Dokumentation zum Thema Neurobiologie, Savants, und ansatzweise auch zum Thema unterschiedliche biologische Manifestationen von Aggression bei Frauen und Männern. Wenn diese - sofern manifestierte - Essentialität nicht in “Freiheit” integriert wird, wird “Freiheit” notwendigerweise zur Farce. Wir wissen noch zuwenig über die Interaktion von Nature und Nurture um Festlegungen treffen zu können: Aber es ist aus meiner Sicht absolute eindeutig, daß “Sex” eine Einflußvariable von “Gender” ist und damit notwendigerweise auch “Gender” immer ein Stück weit bedingt. Menschen können auch nicht fliegen. Vielleicht ändert sich das ja mal. Aber bis dahin brauchen wir dafür eben Maschinen. Und bis dahin ist unser Freiheitsgrad in diesem Zusammenhang begrenzt.
“Aber: diskutieren und überdenken, anstatt sie immer nur wieder zu wiederholen. Das bringt niemanden weiter.”
OK, dann mal los… Kannst Du die These aus Deiner Lebenswirklichkeit heraus bestätigen oder eher nicht? Und wenn ja, warum ist das so?
June 14th, 2008 um 9:30 pm
Was mich in diesem zusammenhang immer wieder stört ist das herantragen der verantwortung an die männliche seite.
“Ihr männer, sucht doch nicht immer nur das heimchen am herd sondern lasst euch doch mal auf eine gleiche partnerin ein…”
Gerne, wenn frauen sich nur auch auf einen gleichen partner einlassen würden;
Dieses reflexartige suchen der verantwortlichkeit beim mann, und die völlige blindheit gegenüber jeglicher verantwortung auf weiblicher seite, ist es das vorankommen der gleichstellung verhindert.
June 14th, 2008 um 9:31 pm
@ jj:
Ja, das kann ich bestätigen, wie oben schon gesagt. Und ich vermute, dass das so ist, weil meine Freunde und Bekannte gern ihren Kopf benutzen, um es mal kurz zu machen.
@ Aries: Wo haste denn jetzt dieses Zitat her? Und wie kommst du auf die Idee, dass wir hier die Verantwortung ausschließlich beim Mann suchen? Wie ich oben schon schrieb: Wir legen hier Wert darauf, auf Klischees in der Diskussion zu verzichten - sonst braucht man nämlich nicht zu diskutieren.
June 14th, 2008 um 10:03 pm
Susanne,
ad “keine Klischees”. Naja, bei der Diskussion über Geschlechterrollen dürfte es schwer werden, Klischees vollkommen zu vermeiden. Rollen, egal wie flexibel, müssen ja zumindest identifzierbar sein. Damit wird man immer “Klischees” haben, oder Typencluster, anders ist das ja auch nicht konzeptionierbar.
“weil meine Freunde und Bekannte gern ihren Kopf benutzen, um es mal kurz zu machen.”
OK, das ist mal sehr kurz. Ich interpretiere daher einfach mal Deine Aussage. Schrei, wenn ich mich irre: Deine Freunde sind so hochreflektierte Menschen, daß sie ihre Paarungspräferenzen komplett aus der Großhirnrinde heraus steuern können und ihr limbisches System so rational überlisten können? Deine Freunde verhalten sich also zugunsten des von ihnen rational als ideal empfundenden zukünftigen Gesellschaftssystems individuell irrational und verzichten bewußt zugunsten von Frauen auf gesellschaftlichen Status (der ihnen bei allen unreflektierten Frauen bessere Paarungschancen einräumen würde) und Deine Freundinnen überlisten ihrerseits allgemein als typisch angesehene weibliche Paarungskriterien indem sie bewußt Männer mit niedrigerem Sozialstatus wählen um so Männern den individuellen Anreiz zu nehmen, mehr als Frauen in öffentlichen Statusaufbau zu investieren?
“Besser ist doch: Frau suchen, die auch berufstätig ist und so entspannt zu zweit für ein ordentliches Einkommen sorgen.”
Also, das Zitat klingt doch schon ein wenig nach Verantwortungsverschiebung auf den Mann. Ich trage gerne meinen Teil dazu bei (aber ich habe sowohl Status als auch Auswahl, was potentielle Partnerinnen betrifft, was es mir einfach macht, meine gesellschaftlichen Ideale persönlich umzusetzen und darüber auf blogs zu philosophieren. Aber die Regel ist das nicht. Da sollten wir uns keine Illusionen machen.), aber ich fände es schon schön, wenn Frauen auch ihren Teil der Verantwortung an der Perpetuierung von Rollenverhalten durch Partnerwahl akzeptieren würden. *Dann* kann man sich auch über die Frage unterhalten ob und wie weit das Kriterien tatsächlich vom limbischen System und/oder vom Großhirn diktiert werden…
June 14th, 2008 um 10:12 pm
1. die meisten studien legen ja zu allererst mal nahe, dass leute bei der partnerwahl in ihrer (bildungs-)schicht bleiben. egal ob hetero, homo, ..whatever. putzfrauen heiraten keine philosophieprofessoren und putzmänner keine chefärztinnen. so oder so. und dieses “seinesgleichen”-gebandel ist so stabil und langweilig konsistent, dass es schon kaum einer mehr erwähnenswert findet.
2. und danach aber wirklich erst danach gibt es womöglich dieses “women marry up”-phänomen. aber ob das eher mehr an den zu anpruchsvollen damen (was jetzt aries und jj eher nahelegen) oder eher mehr an den zu leicht in ihrem narzissmus kränkbaren herren liegt (was hier noch keiner formuliert hat, aber zugegeben als hypothese natürlich existiert) - keine ahnung, eigentlich auch eher wurscht -kann man wild spekulieren…
die übriggebliebenen habilitierten fauen mit den hauptschulabbrecher-herren verbandeln zu wollen, gibt wohl vor allem wegen 1. keinen sinn.
June 14th, 2008 um 10:48 pm
Judith, klar, es gibt beide Effekte. Aber es gibt ja auch noch andere Kriterien außer Bildung und Schichtzugehörigkeit, so daß 2. problemlos auch innerhalb von 1. funktionieren kann.
Wer für die Partnerwahl der “verantwortlichere” Part ist, ist sicher individuell verschieden. Aber generell scheint es auch bei Menschen so zu sein, daß Frauen als Inhaber der knapper reproduktiven Ressource die Wahl haben, und Männer um die Ressource konkurrieren müssen. Aber klar, das kann in spezifischen Umfeldern auch anders aussehen - habe irgendwo letztens gelesen, daß es eine Theorie gibt, derzufolge Männerknappheit in einer harten Umwelt als Grund für die Entstehung von blonden Haaren angesehen wird. Aber generell
“eigentlich auch eher wurscht”
Du gehst nicht davon aus, daß Paarungsentscheidungen der fundamentale Grund sind, warum sich soziale Systeme und Geschlechterrollen herausgebildet haben? Ich denke nicht, daß solche Inkongruenzen keine gesellschaftlichen Konsequenzen haben.
“die übriggebliebenen habilitierten fauen mit den hauptschulabbrecher-herren verbandeln zu wollen, gibt wohl vor allem wegen 1. keinen sinn.”
Wie gesagt, ich denken eher, daß sich die Frage nach Statusinvestitionen innerhalb eines homogeneren Umfelds stellt, als das hier zum Ausdruck kommt. Wobei die von Dir hier geschilderte Problematik zum Beispiel in Ostdeutschland schon sichtbar wird - die Frauen mit höherem Status sind jetzt zu einem nicht geringen Teil im Westen.
June 14th, 2008 um 10:51 pm
@ jj: Ich wäre dir sehr verbunden, wenn du in Sachen Polemik wieder einen Gang zurückschaltest.
Und inhaltlich: Man kann an die totale Bestimmung des Menschen durch seine Biologie glauben oder auch nicht. Ich tue das nicht und denke, dass wir zwar einzelne Veranlagungen haben, die sich aber nicht zwangsläufig in ihren polaren Ausprägungen auf Männer und Frauen verteilen müssen, sondern dass es eine Milliarde Grautöne dazwischen gibt und es deswegen nur selten Sinn macht, von “Frauen sind so, Männer so” zu sprechen. Bei der Partnerwahl spielen sehr viel mehr Faktoren eine Rolle als Hormone oder “archaische Beuteschemata”. Wenn sich Frauen heute noch einen statushöheren Mann suchen, dann ja wohl auch deshalb, weil sie wissen, dass sie in dieser Gesellschaft mit der Geburt eines Kind erst einmal aus dem Berufsleben ausfallen, weil von ihnen erwartet wird, die Kinderbetreuung zu übernehmen.
Aber: Wir sollten eben vor allem darüber reden, welche Rollenverteilung sich junge Menschen für die Zukunft wünschen. Und da sieht es so aus, als sei das Modell “Einkommen halbe-halbe, Erziehung halbe-halbe” das bevorzugte. Und um das umzusetzen, gehört es eben auch dazu, Geschlechterklischees (auch die im eigenen Kopf) zu hinterfragen.
Und: Wer bitte stellt sich denn die Frage “Kann der mich auch durchfüttern?”, wenn erst mal die Liebe zugeschlagen hat? Ich nicht. Und ich kenne auch kaum eine, die so tickt. Das mag es geben. Aber an dieser Stelle gern der Hinweis auf die Brigitte-Studie: Junge Frauen sagen durch die Bank weg, dass sie für sich selbst sorgen können und wollen. Meist sind es später die Umstände, die zur Abhängigkeit von einem Mann führen. Was an dieser fortschrittlichen Einstellung jetzt schon wieder männerfeindlich (”Verantwortungverschiebung”) sein soll, kapier ich nicht.
Können wir nicht einfach festhalten: Die Umstände sind so und sie sind scheiße. Männer finden sie blöd. Frauen finden sie blöd. Also: gemeinsam ändern.
(Und: Ermüdend, bei jedem zweiten Thread wieder beim gleichen Thema zu landen, weil irgendjemand spätestens im siebten Kommentar schreit: “Aber die Frauen wollen sich doch auf Kosten der Männer einen Lenz machen!” Auch hier haben wir ja mal ursprünglich über die Politik der Partei Die Frauen gesprochen.)
June 14th, 2008 um 11:24 pm
@Judith, don’t feed the troll! :))
Es werden für mich einige Diskussionen (Elternzeit, Bildung usw.) absurd wenn das “marry up” Phänomen kein Problem ist.
June 15th, 2008 um 12:03 am
Susanne,
“@ jj: Ich wäre dir sehr verbunden, wenn du in Sachen Polemik wieder einen Gang zurückschaltest.”
oops. Sorry, wenn das so rüberkommt. Werde versuchen, auf Polemik zu achten.
“Und inhaltlich: Man kann an die totale Bestimmung des Menschen durch seine Biologie glauben oder auch nicht.”
Hmm. Ich glaube das auch nicht. Wo habe ich das denn behauptet? Ich finde lediglich, daß man bei Diskussionen ums “gemeinsam ändern” am besten Klarheit darüber haben sollte was wirklich veränderbar ist und wo soziologische Chirurgie hauptsächlich problematische Eingriffe in ein funktionierendes Ökosystem sind.
“Bei der Partnerwahl spielen sehr viel mehr Faktoren eine Rolle als Hormone oder “archaische Beuteschemata”.”
Denke ich auch. Andererseits scheint es wenige Dinge zu geben, bei denen der Begriff “Naturgesetz” im sozialwissenschaftlichen Bereich so gut zu passen scheint, wie bei psycholgischen Beschreibungen menschlichen Paarungsverhaltens.
“Wenn sich Frauen heute noch einen statushöheren Mann suchen, dann ja wohl auch deshalb, weil sie wissen, dass sie in dieser Gesellschaft mit der Geburt eines Kind erst einmal aus dem Berufsleben ausfallen, weil von ihnen erwartet wird, die Kinderbetreuung zu übernehmen.”
Oder vielleicht, weil sie Status als Indikator für eine erfolgreiche Genkombination ansehen, die sie ihrem Nachwuchs gerne zukommen lassen wollen? Ist aber ein guter Punkt an dieser Stelle die Sache mit dem Status zu hinterfragen, denn wenn die “Indikatorthese” stimmt, machen die Erkenntnisse aus der “Fremdgehforschung” - Präferenz für Testosteronmarker unabhängig von Status - keinen Sinn mehr.
“Aber: Wir sollten eben vor allem darüber reden, welche Rollenverteilung sich junge Menschen für die Zukunft wünschen. Und da sieht es so aus, als sei das Modell “Einkommen halbe-halbe, Erziehung halbe-halbe” das bevorzugte. Und um das umzusetzen, gehört es eben auch dazu, Geschlechterklischees (auch die im eigenen Kopf) zu hinterfragen.”
Na klar. Oder andersherum: Es ist wichtig herauszufinden, was tatsächlich Klischee ist, und ob irgendetwas tatsächlich unsere Freiheitsgrade in diesem Zusammenhang einschränkt.
“Und: Wer bitte stellt sich denn die Frage “Kann der mich auch durchfüttern?”, wenn erst mal die Liebe zugeschlagen hat? Ich nicht.”
Klar. Aber die Frage ist doch eine Ebene davor anzusiedeln: Was sind die Gründe “die Liebe zuschlagen lassen” und sind die so strukturiert, daß sie - aggregiert - bestimmte soziale Konstruktionen befördern? Für eine hoffnungsfrohe “biologisch-egalitäre” Position zu dem Thema ein cooles Video der TED-Vorlesung von Helen Fisher (”The science of love, and the future of women”)
http://www.ted.com/index.php/talks/view/id/16
“Was an dieser fortschrittlichen Einstellung jetzt schon wieder männerfeindlich (”Verantwortungverschiebung”) sein soll, kapier ich nicht.”
Gar nichts. Ich habe doch auch gar nichts von “männerfeindlich” gesagt. Nur daß Deine Aussage -
“Besser ist doch: Frau suchen, die auch berufstätig ist und so entspannt zu zweit für ein ordentliches Einkommen sorgen.” -
ein wenig danach klang, daß vor allem Männer die Verantwortung für die partnerschaftlichen Veränderungen tragen, die notwendig sind…
“Also: gemeinsam ändern.”
Nochmal: Das Problem ist doch das klassische: Wir leben nur einmal, und innerhalb eines Systems, das bedingt, daß individuelle und kollektive Rationalität nicht immer kongruent sind: Ein sehr linker und immigrationsbegeisterter Bekannter von mir war plötzlich sehr konservativ als es darum ging seinen Sohn auf die “richtige” Schule zu schicken, nicht auf die mit dem hohen Ausländeranteil. Heuchlerisch? Oder verantwortlich? Eine feministische Freundin, die ihren Mann in die Kanzlei schickt statt seine zwei Monate Erziehungsgeld abzurufen und in der Zeit als Freelancerin zu arbeiten. Heuchlerisch? Oder gemeinschaftlich verantwortungsvoll? Ist alles nicht so einfach. Gemeinsam verändern klingt gut, ist aber unter Umständen ziemlich kompliziert wenn es drauf ankommt.
“(Und: Ermüdend, bei jedem zweiten Thread wieder beim gleichen Thema zu landen, weil irgendjemand spätestens im siebten Kommentar schreit: “Aber die Frauen wollen sich doch auf Kosten der Männer einen Lenz machen!” Auch hier haben wir ja mal ursprünglich über die Politik der Partei Die Frauen gesprochen.)”
Ist das so? Dann wäre es echt ermüdend. Aber ich denke, daß das mit “faulem Lenz” nun mal wirklich gar nichts zu tun hat, sondern mit der Frage, wie individuelle (Paarungs-)Entscheidungen sich gesellschaftlich auswirken. Und das ist ein aus meiner Sicht in der ganzen Debatte - im Feminismus - ein deutlich zu wenig diskutierter Bereich.
June 16th, 2008 um 9:23 am
Waltraud Pomper : „Leyen Anerkennung dafür zollen, dass sie die Thematik “Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch für Männer” ernsthaft und gegen den massiven Unwillen ihrer Parteikollegen öffentlich angestoßen hat“ Stimmt! Ein mutiger Versuch von Fr. Dr. von der Leyen wo sie viel Kritik geerntet hat! Nicht immer nur schimpfen sondern einfach mal machen und diese Schiene ausprobieren! Klappts nicht überlegt man sich eben etwas anderes.
„Vision ist ein Wertewandel hin zu einer herrschaftsfreien Gesellschaft, in der das gleichwertige Miteinander aller Lebensweisen im Mittelpunkt des politischen Handelns steht. Wir gehen davon aus, dass die Verwirklichung dieser feministischen Vision Voraussetzung dafür ist, dass eine Welt jenseits der Politik von Kriegen, Umweltzerstörung und Gewalt ermöglicht werden kann.“ Diese Vision klingt gut!
„Auch momentan werden Posten nicht auf Grund von Qualifikation vergeben.“ Da hat sie Recht. Ob dies Netzwerke sind die über „Man versteht sich“ und die Nase passt hinausgeht, ist sicher eine nette Diskussion würdig. Manchmal reicht auch das Ego-Phänomen „Ich hab den Mann eingestellt, kann also keine Pfeife sein“.
Sie hat Recht wenn sie sagt : Kompetenz ist nicht immer das Hauptkriterium….
Eine Variante kam auch schon mal irgendwo vor : Verstehe ich nicht dass der nicht zum Abschiedsessen kommt. Ist doch ein netter Kerl und ich unterhalte mich gerne mit ihm. Daß wir ihn entlassen mussten hat doch nichts mit seinen menschlichen Eigenschaften zu tuen.
Von einer Sportkollegin hörte ich vor Kurzem auch die Erfahrung, dass sie als Prüferin in der Baustoffindustrie schon mal auf Vorbehalte gestoßen ist…
Soviel zur Thekenbeweiskette. Kennt Jemand etwas Objektives außer „Eindrücke“ unter welchen Kriterien (Kompetenz, Nasenfaktor, Vitamin B…) wo welche Beförderungen wie zustande kommen?
@Susanne: „Können wir nicht einfach festhalten: Die Umstände sind so und sie sind scheiße. Männer finden sie blöd. Frauen finden sie blöd. Also: gemeinsam ändern.“ Danke für Dein Statement! Das Gequengel was früher alles falsch gemacht wurde bringt effektiv nichts außer einem kaputten Boxsack. Es gibt viele gute Ansätze und Trends. Was kann man sonst noch tuen was über unser Alltagsengagement und die ein oder andere Zivilcourage hinausgeht?
Die Medien neigen ein wenig dazu um für Werbeblogs und Anzeigen interessant zu sein Sachen wie begehrte „Aufreger“ herunterzubeten die populistisch möglichst Viele interessieren sollen. Da kann man doch sicher auch auf ein paar positive Trends aufmerksam machen?